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Dienstag, Oktober 23, 2012

Müllidylle

Ein paar Kilometer weg von meiner Wohnung, wohl noch gerade in NeiHu, bin ich über diese Idylle gestolpert.

Der beschilderte "Sitzungsort" links ist sicherlich eine dieser Sitzecken, wo sich abends oft Senioren versammeln und gemütlich über dieses und jenes reden. Normalerweise aber ohne Hinweisschilder. Oder ist dieses ein Versammlungsort für einen Nachbarschaftsrat? Direkt am Fußweg, der hier sogar vorhanden ist. Direkt daneben wird der Müll getrennt, etwas ungewöhnlich für westliche Augen (und Nasen). Eine der schönen Ecken in NeiHu. Und nebenbei ist auch noch ein versehentliches Selbstportrait herausgekommen...


Obstschalen-Overkill

Wieder mal Fotowahnsinn abends bei Ludigel...

Abends in der Wohnung zu sitzen, wenn Frau und Schwiegermutter Junior versorgt haben und nicht an den Kühlschrank zu dürfen, ob der diätischen Anweisungen der Krankenschwester in meiner Firma, hat bei mir zur drastischen Gewichtsabnahme geführt und zu einem regelrechten Aktivitätsdrang. Unter anderem habe ich es hier fertig gebracht, eine merkwürdige Obstflasche in geschlagenen zwei Stunden zu fotografieren, um ein hübsches Desktopbild zu erhalten. Die Flasche im untersten Bild ist mit leckeren Äpfeln gefüllt, die richtig appetitlich aussehen, allerdings in widerwärtigem Formaldehyd schwimmen, entsetztlich, aber hübsch. Na, besser sowas vom Schwager geschenkt zu bekommen als ne Flasche mit toten Fröschen oder dergleichen, ich will mich also nicht beschweren.

 Sony Digitalkamera (oben) fotografiert ab und die alte Minolta (unten) ist zum Blitzsteuergerät umfunktioniert.


Doch wie das ganze in die Kamera kriegen? Also die dicke Sony aufs Stativ gewuchtet und bei Zimmerbeleuchtung probeweise fotografiert. Langweilig. Dann den Blitz oben auf die Kamera gesteckt... langweilig und verspiegelt! Die Idee war, das Blitzgerät HINTER die Obstflasche zu stellen und so die Äpfel rot und mysteriös von hinten durchleuchten zu lassen, im natürlichen Farbton der Äpfel. Dazu bräuchte man ein besonders langes Blitzsynchronisatonskabel (habe ich nicht) oder man verwendet das drahtlose Blitzen, das Minolta schon 1992 eingeführt hatte. Dann stellt man den Blitz einfach auf seinem Standfuß hinter das Objekt oder wohin auch immer und die Kamera steuert den Blitz per Fernzündung über ihren eingebauten Miniblitz. Wie ein professionelles Blitzstudio für Arme, man kann sogar mehrere Blitze verwenden und im Gegensatz zu einem Studioblitz misst die Kamera dabei sogar die Belichtung per TTL (durch das Objektiv) und steuert die angeschlossenen Blitze entsprechend. Zwar kann meine Sony  auch das drahtlose Blitzen, weil die Sonys ja die Fortführung der Minoltas mit anderen Mitteln sind, aber sie hat keinen eingebauten Blitz. Pech. Leider hatte ich mir einen kleinen Steuerblitz, den man kostenpflichtig erwerben kann, noch nicht gekauft. Was also tun?

 Noch nicht auf die Obstschale gezielt (rechts im Bild)

Also musste meine alte Minolta Dynax 600si ran, ein schönes altes Ding, das noch mit Kleinbildfilm läuft. Zwar war kein Film mehr drin, aber irgendwie musste es doch möglich sein, die Minolta (1998 gekauft) als Steuergerät für die 2 Blitzgeräte von Minolta bzw. Sony zu verwenden, die ich besitze und das Bild dann irgendwie auf die digitale Sony zu bekommen...
Kaum aus der Fototasche genommen blätterte mir der Handgriff der alten Minolta förmlich trocken ab und musste schnell mit Klebeband geklebt werden, Horror zur späten Stunde. Die COLOR FOTO schrieb neulich, Nikon habe das drahtlose Blitzen schon im Jahre 2004 erfunden. Na diese Genies. Nur dass Minolta es schon 1992 hatte, jawoll! So war das immer schon, Minolta bringt eine neue Technologie, Canon und Nikon kupfern es ein paar Jahre später ab und dann erst schrieben die Fachzeitschriften was für einen Geniestreich Canon bzw. Nikon da hinbekommen hätten.
Minolta 3500xi und Sony HVL ...42...

Minolta mit Steuerblitz

Problemlos ließen sich sowohl der alte Minoltablitz als auch der neue Sonyblitz auf Wireless schalten und von der Minolta mit ausgeklapptem eingebautem Blitz fernsteuern, kein Problem. Offensichtlich war der neue Sonyblitz abwärtskompatibel zum alten Minoltazeug. Gut! Doch wie nun das Bild aus der leeren Minolta Dynax 600si in die digitale Sonyschwester kriegen? Ein Synchronisationskabel für die Kameras gibt es ja nicht.

Also die Sony einfach mitfotografieren lassen. Also die Minolta auf S wie Blendenautomatik gestellt und eine viertel Sekunde oder so eingestellt (die Kamera wird den Blitz messen und die Verschlusszeit entsprechend steuern) und dann die Sony manuell auf 2 Sekunden Blichtungszeit stellen. Irgendeine Blende einstellen, die Sony (beide Kameras hatten jetzt die Obstflasche auf der Kommode im Sucher) per Selbstauslöser auslösen und einen kurzen Moment später die Minolta per Selbstauslöser starten. Planmäßig feuerte erst die Sony und fotografierte die stockdunkle Wohnung und dann feuerte mitten in der langen Bleichtungszeit die Minolta und steuerte die beiden Blitze, die hinter der Obstflasche standen. Anschließend das ganze x-mal wiederholen mit verschiedenen Blenden an der Sony, bis die Belichtung stimmt.

Im Fortgang meiner Beschäftigungstherapie fing mein Magen an zu knurren und die Äpfel sahen immer leckerer aus, aber schlussendlich war es dann im Kasten das Bild. 


Hat mich doch erstaunt, dass das Ganze so funktioniert hat wie geplant, inklusive rotem Licht. Mittlerweile habe ich mir den kleinen Steuerblitz (HVL...20...) für die Sony*** gekauft, aber jetzt geht das wireless Blitzen viel zu einach, macht einfach keinen Spaß mehr...

