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Mittwoch, Oktober 24, 2012

Rundgang im Stadtteil

Taiwan wie es leibt und lebt, könnte der Titel hier sein. Mein Stadtteil NeiHu in Taipei in vielen Facetten.

Aus einer Nebengasse heraus hat man den Blick auf den leeres einezäuntes Grundstück, in dem nur einer der kleinen blauen Lieferwagen parkt, die von Ausländern hier auch als Blue Truck Of Death bezeichnet werden. Diese Wagen sind wegen ihrer völlig rücksichtslosen Fahrer gefürchtet, die sich oft mit merkwürdigen chemischen Substanzen (diese Energydrinks u.ä.) und auch der leicht berauschend wirkenden Betelnuss (meist in Kombo) dopen, wenn sie ohne zu gucken mit dem Bluetruck mit 70 durch enge Gassen rasen. Und die Bremse ist das letzte mal 1992 bei Auslieferung des Fahrzeugs kontrolliert worden. Der Blick geht auf die volle Hauptstraße unter der neuen Hochbahtrasse, die den Verkehr schon deutlich entspannt hat. An der Ecke des roten Wohnblocks liegt eine McDonalds-Filiale, Taiwaner sprechen das "Mai-Donnel" aus, beliebt bei Jugendlichen und schon oft mein Exil vor zu vollen Familienfeiern gewesen. Die hübsche Kirche ist kürzlich von einer amerikanischen Glaubensrichtung dort gebaut worden, die Mormonen sind es glaube ich nicht, denn das Ding ist ja mit einem Kreuz versehen - was die Mormonen als Todessymbol ablehnen, soweit ich weiß. Hat mir mal jemand erklärt, der in Deutschland missioniert worden ist und mir die merkwürdige Mormonenbibel des Herrn Smith geschenkt hat. Die ganze Hauptstraße war früher mit hässlichen grauen Schlichtwohnungen zugebaut, heute kommen mehr und mehr gläserne Bürogebäude und auch eine Porschevertretung gibt es dort. Schicker, aber eben wenig Wohnraum.

 Ganz in der Nähe die "737-Lane", teilweise am Wochenende zur Fußgänger und Mopedzone erklärt, das heißt die Autos müssen des Abends dort draußen bleiben. Und man geht von Stand zu Stand, wird dreimal von Mopeds fast überfahren, atmet deren Abgase ein und isst dazu leckere Sachen.

Von 2004-2006 habe ich mich ja geweigert, hier ein Auto zu halten, um nicht auch zum Bleckchaos beizutragen, aber wenn man als Fußgänger in bürgersteiglosen schmalen Gassen immer am Auspuff des Autos vor einem im Stau steht und den Gestank einatmet und einem der Mercedes hinter einem anhupt, dann will man irgendwann selber bequem klimatisiert im Stau stehen.


Nachbarschaftstempel irgendwo, sehr typisch Taiwan der Anblick.


Hübsch der See als kleine Oase der Ruhe.

Superteure Eigentumswohnungen am See in denen die Bessergestellten kaserniert leben.

Eine junge Philippina schiebt einen taiwanischen Senior am See entlang. Einer der Scherze des Gottes Nummer 66 hier. Sagen die Taiwansenioren mit 65: "So lieber Gott Nr. 66, jetzt bin ich Rentner und noch rüstig, meine Frau sieht aus wie eine vertrocknete Betelnuss, jetzt möchte ich eine schicke junge Frau, die mir nie mehr von der Seite weicht", dann ZING...... und sie haben ihren Wunsch erfüllt bekommen, inklusive Rollstuhl. Vorsicht also beim Reden mit den heidnischen Göttern, die sind manchmal fies drauf.

 Blick vom See am Berg auf teurere Wohnungen mit See- oder Bergblick. Gipfel taiwanischer Archtekturkunst: die roten Hütchen auf den Häusern. Ich habe lange versucht, die Häuser gerade drauf zu kriegen, irgendwas war immer schief, egal wie ich die Kamera hielt und auch das Geraderechnen mit Fotoshop ließ irgendwas immer schief zurück. Feuchter Boden und schlechtes Fundament? Oder Ludigels neues Billigtele (130 Euro bei Amazon.de) hat einen Knick in der Linse. Na ja, ich tausche nächstes Jahr das Tele aus (das Haus auszuwechseln geht nicht so einfach).

Ist es hier nun schön oder hässlich? Alles eine Frage der Perspektive, manchmal gibt es eben einen Lichtblick irgendwo.

Montag, Oktober 22, 2012

Betonimpressionen am See

Da steht ein Ausländer am See in unserem Stadteil NeiHu, dem einzig schönen Fleck weit und breit und hat nichts weiter zu tun, als den hässlichen Nobelwohnblock mit dem Tele zu fotografieren...

   Diese Apartments sind wesentlich teurer als normale Wohnungen und sind mit Zaun und Security abgeschirmt. Daher geniest man auch gehobenen Wohnstandard ... auch wenn es mich optisch eher an Sozialwohnungen (im Ihme-Zentrum) in meiner hannoverschen Heimat erinnert. Taiwannobel halt.

Auf dem obigen Foto muss wohl die Farbkartusche des Druckers beim Ausdrucken der Fotos (und Einkleben in das Blog) leer gewesen sein :-)

Im Park am See kann man seine Lunge mal von der sonst mopedverpesteten Luft reinigen und etwas tief durchatmen, auf den grünen Hügeln.

Blibliothek am See. Da haben sie lauter Papyrus mit Krähenfüßen drauf...

Wenn ich mich dann genug erholt habe, mache ich mich einen Kilometer wieder zurück auf den Heimweg. Und am Ende ist die Lunge wieder genauso voll mit Mopendsmog wie am Anfang :-)
 Aber irgendwas muss man ja auch zu meckern haben vor lauter Idylle.