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Dienstag, April 25, 2017

Stolzer Besitzer des 2. Ex-Restaurants

Hurra! Nach "Jill's Happy Kitchen" (ein Schlicht-Italiener in Taipei) habe ich jetzt mit "Mix & Match" auch ein Ex-Restaurant in Manila auf den Philippinen. Auch eine Art Schlicht-Italiener.

Mit Gastronomie wollte ich ja nie viel zu tun haben. Weil Taiwaner aber geschäftstüchtig sind oder sein wollen, war die Eröffnung eines kleinen Geschäfts - nach dem Default eben ein Restaurant - wohl kaum zu vermeiden. Meine Frau wollte es unbedingt vor ein paar Jahren und ich war dann beim Management mit behilflich. Das Ergebnis war ein kontrolliertes Scheitern mit schwarzer Null, genau auf die von mir vorhergesagte Art und Weise im genau von mir vorher gesagten Zeitrahmen. Und das, obwohl ich als tumber Ausländer im Land der intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner doch gar nichts vom Geldverdienen verstehe. Die ganze Geschichte ist hier zu lesen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/der-familienbetrieb-die-schonungslose.html. Ich fand es damals lustig, es war bizarr-komisch und debil-widersinnig, wie Taiwan eben oft auf unsereinen wirkt. Und es war ja eine schwarze Null.

Braucht Rotwein zu den Nudeln unbedingt Hupfdohlen?

Das zweite Lokal - diesmal in Manila auf den Philippinen - wurde leider ohne meine Mitwirkung eröffnet. Diesmal waren es meine Frau und ihre Schwester Nummer 2, die ganz allein das Management in den zarten Händen hatten. Das Ergebnis war, kurz gesagt, ein Lokal mit dem Aussehen eines Waschsalons oder eines Versicherungsbüros, mit dem Namen einer Modeboutique ("Mix and Match", in Manila für Modeläden gebräuchlich) und der Karte eines Schlichtitalieners aus Taipei/Taiwan. Ein komplettes und gründliches Scheitern war die Folge, wie von der Familienkassandra (c'est moi) vorhergesagt.

Nicht ohne Belustigungseffekt das Ganze, nur etwas teuer diesmal. Interessant war, dass meine Frau und ihr Schwesterherz noch den Tipp von Konkurrenten in der Nähe erhielten, sie müssten zu den Nudeln auch Alkohol (Wein!) anbieten. Dieses Ansinnen stieß sowohl bei dem einheimischen - aber aus der chinesischen Subkultur entstammenden - Schwager als auch bei den beiden Taiwanerinnen (Schwester meiner Frau und meine Frau) auf große Befangenheit. Wein anzubieten zu den Nudeln wurde von allen Beteiligten mit Komasaufen, zerschlagener Bestuhlung und leichtgeschürzten Bedienungen und Prostitution assoziiert und deswegen abgelehnt. Ein typisch taiwanischer Standpunkt. Hier in Taiwan haben viele Lokale keinen Alkohol, weil man befürchtet, die männlichen Gästen könnten mit dem Zeug schnell die Kontrolle verlieren, das sie ja auf Ex gerne in die Kehle schütten.

So wurde das Lokal also zu gemacht. Ein einfacherer Nachfolger ist schon in der Diskussion, hier taucht eine lokale manilische Größe namens "Sung"*** auf (seineszeichens Taiwaner), der angibt, dort in Manila reich geworden zu sein. Ich habe den netten Herrn - der u.a. meine 90-Dollar-Uhr als zu teuer für Manila kritisierte - schon kennengelernt und finde ihn ja auch nett. Aber was das neue Geschäft angeht, ziehe ich meine Kummer gewohnte Stirn wieder in Sorgenfalten, während die lokale Verwandtschaft fröhlich kichernd kommende Gewinne schon verteilt, bevor sie überhaupt in Sichtweite sind.

Das Scheitern von Taiwanern am Rotwein wurde die Tage auch in den taiwanischen Medien kolportiert. Wie mir meine Frau erzählte, hatte ein original italienischer Gastwirt in Taiwan seine Gäste dabei erwischt, wie sie sich guten Rotwein auf Ex in die Kehle schütteten, wie man das in Taiwan nun mal immer macht. Desto besser der Wein, desto schneller kippt man ihn runter in der chinesischen Kultur taiwanischer Prägung. Es entstand ein Streit zwischen Gästen und Wirt, ob man denn als zahlender Gast das Recht habe, den guten Wein zum Runtergurgeln zu verwenden oder nicht. "Wir Taiwaner haben das Recht drauf, wenn wir ihn bezahlen!" bemerkte meine Frau und ich schließe mich als taiwanischer Steuerzahler hier voll und ganz an. Auch auf den oben offenen Kackpapiereimer haben sie ein Recht und bitte stehen Sie jetzt mit mir auf und singen die Nationalhymne. Wie geht die eigentlich? Gibt es überhaupt eine? Und welche wäre es, die von "Taiwan" oder die von China? Fragen über Fragen. Darauf einen Dujardin.

*** Name von der Redaktion geändert. Sind aber eh alles nur die englischen Kampfnamen der Leute

Donnerstag, April 13, 2017

Zurück nach Manila - nur besuchsweise

Abschluss einer unangenehmen Episode - unser Techtelmechtel mit den Philippinen

Alles nahm seinen Durchlauf, als sich die Schwester Nr. 2 meiner Frau (sie selbst ist Nr. 3 in der Familie) in einen Barkeeper in Taipei verliebte. Irgendein Termin mit einem Kunden im Nobelhotel Mariott muss es gewesen sein. Philippinos arbeiten viel im Ausland in der Tourismusindustrie, weil sie recht gut oder gar fast muttersprachlich Englisch sprechen. Gegen Prostest des Vaters der Schwestern wurde die Ehe mit dem Philippino geschlossen und bald lebte das Paar mit samt ihrem Sohn in Taipei.
Später kam noch ein anderer wunderlicher Ausländer zu der Familie dazu - meine Wenigkeit. Aber da lag der Vater der Familie in Taipei schon lange im fast komatösen Zustand im Bett und was er zu mir gesagt hätte, wird man nur spekulieren können. Vermutlich nichts freundliches, wenn ich an das Durch-den-Ausländer-Starren der Schwester Nr.1 und gelegentlich meiner Schwiegermutter denke.