Damned, jetzt wo ich diese Zeile schreibe und die ganze Zeit die Äpfel angucke, habe ich schon wieder Hunger gekriegt...


*** Die Sony kann den alten Minoltablitz nicht fernsteuern, wohl aber den HVL...42... Sony-Blitz (über den HVL...20... als Controller. Notiz für alle die hier durch Google landen und nach funktionierenden Wireless-Konfigurationen suchen)

Montag, Oktober 22, 2012

Betonimpressionen am See

Da steht ein Ausländer am See in unserem Stadteil NeiHu, dem einzig schönen Fleck weit und breit und hat nichts weiter zu tun, als den hässlichen Nobelwohnblock mit dem Tele zu fotografieren...

   Diese Apartments sind wesentlich teurer als normale Wohnungen und sind mit Zaun und Security abgeschirmt. Daher geniest man auch gehobenen Wohnstandard ... auch wenn es mich optisch eher an Sozialwohnungen (im Ihme-Zentrum) in meiner hannoverschen Heimat erinnert. Taiwannobel halt.

Auf dem obigen Foto muss wohl die Farbkartusche des Druckers beim Ausdrucken der Fotos (und Einkleben in das Blog) leer gewesen sein :-)

Im Park am See kann man seine Lunge mal von der sonst mopedverpesteten Luft reinigen und etwas tief durchatmen, auf den grünen Hügeln.

Blibliothek am See. Da haben sie lauter Papyrus mit Krähenfüßen drauf...

Wenn ich mich dann genug erholt habe, mache ich mich einen Kilometer wieder zurück auf den Heimweg. Und am Ende ist die Lunge wieder genauso voll mit Mopendsmog wie am Anfang :-)
 Aber irgendwas muss man ja auch zu meckern haben vor lauter Idylle.
 

Was fehlt hier...?

Erst seit mir meine Frau ein Schicksal als italienischer Gastwirt angedroht hat (prego, immerhin abe isch eine italienische Onkel, scusi...) beginne ich Taiwan mit süditalienischen Augen zu sehen. Überall Mopeds, aber keine Handtaschenräuber, die spinnen die Taiwaner...

 


Freitag, Oktober 19, 2012

Wenn Sie sehr hypothetisch gesprochen...

Wenn Sie sehr hypothetisch gesprochen eine Software hätten, die mit einem Crack-Programm käme, welches einen Virus beinhalten könnte, so dass es zwar eine Seriennummer generieren würde damit der Mist startet, aber eben auch einen Virus in Ihrer Windows-Registry plazieren will und auch noch ihren Windows-Explorer (den Sie natürlich nie benutzen) infizieren will, das verdammte hypothetische Ding, dann könnten Sie folgendes tun:

a) Nehmen Sie ein Linux-System.
b) Installieren Sie "wine" auf der Kiste (etwa mit "yum install wine").
c) Sie starten das Crackprogramm auf der Linux-Kiste unter der Wine-Windowssimulation, es versucht die nicht vorhandene Registry etc. zu infizieren, den nicht vorhandenen Windows-Explodierer etc. und generiert Ihnen brav die Seriennummer.
d) Die Seriennummer schreiben Sie vom Bildschirm ab, tippen Sie in Ihren Windows-PC ein, wenn das zu installierende Programm Sie danach fragt und Sie zeigen dem Hacker einen Stinkefinger.

Alles rein hypothetisch, ein reiner Denksport mit einem Kollegen, der wohl irgendein Problem auf seinem Windowsrechner hätte haben können, wenn er sowas installieren würde. Würde er natürlich nie. Klar.

Die Pein des Diätisten

Schon 10 Kilo sind auf meiner Wage verschwunden, seit ich meine Ernährung umgestellt habe. Ich esse viel und gerne, aber mittlerweile fast keine Süßigkeiten und fast keine süßen Getränke, wenig Fleisch und wenig fettes, dicke Soßen bleiben meist auf dem Teller. Das geht nicht ohne Entbehrungen ab, plötzlich bemerkt man etwas unangenehm hartes an der linken und rechten Seite am Becken, der Hosengürtel drückt da unangenehm. Schließlich entpuppt es sich nicht als Krankheitsbefund, sondern als Kontakt mit dem Beckenknochen, den ich vorher nie gespürt habe. Meine Frau wird plötzlich so anschmiegsam, das sind alles neue Erfahrungen, aber Gott sei Dank ist sie ja meist in Besprechungen.

Und abends sitze sich nervös in der Wohnung im Soldatenviertel, der mit Gummibärchen und Mozartkugeln und französischen Trüffeln aus Kanada gefüllte Kühlschrank lauert in der Ecke, da muss ich mir irgendwelche Beschäftigungen suchen. Ich fotografiere dann viel in der Gegend herum, irgendwas muss man ja tun.

Hier etwa eine feuerspeiende Motte im Flug fotografiert, ganz einfach mit Stroboskopblitz, elektronischem Mottenbrunstruf-Simulator und etwas Geduld. Ich kann es auch nicht ändern, irgendwas muss ich ja tun. Mit Fernsehen habe ich es versucht, aber sogar wenn man so wie ich nur mit durchschnittlichen Geistesgaben gesegnet ist, kann das hier verfügbare US-Fernsehen schnell zur hirnschmerzenden Qual werden.
Furchtbar, furchtbar dieses Abnehmen und der Verzicht auf die in der Schokolade enthaltenen Morphine. Und alles nur wegen der hartnäckigen Krankenschwester ein Stockwerk höher. Feuerspeiende Motten sind garnichts gegen die.

Mittwoch, Oktober 17, 2012

Weg in die Berge, diesmal mit Karte

Endlich gefunden, womit ich auch die entsprechende Anfrage hier im Blog hoffentlich befriedigen kann: Eine Karte die den Weg in die Berge zeigt, die hier (http://bobhonest.blogspot.de/2012/10/berge-bluten-und-mango-bier.html) und hier (http://bobhonest.blogspot.tw/2012/08/kurs-talkessel.html) von mir unlängst besucht worden sind (Nähe Tucheng bei Taipei).

Hier ist das kartographische Werk, das man sicher problemlos entziffern kann, wenn man schon ein paar Sylvester Sinologie studiert hat oder wenigstens Erfahrungen mit dem Eintziffern altägyptischer Schrift oder der Inkahandschrift hat:

Lässt sich durch Mittelklick oder dergleichen im Firefox vergrößern. Das A müsste das Ziel markieren.
Wer es ausprobiert hat und bei der Sekretärin, die die Karte geschickt hat, im Hinterzimmer landet, der meldet sich noch mal (hust).

