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Montag, Oktober 21, 2013

Wunderlich...

Ich gebe zu, dass sich meine Lust zum Bloggen in Grenzen hält. Vielerlei Gründe gibt es bei mir, den bisherigen Lebensweg zu überdenken, der nun, wenn ich nicht gegensteure, auf ein Ausklingen des Lebens in einem Taiwanschlichtwohnviertel hinaus zu laufen scheint. Dieser Tage suchte meine Gattin dann Rat bei einem Wahrsager. Der teure Herr gab zum Besten, unser Junior würde drei Söhne und eine Tochter haben, eine ausländische Architektin, Anwältin oder Krankenschwester heiraten und noch allerlei Zeugs mehr. "Geht auch eine Architektin, die manchmal ein Krankenschwesternkostüm anzieht?", wäre da meine spontane Frage, aber ich war nicht mit bei diesem gewichtigen Termin. Ach so ja, Gattin wird nur 64 oder dergleichen, hat er gesagt. Und auch noch was zu Ehe und zu einer etwaigen Neugründung des "Familienbetriebes", von dessen erster Instanz (mittlerweile wieder verkauft) hier ja öfter mal die Rede war. Das mit der Lebenserwartung machen sie mit Handlesen, die durchgezogenen Halbringe unter dem Handgelenk zählen je nach Handleseschule für etwa 20 oder 30 Jahre***. Kommt nicht so genau drauf an.
"Mit Wasser" müsse der Familienbetrieb zu tun haben, um Erfolg zu haben, sagte der mit übersinnlichen Kräften versehene Herr. Also müsse der Ort, in dem der Betrieb liegen würde, entweder an einem Gewässer liegen (ist nicht immer irgendwo eins?) oder man könne etwa einen Saftladen aufmachen. Na ja gut, denke ich mir da, ein Saftladen war unser erster Geschäftsversuch ja möglicherweise, auch wenn wir ihn mit Profit wieder losgeworden sind. Vielleicht reicht aber auch eine Klospülung mit Wasser, ich bin mir da nicht sicher. Todernst nimmt meine Taiwanfamilie hier solche Prognosen und richtet ihre Zukunfsplanung daran aus, was dann zu dem kuriosen Phänomen führt, dass fremde Leute mit tunichtguten Berufen sehr viel mehr Einfluss auf wichtigste Entscheidungen haben als ich selbst beispielsweise.

Kurios auch der Blick zur Uhr auf der Restauranttoilette (hier noch einmal nachgestellt), es fährt einem der Schreck in die Glieder. Nicht weil die Uhr hässlich ist mit ihrer bunten Lünette (das soll der Taiwandepression entgegenwirken, ich bin da besser als andere Expats die Prozac oder Alk nehmen dafür), sondern wegen dem Salamanderdings an der Fensterscheibe.

Noch eigenartiger der Blick nach Vorn beim samstäglichen Holen vom zuckrigen Toast auf indonesische Art zum Frühstsück. Okay, da ist jetzt ein neues Parkverbotsschild. Aber warum empfinde ich dieses jetzt als ungewöhnlich?


Moped, Parktverbotsschild, die Schriftzeichen irgendeiner Firma gleich neben dem BENQ-Hauptsitz hier in Taipei-NeiHu in Taiwan. Nichts besonderes, oder? Mir fiel es nicht sofort auf.

Aha! Schließlich fiel der Groschen. Ein "deutsches" Verkehrsschild mitten in Taipei (oder geographisch gesehen am Rande)! Bin ich also meinem Tagtraum näher gekommen, deutsche Polizei würde hier mal den ganzen Falschparkern (in der Kurve, auf dem Zebrastreifen etc.) zu Leibe rücken? Immerhin fangen die Taiwaner plötzlich an, bei uns im Viertel neue breite Bürgersteige einzuziehen...

... da wo vorher nur ein 50cm-breiter war ist plötzlich ein richtig schöner Bürgersteig. Hier schon fertig gestellt am Park, aber auch der Rest der Straße, wo man sonst wie rechts im Bild zu erahnen ist, oft wegen Mopeds, Laternenpfählen und geschäftlicher Nutzung des schmalen Streifens auf die Fahrbahn ausweichen musste, wird einen solchen erhalten. Und sogar mit Parkverbot, jedenfalls hier. Verbeiterung des Fußweges auf Kosten von Parkraum - und das in Taipei! Also werden die Taiwaner deutschmenschig?

Weit gefehlt, das kuriose Verkehrsschild diente Filmaufnahmen, die gerade wieder mal an der recht repräsentativen Ecke nahe des TV-Studios in NeiHu stattfanden. Ob die deswegen auch den Bürgersteig verbreitern, keine 50m von den Filmstudios entfernt? Dann können die jungen Frauen im weißen Brautkleid,  die in den Soaps immer vor ihren Gatten davonlaufen viel besser heulend durch die Gegend schweben - und kostengünstiger wäre es wegen des nahen Drehorts.

*** FUCK. Habe es gerade mal bei mir selbst an der linken Hand überprüft (die soll man nehmen). Ich habe nur zwei "Jahresringe". Bin also evtl. schon längst verstorben. Auf Magie ist also Verlass, keine Frage.



Edit: Die Bürgersteiganlage ist sicher im Rahmen der allgemeinen Reonnovierung von Taipei zu sehen, die mir schon seit geraumer Zeit auffällt. Großes halbes Lob hier an der Stelle. Alternative Erklärungen für den Bürgersteig bitte in die Kommentare. Mir fiele noch ein:

1. Der deutsche Gastronom Michael Wendel, der seine NeiHu-Zweigstelle in der Nähe hat, hat seinen Einfluss über Gebühr ausgedehnt.

