Dieses Blog durchsuchen

Mittwoch, November 02, 2016

Manila: Australier wird fast Opfer des "War on Drugs"

Bislang hielt man sich als Ausländer abseits des Drogensumpfes auf den Philippinen für nicht mit dem Drogenkrieg involviert. Und Metro Manila und das "sichere" Viertel Makati galten als Sicherheitszonen für unsereinen

Wieder und wieder verschieben wir unsere Übersiedlung nach Manila, wo meine Frau das dortige Familienunternehmen vergrößern will und wo ich meinen Aufenthalt nur als temporär ansehe. Zwar tobt ein vom neu gewählten Präsidenten verordneter Drogenkrieg im Land, bei dem Todesschwandronen auf offener Straße Verdächtige niederschießen, aber man fühlt sich als Unbescholtener doch über solchen Dingen stehend. Wie schnell das anders gehen kann, kann man man am Fall des Damien Berg sehen. Der Australier hat in Makati gearbeitet (für ein großes Unternehmen) und seine Freundin erwartete ein Kind. Plötzlich kreuzt die Polizei auf, die offenbar einen anderen Ausländer schon am Wickel hatte und nimmt ihn wegen Drogenhandels fest. Der unbescholtene Mann dachte, er sei mitten in einem Raubüberfall. Die Polizei behauptete, er habe auf der Straße Drogen verkauft. Tatsächlich wurde er jedoch in einem Hotel festgenommen, in dem er gearbeitet hat. Das ließ sich durch das Hotelvideo belegen.

Gut, dass er seine Unschuld beweisen konnte. Gut, dass er mittlerweile das Land verlassen hat, bevor er noch auf irgendeiner Drogen-Verdächtigenliste stehend außergerichtlich erschossen wird.

Ich gebe offen zu, der Fall Berg könnte für mich der "Turnaround" sein, wegen dem ich beschließe, in Manila übernächsten Freitag nur meine dort schon hin geschickten Sachen zu packen und mit dem nächsten Flieger wieder nach Deutschland zu fliegen. Ich google gerade noch und grübele drüber. "Googelgrübeln" müsste eigentlich ein neues Wort sein. Seit Präsident Dutertes Todesschwadronen-Krieg gegen Verdächtige im Drogenmilieu so richtig am "fliegen" ist, ziehe ich meinen Plan mich dort ein paar Wochen oder gar länger aufzuhalten, mehr und mehr in Zweifel. Edit: Frau ist nach wie vor enthusiastisch, was nutzen da also meine Zweifel ;-)

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3829763/Australian-man-Damian-Berg-accused-selling-cookie-monster-ecstasy-released-jail.html

http://philippinenmagazin.de/2016/10/11/australier-damian-berg-wieder-zu-hause/ 

Update: Offenbar hat die Polizei von Berg Geld verlangt nach seiner Festnahme. Und offenbar wurde er durch den "Bekannten eines Bekannten" da rein gezogen ohne selbst irgendetwas mit Drogen zu tun zu haben: http://www.sbs.com.au/news/article/2016/10/10/they-put-gun-my-head-aussie-man

Update2: Der "Bekannte eines Bekannten" hat genau so eine Geschichte, nur konnte er nicht seine Unschuld beweisen und ist mittlerweile zu lebenslanger Haft (!) verurteilt worden. Weil er angeblich auch Ecstasy verkauft haben soll wie Berg, der auch nichts verkauft hat.

http://ottawacitizen.com/news/local-news/canadian-jeremy-eaton-sentenced-to-life-in-jail-in-philippines-for-selling-ecstasy

