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Freitag, November 27, 2015
Please Pray the Rosary!
Gesicherte Tafel irgendwo in Manila, durchs Autofenster fotografiert während wir im Stau stehen. Beispiel für den strengen Katholizismus im Land: Überall sind Jesus und Mutter Maria im Stadtbild zu finden als Standbilder oder ikonenartige Bilder.
Freitag, November 20, 2015
Queen's Head, Yehliu-Kap. 2005
Im Jahre 2005 war es noch nicht so überlaufen. Hat es damals schon Eintritt gekostet? Ich weiß es nicht. Aber es gab damals noch keine Flut von VR-China-Touristen, die den Platz heute sehr überlaufen machen. Eher spärlich die Besucher damals am "Königinnen-Kopf", dem Wahrzeichen Taiwans.
Bilder ohne Worte mit einer Minolta Dynax 600si classic, einer analogen SLR-Kamera. Objektive: Ein Tamron 4-5.6/28-105 und ein Tokina 3.5-4.5/19-35mm. Beide könnten ich auch heute noch an der Sony DSLR verwenden, sie leben aber nicht mehr.
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... und ein Minolta 4.5-5.6/70-300mm, auch schon verstorben dank Pilzbefall.
Bilder ohne Worte mit einer Minolta Dynax 600si classic, einer analogen SLR-Kamera. Objektive: Ein Tamron 4-5.6/28-105 und ein Tokina 3.5-4.5/19-35mm. Beide könnten ich auch heute noch an der Sony DSLR verwenden, sie leben aber nicht mehr.
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... und ein Minolta 4.5-5.6/70-300mm, auch schon verstorben dank Pilzbefall.
Donnerstag, November 12, 2015
Wirre Geschichte: Security-Guard attackiert Ausländer in Metro (Update)
Da trägt ein Taiwaner die Uniform eines Security-Guards eines offenbar dänischen Unternehmens in Taipei und attackiert einen westlichen Ausländer in Taipeis Metro MRT mit offenbar rassistischen Sprüchen.
http://michaelturton.blogspot.com/2015/11/something-to-watch-out-for-racist-suit.html
Das Video will nicht richtig laden bei mir. Nach dem was ich sehen kann spielt vielleicht eine weibliche Begleitung des Ausländers eine Rolle und offenbar fällt irgendwo eine Formulierung, die in Richtung "Hure" geht. Von so einem Vorfall habe ich in Taiwan noch nie gehört, es handelt sich um einen Einzelfall würde ich sagen. Der Attackierer legt es offenbar darauf an geschlagen zu werden und fordert den Ausländer sogar dazu auf. Möglicherweise schielt er auf eine teure Klage, die er dann dem Ausländer anhängen könnte und hofft wohl nicht zu Unrecht - nach allen Erfahrungen - für diesen Fall auf Solidarität von Polizei und Gericht. Der Ausländer lässt sich von dem Herrn aber nicht provozieren.
Schon bizarr, für ein "Laowai"-Unternehmen in Taiwan zu arbeiten und dann einen Laowai in der Metro anzumachen. Hoffentlich verfährt der Securitymensch da großzügiger mit Geschäftsbesuchern des Unternehmens ;-)
Auf der Facebookseite des Unternehmens wird der Fall diskutiert. https://www.facebook.com/issworld/
Wer weiß was dahinter steckt. Es wäre das erste Mal, dass Aktionen wie irgendwelche Popmusik-Videos, die einheimische Damen dazu auffordern, sich nicht mit Ausländern einzulassen (das Taiwanblog hatte berichtet) Früchte tragen würden. Sehen wir es lieber als Einzelfall eines sehr gestressten Menschen.
Grundsätzlich würde ich sagen hat sich die "Willkommenskultur" der Taiwaner für uns Weißbrote von "extrem freundlich" im Jahre 2004 (als ich hier angekommen bin) über die Jahre hin zu "neutral" verschoben. Wobei wohl auch die häufigen Anti-Ausländerstories in der Taiwanpresse eine Rolle spielen.
EDIT: Wie man auf Forumosa.com sieht, bearbeitet die Polizei den Fall offenbar nicht. Hingegen wäre ein Ausländer, der einem Taiwaner gegenüber beispielsweise "Fuck you" sagt, sehr schnell zu einer Geldstrafe verurteilt. Das ist schon recht häufig vorgekommen. Man sollte sich nicht provozieren lassen, bereit stehende Smartphones vom Angreifer oder von Passanten warten nur drauf, ein "Fuck you" oder gar eine Handgreiflichkeit seitens eines westlichen Ausländers aufzuzeichnen***. Auch wenn dieser Fall hier vermutlich anders ausgehen wird.
UPDATE: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=153510&start=30
Wieder mal ist das Video der Metro-Videoüberwachung schon gelöscht worden (nach 7 Tagen) bevor die überarbeitete Polizei dazu gekommen ist, es sicherzustellen. Das passiert in Taiwan grundsätzlich, wenn etwas für einen Ausländer entlastend sein könnte und ist schon fast ein Sprichwort in der Ausländergemeinde geworden. Und beim Transfer des Smartphonevideos von einer Police Unit zur nächsten ging das Video auch verloren. Nun gut, es ist ja im Internet zu finden.
UPDATE 2: Das dänische Unternehmen ISS stellt offenbar weltweit Dienstleistungen von Gebäudereinigung bis hin zu Security zur Verfügung. Allerdings war der Wachmann wohl nicht für die MRT tätig sondern reiste privat in der MRT.
*** Ein Beispiel für eine gelungene Shitstorm-Attacke auf eine US-Amerikanerin, die in der MRT wie viele Taiwaner auch einen Sitzplatz mit Einkaufstüten blockierte. Ein Seniorin verlangte von ihr die Freigabe des Sitzplatzes, obwohl ein benachbarter Seniorensitzplatz offenbar frei war. Die kecke Antwort, von einem Mitreisenden gefilmt, kostete der Amerikanerin ihre berufliche Existenz in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html
Fast immer sind Taiwan neutral oder freundlich, aber wenn "die Kacke am Dampfen" ist, man also irgendwie in eine Situation mit einem aggressiven Taiwanerer geraten ist oder selbst merkt, dass man unbeherrscht wird, dann gilt: Das nächste Smartphone im Videomodus ist vermutlich nur ein paar Meter entfernt. Und im finalen Schnitt steht man dann in den Taiwan-Medien sehr ungünstig dar. Etwa hatte die Taiwanpresse damals den freien Sitzplatz herausgeschnitten...
http://michaelturton.blogspot.com/2015/11/something-to-watch-out-for-racist-suit.html
Das Video will nicht richtig laden bei mir. Nach dem was ich sehen kann spielt vielleicht eine weibliche Begleitung des Ausländers eine Rolle und offenbar fällt irgendwo eine Formulierung, die in Richtung "Hure" geht. Von so einem Vorfall habe ich in Taiwan noch nie gehört, es handelt sich um einen Einzelfall würde ich sagen. Der Attackierer legt es offenbar darauf an geschlagen zu werden und fordert den Ausländer sogar dazu auf. Möglicherweise schielt er auf eine teure Klage, die er dann dem Ausländer anhängen könnte und hofft wohl nicht zu Unrecht - nach allen Erfahrungen - für diesen Fall auf Solidarität von Polizei und Gericht. Der Ausländer lässt sich von dem Herrn aber nicht provozieren.