Das A auf der Karte müsste die hier im Bild befindliche Grillanlage bei Tucheng markieren, bei der man aber wahrscheinlich vorbestellen muss am Wochenende. Das Foto zeigt ehemals vermietbare Hütten auf dem Parkplatz, die aber mittlerweile baufällig sind. Man kann in der Anlage am Pool sitzen (der Pool ist meist geschlossen, grins) und überdacht in der Masse von fünftausend Taiwanern grillen. Ist aber ganz nett, auch weil man auf dem Gelände spazieren gehen kann, siehe eben das selbst geschossene Bild. Nichtkommerzielle Aussichtsplätze gibt es dort in den Bergen wohl kaum, alles ist mit diesen kommerziellen Grillparks zugeballert, denn zum Geldverdienen haben die Taiwaner nun mal ein Händchen.

Vermieterische Verhandlungstaktik


Unser Vermieter jagte uns einen Schrecken ein, erst redete er davon, sein Sohn würde unsere Wohnung brauchen, wo doch am Jahresende der Mietvertrag ausläuft. Die Wohnung seines Juniors sei abgerissen worden, vermeldete der höfliche pensionierte Berufsoffizier der Streitkräfte der Republik China alias Taiwan. Nun ist mir schon oft aufgefallen, dass bei uns in der Nähe alle möglichen barackenartigen Wohnsilos (wohl wie auch unserer in den 70ern schnell aus Betonplatten zusammengebaut) abgerissen werden. Und was dann in Taipeis Vorstädten an deren Stelle gesetzt wird sind Geschäftshäuser oder teure Eigentumswohnungen mit westlichem Wohnstandard plus Holztäfelung im Fahrstuhl und Portier, nicht selten wird so ein Aparment dann für 50 oder 60 Millionnen Taiwandollar angeboten, durch 40 geteilt hat man Euro. Bei uns in der Nähe ist eine schicke Porschevertretung und andere Hochglanzfassaden, Bentley gibt es auch irgendwo, wo früher hässliche Schlichtwohnungen waren. Sieht hübscher aus, aber wo die Leute wohl alle wohnen sollen, wenn sich Taipei in HongKong verwandelt(?) - so wie es unser Bürgermeister angekündigt hat.

"In meiner Wohnung", schien die Antwort auf die Frage zu sein, wo die Leute denn leben sollen. Frau und ich suchten schon eine neue Bleibe, meine Frau hatte wieder identische Schlichtwohnungen mit ihren hässlichen verdreckten Hauseingängen und Käfigfenstern auf dem Radar, allerdings Parterre mit einem verwahrlosten kleinen Gartenhof, dem man noch ansehen konnte, dass eine wohl weibliche Hand hier vor Jahrzehnten mal Zierbete und Brunnen angelegt hatte. Doch dann kam das Umschwenken...

...unser Vermieter bot uns einen zweijährigen Mietvertrag an, den wir jetzt auch unterzeichnet haben. Hatten uns schon überlegt, wie wir die Aufputzgasleitungen in dem Hof der anderen Wohnung vor unseren Hunden schützen sollen. Jetzt bleiben wir aber in der Wohnung im Veteranenviertel und die Hunde bleiben einstweilen auf dem Bauernhof, wo sie seit unserem Einzug in die Stadt untergebracht sind. Sie leben dort in einer recht idylischen Hundekomune, wo die Tiere sich frei in einem alten Bauernhaus mit Garten bewegen können und scheinen dort recht glücklich zu sein.
Nichts ändert sich einstweilen, hier am östlichen Tellerrand der Weltscheibe...

Fotos nicht verfremdet, sondern direkt aus der Kamera, dem Ludigelmaten.

Montag, Oktober 15, 2012

Ausländer in der Werbung, im TV

Ein Werbespot ging die letzten Wochen durch das Taiwanfernsehen. Eine Endzwanziger-Mutter (eindeutig Einheimische), in weißem Hemd und weißer Hose, geht mit einem Kleinkind, auch ganz in Weiß durch eine weiße Wohnung, in der ein Mann in einem weißen Sessel liegt. "Guck mal, (da ist) Daddy" sagt die Mutter auf Chinesisch ("kan Daddy nali" oder dergleichen), dann schaltet sie die ebenfalls weiße Klimaanlage über dem offensichtlichen Vater ein und alles verströmt wohlig-angenehme Atmosphäre im coolen weißen Design - alle atmen glaube ich tief durch oder so). Der Vater sagt nur einmal "Hi" auf Angelsächisch, das hat er sicher lange üben müssen.
Das Besondere ist die Nationalität des "Vaters", es handelt sich um einen Endzwanziger/Anfang-Dreißiger Kanadier mit blondbraunem Haar, der öfter mal durch Werbefernsehen und Fernsehshows tingelt. Macht sonst Werbespots für Englischschulen.

Beim Fernsehen immer den Schwachsinns-Analyzer (vorne links) mitlaufen lassen....


Bemerkenswert finde ich, dass hier für einen Werbespot in moderner Heimatmosphäre ein offensichtlich weißer junger Mann genommen wird und kein Taiwaner. Offenbar sind wir "Weißen" hier in Taiwan so populär, das sogar eine gemischte Familie in der hier in der Regel anzutreffenden Kombination aus Taiwanerin plus Johnny Foreigner als Ikone für die moderne, schicke Kleinfamilie in Taiwan im Jahre 2012 dienen kann. Wären Westler hier unpolulär oder würden die männlichen Taiwaner denken "Hände weg von unseren Frauen", dann würde der Werbespot nicht funktionieren
In Südkorea etwa gab es vor ein paar Jahren eine Aktion, bei der eine Fernsehshow ihre Zuschauer aufgefordert hatte, Westler, die im Straßenbild mit Koreanerin unterwegs seien, dazu aufzufordern, die einheimischen Frauen in Ruhe zu lassen. Damals berichteten Englischlehrer aus Korea davon, in der Tat belästigt worden zu sein in Korea; der Bericht war damals im taiwanischen Ausländerforum Forumosa.com. In Taiwan könnte ich mir ein solches Verhalten nicht vorstellen. Vermutlich würde der Werbespot also in Korea nicht funktionieren - würde er am Ende sogar Proteste auslösen?

