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Montag, April 13, 2015

Stand Auswanderung nach Manila - oder: Das Leben als Satire

Öfter werde ich gefragt, hier der aktuelle Stand. Ein bisschen bizarr klingt das alles schon, wenn man es so aufschreibt, was sich zwei Taiwanerinnen da alles so ausgedacht haben.

Ein nicht ganz ernster Exkurs zur aktuellen Planung. Die ist wirklich so, aber das Leben in Taiwan ist eben nicht ganz ernst. Und im 11. Jahr brauche ich längst das Chaos, denke ich.

Der treibende Keil bei der möglicherweise immer noch geplanten Auswanderung nach Metro-Manila auf den Philippinen ist meine Frau. Grund ist eine Augenkrankheit, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen könnte und auf jeden Fall ein Ausscheiden aus dem derzeitigen Beruf wegen viel Bildschirmguckerei interessant macht. Da ihre Schwester in Manila mit einem Sino-Philippino verheiratet ist und seit ein paar Jahren in Manila lebt, schmiedeten meine Frau und ihre Schwester dann sehr schnell den Plan, meine Frau und mich im Schnellverfahren in Manila zur Ruhe zu setzen. Mit einem angestrebten Status als arbeitende Ruheständler, die also nebenher "ein bisschen arbeiten". Da ich gerade mal Ende 40 bin, stößt das Aufgeben meiner heißgeliebten Computerei als Beruf nicht gerade auf Begeisterung. Auch fand ich die Planung unseres manilesischen Erwerbslebens nie so sehr solide. Vorbild jedenfalls war Schwesterherz selbst, die dort bis vor kurzem eine Cafekette betrieben hat, die original taiwanischen Bubbletea angeboten hat. Acht Cafes hatte sie auf der Hauptinsel Luzon, kam am Ende mit dem Kontrollieren nicht mehr nach der weiten geographischen Verteilung halber und die Angestellten arbeiteten kaum noch, so dass sie die Kette wieder mit Gewinn verkauft hat.

 Bei solider Planung gilt: Lieber die Kuh im Auto als den Pistolero auf dem Dach

Wie soll das also gehen, einerseits Geld verdienen, andererseits kaum arbeiten? "Zu schön um wahr zu sein" meldet das kritische teutonische Hirn sofort, während das Doppelgespann aus meiner Frau und ihrer Schwester voller Enthusiasmus an die Arbeit geht. Allerdings haben sie aus den Bubbletea-Erfahrungen gelernt: Die neue Kette von was-auch-immer, die Frau und Schwester aufmachen wollen, soll geographisch konzentrierter sein, der Überwachbarkeit halber. Soweit so gut. Aber dann gibt es auch wieder die Ausbaustufe, in der "wir" doch wieder über die ganze Insel expandieren und - man glaubt es kaum - das "befreundete" Ehepaar aus Taipei wieder mit helfen soll, die südlichen Ausläufer der geplanten Kette zu beaufsichtigen. Das sind die Momente, in denen ich entweder hysterisch kichernd über den Boden rollen möchte oder zwischen Küche und Abstellraum mit der Stirn eine neue Öffnung schlagen möchte  Ist hier doch Sage und Schreibe die Rede von dem Horror-Paar, das bereits die Pläne zur Eröffnung eines italienischen Restaurants (eigentlich auch einer Kette) mit samt mehreren Investoren in den Sand gesetzt hat. Durch feindliche Übernahme des ersten Restaurants (von mir prognostiziert) und folgendes De-facto-Pleitegehen durch Inkompetenz.
"Nur als Angestellte arbeiten sie mit", sagt da meine Frau. Ich sehe zwar unser befreundetes Chaospärchen mit Warenkisten hektisch durch dunkle manilische Straßen düsen mit dem Moped, verkneife mir aber weitere Kommentare. Diese Beispiele zeigen mir, dass die Eröffnung von irgendwelchen Ketten in Manila längst in der Phase der "Taiwanplanung" angelangt ist, die ich "Ringelpiez mit Anfassen" nenne und die das baldige Projektende bedeutet. Die Phasen der mir bekannten Taiwanplanung und -Ausführung sind:

a) initiale übertriebene Erwartungen
b) Start des Projekts
c) auf-den-Boden-der-Tatsachen-kommen
d) Ringelpiez-mit-Anfassen aka Verfolgen von unsinnigen Varianten
e) Sprung zum nächsten Projekt

Phasen a, b und c sind völlig normal, nur sollte dann d aus Konsolidierung bestehen. Aber das ist nach taiwanischer Lesart sicher wieder so eine Ausländerspinnerei ;-)