Schon bizarr, für ein "Laowai"-Unternehmen in Taiwan zu arbeiten und dann einen Laowai in der Metro anzumachen. Hoffentlich verfährt der Securitymensch da großzügiger mit Geschäftsbesuchern des Unternehmens ;-)
Auf der Facebookseite des Unternehmens wird der Fall diskutiert. https://www.facebook.com/issworld/
Wer weiß was dahinter steckt. Es wäre das erste Mal, dass Aktionen wie irgendwelche Popmusik-Videos, die einheimische Damen dazu auffordern, sich nicht mit Ausländern einzulassen (das Taiwanblog hatte berichtet) Früchte tragen würden. Sehen wir es lieber als Einzelfall eines sehr gestressten Menschen.
Grundsätzlich würde ich sagen hat sich die "Willkommenskultur" der Taiwaner für uns Weißbrote von "extrem freundlich" im Jahre 2004 (als ich hier angekommen bin) über die Jahre hin zu "neutral" verschoben. Wobei wohl auch die häufigen Anti-Ausländerstories in der Taiwanpresse eine Rolle spielen.
EDIT: Wie man auf Forumosa.com sieht, bearbeitet die Polizei den Fall offenbar nicht. Hingegen wäre ein Ausländer, der einem Taiwaner gegenüber beispielsweise "Fuck you" sagt, sehr schnell zu einer Geldstrafe verurteilt. Das ist schon recht häufig vorgekommen. Man sollte sich nicht provozieren lassen, bereit stehende Smartphones vom Angreifer oder von Passanten warten nur drauf, ein "Fuck you" oder gar eine Handgreiflichkeit seitens eines westlichen Ausländers aufzuzeichnen***. Auch wenn dieser Fall hier vermutlich anders ausgehen wird.
UPDATE: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=153510&start=30
Wieder mal ist das Video der Metro-Videoüberwachung schon gelöscht worden (nach 7 Tagen) bevor die überarbeitete Polizei dazu gekommen ist, es sicherzustellen. Das passiert in Taiwan grundsätzlich, wenn etwas für einen Ausländer entlastend sein könnte und ist schon fast ein Sprichwort in der Ausländergemeinde geworden. Und beim Transfer des Smartphonevideos von einer Police Unit zur nächsten ging das Video auch verloren. Nun gut, es ist ja im Internet zu finden.
UPDATE 2: Das dänische Unternehmen ISS stellt offenbar weltweit Dienstleistungen von Gebäudereinigung bis hin zu Security zur Verfügung. Allerdings war der Wachmann wohl nicht für die MRT tätig sondern reiste privat in der MRT.
*** Ein Beispiel für eine gelungene Shitstorm-Attacke auf eine US-Amerikanerin, die in der MRT wie viele Taiwaner auch einen Sitzplatz mit Einkaufstüten blockierte. Ein Seniorin verlangte von ihr die Freigabe des Sitzplatzes, obwohl ein benachbarter Seniorensitzplatz offenbar frei war. Die kecke Antwort, von einem Mitreisenden gefilmt, kostete der Amerikanerin ihre berufliche Existenz in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html
Fast immer sind Taiwan neutral oder freundlich, aber wenn "die Kacke am Dampfen" ist, man also irgendwie in eine Situation mit einem aggressiven Taiwanerer geraten ist oder selbst merkt, dass man unbeherrscht wird, dann gilt: Das nächste Smartphone im Videomodus ist vermutlich nur ein paar Meter entfernt. Und im finalen Schnitt steht man dann in den Taiwan-Medien sehr ungünstig dar. Etwa hatte die Taiwanpresse damals den freien Sitzplatz herausgeschnitten...
Mittwoch, November 11, 2015
Malinesische Notizen Teil 2
Die Fortsetzung von hier (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/11/jetzt-pr-der-philippinen.html), wird später bebildert.
Gegenstand des Berichts: Reise nach Manila/Philippinen
Essen in einem fast Schnellimbiss-mäßig wirkenden Lokal namens "Max's". An der Wand große Fotos von der Speisekarte um 1945, dem Gründungsjahr der Kette. Da kostete ein Komplettessen einen oder zwei Pesos statt heute ein paar Hundert. Das Essen ist etwas US-Fastfood-inspiriert denke ich, aber lecker. Es gibt kaum Gemüse und unsere Manilafamilie merkt an, dass die richtigen Philippinos sehr wenig Gemüse essen. Jedenfalls Zuhause denke ich. Die vielen schlanken Frauen nach Asia-Art in Hotpans oder Ultramini und mit orange gefärbten Haaren, entweder spanisch oder dunkler oder mit asiatischem Einschlag (das "oder" erlaubt hier eine Kombination) sprechen dafür, dass sich viele doch nicht so ungesund ernähren können. Das Essen besteht aus einer leckeren Schweinshaxe, die kross und etwas pikanter gewürzt ist als ihr bayrisches Pendant. Soll ursprünglich aus Spanien stammen. Dazu gibt es Pommes, die aber nur leicht anfrittierte Kartoffelspelten sind und daher viel leckerer sind als die üblichen Kartoffelpüree-Stäbchen a la Deutschland. Es gibt eine Variante der auch in Taiwan bekannten Kochnudeln mit gedünsteten Schweinefleischstreifen dran, allerdings nicht so labbrig-salzlos-Kochzwiebelig wie in Taiwan, sondern mit Salz gut abgeschmeckt. Spuren von Gemüse sind hier enthalten.
Eine Frühlingsrolle ist etwas anders als von Iglo, aber ausgesprochen lecker. Die Bedienung sieht aus wie eine Spanierin, mit im Nacken zusammengehaltenen Haaren und einem Signallippenstift in Mörder-Feuerwehrrot, der sich in Manila großer Beliebtheit erfreut. Sie hat dezent Parfum aufgelegt, dessen massierter Duft an das Aroma einer ausgebombten Moschusölfabrik im Morgennebel erinnert. Ihr Lächeln verwirrt mir die Sinne. Frau die taiwantemperamentiv wieder mal über irgendwas sauer ist erwähnt, ich möge vielleicht doch lieber nach Deutschland gehen anstatt mit nach Manila zu ziehen. Ich lächele sie benommen an und murmele geistesabwesend irgendwas von "Yes Darling". Eine Band spielt kostenlos in Tagalog auf. Jung und alt swingt beim Essen mit. Das lateinamerikanische Flair macht mich - auf ärztliche Weisung dem Swimmingpool-Infekt halber alkohollos - leicht trunken. Ich fange den vom Kind vom Nebentisch herüber fliegenden Luftballon auf und reiche ihn rüber und diskutiere mit Junior, ob ihm die Altersgenossinnen eher in Deutschland, Taiwan oder Manila zusagen. Er schwankt zwischen Manila und Deutschland, führt gelegentlich seine Kindergarten-Freundin ins Feld. Frau will dann doch wieder, dass ich hinterher ziehe.
Jedes der Häuser in den breiten Fußgängerzonen hat hinten eine Gratistoilette. Ich biete dem freundlichen Toilettenmann dort, der auf Englisch Smalltalk macht ein Trinkgeld an, aber er will es nicht. Nehmen die keins oder waren 20 Pesos zu wenig?
Anderer Tag. Junior (4) sitzt in der Kinderbahn, neben ihm ein kleines scheues Mädchen etwa gleichen Alters. Erst jetzt beim Durchsehen der Fotos bemerke ich, dass er auf einem seine Hand auf ihre gelegt hat. Oh dieser...