Das positive Weißenbild der Taiwaner war auch in einem anderen Werbespot zu sehen, der eine Weile schon nicht mehr läuft: Eine Frau Typ Schwiegermutter und eine junge Taiwanerin verpassen einem an Kopfschmerzen leidenden Weißen auf dem heimischen Sofa ein Hausmittel, so dass er wieder lachen kann. Wirkt auch wie eine Heimszene, also muss der Westler der Freund oder Gatte der Taiwanerin sein? Oder was immer man da interpretieren will.

Ein etwas surrealistischer Werbespot derzeit zeigt jemanden, der offenbar ein Endvierziger Italiener (oder Spanier o.ä.?) ist, freundlicher Typ mit zurück gegeltem Haar. Er trägt einen weißen Arztkittel und fungiert offenbar als "chinesisch traditioneller Arzt" in einer Praxisumgebung, komplett mit goldener mannsgroßer Figur, die wie immer in solchen Praxen als Symbol für die naturmagischen Zonen des Körpers steht - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Szene ist ein Witz an sich, denn nie und nimmer würden Weiße hier als chinesisch-traditioneller Arzt fungieren oder auch nur ernst genommen, denn diese Medizin ist mit Aberglauben, chinesischer Magie und dem festen Glauben an die große alte chinesische Kultur durchsetzt. Der "italienische Arzt" fühlt dann den Puls einer jungen hübschen Patientin (dabei "liest" der Arzt aus dem Körper der Patientin immer alles mögliche, inklusive letzter Mahlzeit, wie ich aus Erfahrung weiß) und eröffnet der jungen Frau dann in dick-akzentuiertem "Chinglisch": "Boooooody boo-Happy". Das "bo" hier also als Verballhornung der chin. Verneinungssilbe "bu". Er erklärt ihr also, ihr Körper sei nicht glücklich. Dann kommen zwei mannsgroße Kiwis aus dem Nichts und ein Sprecher empfiehlt "neuseeländische Kiwis" als Rezept zur Gesundheit, was die junge Frau später förmlich zur Decke fliegen lässt vor gesunder Leichtigkeit. Ein bisschen macht der Ausländer hier also den Clown, aber sicher in recht witziger und vielleicht sogar etwas chinesisch-(un)traditioneller-Selbstironie. Frau und ihre Freunde machen den Spot derzeit manchmal nach, indem sie mit "Booooody boo-Happy" schlechtes Essen kommentieren.

In einem anderen Spot preist ein etwas koruplenter endvierziger Westler eine Pizza einer US-Kette an, das ist eher vorhersehbar, und kräht irgendetwas kehliges auf Chinesisch. Nervige Spots mit Ausländern gab es auch, aber das ist schon viele Jahre her. Um 2004 hatten sie einen Spot, bei dem Kinder bei "Neandertalern" essen, die Urmenschen dargestellt als schwarz angemalte und in Fellen gekleidete Taiwaner. Allerdings bezeichnete eine durch den Werbespot geisternde taiwanische Hausfrau die Urmenschen als "Waiguoren" und erklärte, wenn man bei "Waiguoren" essen würde, würde man hinterher den Vitamintrunk der Marke XY benötigen. Und dann tanzten die Kinder hinter den Urmenschen her und sangen dabei "Waiguoren...Waiguoren". Nun heißt Waiguren "Ausländer" auf Chinesisch und wird in der Praxis meist synonym für "nichtasiatische Ausländer" verwandt. Der Spot führte dazu, dass mir nicht nur die Neffenschar zu Hause, sondern auch noch wildfremde Kinder auf der Straße hinterher ließen und dabei "Ausländer, Ausländer" riefen. Die Assoziation "Urmensch-Ausländer-schlechtes Essen" gefiel mir damals nicht allzu sehr Sogar meine Gattin ist mir damals hinterher getanzt... ;-)

Ein unschöner Widergänger in Sachen Ausländerspot hingegen ist der "Vitali"-Spot einer taiwanischen Brause. Schon Jahre alt, wurde er vor kurzem wieder gesendet. Hier wird ein Schwarzafrikaner in traditioneller afrikanischer Kleidung gezeigt, der mit einem Taiwaner am Tisch sitzt, der die "Vitali" genannte Brause trinkt (mit lateinischen Buchstaben ist die Getränkedose beschriftet). Der Taiwaner will den Afrikaner offensichtlich von der Qualität seiner Brause überzeugen und liest immer immer wieder das V-I-T-A-L-I auf dem Etikett der Dose vor, mit dem Finger den Buchstaben folgend und langsam sprechend, so als hätte er es mit einem Debilen zu tun. Der Afrikaner fragt in stark akzentuiertem Englisch "Isse goode drink?" und der Taiwaner wiederholt immer wieder "V-I-T-A-L-I" und der Afrikaner spricht es immer wieder als "ITALY" falsch aus. Weil Taiwaner öfter mal Weiße für dusseliger als Chinesen/Taiwaner halten und Schwarze für dusseliger als Weiße, ist mir dieser alte Spot alles andere als sympathisch.

Alles nichts gegen den Horror eines Wahlspots von 2004, bei dem zwei Weiße als Einbrecher fungierten und von der einem Wahlplakat entsteigenden Figur des Kandidaten (in chin. traditioneller Kleidung) vertrieben wurden. Weil ein Werbeplakat passend zum Spot in "meinem" damaligen Bürogebäude auch noch am Geldautomaten aufgehängt war und vor (offenbar weißen!) Dieben beim Geldabheben warnte, habe ich mich damals noch jung und naiv nicht an den Automaten getraut. Heute würde ich sicherlich das Plakat abreißen und in den Müll stopfen.

Aber es fällt auf, dass die unverschämten und wenig schmeichelhaften Spots schon mehrere Jahre alt sind und bis auf den Vitali-Spot nicht mehr gezeigt/gesendet werden und die neuen eher positiv sind. Wahrscheinlich werden Ausländer im Straßenbild eher zum allgemein akzeptierten Normalzustand und der Durchschnittstaiwaner erschreckt nicht mehr vor ihnen. Nur manchmal habe ich es noch, das ältere Mieter bei uns in der Mietskaserne einen Schreck kriegen, wenn ich in den Fahrstuhl steige oder unfreundlich reagieren. Dafür werde ich von älteren und auch jüngeren Damen manchmal angehimmelt und auch die Herren sind fast alle überfreundlich, da will ich mich bestimmt nicht beschweren über das Weißenbild in Taiwan Anno 2012.


