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Freitag, März 17, 2017

Automobilistisches

Wieder Auto kaufen. Ludigel ist genervt.

Immer wenn ich über mich selbst in der dritten Person spreche, erinnere ich mich an diesen Artikel eines Psychologen, der die Angewohnheit sich selbst so zu referenzieren als Hinweis auf eine Geisteskrankheit sah. Aber dass man bei meiner Lebensführung irrsinnig würde, wäre so verwunderlich nun auch wieder nicht. Oder "er" irrsinnig würde, der Ludigel in Taiwan.

Wie dem auch sei, nachdem ich kürzlich ob des Hinzugs meiner Frau samt Sohn nach Manila auf den Philippinen und dem Tode meines Vaters bei Hannover, Deutschland meinen Wohnsitz wieder nach Deutschland verlegt hatte, kommt mir mein plötzliches Wiederauftauchen in Taiwan und der alten Firma noch recht merkwürdig vor. Frau will Auto kaufen und hat bereits Wohnung für uns gemietet und wir sammeln demnächst in Manila ein, was von unserem Hausrat dort überlebt hat. Dort ist ein Reihenhaus samt Flatscreen-TV für uns gemietet, in dem ich nie gewesen bin. Eben weil mein Vater verstorben war und ich mich einige Zeit um meine Mutter im Eigenheim bei Hannover gekümmert habe und das eigentlich immer noch tun müsste. Aber ultimative Aussagen der Gattin und ihr plötzlicher Rückzug ins heimische Taiwan schienen meine Anwesenheit erforderlich zu machen und führten - was ich gerne annahm - zu meiner Wiedervereinigung mit Junior (5). Die unstete Lebensweise führt zur Minimierung des Hausrats und zur Verteilung des Rests über drei Länder und zwei Kontinente. Und zum automobilen Chaos.

Bereits 2004 ließ ich meinen alten Mitsubishi Space Wagon in Deutschland zurück, der eigentlich sowieso meinem Vater gehörte und von ihm dann im Wechsel mit seinem neueren Space Wagon gefahren wurde, bis er mit 225 000 km und 10 Jahren oder so für einen Euro an den Mitsubishihändler ging.

Im selben Jahr verloren Frau und ich dann den nicht schönen aber praktischen Kia Carens, weil wir ja für geschlagene drei Monate vorher nach Darmstadt in Deutschland gezogen waren. Bis ich auf Anraten meiner ukrainischen Hausärztin wegen des Augenrollens meiner Frau (der Deutschland nicht recht bekam) eben nach Taiwan zurück zog. Nur jetzt war der Kia schon verkauft und ich weigerte mich bis 2006, einen neuen Wagen im versmogten und zugestauten Taipei zu kaufen. Lange begleitete uns dann ein Nissan X-Trail, doch Dez. 2013 wurde er im Rahmen eines automobilen Wettlaufs im Mittelmanagement meiner Firma gegen einen dicken schwarzen Volvo XC60 T5 mit viel zu viel PS und fast nie von meinem Gasfuß herausgefordertem Turbolader ersetzt. Nur um ihm bei Umzug nach Manila/Deutschland 2016 mit großen Verlust (eine Million Taiwandollar Wertverlust) an das Schwesterherz (Nr. 4) meiner Frau zu verkaufen. Da soll einer nicht irrsinnig werden!

Kurzzeitig in Hannover in Deutschland übernahm ich den vom Vater vererbten Mitsubishi ASX, einen kleinen SUV in roter Knallfarbe, der jetzt unbenutzt in der Garage steht und fast neu ist. Jetzt sind wir wieder in Taipei und haben kein Auto mehr. Frau will immer riesige teure Schlitten kaufen und ich nur einen kleinen gebrauchten, um das Risiko in Garagen dahin vegetierender oder mit Verlust verkaufter Autos zu minimieren.

So sahen wir uns die Tage einen (neuen) Mazda 2 beim Händler an. Eine Million Taiwandollar (viel zu) teuer, schick mit Leder mit roter Naht im Innenraum, verblüffend viel Platz vorne und einem 109 PS-Motor, das Frau aber doch zu klein ist. Die nette Verkäuferin bot uns sogar Sitzplätze, Prospekt und Kaffee an. Vorher hatten wir noch einen VW Golf angesehen, den meine Frau aber wegen des DSG-Getriebeproblems in Taiwan/China nicht wollte. Offenbar vertragen die VW-Gruppe-Autos nicht die Luftfeuchte in hiesigen Breiten. Die nette Verkäuferin bot uns keinen Platz und nicht Kaffee und Kekse an, aber Frau war wohl zu sehr gegen den Golf von Rolf.

Ein Audi A3 Sportback hatte es ihr kurzzeitig angetan. Trotz meiner Mahnung, dass sei auch nur ein Golf. Auch gruselig teuer war der A3 wegen des erhöhten Premiumanspruchs von Audi in Taiwan. "Sieh Dir vorne den Innenraum an", verlangte meine Frau und ich vermied den Blick auf die Oberschenkel  der Minirock tragenden Verkäuferin und starrte stattdessen auf ihre dicke Panerai mit rotem Kroko-Lederarmband, die bestimmt so viel gekostet hat wie der Toyota Yaris, den wir uns vorher angesehen hatten. Ohne die schicke Panerai auf dem Beifahrersitz war der A3 für mich nicht so interessant, dank Premiumklasse-Inflation und wenig Platz für meinen SUV-verwöhnten Körper. Kekse und Kaffee gab es aber bei Audi und den Hinweis, der Audi habe Motoren und Technik wie ein Lamborghini. Hört hört.