Ausflug ins Grüne, weil Schwager hier geschäftlich zu tun hat. Der Wachmann bei Starbucks ist freundlich und hält die Tür auf. Die ganze Ausflugsgegend wirkt auf mich wie ein deutsches Gewerbegebiet am Stadtrand, nur dass hier Bootsfahrten angeboten werden, die bunten asiatischen Karpfen zu sehen sind und Menschenmassen herein strömen. Es gibt wie immer ein nahegelegenes Einkaufszentrum und sonst sollen in dieser sehr westlichen Umgebung wieder Wohnungen verkauft werden. Ich streite mich mit Junior, ob ein wie ein Jeep aussehendes Kinderbett in einem Möbelhaus ein Auto oder ein Bett ist. "Auto zum fahren!" brüllt Junior und ich will das nicht länger ausdiskutieren und freue mich über eine verbesserte deutsche Ausdrucksweise.
Junior hat Automarken entdeckt. "Toyota, Toyota, Toyota, kein Toyota, Toyota, Toyota, Toyota, Toyota, kein Toyota" zählt er aus dem Toyotafenster-guckend auf. "Was für ein Auto würdest du dir kaufen?", frage ich ihn. "einen Toyota!" antwortet er.
Im Supermarkt gibt es bei McDoof und KentuckySchreitStricken immer ein Billigessen. Pikant gewürztes Brathuhnteil mit Reisklos und einer labbrigen Würzsoße für einen Euro umgerechnet. "Wieder kein Gemüse" merkt die Schwester meiner Frau an. Ich bemerke verstört, dass sich an der nahe gelegenen Treppe exakt die selbe Szene abspielt wie einen Tag vorher. Drei mit Klamotten wie Mini-Ballkleidern und Ultra-Highheels aufgedonnerte stark geschminkte junge Damen im Alter von 16 oder dergleichen umkreisen einander künstlich lächelnd und machen Smartphone-Fotos voneinander. Genau das selbe haben sie gestern schon an der selben Stelle gemacht. Viele Altersgenossinnen hingegen texten auf altmodischen Handies. Werbepakete preisen SMS-Pakete als Gratiszugabe zu irgendwelchen Produkten an. Nur wenige junge Frauen tragen lange bunte Sommerkleider und Kopftuch, der Rest hat Hotpans und Ultramini an oder hautenge Jeans, ganz wie in Taiwan. Alle sind nichtsdestotrotz streng katholisch - bis auf die Kopftuchhupferl des Propheten natürlich. Jesus und Maria sieht man oft. Hinter Glas an Straßen oder als Bilder, etwa um das Heim zu schützen an der Gartenpforte. Auch bei uns am Printkiosk zu kaufen.
Angst vor dem Islam? Man sieht eher die 3-Kind-Familie mit jungen Eltern als die 1-Kind-Familie. Google verrät, dass die Frauen aus der untersten Bevölkerungsschicht im Schnitt 5 Kinder haben, während die aus der höchsten Schicht im Schnitt etwas über 2 haben. Erstaunlich was für eine große Menschenmenge eine katholische Familie sein kann, bei der 5 kleine Kinder an den Eltern hängen. Ich begucke mir die Mütter. Die sehen trotzdem in aller Regel gut genährt und attraktiv aus. Also nicht etwa ausgelaugt. Haben sie noch eine ältere Frau dabei, ist diese zwar erst in den 50ern oder 40ern, sieht aber oft im Gesicht sehr ausgelaugt aus. Manila hat ein starkes Wirtschaftswachstum. Es entstehen laufend teure Wohnungsviertel, die Security und je drei Einkaufszentren mit Arbeitsplätzen brauchen. Google verrät, trotz Wirtschaftswachstum würden die Armen nicht weniger auf den Philippinen. Ich mutmaße, dass bessere Versorgung eine eben höhere Überlebensrate der vielen Kinder bedeutet, was gut ist, aber eben die Armutsschicht nicht schrumpfen lässt. Hier in Manila gibt es eine moslemische Minderheit, aber der Katholizismus ist vital und kinderreich und dominiert im Straßenbild mit Anspielungen auf den Glauben selbst auf Firmenschildern und Jesus und Maria.
Unser Gastgeber, selbst Sino-Philippino, erläutert, die islamischen Philippinos würden sich in "Krieger und Kaufleute" unterteilen. Er selbst räumt ein, keine Moslems einzustellen, weil er Angst vor Entführungen habe. Im TV läuft tagsdrauf eine Nachricht von westlichen Touristen, die aus einem malerischen Resort in der südlichen Sulu-See entführt worden sind. Solche südlichen Inselparadiese sind auf den Philippinen Jagdrevier islamischer Terrorgruppen. Schwesterherz erwähnt nette moslemische Kunden. Krieger und Kaufleute eben.
Wer auf den Philippinen Urlaub machen will, ergoogelt bitte vorher ganz genau wo er landet, nicht dass er gerade im Jagdrevier der "Religion des Friedens" landet.
Fau sagt wieder, Manila sei heute da wo Shenzhen in China vor 20 Jahren war. Damals waren ihr dort Immobilien angeboten worden und sie hat abgelehnt. Heute will sie den Zug nicht wieder verpassen. Die Philippinen dampfen in die Zukunft. Streng katholisch und vital. Fanatischem Islam steht ein selbstbewusster Katholizismus gegenüber, der Jesus genauso liebt wie andernorten der Prophet geliebt wird. Man kann viel an den Philippinen aussetzen, aber vitaler als das in jüngster Zeit phlegmatisch und schwach wirkende Deutschland sind die Philippinos allemal.
Gegenstand des Berichts: Reise nach Manila/Philippinen
Essen in einem fast Schnellimbiss-mäßig wirkenden Lokal namens "Max's". An der Wand große Fotos von der Speisekarte um 1945, dem Gründungsjahr der Kette. Da kostete ein Komplettessen einen oder zwei Pesos statt heute ein paar Hundert. Das Essen ist etwas US-Fastfood-inspiriert denke ich, aber lecker. Es gibt kaum Gemüse und unsere Manilafamilie merkt an, dass die richtigen Philippinos sehr wenig Gemüse essen. Jedenfalls Zuhause denke ich. Die vielen schlanken Frauen nach Asia-Art in Hotpans oder Ultramini und mit orange gefärbten Haaren, entweder spanisch oder dunkler oder mit asiatischem Einschlag (das "oder" erlaubt hier eine Kombination) sprechen dafür, dass sich viele doch nicht so ungesund ernähren können. Das Essen besteht aus einer leckeren Schweinshaxe, die kross und etwas pikanter gewürzt ist als ihr bayrisches Pendant. Soll ursprünglich aus Spanien stammen. Dazu gibt es Pommes, die aber nur leicht anfrittierte Kartoffelspelten sind und daher viel leckerer sind als die üblichen Kartoffelpüree-Stäbchen a la Deutschland. Es gibt eine Variante der auch in Taiwan bekannten Kochnudeln mit gedünsteten Schweinefleischstreifen dran, allerdings nicht so labbrig-salzlos-Kochzwiebelig wie in Taiwan, sondern mit Salz gut abgeschmeckt. Spuren von Gemüse sind hier enthalten.