Business in Manila. Ein Traum.

Eine Fehde der Ersten Tochter/Schwester Nr. 1 gegen meine Frau - es ging um Parkplatzrechte und unseren dicken Volvo, der damals wohl den Status der BMW-, Porsche- und Audi-Karossen von ihrem (sehr netten) Gatten zu erreichen drohte - führte zum Schulterschluss zwischen meiner Frau und der besagten Schwester Nr.2. Der mit dem Philippino-Gatten. Leider gipfelte das alles in dem Wunsch meiner Frau, mit der mittlerweile wieder in den Philippinen/Manila lebenden Familie so viele geschäftliche und private Kooperationen zu betreiben, dass ich es als "totale soziale und finanzielle Fusion" bezeichnet habe. Der unrühmliche Gipfel war das Anmieten eines Reihenhauses und der Umzug von meiner Frau und unserem Sohn nach Manila. Schräg gegenüber wohnte natürlich ihre Schwester mit ihrem Mann (deren Sohn studiert mittlerweile in Kanada). Und eben mit meiner Wohnsitzverlagerung zurück nach Deutschland.

Ausschau halten nach dem Sponsor. Auch wenn er hier nicht "Gringo stupido" heißt.


Status ist heute, dass wir wieder in Taipei leben, nachdem meine Frau nach 3 Monate ihr Manilaengagement abgebrochen hat. Wir haben nun in Manila zusammen mit der Manilafamilie meiner Frau einen Druckwaren-Kiosk, der u.a. Schilder und Aufkleber herstellt. Der ist dem Geschäft des dortigen Schwester-Nr.-2-Gatten angeschlossen und erwirtschaftet leider genau wie von mir vorab geschätzt etwa so viel wie ein gewöhnlicher (Bier-/Eis-) Kiosk in Deutschland. Und leider nicht das Vermögen, das von den taiwanischen/philippinischen Familienmitgliedern erwartet worden war. Wie sehr unsere Schätzungen auseinander gingen verblüfft mich bis heute. Nur 500 Euro monatlichen Reingewinn hielt ich für möglich, während "die anderen" von bis zu 20.000 Euro pro Monat sprachen. Ich hasse es immer Recht zu haben.

Friedhof in Manila. Reich frequentiert dank Politik und sonstiger Gewalt


Ein zwischenzeitlich eröffnetes Restaurant in Manila - wieder als Coop der Schwestern - hatte wieder unter unseren unterschiedlichen Einschätzungen zu leiden. Die Taiwaner und Philippinos in der Familie prognostizierten bis zu 5.000 oder 10.000 Euro monatlich oder etwas in der Art. Meine Prognose war "bis zu 200 Euro". Später korrigierte ich mich nach unten, nachdem meine Vorschläge zur Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals des Unternehmens keine Chance auf Realisierung hatten, da die neue Taiwan-Philippino-Coop allein wusste, wie man die Geschäfte führt. Auch die Lücken in der Prozentrechnung der Geschäftspartner gaben Anlass zur Sorge. Es lies sich nicht vermitteln, dass beispielsweise ein Gemeinkostenzuschlag von 1,6 auf die Portionskosten keinesfalls ausreichend ist.  Faktor 2,6 käme eher hin. Ich sehe ein das Mathe schwer ist aber so hatte ich leider wieder mal recht und das Restaurant krebst irgendwo an der baldigen Pleite herum.

So ein Gesicht mache ich da auch immer.


Finanziell sehe ich das alles immer noch als Desaster an, obwohl meine Frau auf spätere hohe Renditen hofft. Und leider erfordert das dortige Engagement immer noch erhebliches monatliches Zubuttern. Ich kann nicht ausschließen, dass die ganze "Manilaconnection" doch wieder zu  meiner Rückkehr in deutsche Lande führt, wofür es auch noch andere Gründe gäbe. Gerne würde ich jedenfalls jedwedes Invest in den Philippinen auflösen. Aber nun in 2 Wochen kehren wir noch einmal zurück um dort den Haushalt von Frau und Junior aufzulösen. Auch wenn das Reihenhaus dot noch bis Jahresende gemietet ist. Ich hoffe auf den Anfang vom Ende der Manila-Connection, er wäre dringend geboten. Froh war ich schon, dass Frau und Junior dort nicht mehr leben, schließlich ist die Kriminalität gerade an Ausländern dort so exorbitant, dass man wohl als Faustregel sagen könnte: Jeder freundlich lächelnde Einheimische würde einem am liebsten mit einem rostigen Messer in einer Seitengasse den Wanst aufschlitzen. Das macht eben Armut kombiniert mit einem chaotischen mafiaartigen Staatswesen aus den Menschen. Auch die jüngste Episode von im Lande umher ziehenden Todesschwadronen gegen Drogensüchtige oder solche, die dafür gehalten werden, hat nicht gerade meinen Wunsch gestärkt, dort zu leben.

Unter 8888 herrscht Konjunktur die ganze Nacht


"Manila" und "Philippinen" und die Namen "unserer" Verwandtschaft dort sind gefährliche Reizworte für mich, das gebe ich gerne zu. Die Tage trainiere ich das freundliche Lächeln, wenn ich dort wieder auf die ja zweifellos netten Verwandten treffe.

Grundsätzlich ist es wohl immer das selbe, wenn man als Europäer oder desgleichen in exotische Länder einheiratet. Man gehört nie wirklich dazu und merkt eben, dass die Brieftasche anfängt, sich in Richtung der "Familia" aufzulösen. Taiwan schien da anders zu sein, aber leider kam durch den Schwager meiner Frau das lateinamerikanische Element des dummen Gringo und der der fröhlichen sonnengebräunten Einheimischen in mein Leben. Ein Ende hat das alles noch nicht, aber die Auflösung des Hausstandes dort geht sicher in die richtige Richtung.

