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Freitag, November 22, 2013

Kaufhausessen

Reißerische Schlagzeilen in der letzten Zeit im Taiwanblog. "Müllverwertungsplatz in Taiwan" war gestern und heute ist es "Kaufhausessen". Nicht, dass da ein Blogleser aufgeregt vom Schreibtischstuhl rutscht. Aber das ist eben die Normalität in Taiwan - und die ist ja auch mal nicht zu verachten.

Die moderne "Mall" aus Glas und Beton liegt in einer ausgesprochen grauen Schlichthaussiedlung, wie sie immer noch große Teile Taipeis dominiert (hier im Bilde: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/auf-der-fuhrerscheinstelle.html). Drinnen dann die übliche Kaufhauswelt, Boutiquen, Boutiquen und Schihgeschäfte und ungewöhnlich viele Restaurants, etwa ein Italiener Taiwanstyle und ein paar Japaner. Ein Kino und ... ein großer Foodcourt, wo man also in der Mitte sitzt und an vielen kleinen Essensständen in fast klinisch reiner Kaufhausatmosphäre für ungefähr 180 bis 250 NT pro Portion (also 4.50 Euro bis in seltenen Fällen etwas über 6.00 Euro) ganz gut essen kann. Es ist so eine Art genormte Foodcourtküche, da man da kriegt, fast überall ist es das selbe Essen im Grunde genommen.

Hier das Essen, das unser Kollege Bill für mich bestellt hatte, während ich mit Gattin noch auf der Führerscheinstelle war. Essen kann man das gut, so eine Art westlich orientiertes Normessen, schmeckt sogar gut, aber nichts besonderes irgendwie. Ein auf heißer Platte liegendes dünnes Kotelett (in Taiwan hält man es mit den Stäbchen fest und beißt dann ohne dabei zu knurren oder zu wedeln davon ab ;-)  mit einer grob an Spaghetti Bolognese orientierten Grillsauce darüber, die man gleich daneben in einem Stapel selbiger Nudeln wiederfindet in einer tomatigeren Version. Die Spaghetti sind dabei noch etwas besser als es in Deutschland Tomatendosennudeln sind. Ein Spiegelei dazu und fertig ist das Hauptgericht. Beilage ist ein süßes weiches Brötchending, das glaube ich irgendeine süße Fettfüllung hatte (kann man essen oder es sein lassen) und noch ein Süppchen. Im Foto völlig verborgen unter der standardisierten Teighaube. Meist hat man eine Maissuppe, eigentlich fast immer, hier war sie ganz gut, es gibt es auch oft in einer faden, noch langweiligeren grauen Version. Einen kleinen Pappbecher mit süßem Eistee oder wahlweise Cola oder Sprite etc. kann man nachfüllen. Fertig ist das satt machende Essen.

Nun bin ich nicht mehr so der Fleischesser, daher fällt meine Kritik nicht so ungemein positiv aus. Gattin hatte einen heißen Topf süßlicher Fleischbrühe, mit Pilzen und Kochfleisch drin (dünnes Schwein), Tofu und Gemüse, sowei ein Scheibchen von diesem fischigen irgendwas-Presszeug, das hier wie immer schön gefärbt ist mit Bluemenmuster. Sehr wohlschmeckend der Sud und mit wenig Fleisch, was ich viel lieber mag. Es ist aber schwierig die fleischetarischen Essgewohnheiten der Vergangenheit los zu werden, stelle ich wie hier immer wieder fest. Denn sie leben in den Köpfen der Leute fort, die mir dann viel Fleisch bestellen wie früher. Sie meinen es ja nur gut ;-) Ups.... die riesige Krustenschweinshaxe ist immer noch im Gefrierfach, fällt mir gerade ein. Hmmm.... muss ich mal an einen Straßenhund verfüttern ;-)


Für die Kleinen gibt es hier tolle Einkaufswagen mit Fahrerkanzel, na das wäre was für unseren Junior gewesen. Der war allerdings zu Hause, wir waren ja nur in der Mittagspause schnell in der "Mall".

Mitgenommen haben wir dann noch eine Nachspeise, eingetütet im Papptöpfchen. Landestypisch ein Soyapudding, er hier die Basis für alle gezeigten Nachspeisen ist. Schmeckt schwachsüß und ähnlich wie ein deutscher Pudding, nur nicht so kräftig vanillig. Dazu süße dünne Soße mit eingelegten halbweichen Erdnüssen, vielleicht ein paar rote süße Böhnchen noch und ein Schlag Süßgibberklöschen, so eine Art mehliger Wackelpudding ohne Wackel. Und rosa und rote halbsüße Klöschen. Ist durchaus gewöhnungsbedürftig für den deutschen Gaumen, esse ich aber mittlerweile sehr gern.

Soweit der Ausflug ins Kaufhaus.... normaler Alltag auch mal im Taiwanblog.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Und danach das ganze fettige ölige Geschirr spülen.....wie in TW ublich, OHNE Spülmaschine.
Ich weiss zwar nicht was das Wasser in TW kostet, aber es muss spottbillig sein. Meine Schwägerin duscht, (ungelogen) mind. 1 Stunde.
Und Schwiegermama verbraucht einen gefühlten Kubikmeter Wasser für den Mittagsabwasch.

Meine Holde hat mir allerdings einen Grund für die Spülmaschinenverweigerer gegeben. Die braunen Krabbler mit den langen Fühlern! Die würden sich dort wie ein Metzgershund fühlen. Stimmt's ?

Xinxi hat gesagt…

Nee, nix mit Insekten. Wir haben unsere ASKO-Spülmaschine schon seit mehr als einem Jahr auf dem Balkon stehen. Von Ekeltierbefall keine Spur. Man darf halt nix lange offen stehen lassen. Und wenn es im subtropischen Kaohsiung funktioniert, sollte es auch sonstwo gut klappen. Wasser ist in Taiwan übrigens deswegen so günstig, weil aus den Bade- und Spülleitungen kein Trinkwasser kommt. (Wobei der Umgang mit Wasser übrigens eine echte Ferkelei ist. Von wegen buddhistische Achtsamkeit, katholische Verantwortung vor Gott oder daoistischer Naturmystizismus! Hier läuft jede Brühe direkt in den Gully. Die japanischen Faschisten und Kolonialbeamten vor 1945 waren zwar brutale Ekelpakete, aber wenigstens gab es damals hübsche Gebäude und ernsthafte Ansätze von Umweltschutz. Zumindest in der Musterkolonie Taiwan.)