Eine Frühlingsrolle ist etwas anders als von Iglo, aber ausgesprochen lecker. Die Bedienung sieht aus wie eine Spanierin, mit im Nacken zusammengehaltenen Haaren und einem Signallippenstift in Mörder-Feuerwehrrot, der sich in Manila großer Beliebtheit erfreut. Sie hat dezent Parfum aufgelegt, dessen massierter Duft an das Aroma einer ausgebombten Moschusölfabrik im Morgennebel erinnert. Ihr Lächeln verwirrt mir die Sinne. Frau die taiwantemperamentiv wieder mal über irgendwas sauer ist erwähnt, ich möge vielleicht doch lieber nach Deutschland gehen anstatt mit nach Manila zu ziehen. Ich lächele sie benommen an und murmele geistesabwesend irgendwas von "Yes Darling". Eine Band spielt kostenlos in Tagalog auf. Jung und alt swingt beim Essen mit. Das lateinamerikanische Flair macht mich - auf ärztliche Weisung dem Swimmingpool-Infekt halber alkohollos - leicht trunken. Ich fange den vom Kind vom Nebentisch herüber fliegenden Luftballon auf und reiche ihn rüber und diskutiere mit Junior, ob ihm die Altersgenossinnen eher in Deutschland, Taiwan oder Manila zusagen. Er schwankt zwischen Manila und Deutschland, führt gelegentlich seine Kindergarten-Freundin ins Feld. Frau will dann doch wieder, dass ich hinterher ziehe.
Endlosstau oder zähfließender Verkehr
Jedes der Häuser in den breiten Fußgängerzonen hat hinten eine Gratistoilette. Ich biete dem freundlichen Toilettenmann dort, der auf Englisch Smalltalk macht ein Trinkgeld an, aber er will es nicht. Nehmen die keins oder waren 20 Pesos zu wenig?
Privater Jeep-Verschnitt. Diese Simpelautos oft ohne Tacho sind auch Basis für die Jeepneys, die privaten Busse und haben verblüffend wenig Bodenfreiheit gemessen am Namen
Anderer Tag. Junior (4) sitzt in der Kinderbahn, neben ihm ein kleines scheues Mädchen etwa gleichen Alters. Erst jetzt beim Durchsehen der Fotos bemerke ich, dass er auf einem seine Hand auf ihre gelegt hat. Oh dieser...
Bedingt durch den angestrebten Beruf latschen wir endlos durch Einkaufszentren
Ausflug ins Grüne, weil Schwager hier geschäftlich zu tun hat. Der Wachmann bei Starbucks ist freundlich und hält die Tür auf. Die ganze Ausflugsgegend wirkt auf mich wie ein deutsches Gewerbegebiet am Stadtrand, nur dass hier Bootsfahrten angeboten werden, die bunten asiatischen Karpfen zu sehen sind und Menschenmassen herein strömen. Es gibt wie immer ein nahegelegenes Einkaufszentrum und sonst sollen in dieser sehr westlichen Umgebung wieder Wohnungen verkauft werden. Ich streite mich mit Junior, ob ein wie ein Jeep aussehendes Kinderbett in einem Möbelhaus ein Auto oder ein Bett ist. "Auto zum fahren!" brüllt Junior und ich will das nicht länger ausdiskutieren und freue mich über eine verbesserte deutsche Ausdrucksweise.
Gemäß der Familienpolitik erleben wir nur die Sicherheitszonen von Manila. "Draußen" sind wir nur im Auto. Was auch immer den Blick auf sich zieht, man sieht es nur die Fenster des unauffälligen Toyota-Kleinbusses. Zwar ist er auffällig Rot, aber das war auch die Hälfte der anderen Exemplare dieses Typs.
Junior hat Automarken entdeckt. "Toyota, Toyota, Toyota, kein Toyota, Toyota, Toyota, Toyota, Toyota, kein Toyota" zählt er aus dem Toyotafenster-guckend auf. "Was für ein Auto würdest du dir kaufen?", frage ich ihn. "einen Toyota!" antwortet er.
Im Supermarkt gibt es bei McDoof und KentuckySchreitStricken immer ein Billigessen. Pikant gewürztes Brathuhnteil mit Reisklos und einer labbrigen Würzsoße für einen Euro umgerechnet. "Wieder kein Gemüse" merkt die Schwester meiner Frau an. Ich bemerke verstört, dass sich an der nahe gelegenen Treppe exakt die selbe Szene abspielt wie einen Tag vorher. Drei mit Klamotten wie Mini-Ballkleidern und Ultra-Highheels aufgedonnerte stark geschminkte junge Damen im Alter von 16 oder dergleichen umkreisen einander künstlich lächelnd und machen Smartphone-Fotos voneinander. Genau das selbe haben sie gestern schon an der selben Stelle gemacht. Viele Altersgenossinnen hingegen texten auf altmodischen Handies. Werbepakete preisen SMS-Pakete als Gratiszugabe zu irgendwelchen Produkten an. Nur wenige junge Frauen tragen lange bunte Sommerkleider und Kopftuch, der Rest hat Hotpans und Ultramini an oder hautenge Jeans, ganz wie in Taiwan. Alle sind nichtsdestotrotz streng katholisch - bis auf die Kopftuchhupferl des Propheten natürlich. Jesus und Maria sieht man oft. Hinter Glas an Straßen oder als Bilder, etwa um das Heim zu schützen an der Gartenpforte. Auch bei uns am Printkiosk zu kaufen.
Angst vor dem Islam? Man sieht eher die 3-Kind-Familie mit jungen Eltern als die 1-Kind-Familie. Google verrät, dass die Frauen aus der untersten Bevölkerungsschicht im Schnitt 5 Kinder haben, während die aus der höchsten Schicht im Schnitt etwas über 2 haben. Erstaunlich was für eine große Menschenmenge eine katholische Familie sein kann, bei der 5 kleine Kinder an den Eltern hängen. Ich begucke mir die Mütter. Die sehen trotzdem in aller Regel gut genährt und attraktiv aus. Also nicht etwa ausgelaugt. Haben sie noch eine ältere Frau dabei, ist diese zwar erst in den 50ern oder 40ern, sieht aber oft im Gesicht sehr ausgelaugt aus. Manila hat ein starkes Wirtschaftswachstum. Es entstehen laufend teure Wohnungsviertel, die Security und je drei Einkaufszentren mit Arbeitsplätzen brauchen. Google verrät, trotz Wirtschaftswachstum würden die Armen nicht weniger auf den Philippinen. Ich mutmaße, dass bessere Versorgung eine eben höhere Überlebensrate der vielen Kinder bedeutet, was gut ist, aber eben die Armutsschicht nicht schrumpfen lässt. Hier in Manila gibt es eine moslemische Minderheit, aber der Katholizismus ist vital und kinderreich und dominiert im Straßenbild mit Anspielungen auf den Glauben selbst auf Firmenschildern und Jesus und Maria.
Trad. Reiskuchen mit Käse drüber. Zu wenig Salz, schmeckt labbrig und das Ei schmeckt vor wie bei schlecht Gebackenem. Taiwaner finden es offenbar ganz lecker
Unser Gastgeber, selbst Sino-Philippino, erläutert, die islamischen Philippinos würden sich in "Krieger und Kaufleute" unterteilen. Er selbst räumt ein, keine Moslems einzustellen, weil er Angst vor Entführungen habe. Im TV läuft tagsdrauf eine Nachricht von westlichen Touristen, die aus einem malerischen Resort in der südlichen Sulu-See entführt worden sind. Solche südlichen Inselparadiese sind auf den Philippinen Jagdrevier islamischer Terrorgruppen. Schwesterherz erwähnt nette moslemische Kunden. Krieger und Kaufleute eben.