Business Highstreet am Friedhof


Zu viel Info für ein Blog, aber es soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden. Und vielleicht setze ich es bald auf "Draft", damit es nicht mehr öffentlich einsehbar ist. Lesen Sie, solange es noch frisch ist.

Was wir dann mit unserer "Permanent Residency" in Zukunft anfangen? Teuer genug war die ja auch.

Mir ist klar, der einzig vernünftige Rat wäre ein Abbruch jedweder Beziehungen. Aber mit dem da drin hängenden Junior (5) ist das alles nicht so einfach wie es klingt.

In diesem Sinne. Bis bald zum Bericht aus den .... Philippinen; der Geißel meiner Lebensmitte.

Donnerstag, April 06, 2017

Camelot in NeiHu

Ein merkwürdiges Haus erspähte ich, als ich 2004 einstweilen zu Schwiegermutter nach NeiHu in Taipei zog. "Camelot in NeiHu" nannte ich es in meinem allerersten Blogartikel, der noch im alten Passado-Blog (heute nicht mehr vorhanden abgesehen von einer Archivversion irgendwo im Netz) erschien. Und seit kurzem... wohne ich da.



Erst mit dem Fisheye* mit seinem 180-Grad-Bildwinkel erschließt sich auch im Foto die Wirkung, die die Wohnanlage in Natura hat. Mitten im manchmal slumartig daherkommenden Viertel besteht die Anlage aus besserer, neuerer Bausubstanz und hat drei Gebäude und eine recht hohe Außenmauer (hinter meinem Rücken im Bild) nebst einer Schwebebrücke zwischen den Gebäuden und einer Wendeltreppe im Innenhof zu einer fast mittelalterlich anmutenden "Burg"-Anlage kombiniert. Die Brücke verbindet im 2. OG das vordere Haus mit dem weit entfernten kleineren hinteren Haus, weil dieses keinen eigenen Fahrstuhl hat.

Der Innenhof ist begrünt und so ergibt sich eine ganz nette Atmosphäre. Zwar ist die Wohnanlage in die Jahre gekommen und leidet unter dem klimatypischen Fassadenschmodder, aber der macht sich auf den gefliesten Fassaden besser als auf dem grauen nackten Beton, den viele Häuser in der Gegend haben. Auch der Verzicht auf das in Taiwan so beliebte Wellblech (Balkone ausbauen etc.) macht deutlich, dass es dies hier eine etwas bessere Wohnanlage ist. Absolut ruhig ist sie übrigens auch, wohl ein schlechter Ort für Stereoanlagen. Als bessere Anlage hat sie sogar Schreibtische für Security-Leute. Allerdings sind die Stellen seit Jahren unbesetzt.

Die in Taiwan so beliebten Fenstergitter hat die Anlange auch. Sie passen aber zu der oft verwinkelt angelegten Architektur besser als zu den sonst glatten Fassaden der Plattenbauten im Viertel. In der Mitte guckt man im Foto auf eine Wellblech-Aufstockung eines Schlichthauses außerhalb der Anlage; links ist die Wendeltreppe zu sehen.


In die Anlage fahren wir nicht über eine Zugbrücke, sondern über einen Autolift. Vieles in der Anlage ist verwinkelt angelegt. Unser Treppenhaus ist fast auch eine Wendeltreppe, die Wohnung klein und voller Nischen und Erker, aber schick mit maßgeschneiderten Einbaumöbeln im asiatischen Stil und modernem Deko-Stuck an der Decke versehen. Auch einen im Boden versenkbaren Wohnzimmertisch gibt es. Den soll man aber auch im Boden belassen, weil er sonst mit schwerer Tischplatte zusammenkracht und einem die Zehen bricht, sagte die Vermieterin.


Unser Haus verjüngt sich oben turmartig und erlaubt einen tollen Blick auf die umliegenden Schlichthäuser, in denen ich ehrlich gesagt die meiste Zeit in Taiwan verbracht habe.

Verwinkelte düstere Gänge gibt es auch in der Tiefgarage, über die man von einem Teilhaus zum anderen gelangen kann. Junior (5) und ich haben das die Tage tapfer erkundet.


Sicher könnte man es in der Anlage aushalten. Aber die Abgasluft Taipeis ist hier natürlich auch nicht besser. Sie macht nicht nur Junior eine mysteriöse "Dauererkältung", sondern auch mir. Nur bei mir mit paralleler Tendenz zu Magengrippe und außerdem allergischem Ausschlag am Kopf, der vermutlich durch Nahrungsmittel (oder besser deren taiwantypische illegale Beimischungen) ausgelöst wird. Wenn man sich vor beginnender Magengrippe und mit entzündeten Stippen u.a. im Mundraum alles andere als wohl fühlt, kaum dass man wieder taiwanischen Boden unter den Füßen hat, fällt es trotz allem schwer der Gattin zu versprechen, hier weitere Jahre in Taipei zuzubringen.

Somit bin ich ein Wanderer zwischen den Welten. Hin und her gerissen zwischen meiner neu angemeldeten (Krankenkasse, Auto, ADAC) Existenz in der niedersächsischen Kleinstadt und dem Leben mit Frau und Junior im mich gesundheitlich strapazierenden Taipei. Leider schließt Frau in Deutschland zu leben kategorisch aus und kann und will nur im Hoch-Kriminalitätsbelasteten Manila oder aber im versmogten Taipei leben. Da kann ich wählen zwischen Entzug von Junior oder Gesundheit. Man sieht ja, wo ich gerade bin. So, genug der Schreiberei, ich muss mich erstmal wieder kratzen. Verdammte Insel.


* Sigma EX DG 2.8/15mm auf Fullframe-Bildformat DSLR (Sony A850)

Freitag, März 17, 2017

Automobilistisches

Wieder Auto kaufen. Ludigel ist genervt.

Immer wenn ich über mich selbst in der dritten Person spreche, erinnere ich mich an diesen Artikel eines Psychologen, der die Angewohnheit sich selbst so zu referenzieren als Hinweis auf eine Geisteskrankheit sah. Aber dass man bei meiner Lebensführung irrsinnig würde, wäre so verwunderlich nun auch wieder nicht. Oder "er" irrsinnig würde, der Ludigel in Taiwan.