Update3: Zusammengefasst hat die Polizei behauptet, Berg habe dem Kanadier Eaton Ecstasy auf der Straße verkauft und beide seien dabei verhaftet worden. Nun konnte sich Berg mit dem Video reinwaschen, das zeigt, dass erst die Polizei Eaton überhaupt zu Berg gebracht hat - nämlich ins Hotel. Daher wurden die Vorwürfe gegen Berg fallen gelassen. Eaton sitzt aber bereits zu Lebenslänglich verurteilt - auch als Drogendealer. Chaos und Unsinn. Leider wird die Polizei ermutigt, irgendwelche Anschuldigungen zu erfinden wegen des aktuellen "Kriegs gegen die Drogen" und steht natürlich mit solchen Ausländergeschichten im Rampenlicht.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Ludigel,

anbei ein Bericht der Japan Times über Manila:

http://www.japantimes.co.jp/opinion/2016/11/02/commentary/world-commentary/dutertes-separation-teaches-america/?utm_source=Daily+News+Updates&utm_campaign=c4e195f5bb-Thursday_email_updates03_11_2016&utm_medium=email&utm_term=0_c5a6080d40-c4e195f5bb-331660225#.WBoPD9wxkck

Nach Deutschland können Sie getrost kommen: Wir bleiben weiterhin das Schoßhündchen Amerikas.

Matteo

Anonym hat gesagt…

Hi Ludigel,
die Sache würde ich so betrachten: da wurden nun schon tausende(!) von Dealern und vermeintlichen Dealern umgebracht. Was macht die Polizei nun: ermittelt sie tausendfach wegen Mordes? Wohl kaum. Es wäre gefährlich für die Polizisten und auch nicht opportun. Was bedeutet das wenn jemand - wegen was auch immer - mit der Polizei zu tun hat? Die Polizisten werden immer erst überlegen, wer da involviert ist, involviert sein könnte - und welche Macht (finanziell, politisch, kriminell...) dahinter steht. Sie werden nicht unvoreingenommen ermitteln, weil sie es nicht können. Auch Polizisten haben Familien. Sie werden sich z.B. kaum getrauen, einem vermuteten "Todesschwadronier" wegen irgendwas zu behelligen. Als Ausländer "Otto Normalverbraucher" kann man da nicht viel solcher "Macht" in die Waagschale werfen. Wenn man also in Probleme gerät, löst man diese am Besten ohne Behörden. Oder man versucht erst gar keine Probleme zu erzeugen: Wenn Euch also jemand ernsthaft bittet, einen bestimmten Laden eben doch nicht zu mieten, ein Geschäft nicht zu eröffnen, etc., schiene es vielleicht vernünftig, dem Rat zu folgen. Natürlich solltet ihr keinesfalls einem "Todesschwadronier" irgendwie Konkurrenz machen oder den Laden wegschnappen.
Aber solange ihr auf den Philippinen einfach nur Eure Ersparnisse auf den Kopf haut, ist vermutlich nicht viel zu befürchten.
Viele Grüße
Martin

Anonym hat gesagt…

... "Offenbar hat die Polizei von Berg Geld verlangt nach seiner Festnahme."
Ludigel, vielleicht weißt Du dass in den USA Bedienungspersonal von Restaurants kaum einen Lohn bekommt. Wer solche Jobs annimmt macht dies in der Erwartung auf das Trinkgeld. Traust Du Dich da, ohne Trinkgeld das Restaurant zu verlassen? Was denkst Du, wenn ein Reicher trotz guter Bedienung kein Trinkgeld geben will? Hast Du das Recht, ohne Trinkgeld ordentlichen Service zu erhalten?
Und jetzt denke an asiatische Polizisten: in manchen Ländern liegt ihr Lohn unter dem Existenzminimum (z.B. Bangladesh), in Ländern wie die Philippinen nicht sehr weit darüber. Vgl. http://www.philippinenportal.com/lofiversion/index.php?t2165.html
Hast Du das Recht, ohne "Trinkgeld" ordentlichen Service zu erhalten? Vor allem, wenn man reich ist oder vermeintlich reich ist? Oder gar so reich ist, dass man einen ordentlichen Batzen Cash mitbringt, der gleich zu einer Geschäftseröffnung reicht?

... "Offenbar hat die Polizei von Berg Geld verlangt nach seiner Festnahme."...
Na und? Auch auf den Philippinen wollen Polizisten ihren Kindern eine Schulausbildung ermöglichen. Und nein, da ist wirklich keine Ironie drin.