Wer auf den Philippinen Urlaub machen will, ergoogelt bitte vorher ganz genau wo er landet, nicht dass er gerade im Jagdrevier der "Religion des Friedens" landet.
Slums türmen sich hoch auf neben der Hochstraße
Fau sagt wieder, Manila sei heute da wo Shenzhen in China vor 20 Jahren war. Damals waren ihr dort Immobilien angeboten worden und sie hat abgelehnt. Heute will sie den Zug nicht wieder verpassen. Die Philippinen dampfen in die Zukunft. Streng katholisch und vital. Fanatischem Islam steht ein selbstbewusster Katholizismus gegenüber, der Jesus genauso liebt wie andernorten der Prophet geliebt wird. Man kann viel an den Philippinen aussetzen, aber vitaler als das in jüngster Zeit phlegmatisch und schwach wirkende Deutschland sind die Philippinos allemal.
Vorher/nachher ist immer eine Betrachtung wert. Neben unserem neuen Printkiosk im Vordergrund liegt ein Laden, der u.a. Diätprodukte anbietet, ein Vitaminkiosk, ein Anwerbestand für ein Callcenter, ein Elektro-Universalgeschäft a la Mediamarkt (gut für unseren Umsatz), ein Office-Irgendwas mit Mietcomputern und Mietdruckern, ein Comicladen und ein Waffenladen, wo auch Schwager seine Knarre her hat. Jau, ist das meine Welt, das Beine-in-de-Bauch-stehen im EKZ und das zwischenzeitliche Kaffeeschlürfen und Facebook-Schwachsinn-Posten zwischen den Kontrollgängen?
Dienstag, November 10, 2015
Jetzt PR der Philippinen (Update)
Die von meiner Frau veranlasste "Republikflucht" aus der Republik China aka Taiwan ist in eine entscheidende Phase getreten
Wie bereits mehrfach berichtet macht meine Frau seit einiger Zeit enormen Druck, zu ihrer mit einem chinesischstämmigen Philippino verheirateten Schwester nach Manila zu ziehen. Schwesterherz ist vor ein paar Jahren aus Taipei nach Manila gezogen und hatte dort eine Weile eine Taiwan-Bubbleteekette, bis diese größer als die Kontrollmöglichkeiten wurde und die Angestellten sich geweigert hatten, den nervigen Kunden noch Tee zu verkaufen und lieber auf den Getränkefässchen aus Plastik eingeschlafen sind. Arbeitsunfälle mit in die Augen gerammten Strohhalmen sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Wie dem auch sei, aktuell betreute ihre Schwester das Einkaufszentrum-Outlet der (Aufkleber/Nummberschilder/Gewerbeschilder-) Druckerei ihres Mannes. Meine Frau wird von der Perspektive ins Business ihrer Schwester zu investieren und es zu expandieren angezogen wie eine Motte vom Licht - auch weil sie sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Taiwan-Marathon-Bürohölle zurückziehen will. Ein zweiter Kiosk hat bereits aufgemacht und läuft, ein dritter und mehr Business ist geplant. Unser Manilatrip in Stichworten, Bilder folgen später auch noch.
* Wir beantragen die PR-Karte lustigerweise basierend auf dem Altersruhestands-Programm der Philippinen. Gerade US-Bürger können sich hier schon mit über 40 zur Ruhe setzen. Nach eigentlich 3 Wochen kriegt man sie, wir kriegen sie in zwei Wochen. Oberwitzig sind die checkkartengroßen Ausweise eigentlich nicht. Doch der von Junior ist der Hammer, weil neben seinem Kinderfoto auch der Text steht: "Participant of the Old Age Retirement Program". Also: "Teilnehmer des Altersruhestands-Programms". Mit einem Kinderfoto daneben sieht das göttlich aus. Wohl auf Lebenszeit können wir alle drei dort bleiben und leben wenn wir wollen oder einfach kommen und gehen wie wir lustig sind. Solange wir nicht den Gegenwert eines Mittelklassewagens wieder vom philippinischen Staat zurückfordern, den man für diese Art der PR pro Familie überweisen muss.
* Die Kondoanlage mit Swimmingpool sieht ganz nett aus, doch überall sind Gott sei Dank nur kleine Ekelkäfer, wie man sie auch aus Taiwan kennt. Ich schwimme einmal im Pool und kriege sofort eine Niereninfektion. Auf das Antibiotikum reagiere ich mit Übergeben. Frau sagt, ich solle vielleicht doch lieber wieder nach Europa gehen...
* Die Toiletten auf dem Altersruhestands-Amt sind in einem Zustand, als sei die Putzfrau noch von den Spaniern eingestellt worden und läge irgendwo vermodernd unterm Rasen. Der schicke Mamorturm in Manilas Innenstadt steht dazu im krassen Gegensatz.
* Waffen, Waffen, Waffen. Unser Gastgeber zeigt seine Pistole. Ich überzeuge mich, dass er in der Tat auch die Kugel aus dem Lauf nimmt bevor er die Waffe meiner Frau gibt. Die zielt sofort damit auf mich. Ich fühle mich bestärkt, in meinem Haus nie eine Schusswaffe haben zu wollen, egal ob legal oder illegal. Die Supermarktwächter haben Schusswaffen. Die private Security in den Innenstadtzentren auch. Die Wächter an der leicht angeschmuddelten Gated Community von Schwesterherz auch. Als Junior dreimal die Starbucks-Toilette neben unserem Kiosk aufsucht, starrt mich der Wachmann hasserfüllt an. Er hat eine Kanone, ich komme nicht wieder.
* So funktioniert Manila. Draußen in den Slums und auch mal mitten zwischen den Nobelvierteln leben die armen Leute. Sie sind meist dunkelhäutiger als die öfter mal spanisch wirkenden Mittel- und Oberklässler. Sie sind der Grund für Zäune und weißgekleidete immer schelchtgelaunte und manchmal Ludigel und Sohn anpflaumende dunkelhäutige Wächter mit vielen Kanonen überall. Ein geniales System: Die Unterklasse ist einerseits der Grund für das Einsperren und Überwachen der Mittelschicht, andererseits stellt sie auch gleich das Personal dafür. Der Manilakapitalismus hat die Armut perfekt instrumentalisiert.
* Stau, Stau, Stau. Manila ist Stau und Stau ist Manila. Wir fahren morgens für 5 Kilometer eine Stunde. Kontrollieren ein paar Stunden die Kioske (eher Schwester als wir) und fahren dann in der Rushhour 2 Stunden wieder zurück. An öffentlichem Nahverkehr gibt es nur eine fast nirgends fahrende Stadtbahn (ein einziges Mal gesehen) und sonst die offenen Jeep-artigen Busse namens "Jeepneys", die ihre Fahrgäste fensterlos im Smog durchziehen lassen. Die Jeepneys halten überall, bevorzugt auf Kreuzungen, wo sie dann den Verkehr komplett lahmlegen. Einmal stehen wir vorm Supermarkt im Stau, den man in 5 Minuten hätte erreichen können zu Fuß. Der Wagen braucht 45 Minuten.