Wie dem auch sei, nachdem ich kürzlich ob des Hinzugs meiner Frau samt Sohn nach Manila auf den Philippinen und dem Tode meines Vaters bei Hannover, Deutschland meinen Wohnsitz wieder nach Deutschland verlegt hatte, kommt mir mein plötzliches Wiederauftauchen in Taiwan und der alten Firma noch recht merkwürdig vor. Frau will Auto kaufen und hat bereits Wohnung für uns gemietet und wir sammeln demnächst in Manila ein, was von unserem Hausrat dort überlebt hat. Dort ist ein Reihenhaus samt Flatscreen-TV für uns gemietet, in dem ich nie gewesen bin. Eben weil mein Vater verstorben war und ich mich einige Zeit um meine Mutter im Eigenheim bei Hannover gekümmert habe und das eigentlich immer noch tun müsste. Aber ultimative Aussagen der Gattin und ihr plötzlicher Rückzug ins heimische Taiwan schienen meine Anwesenheit erforderlich zu machen und führten - was ich gerne annahm - zu meiner Wiedervereinigung mit Junior (5). Die unstete Lebensweise führt zur Minimierung des Hausrats und zur Verteilung des Rests über drei Länder und zwei Kontinente. Und zum automobilen Chaos.

Bereits 2004 ließ ich meinen alten Mitsubishi Space Wagon in Deutschland zurück, der eigentlich sowieso meinem Vater gehörte und von ihm dann im Wechsel mit seinem neueren Space Wagon gefahren wurde, bis er mit 225 000 km und 10 Jahren oder so für einen Euro an den Mitsubishihändler ging.

Im selben Jahr verloren Frau und ich dann den nicht schönen aber praktischen Kia Carens, weil wir ja für geschlagene drei Monate vorher nach Darmstadt in Deutschland gezogen waren. Bis ich auf Anraten meiner ukrainischen Hausärztin wegen des Augenrollens meiner Frau (der Deutschland nicht recht bekam) eben nach Taiwan zurück zog. Nur jetzt war der Kia schon verkauft und ich weigerte mich bis 2006, einen neuen Wagen im versmogten und zugestauten Taipei zu kaufen. Lange begleitete uns dann ein Nissan X-Trail, doch Dez. 2013 wurde er im Rahmen eines automobilen Wettlaufs im Mittelmanagement meiner Firma gegen einen dicken schwarzen Volvo XC60 T5 mit viel zu viel PS und fast nie von meinem Gasfuß herausgefordertem Turbolader ersetzt. Nur um ihm bei Umzug nach Manila/Deutschland 2016 mit großen Verlust (eine Million Taiwandollar Wertverlust) an das Schwesterherz (Nr. 4) meiner Frau zu verkaufen. Da soll einer nicht irrsinnig werden!

Kurzzeitig in Hannover in Deutschland übernahm ich den vom Vater vererbten Mitsubishi ASX, einen kleinen SUV in roter Knallfarbe, der jetzt unbenutzt in der Garage steht und fast neu ist. Jetzt sind wir wieder in Taipei und haben kein Auto mehr. Frau will immer riesige teure Schlitten kaufen und ich nur einen kleinen gebrauchten, um das Risiko in Garagen dahin vegetierender oder mit Verlust verkaufter Autos zu minimieren.

So sahen wir uns die Tage einen (neuen) Mazda 2 beim Händler an. Eine Million Taiwandollar (viel zu) teuer, schick mit Leder mit roter Naht im Innenraum, verblüffend viel Platz vorne und einem 109 PS-Motor, das Frau aber doch zu klein ist. Die nette Verkäuferin bot uns sogar Sitzplätze, Prospekt und Kaffee an. Vorher hatten wir noch einen VW Golf angesehen, den meine Frau aber wegen des DSG-Getriebeproblems in Taiwan/China nicht wollte. Offenbar vertragen die VW-Gruppe-Autos nicht die Luftfeuchte in hiesigen Breiten. Die nette Verkäuferin bot uns keinen Platz und nicht Kaffee und Kekse an, aber Frau war wohl zu sehr gegen den Golf von Rolf.

Ein Audi A3 Sportback hatte es ihr kurzzeitig angetan. Trotz meiner Mahnung, dass sei auch nur ein Golf. Auch gruselig teuer war der A3 wegen des erhöhten Premiumanspruchs von Audi in Taiwan. "Sieh Dir vorne den Innenraum an", verlangte meine Frau und ich vermied den Blick auf die Oberschenkel  der Minirock tragenden Verkäuferin und starrte stattdessen auf ihre dicke Panerai mit rotem Kroko-Lederarmband, die bestimmt so viel gekostet hat wie der Toyota Yaris, den wir uns vorher angesehen hatten. Ohne die schicke Panerai auf dem Beifahrersitz war der A3 für mich nicht so interessant, dank Premiumklasse-Inflation und wenig Platz für meinen SUV-verwöhnten Körper. Kekse und Kaffee gab es aber bei Audi und den Hinweis, der Audi habe Motoren und Technik wie ein Lamborghini. Hört hört.

Bei BMW hatte der Verkäufer nur einen Autochrono eines nicht so prominenten Herstellers am Arm und es gab auch Prospekt und Kekse und wir saßen im engen 1er und im dickeren X1 Probe. So recht wollte es nicht zünden bei uns, auch wenn die Autos schick waren. Mir war der X1 zu teuer (will nicht schon wieder so viel Geld ausgeben) und der 1er zu winzig-eng.

Bei Mercedes (auf taiwanisch "Benze") empfing uns der schick gekleidete Verkäufer mit grauen Schläfen und dicker grüner Rolex Submariner am Arm kühl distanziert. Sitzplatz oder Kaffee gab es nicht, immerhin einen Prospekt für die A-Klasse auf Nachfrage (auch eng die A-Klasse) und der Verkäufer suchte daimlertypisch arrogant während des Probesitzens das Weite. "Verkauf Dir deinen Benzele doch selber", denke ich. Die Extraliste war sowieso viel zu lang und das Lenkrad gibt es nur gegen Aufpreis oder etwas in der Art.