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Donnerstag, Oktober 11, 2012

Kurzmeldung: Deutsche und Amerikaner faul

Gerade eine Kurzmeldung im Abendfernsehen in der Kantine (klar sehe ich das in der Kantine, nicht etwa zu Hause): Der durchschnittliche taiwanische Arbeitnehmer arbeitet demnach 35% mehr als sein deutscher Kollege und 20% mehr als sein US-Kollege. Entspricht auch meinen Erfahrungen, so pi mal Daumen.

Dienstag, Oktober 09, 2012

Tempeldach telesiert

Das billige Tele von Tamron, das Amazon.de binnen drei Tagen nach Taiwan geliefert hat, auch noch ohne Mehrwertsteuer und daher nur mit 20 Euro Aufpreis zum deutschen Preis inklusive 7.90 Euro Zollgebühr, musste natürlich einmal ausgiebig getestet werden.
Hier links ist das 4-5.6 70-300mm LD Di von Tamron, 130 Euro, rechts das 1998er Minolta 4.5-5.6 70-300mm (380 DM damals), welches mittlerweile verpilzt und verstaubt ist. Übrigens sollte man in Taiwan Objektive nicht im Schrank aufbewahren oder sonstwo ohne dicht abschließende Fototasche. Meine ausrangierten Objektive, nur noch im Schrank gelagert, sind binnen weniger Wochen völlig verpilzt und vernebelt***. Sogar vorne auf der Linse frisst bei einem der Pilz. Das feuchte Klima tut da das seine. Immer in die dicht schließende Fototasche und immer mal benutzen oder auslüften - zusätzlich habe ich Silicagel-Packungen drin (die man oft bei Geräten dabei hat).

Das Tamron hat bei 300mm starke Probleme beim Autofokus, da fokussiert es hin und her, bis es manchmal die Schärfe hat oder auch nicht. Also runterzoomen bis 180mm oder so, scharfstellen und dann wieder hoch zommen. Na ja gut, für 130 Ecken (deutscher Amazonpreis) geht das. Das alte Minolta macht solche Spirentien nicht.

Manchmal denke ich, die Schärfe könne besser sein... andererseits brauche ich laut Sehtest links bald eine Brille. Also hätte das teurere Tele wohl nicht gelohnt ;-)

Nett die Details, hier mit "heiligem Hahn". Von den "chromatischen Abberationen", den Farbabweichungen, von denen manche Nutzer in Foren berichten, merke ich aber nichts. Oder war der Baum vielleicht Rot in Wirklichkeit? Man weiß es nicht.

Eindrucksvoll zeigt sich hier, wie sehr man im Vergleich zu den 70mm auf dem Anfangsfoto doch die Details heran holen kann, hier mit 300mm. Die vielen kleinen Kerle links auf einer Art Felsen sind mir mit bloßem Auge nie aufgefallen.

Schnell noch ein Schärfetest für unsere Fotoexperten: Die Tiefenschärfe (oder heißt es Schiefentärfe... äh Schärfentiefe?) lässt sich anhand der Zaunpfähle rechts beurteilen.


*** Objektive kann man so auf Staub oder Pilz überprüfen: Hinten am Objektiv ist ein Springblendenstift (jedenfalls bei Sony/Minolta, aber auch bei anderen Systemen ähnlich), diesen mit dem Finger oder einem Teelöffelstil o.ä. vorsichtig bewegen, bis die Blende aufspringt. Dann das Objektiv gegen eine helle Lichtquelle halten und durchgucken. Bei älteren Zooms sieht man fast immer Staub, weil diese wegen ihrer Volumensänderung und Linsenverschiebung im Inneren viel "atmen" und staubige Außenluft ansaugen. Etwas Staub macht nichts. Manchmal sieht man Nebel oder gewächsartige Strukturen im Inneren oder auch auf der Frontlinse. Das ist ein Fungus, der vom Klebstoff der Linsen lebt oder von deren Vergütung und sich mehr und mehr über die Jahre ausbreitet: seine Ausscheidungen zerfressen die Linsen. In Taiwan ist alles schnell mit einer feinen Fungusschicht überzogen, auch Brieftaschen im Schreibtisch gelagert etc. Oder eben das Innere von außerhalb der Fototasche gelagerten Objektiven. Machen kann man meist nichts: Fast immer ist die Neubeschaffung billiger als eine professionelle Reinigung, bei der das Objektiv zerlegt werden muss. Wer ein 1000+ - Euro - Objektiv hat und Pilz im Anfangsstadium feststellt, kann allerdings eine Reinigung erwägen.

P.S.: Wer hat da neulich so viel herumgeklickt hier im Blog? Na? Raus mit der Sprache! Siehe die Blogoscope-Statistik unten (http://www.blogoscoop.net/blog/3571).

Bei so viel Lesern könnte man ja fast auf den Gedanken kommen, mal was vernünftiges zu schreiben. Und muss aufpassen, dass man nicht drüber stolpert über den Zacken. Thema damals war "Parken am Park", na ja, das klang aufregend, gell?

Montag, Oktober 08, 2012

Hitler im Taiwan-Fernsehen

Taipei auf dem Sofa. Großer Fernsehabend bei Ludigel, Schwiegermutter, Gattin und Junior sitzen auf ihren Plätzen und schauen gebannt auf Schwiegermutters riesigen Plasmafernseher. Da passiert es. Eine Europakarte wird gezeigt und eine rote Fläche breitet sich in Windeseile aus, mit Hakenkreuz versehen. "Das ist bei uns ein Glückssymbol", sagt meine Frau. Das buddhistische Hakenkreuz also, das irgendwie spiegelverkehrt war. "Bei uns ein Sonnensymbol gewesen", sage ich, "bis die Nazis es umfunktioniert haben...", erkläre ich. "Schsch!", zischt meine Frau. Und erklärt mir dann, wie das Taiwan-TV die Sache mit Hitler erklärt hat. Zunächst fragt sie mich aber, warum Hitler "die Juden" so gehasst hat, denn das Taiwan-TV zeigt die Bilder vom Holocaust und erwähnt auch, dass auch Säuglinge umgebracht worden sind. Nicht unwichtig sowas, wo doch Hitler hier in Taiwan immer noch recht populär ist, jedenfalls in der Hauptstadt Taipei, wohl auch wegen der Zusammenarbeit mit Taiwans Exdiktator Chiang Kai Check. Meine Frau ist entsetzt wegen der KZ-Szenen.
Und ich muss erklären, wieso Hitler die Juden so gehasst hat. Fassen Sie mal eben den Irsinn eines toten uniformierten Wahnsinnigen zusammen in einem Satz, denn gleich sagt Frau wieder "Schsch!".