 Oder die Maus im Regal


Aufgegeben ist bereits das Projekt einer Restaurantkette. Hier sollte in einem Shoppingcenter eine Bude mit Schnetzelfleisch mit Reis eröffnet werden. Das essen die Manilesen gern und es ist billig und gut, allerdings gab es schon zwei oder drei solcher Restaurantlein im Center. Taiwanische Logik ist jedoch: Wenn da schon zehn Geschäfte der Art X in der Straße sind, dann mache noch ein 11. auf, das scheint eine Goldgrube zu sein. Allerdings hat das Centermanagement abgelehnt wegen "gibt es schon". Also planten Schwesterherz und Frau erneut und wollten ein weiteres "Hot Stone"-Restaurantlein eröffnen. Gibt es schon, auch abgelehnt. Ideen hätte ich schon für einen dritten Vorschlag, halte mich als Branchenfremder allerdings mit Äußerungen zurück. Am Ende nimmt das Management sonst meine Idee an und ich muss Geld investieren. Lieber verneige ich mich vor der weisen Taiwanplanung, weiß man doch im hiesigen Kulturkreis in "Chinese Taipei" um den überlegenen Geschäftssinn der Taiwaner, dem der des Johnny "Laowai" Weißbrot nicht das zitronierte Wasser reichen kann ;-)

Warum hat bloß niemand ...

Letzte Variante ist ein weiteres Outlet der Druckerei, die der Mann der Schwester dort hat. Die Umsatzerwartungen sind allerdings so exorbitant, dass ich mir wohl gleich eine Rolexsammlung bestellen könnte. Allerdings warte ich damit noch, ahne ich doch, dass a) hier nach taiwanischer Demoversion der Umsatz verfielfacht wurde, b) sowieso die industriellen Kunden der Druckerei (Supermarktketten, Bankfillialen, Fabrikhallen) "ausversehen" in den Umsatz des zweiten nur an Privatkunden gerichteten Outlets mit eingerechnet wurden und c) sowieso alles schon in zwei Wochen wieder in Phase (e) ist.

... an die Eröffnung einer Ranch gedacht?

Ach ja, zwischendurch hatten wir schon mal die Idee ... äh ... Eier auf dem Markt in Manila zu verkaufen. Das war ein Thema, wo ich als Antwort nur gekichert habe wie Hop Singh in der Fernsehserie Bonanza. Gemeint war allerdings ein en-gross - Verkauf an Supermarktketten etc. Das Projekt kam aber nie in Phase (b).
Für den durchschnittlichen deutschen Leser klingt das sicher alles nach "Irrenanstalt macht Betriebsausflug zum Geschäftsgründerseminar der Handelskammer". Als jemand der im schnelllebigen und oft ziemlich aufgeregt-unernst wirkenden Taiwan lebt, ist das für mich alles schon Normalprogramm.

Und die Augenkrankheit ist ja auch derzeit Gott sei Dank stabilisiert, so dass vielleicht die Lebenplanung wieder etwas weniger hektisch wird. Sogar für Taiwanverhältnisse war das alles ein bisschen viel.

Schwindelig wurde mir nur, als meine Frau blitzesschnelle zwei Wohnungen in Manila zur späteren Vermietung gekauft hat. Ihre Schwester vermietet bereits eine gekaufte "Condo" erfolgreich. Diese Investition lies mich über versäumte banktechnische Vorkehrungen nachdenken, ist aber gar nicht so dumm, weil entgegen landläufiger Laienmeinung noch keine Immobilienblase in Manila vorhanden ist und Condos im Wert steigen - glaubt man einschlägigen Wirtschaftsseiten passend zur positiven wirtschaftlichen Wachstumsprognose für die Philippinen. Einstweilen müssen wir abstottern. Ludigel lebt daher derzeit fast in Armut, lieber auf die Sahne für die Erdbeeren verzichten, wir müssen zwei Condos abbezahlen. In diesem Sinne höre ich jetzt auf zu schreiben - ich muss unten auf der Straße vor der Firma in der Mittagspause singen.

 Kurzfassung: Wird wohl nix aus dem Auswandern ;-)

Andere Artikel zum Thema Manila:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/12/anatomie-eines-todes-in-manila.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/philippinen-die-ankunft.html

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo,

besser so. Das wäre wegen den Augen eh nichts geworden! Auf den Philippinen ist die UV-Strahlung 1000 mal höher als in Europa! Die Augen wären dorten kaputt gegangen und sie wäre erblindet! Die Sonnenbrillen helfen da auch nicht mehr viel!

Viele Grüße aus den schönen Bayern!
Michael

"Ludigel" hat gesagt…

Ups, da werde ich gleich noch mal Ergooglen, da wäre ich nicht drauf gekommen. Det wir in der Tat ein Argument.

"Ludigel" hat gesagt…

Jedenfalls nach westlicher Sicht. Ich ahne die wischende Handbewegung, mit der meine Frau das kommentieren wird. Stimmt im übrigen, die UV-Strahlung beispielsweise in Bangkok (auf die Schnelle gefunden statt Manila) ist im Jahre zwischen UVI-Wert 8-12, die in Berlin 1-7. Ich vermute, dass dieser UVI-Wert verniedlicht, denn wenn in D mal kurz 7 vom Himmel brennen ist das sicher was anderes als das fast ewige 10-12 in BKK. BKK hier nur als ähnliche Region genommen.

"Ludigel" hat gesagt…

http://www.bfs.de/de/uv/uv2/uv_messnetz/uvi/world.html