Der Toyota war auch eng, der Verkäufer hatte eine schwarze Casio-Digitaluhr und war superfreundlich. Aber so recht gefallen wollte mir das Ding auch nicht. Das Auto meine ich. Die Uhr hat ja immerhin netten Retrocharm.

Einen zu großen Wagen wollen wir nicht nehmen. Ich zögere meiner Frau mehrere Jahre meiner Anwesenheit in Taiwan zu versprechen, wartet doch eine ziemlich hilflose Mutter nebst Reihenhaus, DAK- und ADAC-Mitgliedschaft passend zum roten Mitsubishi auf mich. Und meine Frau kann breite große Autos schlecht fahren.

Gleich gucken wir uns einen gebrauchten Audi A6 mit 2,8-Liter und einen Mercedes C250 an. Beide eigentlich zu groß für Frau, aber ohne großen Verlust wieder abstoßbar, sollte ich in meine norddeutsche Heimat verschwinden. Der Dauerkumpel "Will" (Name von der Red. geändert) meiner Frau hat schon zig Warnungen vor den Tricks der taiwanischen Gebrauchtwagenhändler bereit und alle zählen auf meinen Sachverstand. Schließlich muss ich mich als Deutscher sowieso mit Autos auskennen und als Ex-Teilzeit-Gebrauchtwagenhänder (Umsatz 2 Wracks, u.a. mit eingebautem Bettlaken gegen Klappern und mit Pattex angeklebtem Lackflatschen) geht man davon aus, dass ich alle Tricks kenne. Also schnell einen Magneten von der Cubicalwand genommen um evtl. Spachtelmasse zu erkennen. Ich weiß ich weiß, der A6 hat wohl Alu-Türen und Haube.

Manchmal klauen die Gebrauchtwagenhändler den Wagen mit Zweitschlüssel gleich wieder zurück, sagt Will. Na dann gucken wir mal. Große Gefahr beim Gebrauchtwagenkauf in Taiwan sind Hochwasserschäden. Aber die soll man durch Dreck unter Armaturenbrett und Ersatzrad etc. erkennen. Ach, wie gerne würde ich jetzt meinen Mitsubishi ASX aus der Garage holen...

P.S.: Wissen Sie, wie man in Taiwan halbseiden ganz dicke Autos fahren kann, die eigentlich der Bank gehören? Darf ich aber nicht schreiben, sagt meine Frau. Machen wir aber auch nicht ;-)
 

Dienstag, März 07, 2017

Durch-den-Ausländer-starren

Taiwaner sind superfreundlich. Weiß jeder Newbie. Und haben den Röntgenblick. Jedenfalls in der angeheirateten Familie.

Zurück in Taiwan. Die "erste Schwester" der Familie praktiziert schon seit 2004 mit mir das "Hindurchstarren". Sie schafft es also so zu tun, als ob ich nicht da wäre und kann tatsächlich mit den Pupillen auf die Wand hinter mir fokussieren. Könnte sie fast im Fernsehen mit auftreten. Dass es andere Menschen - den man nichts getan hat und mit denen man aus einem nicht erwiderten Gruß nie geredet hat - fertigbringen, exakt so zu tun, als sei man ein Geist, ist so eine taiwanische Familienspezialität. Jedenfalls in unserer netten Familie, die dem Exdiktator Chian Kai Shek nachtrauert und der alten Rasseideologie nachhängt, dass Chinesen (und besonders die Taipei-Chinesen Taiwans!) etwas besonderes wären. "Hellenmenschen" eben.
Seit Schwiegermutter samt Herrenmenschen-Dreirad ihren Autounfall hatte, steht sie zusehends unter dem Einfluss der Ersten Röntgentochter und praktiziert bei mir auch wieder den Röntgenblick.

Dabei habe ich nie der ersten Tochter in den Schritt gegriffen und der Alten auch nie ein Bein gestellt. Nun sitze ich hier wieder und schreibe meine Frust über die götterverdammte (in Taiwan Plural!) Familienbande meiner Frau heraus und bald folgt wieder das Gemeckere über Gift im Essen (ach so, hatten wir schon), Verkehr und graue Umgebung. Dabei dachte ich es hinter mir zu haben, wo meine Frau ihren Wohnsitz (kurzzeitig) nach Manila/Philippinen verlegt hatte und ich für drei Monate nach Deutschland.

Doch jetzt geht es weiter im Progrom, mit Taiwanfamilie und all ihren behandlungsrelevanten Problemen im grauen Schlichtviertel. Aber ich spiele vergnügt mit meinem fünfjährigen Sohn und versuche die Umgebung und insbesondere die Familie zu ignorieren. Heute Abend mache ich das auch mal. Wenn die Alte vor dem Lichtschalter steht, fixiere ich den Lichtschalter. Geht bestimmt!

Wie alt ich hier werde ist mir noch immer nicht klar. Dreizehn Jahre vom Inselparadies sind eigentlich genug....


Freitag, März 03, 2017

Zurück im November

Einstweilen zurück in Taipei. Wie wird es weiter gehen?

Ich habe es mir vor der Ehe immer so vorgestellt, dass Paare nach sachlicher Diskussion auf Basis von Fakten eine sinnvolle Entscheidung treffen. Und dass Paare aus verschiedenen Ländern ähnlich bei der Wahl ihres Wohnsitzes vorgehen. Etwa so: Maurer Paul K. aus S. und seine Verlobte Pawoko Sawakant diskutieren, ob man in Bangkok oder Stuttgart lebt. Pawoko: "Bei uns kannst Du ohne arbeiten leben. Ich gebe dein Geld aus, du finanzierst meinen echten Ehemann Porn Crumshak und meine Familie kriegt dein ganzes Geld. Wenn es alle ist, schmeiße ich dich rechtzeitig vom Balkon oder werfe dir das Radio in die Badewanne. Okay?"
Und Paul antwortet dann gelassen: "Nein danke, wir wohnen in Stuttgart. Ich haue dir manchmal eins auf die Fresse, aber sonst werden wir glücklich sein und genug Geld haben." Dann lebt das Paar glücklich in Deutschland und Ende der Geschichte.
Da ich selbst mit einer "Kollegin" aus dem Computerbusiness verheiratet bin und auch noch aus dem herrlichen Thaiwan statt Tailand ... Entschuldigung, Taiwan statt Thailand, hätte ich mir das alles noch unverkrampfter, wenn auch ergebnisoffener vorstellt.