"Hitler wollte Kunst studieren wegen seiner Malerei, ein jüdischer Professor hat ihn abgelehnt an der Uni und dann gab es eh in Österreich und Deutschland etwas Judenhass, weil die ein wenig anders zu Gott gebeten haben als die Christen... und den hat er hochgekocht."

Zu platt? Aber wie soll man das sonst so schnell rüberbringen? Frau nickte und fragte, ob denn die Juden auch Deutschland hassen.

"Nein, sagte ich, im Allgemeinen nicht. So sind die ganz und gar nicht...". Ich wollte das noch weiter ausführen, aber wieder nur ein "Schsch!"

Hitler hatte Freundinnen, wurde dann gezeigt. Die Geli. Die Eva. Eine hochgeborene Engländerin. Und war schwul. Und seine Leiche ist nie gefunden worden, weil er wohl mit dem Flugzeug und dem Goldschatz nach Argentinien verschwunden ist aus dem Führerbunker.

"Unsinn!", schimpfe ich.

"Schsch!", zischt meine Frau.

Das Taiwanfernsehen malt einen Pfeil von Berlin nach Argentinien. Na, das muss der Beweis sein. Und sie präsentieren ein Foto aus dem Internet, das vor ein paar Jahren auf Witzseiten auftauchte, ein neues Farbfoto das offensichtlich aus der Neuzeit stammt und einen Österreicher mit Hitlerbart beim Biertrinken in einem Biergarten zeigt. Der Mann ist ca. Anfang Fünfzig (Foto hier: http://farm3.static.flickr.com/2336/1760596204_d14a90d925.jpg)!

"Sieh doch das Beweisfoto", sagt meine Frau.

"Aber das ist doch aus der Neuzeit!", sage ich. Meine Frau nickt. "Ja eben!". Also gut, lebt der Kerl also noch, ist schwul und rennt in Argentinien in Lederstrapsen rum und brüllt "Heil Hintern!", von mir aus.

Dann haben wir verloren, hatten sofort die Mauer und die Leute haben Tunnel drunter gegraben. Das war ganz hübsch gezeigt. Dann habe ich wieder mit Junior gespielt.


Mehr zum Thema Hitler im Taiwanblog:

28 Sept. 2011
Das Foto ist von einer Webseite aus Taiwan, die Hitler-Magneten mit vorgefertigten Sprechblasen für 199 NT, also etwa 5 Euro anbietet (http://www.pcstore.com.tw/immark/M07273286.htm). Ein verunglücktes Dollarzeichen ...
16 Juli 2008
Ernsthaft gesprochen denke ich, die Präsentation Hitlers im Berliner Wachsfigurenkabinett ist entschieden zu respektvoll, denn er sitzt in der Pose des großen „Staatenlenkers in dunkler Stunde“ hinter einem Schreibtisch, ...

28 Nov. 2007
The Taiwan branch of a German heater manufacturer had, without any approval from their German head quarter (they didn't even know about it) posted the following Hitler heating add in Taipei in 1999, which I have censored ...
29 Dez. 2010
Eine Zeit lang hatte ich immer vermeintlich "Hitler" in der Mailbox, der immer "Hitler is out of the office" mitteilte, war dann aber doch nur "Hitter" mit Dopper-T, allerdings ist das eine Falschschreibung von Hitler, der in Taiwan ...

Einwurf von östlichen Rand der Weltscheibe

Steinbrücks Fehlstart

Wat is dat nu mit dem SPD-Kanzlerinnenkandidaten Steinbrück? Auch hier kann das Taiwanblog Ihnen, werte Leserin oder Leser, schnelle und praktikable Lebenshilfe bei der Bewältigung der Krise geben.

1.) Merkel bleibt sowieso Kanzler. 16 Jahre sind ja noch nicht vorbei. Also sowieso egal ob der Steinbrück wie eine korpulente Made von Bankenhonoraren gelebt hat oder nicht. Außerdem selbst wenn, dann wäre es "der Marsch durch die Instanzen" gewesen, gell?

2.) Ist wie mit Wulff (wie immer der sich genau schrieb), nur ohne den Sex. Keine Veronica Ferres, keine Millieuverdächtigungen gegen die First Kanzlerkanden-Lady. Langweilig also. Wenigstens hätte er eine wilde Affaire mit der Wagenknecht haben können. Die ist ja neulich im Parlament umgefallen (Fotos im STERN gewesen) und hätte sich in dem Moment nicht wehren können.

3.) Ist sowieso kein Kanzlermaterial, siehe die Schweizpöbeleien neulich. Populistisches Herumschreien, das nichts bringt. Und gerade wo der Ludigel damals Tags drauf in die Schweiz fahren musste. Pah.

4.) Ist sowieso egal ob die SPD oder die CDU dran ist. Beide Parteien sind in praxi für unbegrenzte Einwanderung nach Deutschland, die resultierende Förderung der Kriminalitätsrate und unbegrenzte Euroverschuldung. Die Unterschiede sind reine Folklore. Nur dass die CDU vielleicht alle paar Monate mal einen türkischen Gymnasiasten überflüssigerweise ausweisen lässt, um dem rechten Wählerspektrum "Härte gegen Ausländer" vorzutäuschen, während die Messerstecher, die nachts an der Haltestelle warten, im Land bleiben. Ist aber eh Ländersache. Und die SPD mit Tempo 80 auf der Autobahn droht (und mit Warnblinkerzwang für 2-sitzige Autos). Sonst alles das Gleiche.

So.... nachdem das geklärt ist... angenehmen Wochenstart da drüben links auf der Weltkarte.
 

Donnerstag, Oktober 04, 2012

Berge, Blüten und (Mango-)Bier

Großraum Taipei oder irgendwo da in der Nähe im September 2012. Ludigel steht wieder mal irgendwo in den Bergen bei Taipei, genauer genommen "Tucheng" und hat keine Ahnung wie er da hin gekommen ist. Ist nur den gekeif... gesäuselten Anweisungen seiner Frau gefolgt wie immer und schwupps in den Bergen von Tucheng gelandet.

Dichter auffahren! Halt mehr Abstand! Fahr mehr links! Fahr mehr rechts! Schneller! Langsamer! Was dauert das denn so lange? Was fährst Du denn so schnell?

So kommen die Fahranweisungen manchmal im Sekundentakt. Selber fährt sie ja schon länger nicht mehr Auto, da braucht sie sie Ersatzleistung irgendwie. Unser "Witness"-Blackbox-Kamerasystem zeichnet das alles auf, aber veröffentlichen kann ich das nicht. "3 Stunden verkehrstechnische Anweisungen meiner Frau mit Videos von Taiwans Straßen", na ein Bestseller würde der Film wohl nicht werden.