* Die Luft ist in der Gated Community und auf dem Gelände der benachbarten deutschen Schule klar und angenehm. Es ist heiß, aber nicht schwülheiß. Es stinkt nur nach Smog, wenn man an den Hauptstraßen steht. Aber da bin ich meist im klimatisierten Toyota. Vor der Altersruhestands-Behörde in der Innenstadt stinkt es zwischen den Wolkenkratzern recht übel nach Smog.
* Im TV laufen Nachrichten. Im Gefängnis gab es eine Razzia. Drogen und Waffen wurden gefunden. Der Tisch biegt sich fast vor lauter Schießeisen. Erstaunlich, dass sich so schwer bewaffnete Leute überhaupt einsperren lassen. In einer anderen Nachrichtensendung sieht man, dass in ländlicher Umgebung ein Kleinbus mit einem LKW zusammengestoßen ist. Der Fahrer ist eingeklemmt und sein Gesicht ist schmerzverzerrt, als Passanten (!) versuchen, den Mann mit einem Baumstamm (!) aus dem Auto zu hebeln. Der Polizist guckt zu, Feuerwehr mit Schneidwerkzeugen gibt es nicht offenbar.
* Im Stau läuft eine spärlich bekleidete Frau an der Autoschlange vorbei und bettelt. Ihr von der Sonne fast schwarz gebrannter Körper wirkt ausgetrocknet und dürr. Ihre Oberbekleidung ist spärlich, der Tiger-BH hinten nicht richtig zugemacht. Meine Manilafamilie lacht. Ich vergesse vor Entsetzen, dass ich eine Kamera in der Hand habe. Wie grausam doch die Entwürdigung des Menschen in Manila zelebriert wird. Doch alle lieben Jesus. Der ist überall. Schwesterherz hat es mal so formuliert:
Die Philippinos lieben Gott.
Hast du Geld, bist du Gott.
Hast du nichts, bist du nichts.
* Nichtsdestotrotz, die Philippinos wirken - von den Securityleuten abgesehen - freundlich. Eine hübsche weibliche Securitykraft, die ich nach einem Spielzeugladen frage, ist nicht grummelig. Na ja, bei meinem Gringo-Lächeln...
* Mein Spanisch versucht sich zu reaktivieren, obwohl es hier kaum jemand spricht. Selten hört man von sehr spanisch aussehenden gut gekleideten Leuten ein paar Brocken Spanisch. Wie es übrigens auch auf der philippinischen Vertretung in Taipei zu hören war brockenweise. Als ich zu Junior einmal "Vamos!" ("komm!") sage, starrt mich gleich jemand erstaunt an.
* Wir kommen um 12 im Supermarkt an. Die beiden jungen Verkäuferinnen im Schülerinnenalter haben eine Freundin mit im Printkiosk sitzen und geschlagene 95 Pesos Umsatz gemacht seit 3 Stunden, obwohl alles voll ist. Also weniger als 2 Euro. Schwesterherz steht 30 Minuten am Kiosk und schon sind 1800 Pesos in der Kasse. Mir fallen einige wartende Kunden auf, die teilweise ziemlich genervt sind. Wir gehen (nicht bei Starbucks sondern beim Konkurrenten Krispy Kreme) einen Kaffee trinken. Frau will einen komplizierten mit Sahnehaube. "Maschine broken, Ma'm" sagen die 4 Angestellten. "Chef nicht da, deswegen Maschine kaputt", erklärt Schwesterherz. Und bei uns am Kiosk war wohl den ganzen Morgen der Computer "kaputt".
UPDATE: Damit visarechtlich keine Missverständnisse aufkommen: Man darf mit der "Senioren-PR" zwar nicht arbeiten im klassischen Sinn, aber sehr wohl investieren. Und klar, dass man als Teilhaber dann beim Investitionsobjekt aufschlägt und nach dem rechten guckt. Mehr wird Gattin auch nicht tun, denn bei den geringen Lohnkosten wäre jeder Handschlag Verschwendung. Theoretisch ist die Gattin dann nicht der disziplinarische Vorgesetzte sondern nur Besucher, in Praxi weiß der Angestellte natürlich, dass Schlafen in Gegenwart des Investors wenig karrierefördernd ist ;-) Eine alternative Form der Senioren-PR erlaubt sogar ein Eigeninvest anstatt der Zahlung an die Staatskasse, wie wir sie geleistet haben. Invest ist also der Zweck dieser Senioren-PRs.
Wie bereits mehrfach berichtet macht meine Frau seit einiger Zeit enormen Druck, zu ihrer mit einem chinesischstämmigen Philippino verheirateten Schwester nach Manila zu ziehen. Schwesterherz ist vor ein paar Jahren aus Taipei nach Manila gezogen und hatte dort eine Weile eine Taiwan-Bubbleteekette, bis diese größer als die Kontrollmöglichkeiten wurde und die Angestellten sich geweigert hatten, den nervigen Kunden noch Tee zu verkaufen und lieber auf den Getränkefässchen aus Plastik eingeschlafen sind. Arbeitsunfälle mit in die Augen gerammten Strohhalmen sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Wie dem auch sei, aktuell betreute ihre Schwester das Einkaufszentrum-Outlet der (Aufkleber/Nummberschilder/Gewerbeschilder-) Druckerei ihres Mannes. Meine Frau wird von der Perspektive ins Business ihrer Schwester zu investieren und es zu expandieren angezogen wie eine Motte vom Licht - auch weil sie sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Taiwan-Marathon-Bürohölle zurückziehen will. Ein zweiter Kiosk hat bereits aufgemacht und läuft, ein dritter und mehr Business ist geplant. Unser Manilatrip in Stichworten, Bilder folgen später auch noch.
* Wir beantragen die PR-Karte lustigerweise basierend auf dem Altersruhestands-Programm der Philippinen. Gerade US-Bürger können sich hier schon mit über 40 zur Ruhe setzen. Nach eigentlich 3 Wochen kriegt man sie, wir kriegen sie in zwei Wochen. Oberwitzig sind die checkkartengroßen Ausweise eigentlich nicht. Doch der von Junior ist der Hammer, weil neben seinem Kinderfoto auch der Text steht: "Participant of the Old Age Retirement Program". Also: "Teilnehmer des Altersruhestands-Programms". Mit einem Kinderfoto daneben sieht das göttlich aus. Wohl auf Lebenszeit können wir alle drei dort bleiben und leben wenn wir wollen oder einfach kommen und gehen wie wir lustig sind. Solange wir nicht den Gegenwert eines Mittelklassewagens wieder vom philippinischen Staat zurückfordern, den man für diese Art der PR pro Familie überweisen muss.
* Die Kondoanlage mit Swimmingpool sieht ganz nett aus, doch überall sind Gott sei Dank nur kleine Ekelkäfer, wie man sie auch aus Taiwan kennt. Ich schwimme einmal im Pool und kriege sofort eine Niereninfektion. Auf das Antibiotikum reagiere ich mit Übergeben. Frau sagt, ich solle vielleicht doch lieber wieder nach Europa gehen...
* Die Toiletten auf dem Altersruhestands-Amt sind in einem Zustand, als sei die Putzfrau noch von den Spaniern eingestellt worden und läge irgendwo vermodernd unterm Rasen. Der schicke Mamorturm in Manilas Innenstadt steht dazu im krassen Gegensatz.