Tatsächlich läuft es bei uns aber so, dass meine Frau mit ihrer Schwester aus Manila telefoniert und ich dann weiß, wo ich die nächsten Jahre zubringen soll. Mich aber in der letzten Zeit dann mit meinen Dingen über drei Länder verteilt vorfinde. Wenn ich jetzt etwa meine Foto-HDDs benutzen wollte, wären die in Manila, das Kabel dazu in Deutschland und der Rechner in Taipei. Oder irgendwie so. Wir hatten ja gerade unseren Wohnsitz in Taipei aufgegeben, den Hausstand weggeschmissen oder verschenkt, um der goldenen Zukunft in Manila entgegen zu sehen. Die Schwestern hatten sich einen genialen Businessplan ausgedacht: Wir machen ein Restaurant auf, dann eine ganze Kette und werden steinreich. Kochen kann ja sonst keiner. Auch die diversen köstlichen Restaurants mit niedrigen Preisen und allen Angeboten von einheimisch-Pinoy über Thai und China bis hin zu Italienisch und Burgern in Manila auf den Philippinen waren den Schwestern da keine Warnung. Nur der komische Ausländer in der Familie grummelte irgendwas von Alleinstellungsmerkmalen und der Frage, warum die Gäste gerade "bei uns" essen sollten. Und hatte auch etwas am Konzept einzuwenden, dass das Lokal den Namen einer Modekette (Qué?), das Aussehen eines Waschsalons und keine Parkplätze hatte. Aber bei doppeltem taiwanischen Geschäftssinn musste es einfach funktionieren. Wer will schon in diese schwerfällige teutonische Fragerei verfallen, wenn er asiatisch-leicht einfach mal loslegt mit dem Business und dem Kaufen der teuren Restauranteinrichtung. Ich gebe gerne zu, durch die Herrschaft über das Krähenfuss-Computer-Banking-Portal in Taiwan kann ich da meine Frau nicht stoppen und so nahm das Lokal seinen Durchlauf. Ich war kurz in Manila und bin dann wieder nach Deutschland gezogen. Bis nun meine Frau das Restaurant in die Hände ihrer erwartungsfreudig kichernden Familie legte und kurzerhand mit Junior nach Taiwan zurückkehrte.

Nun sitze sich wieder im alten Büro, wohne wieder temporär in der Stadtrandvilla in Taipei, die vom Vermieter in unzählige winzige Wohneinheiten unterteilt ist und komme mir vor, als hätte ich eine Zeitreise gemacht. Ich schlappe wieder abends aus dem Haus, wundere mich dass mein noch fast nagelneuer dicker Volvo nicht davor steht (ach so richtig, fährt jetzt eine der anderen Schwestern und wir haben beim Verkauf mehr Verlust gemacht, als der Mitsubishi meines Vaters neu kostet) und suche dann das Grün-Tee-Eis für Frau bei HiLife. Richtig, dass mochte sie "beim letzten Mal" nicht. Mir kommt es so vor, als sei das letzte Mal erst ein paar Wochen her. Aber andererseits liegt dazwischen der Zeitraum, in dem in Deutschland mein Vater verstorben ist, ich meinen Wohnsitz in seinem Haus angemeldet habe, mit einer Krankenkasse gekämpft habe, bis die mich aufnimmt. Ich Jobs in Deutschland gesucht, Vaters Auto auf mich angemeldet habe und ... und. Jahre scheinen dazwischen zu liegen zwischen dem Fehlkauf des zu süßen Shakaree - Eis oder wie immer es heißt und meinem neuerlichen Griff in die Eiskiste. Sind aber wirklich erst ein paar Wochen, wenn man es im Kalender nachschlägt. Wie es nun aber weiter geht weiß ich nicht. Meine Mutter mit 86 ist allein im Reihenhaus in Deutschland und es nicht gewohnt, Dinge selbst zu regeln. Ich selbst gehe ungern rückwärts und das Fehlen von wirklicher Arbeit im um Kunden buhlenden taiwanischen Unternehmen lässt mich auch an einer Langzeitperspektive zweifeln. Und wir lange kann mein Mitsubishi daheim ungefahren in der Garage stehen. Und warum lebe ich mit Frau und Junior in unbequemen Einraumwohnungen, wenn ich daheim ein ganzes Haus habe?

Genug Notizen für ein Tagebuch, zu viel für ein Blog. Aber irgendwann soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden und dass passt der Informationsgehalt wieder. Und so viele lesen hier eh nicht mehr. Hoffe ich.

Andererseits soll man sich nicht beschweren. Der gestrige Besuch bei einer netten Kollegin (hat zwar taiwantypisch nie mit mir geredet, aber mich immer angelächelt und mich zu Essen mit japanischen Kunden eingeladen, was lecker japanische Steaks und Sake versprach) hat mich gelehrt, dass man sich bei ein paar Problemen nicht beschweren soll. Die Kollegin, deutlich jünger als ich, hat nämlich Krebs und laut Arzt nur noch ein paar Tage zu leben und Frau, Kollegen und ich haben uns gestern tränenreich verabschiedet. Was sind schon die leeren Worte die man sich hätte sagen können gegen den letzten (?) Händedruck unter Tränen.

Ich hoffe auf ein Wunder. Für die Kollegin. Nicht für mich, das wird sich schon irgendwie lösen. So ein Besuch ermahnt einen doch, was die wirklichen Probleme im Leben sind. Auch wenn ich ohne die Hilfe einer sehr guten Freundin in Deutschland mit meiner derzeitigen Lebensplanung voll gestrandet wäre.

So, gleich Mittagszeit. Wieder die abgepackten Plastiknudeln oder lieber einen Plastikburger? Mir läuft schon wieder die Nase dauerhauft inwändig, wie immer in Taiwan. Das ging schon im Flieger los. Was die wohl immer noch ins Essen kippen hier?