2. Die Benq-Leute hatten deutschen Geschäftsbesuch und haben es mit der Gastfrendlichkeit übertrieben.

3. Merkel und Ma ("Taiwans" Präsident) haben bei diesem Fast-Gespräch (http://www.scmp.com/news/china/article/1196646/ma-ying-jeous-vatican-trip-which-beijing-barely-protested-success, Ma ist der Herr mit Sonnenbrille) etwas ausbaldowert.

4. Wo kriege ich weiße und grüne (OK, mittlerweile blaue und silberne) Farbe zum Umlackieren meines Nissans und eine deutsche Polizeiuniform zum abkassieren her? Und ne Wumme brauche ich dann auch.

Kommentare:

"Ludigel" hat gesagt…

Verdammtes Internet. Man sucht ein Bild von Merkel und Ma und findet ein Nacktfoto von der Bundeskanzlerin in jungen Jahren. Ohne Kanzlerschaft und Kleider also. Auf einer polnischen Illu-Seite. Es sei nur bemerkt, Frau Merkel, sollte das Bild echt sein (es sieht so aus), hat sich nichts vorzuwerfen in diesen jungen Jahren. Trotzdem unterdrücke ich hier aus Prinzip jedweden Link. Bundeskanzler will man nicht nackt sehen, schon aus Verfassungstreue nicht. Unglaublich.

"Ludigel" hat gesagt…

Der Ratschlag taucht nix.
;-)

Xinxi hat gesagt…

Hoffentlich kriegt ihr beiden doch noch die Kurve. Hier in Taiwan sind Schwiegermütter manchmal, hm, kompliziert. Wie wäre es, wenn du mit deiner Frau einen Wahrsager/Meister aufsuchst, der ganz offensichtlich viel fähiger ("Lihai!") ist als alle Hinterhoftempeltanten? Hier in Kaohsiung haben wir doch diese riesige buddhistische Klosteranlage, das Foguangshan Kloster. Du könntest z.B. dort anrufen und deine Situation schildern. Bei Tee und Keksen würde dann sicher ein netter Buddha-Kleriker deiner Frau freundlich-bestimmt erklären, dass Frauen gefälligst ihrem Gatten zu gehorchen haben. (Ja, die meisten Mönche sind arg konservativ. Sogar der Dalai Lama. Kein Wunder, dass so viele westliche Männer konvertieren...=

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Gehr mir genauso. Schwiegermutter taut mir nichts zu. Toilette rinnt. Der Ausländer zieht die Schrauben an. Dicht. Totzdem wird ihr Sohn nochmal geholt zum überprüfen. Lampen wechseln ...zu hoch für den Ausländer. Dunstabzugshaubenfilter wechseln.....Nacharbeit vom Schwager...usw..usw. Das Ergebnis: Ich mache gar nichts mehr und warte bis die Schwiegermuttersöhne kommen.
Ist gar nicht sooo schlecht. Anderen beim Arbeiten zusehen. Ich weiss auch nicht ob sie mich ignoriert. Ich meinerseits ignoriere sie seit Ewigkeiten. Spiess rumgedreht. Sie versucht immer wieder an mich ranzukommen. Will ich aber nicht. Einfach so. Ohne Grund.

"Ludigel" hat gesagt…

Ach ja, meine Strategie, mit Schwiegermutter auf Chinesisch zu kommunizieren hat dann Erfolg gehabt. Sie hat mich nicht mehr ignoriert, sondern sich beschwert, ich würde die (gummifalzlose) Metallwohnungstür zu laut schließen. Seither kommuniziere ich nicht mehr. Nix verstehen, bu hao ihse. Vergessen wie man das schreibt.

"Ludigel" hat gesagt…

Man ist doch irgendwo kein richtiges Familienmitglied, und nur so ein halber Homo Sapiens Sapiens, denn der ist eigentlich hier ein Homo Sino Sapiens, denke ich immer. Anfangs war es bei mir so am Arbeitsplatz. Saß ich im Büro als Informatiker länger an einem Problem, haben sie einen "some College"-Kollegen vorbei geschickt, der so gut wie nichts wusste, aber meinen Arbeitsplatz für Stunden erfolglos lahmlegte und mir die Konfiguration versaute, bis er endlich aufgab und ich weiterarbeiten konnte. Ein richtiger Mitarbeiter ist eben kein Laowai, das war anfangs die Einstellung. Ein knapp dosierter Wutanfall nebst Vertreibung des "Experten" hat dann dem ein Ende bereitet. Meine Gattin ruft immer noch ihren alten Kumpel B., wenn es irgendeine schwierige Sache gibt oder was zu reparieren gibt. Und ich habe mir auch angewöhnt, mich da mittlerweile entspannt zurück zu liegen und den "richtigen Menschen" den Job machen zu lassen.

"Ludigel" hat gesagt…

ich müsste mich dann einfach ihrer Meinung anschließen.

Xinxi hat gesagt…

Deine, hm, Herausforderungenin Taipei sind aber nur ganz peripher taiwanesisch. Hat wohl damit zu tun, dass deine Schwiegermutter irgendwelche Kontrollwünsche ausleben will. Meine Verwandten hier sind sehr in Ordnung. Wir behandeln uns gegenseitig höflich, geben Schwiegermutter für ihre Kinderbetreuungshilfe Entgeld und kleine Geschenke und halten ansonsten eine Handbreit Abstand. Wäre das anders, würde ich meiner Frau auch was husten.

"Ludigel" hat gesagt…

Der Gipfel des unterseeischen Mount Everest scheint etwas durch die sanfte See des Blogs ;-)