Handwaschbecken in der privaten Grillanlage. So eine Mischung aus Park, Freibad und Biergarten irgendwie. Man muss einen Unterstandplatz vorher buchen und darf dann dort grillen. Irgendwo in den Bergen.

Meine Frau als Teamleiterin war auch die Organisatorin dieser 50-Mann/Xiaojie-Feier und das von ihr erdachte Anwesenheitsgeld von 500 NT hatte schon bei der letzten Feier für rege Teilnahme gesorgt, diesmal gab es stattdessen einen 1000 NT-Kostenbeitrag der Firma pro Nase. Wieder blieben keine Stühle unbesetzt, auch wenn das Bild hier gegenteiliges vermuten ließe.

 Die Ruhe war für Taiwan schon ein bisschen unheimlich, da beruhigte es richtig, dass direkt hinter meinem Rücken öfter mal ein Inspektionsmoped der Betriebergastronomie entlang knatterte.


Meine Aufgabe war es von allen Teilnehmern Aufnahmen zu machen, die sie in eindeutig grillverrichtender Pose zeigte, schließlich sind 1000 Taiwandollar kein Pappenstil und so machte ich unermütlich Fotos von Taiwanern in V-Siegerpose, wie man hier eben so für Fotos posiert. Gewonnen haben sie über Grillfisch, Grillfleisch und Grillblüten und Grill-Marshmellows. Erstmals gab es auch einer unserer Grillfeiern auch Alkoholika, ich tröstete mich mit den drei Blechkameraden hier im Bild über das Fehlen von Grillsaucen und Salaten hinweg. Mangobier schmeckt gar nicht schlecht, das Ananasbier ist freilich gewöhnungsbedürftig und Passionsbier klingt schon fast nach einer verbotenen Leidenschaft.

Seltene Edelrot-Blüte in den tuchenger Hochalpen.


Augelassener Badespaß, auch ich war im Wasser. Als die Kollegen mich in der Badehose erblickten, erkundigten sich einige Damen sorgenvoll bei meiner Frau, ob ich denn eine Freundin hätte oder mir eine "La Mei", einen "heißen Feger" anlachen wollte. Schließlich konnte jetzt jeder das Ergebnis meiner Diät sehen, die ich seit einiger Zeit halte: sage und schreibe 9 Kilo sind mittlerweile runter. Ich löse mich sozusagen auf, werde aber rechtzeitig aufhören vor dem Nirwana. Nach einer zweiten Taiwanerin steht mir natürlich nicht der Sinn, man kann schließlich nur einen Drachen gleichzeitig bändigen oder wenigstens bei ihm im Sattel bleiben.

Auf dem Teller wird die gebratene grüne Blüte von den Blütenblättern befreit und schmeckt dann... gar nicht mal so schlecht, wie man denken würde. Irgendwie wie ein süßer Pilz, mit der Konsistenz von Marshmellows. Das es dann wirklich anschließließend Marshmellows gab war ziemlich verwirrend. Hier wird leckerer Pilz zum pilzigen Blütenfleisch gereicht. Ein Pils noch dazu hätte sicher auch gepasst. Äh.... never mind.

Romantische Bergwelt..... (wirklich so aufgefunden die Blätter...)

Unberührte Natur. Nur dass einem überall Kabel ins Bild hängen (oben).

Mittwoch, Oktober 03, 2012

Frauen kennenlernen

Ich habe es ja schon hinter mir, aber wer noch auf der Suche ist kann wie immer aus dem Taiwanblog gute Ratschläge für schwierige Lebenssituationen entnehmen. Wer etwa eine 20+jährige schlanke asiatische Traumfrau mit langen Beinen, künstlichen Wimpern und rot gefärbten Haaren sucht, hätte da in Castrop-Rauxel, Hannover oder anderswo sicher eher Schwierigkeiten. In Taiwan ist das hingegen recht einfach.

Methode 1: Einfach mal die Computex-Computermesse im Juni besuchen und um ein paar scharfe Ecken biegen. Geht auch ohne Computermesse. Erst neulich bin ich spät abends um eine spitze Ecke gegangen, da kommt mir in der geometrischen Problemzone eine junge rothaarig gefärbte Frau mit Ultramini etc. entgegen, so als sei sie einem Modekatalog entsprungen und knallt fast in mich rein. Grund war das iPhone, das sie vor sich hatte und emsig bediente, ohne auf den Weg zu achten. Eine Angewohntheit, die bei den 20- bis 30-jährigen Taiwanern beider Geschlechter immer mehr um sich greift. Wenn Mann Pech hat ist es natürlich ein Taiwaner und keine -rin, die da um die Ecke kommt und tunlichst sollte man auch auf eventuell vorhandene Starbucks-Kaffees achten, die sie evtl. in er Hand haben. Autsch.

 Schlanke Taiwanerin (deswegen ist das Bild so schmal): einfach gegenlaufen oder mit Fortpflanzungs-Endprodukt-Demoware anlocken. In freier Wildbahn so wie auf dem Bild, nur ohne Beschriftung.

Kaukasierin: Muss mühsam mit Bausparvertrag angefüttert werden, bis sie aus Gewohnheit zutraulich geworden ist. Die hier im Bild befindliche ukrainische oder russische Variante soll jedoch im Umgang unproblematischer sein. Hinweis für Nerds: Sie hat meist keine Lautsprecherboxen auf dem Schoß, anders als hier im Bild.


Methode2: Die altbekannte, einfach irgendwo einen Säugling ausleihen. Diese Methode ist besonders zu empfehlen für diejenigen, die eine junge Frau natürlichen Typs suchen. Von mir ausversehen neulich im Restaurant ausprobiert: die jüngste und hübscheste der Bedienungen war überhaupt nicht mehr von unserem Junior weg zu bekommen, duckte sich aber ständig wenn ich sie fotografieren wollte, nur um dann wie ein Flummi wieder hoch zu kommen, sowie ich die Kamera weggesteckt hatte und war eine geschlagene Stunde oder so damit beschäftigt mit unserem Junior herum zu spielen. Sie tat sogar das, was Taiwaner eigentlich nie tun, trieb freiwillig mit mir auf Englisch Konversation. Sie war der Typ, mit dem man, wenn man im kompatiblen Alter wäre, spontan ohne jedweden Ehevertrag auf alle verfügbaren einsamen Inseln verschwinden wollen würde. Jedenfalls wenn man nicht schon mit einer ausgeprochen attraktiven Taiwanerin verheiratet wäre, so wie ich, die auch noch ein sanftes und liebenswürdiges Gemüt hat, das seinesgleichen sucht.