Sonntag, Februar 12, 2017

Rückkehr in den November?

Zurück nach Taiwan?

Große Konfusion im Hause Ludigel. Meine Frau hat ihren Traum, Restaurantchefin in Manila auf den Philippinen zu sein einstweilen aufgegeben und ist mit Junior (5) zurück nach Taipei gegangen und wird dem Ruf unseres letzten Arbeitgebers dort folgen, wieder im alten Cubical die Linux-Programmierung zu übernehmen. Das Restaurant ist an die Manilafamilie deligiert. Entweder die Firma oder auch meine Frau oder beide setzen mir immer wieder neue Fristen, bis wann ich meinen Ex-Expat-Hintern wieder in meinen Cubical schieben soll. Angeblich funkt noch die Personalabteilung dazwischen, die immer wieder neue Regeln aufstellt, wie mit vom System unfassbaren Leuten wie mir zu verfahren ist. Also halb oder dreiviertel rückgewanderten Expats mit Elternteil daheim im exotischen Europa, das Hilfe benötigt.
So hängt der Haussegen derzeit wiedermal sehr schief. Gerne würde ich dem Ruf von Frau und Firma folgen und wieder nach Taipei reisen, jedoch stellt sich das Problem, dass meine 86jährige Mutter schwerlich mit dem Haus zurecht kommt, in dem sie (wir) seit dem Tod meines Vaters im Dezember leben. Ein Umsiedeln meiner alten Mutter in das schwül-versmogte Taipei möchte ich nicht mal annähernd in Erwägung ziehen, auch nicht, weil sie nicht den "Treppentest" besteht. Der "Treppentest" für Flugreisen sieht so aus, dass man nur dann eine Flugreise machen soll, wenn man ohne Atemnot eine Treppe hoch gehen kann. Und das kann meine Mutter nicht besonders gut. Lieber mit dem Treppenlift. Man wird halt nich jünger.

Was würden Sie tun, lieber Leser? Zurück zu Taiwanjob, Junior und Frau und Mutter allein zurecht komme lassen? Oder lieber versuchen eine neue Existenz in Deutschland aufzubauen - auch wegen meiner letzten gesundheitlichen Probleme in Taiwan interessant?

Gerne würde ich hin und her beamen. Aber Physiker arbeiten ja alle als Softwareentwickler und erfinden nie etwas vernünftiges.

Freitag, Februar 10, 2017

Don Ludigel (ohne Esel und Lanze) und die Krankenkasse (Update)

Superschlau sind die Beratungsseiten-Autoren im Internet. Man ist aus vorher gesetzlich versicherter Auslandsrückkehrer sofort wieder in der gesetzlichen Krankenkasse. Wie es in der Praxis geht, sieht man unten (ich war im Feb. 2004 zu letzt gesetzl. krankenversicherter Angestellter in Deutschland).

1. Versuch: 08.02.: Da die Tage meine offizielle Beschäftigung in Taiwan abläuft, habe ich schon mal bei der AOK vorbei geschaut um mich anzumelden. Da bin ich allerdings in meiner Zeit in Deutschland zu Gunsten einer nicht mehr existierenden offenen BKK ausgetreten. Die freundliche Dame am Schalter der AOK Hannover am Bahnhofsplatz erklärt mir aber, ich könne so nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung. "Es sieht schlecht aus mit der gesetzlichen Krankenkasse für Sie." Ich müsse mich privat versichern. Sie wies auch auf die Krankeversicherungspflicht hin. Nun, ich denke, das würde 1000 Euro im Monat kosten mit meinen 50 jugendhaften Lenzen, die ich auf die Zeitwaage bringe. Und ich will natürlich auch in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Die Dame sagte noch, wenn ich mich arbeitslos melde, käme ich aber rein in die gesetzliche Krankenversicherung.


2. Versuch: 10.02 bei der Arbeitsagentur in meinem Heimatort. Die sehr nette Dame sagte mir, ich würde als Auslandsrückkehrer keine Leistungen der Arbeitsagentur bekommen. Das wusste ich soweit, denn wenn man 2 Jahre nicht in die deutsche Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, bekommt man kein Arbeitslosengeld I. Sie schlug mir Arbeitslosengeld II vor, aber wir waren uns beide einig, dass das wegen Privatvermögen aussichtslos ist. Was ich nicht wusste: Im Gegensatz zu den Infos auf den einschlägigen Auslandsrückkehrer-Beratungsseiten im Internet zahlt die Arbeitsagentur auch KEINE KRANKENKASSEN-BEITRÄGE für mich. Wieder der Hinweis auf private Versicherung (brrrrrr). Die Dame erklärte, sie sei natürlich keine Krankenkassenexpertin aber sie würde denken, ich könne mich freiwillig krankenversichern. Das stünde allerdings im Widerspruch zu meiner Kenntnis der Rechtslage, dass ich als vorher in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) befindlich eine Krankenversicherungspflicht habe. Kann man gleichzeitg eine Pflicht zur Versicherung haben und sich dann FREIWILLIG versichern? Ist eigentlich ein Widerspruch. So weit ich weiß kommt die freiwillige Versicherung nur für Freiberufler etc. in Frage. Oder gibt es so etwas: sich unfreiwillig (weil pflichtgemäß) freiwllig versichern zu müssen? Das wäre ein herrlicher Schildbürgerstreich, den sich der deutsche Gesetzgeber da erlaubt hat. Schmunzelnd vor Vergnügen mache ich mich jetzt gleich zur AOK Hannover auf und habe schon im Kopf, dass eine nette ehemalige Mitspielerin meiner alten Fantasy-Rollenspielgruppe mittlerweile ihr Jurastudium fertig hat und über eine eigene Anwaltspraxis auch für Sozialrecht verfügt.
Kampfwürfel wieder raus, diesmal heißt das Monster GKV und schlägt vielleicht sogar einen geflügelten Basiliken an Fürchterlichkeit.