Bei BMW hatte der Verkäufer nur einen Autochrono eines nicht so prominenten Herstellers am Arm und es gab auch Prospekt und Kekse und wir saßen im engen 1er und im dickeren X1 Probe. So recht wollte es nicht zünden bei uns, auch wenn die Autos schick waren. Mir war der X1 zu teuer (will nicht schon wieder so viel Geld ausgeben) und der 1er zu winzig-eng.

Bei Mercedes (auf taiwanisch "Benze") empfing uns der schick gekleidete Verkäufer mit grauen Schläfen und dicker grüner Rolex Submariner am Arm kühl distanziert. Sitzplatz oder Kaffee gab es nicht, immerhin einen Prospekt für die A-Klasse auf Nachfrage (auch eng die A-Klasse) und der Verkäufer suchte daimlertypisch arrogant während des Probesitzens das Weite. "Verkauf Dir deinen Benzele doch selber", denke ich. Die Extraliste war sowieso viel zu lang und das Lenkrad gibt es nur gegen Aufpreis oder etwas in der Art.

Der Toyota war auch eng, der Verkäufer hatte eine schwarze Casio-Digitaluhr und war superfreundlich. Aber so recht gefallen wollte mir das Ding auch nicht. Das Auto meine ich. Die Uhr hat ja immerhin netten Retrocharm.

Einen zu großen Wagen wollen wir nicht nehmen. Ich zögere meiner Frau mehrere Jahre meiner Anwesenheit in Taiwan zu versprechen, wartet doch eine ziemlich hilflose Mutter nebst Reihenhaus, DAK- und ADAC-Mitgliedschaft passend zum roten Mitsubishi auf mich. Und meine Frau kann breite große Autos schlecht fahren.

Gleich gucken wir uns einen gebrauchten Audi A6 mit 2,8-Liter und einen Mercedes C250 an. Beide eigentlich zu groß für Frau, aber ohne großen Verlust wieder abstoßbar, sollte ich in meine norddeutsche Heimat verschwinden. Der Dauerkumpel "Will" (Name von der Red. geändert) meiner Frau hat schon zig Warnungen vor den Tricks der taiwanischen Gebrauchtwagenhändler bereit und alle zählen auf meinen Sachverstand. Schließlich muss ich mich als Deutscher sowieso mit Autos auskennen und als Ex-Teilzeit-Gebrauchtwagenhänder (Umsatz 2 Wracks, u.a. mit eingebautem Bettlaken gegen Klappern und mit Pattex angeklebtem Lackflatschen) geht man davon aus, dass ich alle Tricks kenne. Also schnell einen Magneten von der Cubicalwand genommen um evtl. Spachtelmasse zu erkennen. Ich weiß ich weiß, der A6 hat wohl Alu-Türen und Haube.

Manchmal klauen die Gebrauchtwagenhändler den Wagen mit Zweitschlüssel gleich wieder zurück, sagt Will. Na dann gucken wir mal. Große Gefahr beim Gebrauchtwagenkauf in Taiwan sind Hochwasserschäden. Aber die soll man durch Dreck unter Armaturenbrett und Ersatzrad etc. erkennen. Ach, wie gerne würde ich jetzt meinen Mitsubishi ASX aus der Garage holen...

P.S.: Wissen Sie, wie man in Taiwan halbseiden ganz dicke Autos fahren kann, die eigentlich der Bank gehören? Darf ich aber nicht schreiben, sagt meine Frau. Machen wir aber auch nicht ;-)
 

Kommentare:

Ralf Neumann hat gesagt…

Hallo Ludigel, irgendwie hab ich es ja geahnt das Du bald wieder in TW zurück bist.

Mein Beileid für deinen Verlust und dieser Stelle, trifft einem schon.
Leider haben wir uns immer noch nicht persönlich getroffen, damals in Taipeh hat es ja nicht gelappt. Für mich ist TW erst 2018 wieder Reiseziel, allerdings mit einem Urlaub in Japan davor. Zum Auto, hast Du Dir den Prius C angesehen bei Toyota? Seit ein paar Jahren fahren meine Frau und ich jeweils Hybrid, anfangs war meine Frau auch auf SUV Trip (typisch taiwanisch eben ;-)) Jetzt hat Sie den Prius+ (7Sitze) und fährt den sehr gerne. Schön ist die Unterstützung vom E-Motor, viel Anzug und super Ausstattung, sowie geringer Benzinverbrauch (ohne Aufladen an der Steckdose das können unsere sowieso nicht).
Ggf. kommt uns dieses Jahr Schwiegermutter aus TW besuchen, Ihr hatt es das letztemal in D so gut gefallen.

Viele Grüße,
Aus dem nass kalten Deutschland

Karl hat gesagt…


Hmm, eins wundert mich. Wenn Deine Frau traditionell ist müsste sie eigentlich sich um Deine Mutter kümmern denn das ist in Taiwan Tradition.

Wahrscheinlich schreckt sie jedoch das kalte Deutschland ab.

Wie auch immer, ich wünsche Dir viel Glück beim restart in Taiwan.