Methode 3 soll sein, einfach irgendwo in Taiwan herum zu stehen, bis man von einer Taiwanerin aufgelesen wird, aber das wollen wir jetzt nicht näher erläutern.

Nur Mut!

Donnerstag, September 27, 2012

Parken am Park und flanieren

Als ich 2003 mal probeweise nach Taipei kam für zwei Wochen um meiner damaligen Nochfreundin einen Gegenbesuch abzustatten, war das fraglos die Vorstufe davon, dass die Nochfreundin zur Gattin wurde. Merkwürdigerweise erschien mir damals Taipei viel schöner, irgendwie romantisch exotisch und ich nahm weniger triste graue Fassaden wahr als vielmehr hübsche Parks und eben auch mein zukünftiges Eheweib, wer könnte es mir verdenken.


Gewohnt hatte ich in Taipei-NeiHu in einer damals für ein paar Wochen leerstehenden Mietwohnung, auch ein trister grauer Bau, aber nicht ganz so grau und trist wie meine heutige Wohnung im Soldatenviertel - hätte ich fast gesagt, jedoch als ich neulich vorbei fuhr, sah es eigentlich ganz genauso aus, wie mein heutiges Domizil, die Eheanbahnung und die Faszination über das mir vorher weitgehend unbekannte "kleine China" hatten da wohl einen Weichzeichner vor meine Linsen gesetzt. Auch hatte meine zukünftige Frau mir bevorzugt hübsches gezeigt ... von Taipei, das will ich nicht verleugnen. Unter anderem einen Park nicht unweit der Wohnung, an dem wir einmal flanierten noch ganz am Anfang. Die Hochbahn oben im Bild gab es aber damals noch nicht.

Neulich dann machte ich mich auf, den Park noch einmal zu suchen und fand ihn auch alsbalden, auch wenn der Teil im Bild rechts von der Brücke, in dem ich damals mit Bald-Frau flaniert war, heute hinter einem Bauzaun verschwunden war. Sicher bauen sie ein neues Einkaufszentrum oder ein Parkhaus drauf, war ja auch irgendwie viel zu groß der Park.

Der Park mit See liegt in einer Baulücke zwischen zwei Stadtvierteln und gibt den Blick auf sanfte Hügelketten frei, nicht hässlich, nur etwas voll ob der Halbsperrung des Parks - um wieder in den gewohnten Nörgelmodus zu verfallen.

Als wir damals 2003 am Park parkiert hatten, war es der Kia Carens meiner Frau mit 120 Pferdestärken oder so, der uns zum Flanieren geschaukelt hatte. Kurz darauf hatte sie den von ihrem Geld gekauften Wagen verkauft und das Geld ihrer Mutter gegeben, schließlich zog sie mit ihrem neuen Ehemann ins ferne Deutschland. Und da leben wir noch heute glücklich und in Frieden.... bla bla bla. Irrtum, nach 3 Monaten waren wir wieder in Taipei, nur jetzt für die nächsten zwei Jahre ohne Auto, mein Dot-Com-Inernet-Bubble-Arbeitgeber war mittlerweile pleite, Frau Deutschland-Nervenzusammenbruchgeschädigt und ich Neubürger in Taipei. Tja, könnte ich meiner Inkarnation von 2003 eine Botschaft schicken, was würde es werden?

a) Nicht nach Taipei ziehen, du kriegst monatelange Hautkrankheiten und Kreislaufkollaps?

Ach ne, ..... zu vernünftig.

b) Pass auf, Schwiegermutter klaut die Kiste mit dem Hochzeitsgeld, das die Besucher nach Landessitte gespendet haben und das eigentlich die Hochzeitskosten wieder reinbringen soll ....

Ach was, schließlich braucht sie Geld, damit sie es sich ein paar Jahre später von Erpressern wieder abjagen lassen kann (auch irgendwo im Blog) ;-)

Wahrscheinlich wäre mein Rat an mich, gleich da zu bleiben und so das Auto zu behalten...

Idylle im Park, inklusive gespendeter Seifenblasen unten rechts.

....Säulen der Natur im Abendlicht....

Ein mürrischer alter Herr beobachtet uns von jenseits des Bauzauns. Na, der hat nichts zu lachen, wenn er bald mitten auf einem Parkplatz steht.

Taipei an einer der hübscheren Ecken...

... weil man hier eher wenig von Taipei sieht.

Dienstag, September 25, 2012

Lichtmalerei, Soldatenviertel bei Nacht

Wenn es Nacht wird im Soldatenviertel im Stadteil NeiHu, in Taipei, der Hauptstadt der untergegangenen Republik China, und der Oberst zur Oberin in die Federn steigt, dann kehrt Ruhe ein, nur die obligatorischen Mopeds knattern laut um den Block, irgendwo bellt ein Hund. Tristesse. Leise Musik ist nur aus dem Nightclub neben dem Garagentempel ein paar Straßen weiter zu hören, aber auch nur wenn man fast davor steht. Gelbe Taxen huschen dann und wann durch die Gegend, hupend, weil sie ihre Zieldresse nicht finden.

Und ein einsamer Waiguoren steht irgendwo auf dem Dach, fragt sich was zur Hölle er falsch gemacht hat, dass er sich mitten in der Nacht auf dem Dach einer Militärveteranensiedlung am Tellerrand der Weltscheibe irgendwo in Asien wiederfindet. Und stellt fest, dass er auch noch das falsche Objektiv auf der Kamera hat, nicht das lichtstarke 1,7/50mm, um vielleicht Nachtaufnahmen sogar faulerweise von Hand machen zu können, sondern das 8-Euro-Zoom von Ebay, das nicht nur nachts ziemlich dunkel ist.

Hier das Ergebnis. Ich nenne es "Edison attacks", womit nicht der gleichnamige Ehemann der zweiten Schwester meiner Frau gemeint ist, sondern der Erfinder der Glühbirne.

"Outgunned": Der Glühwurm zur Linken hat keine Chance gegen die Übermacht!

"Ufo über Taipei!"

Und leise wieder zurück ins Treppenhaus tasten, ja keinen schlafenden General wecken...

Die Bilder sehen sicher besser in der Vergrößerung aus, Mittelklick beim Firefox.

Übrigens: Die Bilder sind NICHT nachbearbeitet, sondern direkt aus der Kamera.