* Waffen, Waffen, Waffen. Unser Gastgeber zeigt seine Pistole. Ich überzeuge mich, dass er in der Tat auch die Kugel aus dem Lauf nimmt bevor er die Waffe meiner Frau gibt. Die zielt sofort damit auf mich. Ich fühle mich bestärkt, in meinem Haus nie eine Schusswaffe haben zu wollen, egal ob legal oder illegal. Die Supermarktwächter haben Schusswaffen. Die private Security in den Innenstadtzentren auch. Die Wächter an der leicht angeschmuddelten Gated Community von Schwesterherz auch. Als Junior dreimal die Starbucks-Toilette neben unserem Kiosk aufsucht, starrt mich der Wachmann hasserfüllt an. Er hat eine Kanone, ich komme nicht wieder.
* So funktioniert Manila. Draußen in den Slums und auch mal mitten zwischen den Nobelvierteln leben die armen Leute. Sie sind meist dunkelhäutiger als die öfter mal spanisch wirkenden Mittel- und Oberklässler. Sie sind der Grund für Zäune und weißgekleidete immer schelchtgelaunte und manchmal Ludigel und Sohn anpflaumende dunkelhäutige Wächter mit vielen Kanonen überall. Ein geniales System: Die Unterklasse ist einerseits der Grund für das Einsperren und Überwachen der Mittelschicht, andererseits stellt sie auch gleich das Personal dafür. Der Manilakapitalismus hat die Armut perfekt instrumentalisiert.
* Stau, Stau, Stau. Manila ist Stau und Stau ist Manila. Wir fahren morgens für 5 Kilometer eine Stunde. Kontrollieren ein paar Stunden die Kioske (eher Schwester als wir) und fahren dann in der Rushhour 2 Stunden wieder zurück. An öffentlichem Nahverkehr gibt es nur eine fast nirgends fahrende Stadtbahn (ein einziges Mal gesehen) und sonst die offenen Jeep-artigen Busse namens "Jeepneys", die ihre Fahrgäste fensterlos im Smog durchziehen lassen. Die Jeepneys halten überall, bevorzugt auf Kreuzungen, wo sie dann den Verkehr komplett lahmlegen. Einmal stehen wir vorm Supermarkt im Stau, den man in 5 Minuten hätte erreichen können zu Fuß. Der Wagen braucht 45 Minuten.
* Die Luft ist in der Gated Community und auf dem Gelände der benachbarten deutschen Schule klar und angenehm. Es ist heiß, aber nicht schwülheiß. Es stinkt nur nach Smog, wenn man an den Hauptstraßen steht. Aber da bin ich meist im klimatisierten Toyota. Vor der Altersruhestands-Behörde in der Innenstadt stinkt es zwischen den Wolkenkratzern recht übel nach Smog.
* Im TV laufen Nachrichten. Im Gefängnis gab es eine Razzia. Drogen und Waffen wurden gefunden. Der Tisch biegt sich fast vor lauter Schießeisen. Erstaunlich, dass sich so schwer bewaffnete Leute überhaupt einsperren lassen. In einer anderen Nachrichtensendung sieht man, dass in ländlicher Umgebung ein Kleinbus mit einem LKW zusammengestoßen ist. Der Fahrer ist eingeklemmt und sein Gesicht ist schmerzverzerrt, als Passanten (!) versuchen, den Mann mit einem Baumstamm (!) aus dem Auto zu hebeln. Der Polizist guckt zu, Feuerwehr mit Schneidwerkzeugen gibt es nicht offenbar.
* Im Stau läuft eine spärlich bekleidete Frau an der Autoschlange vorbei und bettelt. Ihr von der Sonne fast schwarz gebrannter Körper wirkt ausgetrocknet und dürr. Ihre Oberbekleidung ist spärlich, der Tiger-BH hinten nicht richtig zugemacht. Meine Manilafamilie lacht. Ich vergesse vor Entsetzen, dass ich eine Kamera in der Hand habe. Wie grausam doch die Entwürdigung des Menschen in Manila zelebriert wird. Doch alle lieben Jesus. Der ist überall. Schwesterherz hat es mal so formuliert:
Die Philippinos lieben Gott.
Hast du Geld, bist du Gott.
Hast du nichts, bist du nichts.
* Nichtsdestotrotz, die Philippinos wirken - von den Securityleuten abgesehen - freundlich. Eine hübsche weibliche Securitykraft, die ich nach einem Spielzeugladen frage, ist nicht grummelig. Na ja, bei meinem Gringo-Lächeln...
* Mein Spanisch versucht sich zu reaktivieren, obwohl es hier kaum jemand spricht. Selten hört man von sehr spanisch aussehenden gut gekleideten Leuten ein paar Brocken Spanisch. Wie es übrigens auch auf der philippinischen Vertretung in Taipei zu hören war brockenweise. Als ich zu Junior einmal "Vamos!" ("komm!") sage, starrt mich gleich jemand erstaunt an.
* Wir kommen um 12 im Supermarkt an. Die beiden jungen Verkäuferinnen im Schülerinnenalter haben eine Freundin mit im Printkiosk sitzen und geschlagene 95 Pesos Umsatz gemacht seit 3 Stunden, obwohl alles voll ist. Also weniger als 2 Euro. Schwesterherz steht 30 Minuten am Kiosk und schon sind 1800 Pesos in der Kasse. Mir fallen einige wartende Kunden auf, die teilweise ziemlich genervt sind. Wir gehen (nicht bei Starbucks sondern beim Konkurrenten Krispy Kreme) einen Kaffee trinken. Frau will einen komplizierten mit Sahnehaube. "Maschine broken, Ma'm" sagen die 4 Angestellten. "Chef nicht da, deswegen Maschine kaputt", erklärt Schwesterherz. Und bei uns am Kiosk war wohl den ganzen Morgen der Computer "kaputt".
UPDATE: Damit visarechtlich keine Missverständnisse aufkommen: Man darf mit der "Senioren-PR" zwar nicht arbeiten im klassischen Sinn, aber sehr wohl investieren. Und klar, dass man als Teilhaber dann beim Investitionsobjekt aufschlägt und nach dem rechten guckt. Mehr wird Gattin auch nicht tun, denn bei den geringen Lohnkosten wäre jeder Handschlag Verschwendung. Theoretisch ist die Gattin dann nicht der disziplinarische Vorgesetzte sondern nur Besucher, in Praxi weiß der Angestellte natürlich, dass Schlafen in Gegenwart des Investors wenig karrierefördernd ist ;-) Eine alternative Form der Senioren-PR erlaubt sogar ein Eigeninvest anstatt der Zahlung an die Staatskasse, wie wir sie geleistet haben. Invest ist also der Zweck dieser Senioren-PRs.
