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Dienstag, März 01, 2016

Macao Tail* 2: Fake-Venedig, aber nett

Zweiter Teil: Wie nett ist Fake-Venedig, warum reist man ständig von Hotel zu Hotel und wo ist jetzt eigentlich das richtige Macao. Oder ist es das schon?

Teil 1 hier

Bei der Reise durch Macao, der portugiesischen Ex-Kolonie, die längst heim im chinesischen Reich ist, tingelten Frau, Junior und ich meist einfach von einem Hotel ins andere. Hinten dran hatte unser Hotel einen großen Busbahnhof mit Gratisbussen, die draußen dran schon die Reklame ihrer Hotels hatten. Man steigt ein und ist im nächsten Hotel. Das ist dann wie auch das eigene Hotel ein Themenhotel mit Casio, man bestaunt eine andere Kunstwelt, etwa ein güldenes Reh - und isst anderes Essen. Auch nett.

Man ist doch von seiner Weltreligion geprägt und muss dann irgendwie an die Bibel denken. Auch wenn es kein Kalb ist.

Thema dieses Hotels hier ist wohl Metro-Goldwin-Mair, wie immer die sich auch genau schreiben.

König der Themenhotels ist für mich aber das "Vencian". Während ich über die Deko staunte, rannten meine taiwanischen Mitreisenden im Eiltempo an der Venedig-Kulisse vorbei, weil es in dem Hotel irgendwo einen leckeren Teigtaschen-Stand geben sollte, von dem schon die ganze Greater-China-Welt sprach. Sie würdigten die Kulisse keines Blickes, kannten ja auch die Originalbauwerke nicht, wie ich mich durch Nachfragen vergewisserte. Also nur ein Brücke mit Dach und ein Turm halt. Eben keine Sweet Buns. Edit: Tolle Verzerrung bei 28mm-Fullframe. Habe auf Korrektur mal verzichtet, Pisa liegt ja irgendwie in der Nähe.

Hinten sieht man meine der lecken Teigtasche entgegen strebende Reisegruppe, die sich wunderte, wieso der Ausländer im Team unbedingt das Hotel fotografieren wollte.

Auch prächtige Innendeko konnte ich kaum fotografieren. "Ludigel, the sweet buns are famous!". Wer kennt diesen Schlachtruf nicht aus der Ehe aus Taipei. Man muss unbedingt zur Garküche 1457423 in Taipei, wo es genau das selbe Essen wie anderswo gibt, nur eben teurer und mit 2 Stunden anstehen. Weil famous. Weil ein Schwippschwager des Garküchenaushilfskochs beim Fernsehen arbeitet. Also mehr schlecht als Recht das Innere abgelichtet und auf zum Sweet Bun.

Die Deckenmalerei zeigte Michelangelos "Sweet Bun mit brauner Soße und nackter Frau".

Hier hatte man dann Abendstimmung am Mittag, denn große Teile des Hotels sind eine nachgemachte Venedig-Landschaft mit Kunsthimmel.

Auch wenn die Deko der Geschäfte nicht immer zum Ambiente der Papparchitektur passte.

Ob es wohl Gondeln gab?

Gab es, waren aber zu gefährlich, urteilte meine Frau. Man achte drauf, wie diese andere Reisegruppe hier um das Überleben kämpft.

Drinnen war es schattig und kühl der Klimaanlage halber, draußen eher heiß.

...

...

Nett allerdings der versprochene Food-Court, auch wenn ich vergessen habe, welche der zahlreichen Spezialitäten nun "famous" gewesen war. Unsere Reisegruppe orderte dann immer ein Teil des Essens, teilte das durch alle 8 oder dergleichen Anwesenden und so bekam ich kaum einen Eindruck von dem Essen. Vom Sweet Bun mit Kotelett hatte ich nur eine Fleischfaser und einen Krümel abbekommen nebst dem Knochen. Taiwaner genießen anders. Denn Ziel war, möglichst viele Speisen mal partiell zu kosten, nicht etwa etwas richtig zu Essen.

 ...

.... Verdammt, jetzt hat einer die Nudelsuppe schon wieder ausgelöffelt, kaum mache ich ein Foto.

Geht man in Macao einfach planlos in eine Richtung, landet man zwangsläufig an einem Kasio.

Mehr beim nächsten Mal...


*Offenbar ein Freudscher Schreibfehler, weil dem Viech im ersten Bild das Schwanzerl fehlt.

Kommentare:

PE hat gesagt…

Ja, das ist der Grund, warum ich nicht mehr so gerne mit den meisten Taiwanern wegfahre. Bedauerlicherweise ist der Beitrag keine uebertriebene Darstellung sondern eine reale Beschreibung des Reiseverhaltens der ueber 35jaehrigen Taiwaner.

Eins hast Du vergessen: Das Essen wird schweigend reingeschlungen waehrend alle am Mobil spielen. Der einzige "Sozialkontakt" ist das gegenseitige Fotografieren oder das Selfie zu zweit.

Die juengeren Taiwaner sind zum Glueck etwas offener.

"Ludigel" hat gesagt…

In der Tat ist es so. Dass man nicht in Ruhe essen kann, nervt sehr in Taiwanergruppen. Jeder will was vom eigenen Teller. Das "famous" Essen war wohl das Macao-typische süße Brötchen mit Schweinekottelet drin. Oft konnte man den Sweet-Bun zum normalen Petite Pan oder eben Semmel downgraden, was noch wesentlich besser und bei mir viel famouser war.
Genau. Ohne Handy kein Sozialleben in Taiwan. Sind die jüngeren wirklich besser? Auch bei den 20jährigen sehe ich es so.

"Ludigel" hat gesagt…

Und das Essen fotografieren ;-)