Eigentlich gibt es die Regel, dass einen die letzte gesetzliche Krankenversicherung wieder nehmen muss bzw. deren Rechtsnachfolger. Aber das gilt nur bis zu 5 Jahre, sagte die Dame bei der Arbeitsagentur. Da bin ich auch drüber über die Frist. Noch schwieriger würde es -allerdings laut Internet- mit 55 Jahren Alter - da gibt es wieder irgendeine Grenze, dass einen die GKV da nicht  mehr nehmen muss. Fallstricke hat der Gesetzgeber da viele für usn Auslandsrückkehrer. Ein weiterer wenig bekannter Fallstrick ist, dass man, wenn man mit Vorerkrankung zurück in die GKV wollte, die Krankenkasse die Behandlung der Vorerkrankung verweigern kann. Weil das als "Missbrauch der GKV" gilt, weil man quasi nur zum Behandlungszweck in die deutsche GKV zurück wollte. Eine Krankheit liegt bei mir aber erfreulicherweise nicht vor.

Oder ich melde gleich, dass ich erfolgreich freiwillig pflichtversichert bin. Bis zum Update.

Ach, wie einfach war es da in Taiwan mit der National Health Insurance.

 3. Versuch 10.02. bei AOK Zentrale in Hannover. Wieder bin ich sehr freundlich über die Krankenversicherungspflicht belehrt worden, aber gleichzeitig wieder abgelehnt worden. Freundlich, aber bestimmt. Es ist wohl so wie bei Homer Simpson, wenn der ein riesiges Wohnmobil kaufen will. Auf dem Bildschirm geht die rote Warnlampe und Sirene an, so wie man "Auslandsrückkehrer" sagt. Die denken bestimmt, man hat Krätze, Lepra, Krebs und 100 Viren in sich. Dabei hat mich der Leprakranke in dem düsteren Fussgängerüberweg in Hyderabad nur einmal am Arm angefasst, ich schwöre es. Trotzdem war das Gespräch mit dem grünen Krankenversicherungswesen (gemeint ist die AOK mit Farbe Grün, nicht die nette Dame dort) sehr informativ, denn die Dame meinte, es gebe KEINE 5-Jahresregel, nach der ich als Auslandsrückkehrer abgelehnt werden könnte selbst von meiner letzten Krankenkasse. Und die letzte Krankenkasse bei mir war offenbar doch nicht die AOK wie ich dachte sondern die Sancura BKK aus Darmstadt und ergo muss ich mich an deren Rechtsnachfolgerin wenden. Das ist die DAK; die die Sancura über mehrere Zwischenschritte verschluckt hat. Und die darf sich wohl auf meine Mitgliedschaft freuen, sofern ich nicht doch zwischenzeitlich genervt wieder nach Taiwan abhaue. Aber Vorsicht, wenn ich einmal 55 bin, geht es wohl gar nicht mehr zurück in GKV Deutschlands, weil mich dann angeblich - laut Internetseiten - selbst meine letzte gesetzliche Kasse ablehnen kann.

Meine Mutter meinte scherzhaft, ich könne ja Asyl beantragen, um in die GKV zu kommen. Auch keine schlechte Idee. Alternativ muss ich mich vielleicht attraktiver machen. Etwa mit Schweißband joggend in die Geschäftsstelle der KV laufen, während des Gesprächs auf den Herzschrittzähler (nicht -macher) am Handgelenk gucken und laut ausrufen: "schon wieder Bestwerte: Wow!) und dann die Dame bitten etwas schneller zu machen, "weil mein Tennispartner schon wartet". Dann noch unschuldig fragen, ob sie die Webseitenadresse kennt um sich zum olympischen Zehnkampf anzumelden. Dann klappt es auch mit der AOK. Die ja angeblich jeden nimmt.

Komischer Effekt: Immer wieder über die deutsche Krankenverischerungspflicht belehrt zu werden, gleichzeitig aber die Ablehnung zu bekommen. "Es herrscht Trinkpflicht", sagte der Beduine zum Verdurstenden in der Wüste. Und stieg aufs Kamel und ritt fort.

Und langsam brauche ich die Ablehnungen mal schriftlich, diese mündlichen sind bequem für die AOK, aber wenig hilfreich für mich.

Also auf zur DAK. Hat die nicht Schwerter und Schild als Kassensymbol, jedenfalls früher mal? Da kommt man bestimmt nicht so einfach rein....

4. Versuch DAK: Die DAK scheint mich zu nehmen, sie müssen wohl, weil eben Rechtsnachfolger meiner letzten gesetzlichen KV in Deutschland.
Interessant: Es gibt wirklich eine Altersgrenze von 55 Jahren. Wer davor nicht in der gesetzlichen KV in Deutschland ist und dann zurück will, kommt nicht mehr zurück! Jedenfalls nicht wenn die Lücke hinreichend groß ist wie bei mir. Auslandsrückkehrer sollten sich also bis spätestens zum 54. Lebensjahr deutlich vor dem 55. Geburtstag wieder in Deutschland bei einer gesetzlichen KV anmelden (bei ihrer letzten bzw, dem Rechtsnachfolger), damit sie im GKV-System bleiben. Der nette Herr von der DAK hat sogar das Vorgehen abgenickt, sich in Deutschland wieder anzumelden und dann zu versichern, selbst wenn man dann weiter im Ausland arbeitet.
Wer mit 55 ohne entsprechende Vorversicherungszeit zurück kommt, dem bleibt nur die private KV.


Zusammenfassung
 
Folgende Firsten haben Auswanderer oder Rückkehrer zu beachten:

2 Jahre: Wer zwei Jahre keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, erhält bei Rückkehr keine finanziellen Leistungen vom Arbeitsamt. Weder Arbeitslosengeld noch Krankenversicherungsbeitrag. Und irgendwie "automatisch gesetzlich krankenversichert" ist man sowieso nicht (liest man immer wieder auf Ratgeberseiten).

55 Lebensjahre: Wer 55 ist und vorher gesetzlich krankenversichert war (evtl. darf kurze Ausfallzeit sein?) kommt trotzdem nicht wieder in die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland zurück. Also unbedingt mit 54 bereits bei der GKV wieder anmelden!

Und goldene Regel: Die einzige GKV die einen arbeitslosen Auslandsrückkehrer aufnimmt ist die letzte GKV oder der Rechtsnachfolger.