Bislang hielt man sich als Ausländer abseits des Drogensumpfes auf den Philippinen für nicht mit dem Drogenkrieg involviert. Und Metro Manila und das "sichere" Viertel Makati galten als Sicherheitszonen für unsereinen
Wieder und wieder verschieben wir unsere Übersiedlung nach Manila, wo meine Frau das dortige Familienunternehmen vergrößern will und wo ich meinen Aufenthalt nur als temporär ansehe. Zwar tobt ein vom neu gewählten Präsidenten verordneter Drogenkrieg im Land, bei dem Todesschwandronen auf offener Straße Verdächtige niederschießen, aber man fühlt sich als Unbescholtener doch über solchen Dingen stehend. Wie schnell das anders gehen kann, kann man man am Fall des Damien Berg sehen. Der Australier hat in Makati gearbeitet (für ein großes Unternehmen) und seine Freundin erwartete ein Kind. Plötzlich kreuzt die Polizei auf, die offenbar einen anderen Ausländer schon am Wickel hatte und nimmt ihn wegen Drogenhandels fest. Der unbescholtene Mann dachte, er sei mitten in einem Raubüberfall. Die Polizei behauptete, er habe auf der Straße Drogen verkauft. Tatsächlich wurde er jedoch in einem Hotel festgenommen, in dem er gearbeitet hat. Das ließ sich durch das Hotelvideo belegen.
Gut, dass er seine Unschuld beweisen konnte. Gut, dass er mittlerweile das Land verlassen hat, bevor er noch auf irgendeiner Drogen-Verdächtigenliste stehend außergerichtlich erschossen wird.
Ich gebe offen zu, der Fall Berg könnte für mich der "Turnaround" sein, wegen dem ich beschließe, in Manila übernächsten Freitag nur meine dort schon hin geschickten Sachen zu packen und mit dem nächsten Flieger wieder nach Deutschland zu fliegen. Ich google gerade noch und grübele drüber. "Googelgrübeln" müsste eigentlich ein neues Wort sein. Seit Präsident Dutertes Todesschwadronen-Krieg gegen Verdächtige im Drogenmilieu so richtig am "fliegen" ist, ziehe ich meinen Plan mich dort ein paar Wochen oder gar länger aufzuhalten, mehr und mehr in Zweifel. Edit: Frau ist nach wie vor enthusiastisch, was nutzen da also meine Zweifel ;-)
http://www.dailymail.co.uk/news/article-3829763/Australian-man-Damian-Berg-accused-selling-cookie-monster-ecstasy-released-jail.html
http://philippinenmagazin.de/2016/10/11/australier-damian-berg-wieder-zu-hause/
Update: Offenbar hat die Polizei von Berg Geld verlangt nach seiner Festnahme. Und offenbar wurde er durch den "Bekannten eines Bekannten" da rein gezogen ohne selbst irgendetwas mit Drogen zu tun zu haben: http://www.sbs.com.au/news/article/2016/10/10/they-put-gun-my-head-aussie-man
Update2: Der "Bekannte eines Bekannten" hat genau so eine Geschichte, nur konnte er nicht seine Unschuld beweisen und ist mittlerweile zu lebenslanger Haft (!) verurteilt worden. Weil er angeblich auch Ecstasy verkauft haben soll wie Berg, der auch nichts verkauft hat.
http://ottawacitizen.com/news/local-news/canadian-jeremy-eaton-sentenced-to-life-in-jail-in-philippines-for-selling-ecstasy
Update3: Zusammengefasst hat die Polizei behauptet, Berg habe dem Kanadier Eaton Ecstasy auf der Straße verkauft und beide seien dabei verhaftet worden. Nun konnte sich Berg mit dem Video reinwaschen, das zeigt, dass erst die Polizei Eaton überhaupt zu Berg gebracht hat - nämlich ins Hotel. Daher wurden die Vorwürfe gegen Berg fallen gelassen. Eaton sitzt aber bereits zu Lebenslänglich verurteilt - auch als Drogendealer. Chaos und Unsinn. Leider wird die Polizei ermutigt, irgendwelche Anschuldigungen zu erfinden wegen des aktuellen "Kriegs gegen die Drogen" und steht natürlich mit solchen Ausländergeschichten im Rampenlicht.