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Montag, November 09, 2015
Taiwan-Schnellüberblick
Gerade zurück aus den Philippinen habe ich nur Muße für einen Schnellüberblick über die Dinge, die in Taiwan geschehen sind
Ein 44jähriger Schweizer sollte am Freitag um 23 Uhr einen Flug vom Internationalen Flughafen Toayuan nach Paris nehmen, ging jedoch nach dem Checkin verloren. Erst am Samstag wurde er gegen Mittag gefunden. Und zwar in der Nähe des Ganges, der zu den VIP-Lounges führt. Dort lag er eigenartigerweise in einem Bereich, den Reisende normalerweise nicht betreten sollen. Neben sich eine leere Flasche Wein* und leider verstorben aus noch unbekannter Ursache. Er soll auch eine Flasche Whisky im Duty-Free-Bereich erstanden haben, die offenbar nicht gefunden wurde. Am selben Tag verstarb auch ein 68jähriger US-Amerikaner, aber schon beim Touchdown seiner Maschine in Taipei.
http://focustaiwan.tw/news/afav/201511070026.aspx
Taiwans noch bis Januar amtierender Präsident Ma traf sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi und in diesem Satz liegt schon ein Fehler. Formell ist ja Ma der Präsident der Republik China, die wir umgangssprachlich als Taiwan bezeichnen, während Xi natürlich Präsident der VR-China ist. Ich habe mir keine Details angesehen, liegt mein Blick aus privaten Gründen derzeit doch eher entweder auf Manila in den Philippinen oder auf Deutschland. Schließlich wird langsam klar, dass Frau, Junior und ich in der ersten Jahreshälfte 2016 Taiwan verlassen werden. Bestimmt hatten Ma und Xi ihren Spaß zusammen. Es gibt ja viel, was die zwei Buben zusammen anstellen können. Etwa ihre Namen hintereinander schreiben, die Köpfe zusammenkleben mit Uhu und sich dann Herr Xima nennen. Möglicherweise sind die beiden in der SM-Szene tätig, jedenfalls hat Herr Xi dem Herrn Ma wieder den Titel "Herr Präsident" verweigert und ihn wieder Hello oder wohl eher "Ni hao" genannt. Was man eben so macht bei den Humilation-Games. Mich interessiert das alles nicht mehr wirklich; der geneigte Leser mag es anderswo im Detail nachlesen.
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/11/09/2003632021
Nach einer Halloween-Party in einem Spukhaus in Tainan klagten mehrere der Naturwissenschaftsstudenten darüber, von bösen Geistern besessen zu sein, so dass die ganze Truppe per Notfallverfahren in einen nahegelegenen Tempel zwecks Massenexorzismus gebracht wurde. Einige wenige der Studenten klagten über Fieber und dergleichen, sodass sie medizinische Behandlung in Anspruch genommen haben. Diese Meldung ist hinreichend blöd, dass es mit ihr Taiwan glatt mal wieder in die Spiegel.de-Nachrichten schaffen könnte: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/11/02/2003631488
* Edit: Sprecher des Mandarinchinesischen auf Taiwan nennen jedweden Alkohol meist "Wein", deswegen kann es sich bei der leeren "Weinflasche" neben dem Toten durchaus um die Whiskyflasche handeln. "Schottischer Landwein" gewissermaßen.
Ein 44jähriger Schweizer sollte am Freitag um 23 Uhr einen Flug vom Internationalen Flughafen Toayuan nach Paris nehmen, ging jedoch nach dem Checkin verloren. Erst am Samstag wurde er gegen Mittag gefunden. Und zwar in der Nähe des Ganges, der zu den VIP-Lounges führt. Dort lag er eigenartigerweise in einem Bereich, den Reisende normalerweise nicht betreten sollen. Neben sich eine leere Flasche Wein* und leider verstorben aus noch unbekannter Ursache. Er soll auch eine Flasche Whisky im Duty-Free-Bereich erstanden haben, die offenbar nicht gefunden wurde. Am selben Tag verstarb auch ein 68jähriger US-Amerikaner, aber schon beim Touchdown seiner Maschine in Taipei.
http://focustaiwan.tw/news/afav/201511070026.aspx
Taiwans noch bis Januar amtierender Präsident Ma traf sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi und in diesem Satz liegt schon ein Fehler. Formell ist ja Ma der Präsident der Republik China, die wir umgangssprachlich als Taiwan bezeichnen, während Xi natürlich Präsident der VR-China ist. Ich habe mir keine Details angesehen, liegt mein Blick aus privaten Gründen derzeit doch eher entweder auf Manila in den Philippinen oder auf Deutschland. Schließlich wird langsam klar, dass Frau, Junior und ich in der ersten Jahreshälfte 2016 Taiwan verlassen werden. Bestimmt hatten Ma und Xi ihren Spaß zusammen. Es gibt ja viel, was die zwei Buben zusammen anstellen können. Etwa ihre Namen hintereinander schreiben, die Köpfe zusammenkleben mit Uhu und sich dann Herr Xima nennen. Möglicherweise sind die beiden in der SM-Szene tätig, jedenfalls hat Herr Xi dem Herrn Ma wieder den Titel "Herr Präsident" verweigert und ihn wieder Hello oder wohl eher "Ni hao" genannt. Was man eben so macht bei den Humilation-Games. Mich interessiert das alles nicht mehr wirklich; der geneigte Leser mag es anderswo im Detail nachlesen.
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/11/09/2003632021
Nach einer Halloween-Party in einem Spukhaus in Tainan klagten mehrere der Naturwissenschaftsstudenten darüber, von bösen Geistern besessen zu sein, so dass die ganze Truppe per Notfallverfahren in einen nahegelegenen Tempel zwecks Massenexorzismus gebracht wurde. Einige wenige der Studenten klagten über Fieber und dergleichen, sodass sie medizinische Behandlung in Anspruch genommen haben. Diese Meldung ist hinreichend blöd, dass es mit ihr Taiwan glatt mal wieder in die Spiegel.de-Nachrichten schaffen könnte: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/11/02/2003631488
* Edit: Sprecher des Mandarinchinesischen auf Taiwan nennen jedweden Alkohol meist "Wein", deswegen kann es sich bei der leeren "Weinflasche" neben dem Toten durchaus um die Whiskyflasche handeln. "Schottischer Landwein" gewissermaßen.
Freitag, Oktober 23, 2015
Fehlende Taiwanberichte
Deutsche Politik ist auf anarchistische Art so viel spannender. Und ich habe sowieso wenig Zeit, da ich ein Managementtool unter Windows mit Datenbankanbindung fertigstelle, mit dem mittlerweile das ganze 45-Leute-Team u.a. auch seine Urlaubsplanung macht und eigene Fähigkeiten zwecks Zuordnung zu den einzelnen Hardwaretest-Projekten hier im Testteam einhacken kann in das System. So groß ist das Programm, dass ich es mittlerweile "SAT / Software aus Taiwan" nenne statt SAP. Obwohl, so groß ist es nun auch wieder nicht.
Daher habe ich nicht darüber berichtet, dass die noch regierende KMT ihre Präsidentschaftskandidatin Hung gegen den moderateren Chu ausgetauscht hat, der Bürgermeister des Landkreises Taipei alias New Taipei City ist. In einer aktuellen Umfrage liegt jetzt Frau Tsai von der DPP mit um die 40% immer noch mit Abstand vorn, gefolgt von Herrn Chu aus der KMT mit 18% und dann Soong aus der PFP (KMT-nah eigentlich) mit 12%. Lustige Szenen gab es, als Hung-Anhänger vor der KMT-Zentrale demonstrierten und KMT-Honoratioren am Weiterfahren in ihren Limusinen hinderten. Aber Deutschland ist einfach so viel spannender und morgen geht es besuchsweise nach Manila, auch um die Permanent Residency abzuholen. Da tritt Taiwan und seine ewige "sind wir nun China oder nicht?"-Leier Gott sei Dank gnädig in den Hintergrund.
Bei mir gilt also jetzt das Motto: "Der Trend zum Drittland hält an". Selbst wenn Merkel eines von den dreien kaputt spielt, bleiben mir immer noch zwei andere.
Daher habe ich nicht darüber berichtet, dass die noch regierende KMT ihre Präsidentschaftskandidatin Hung gegen den moderateren Chu ausgetauscht hat, der Bürgermeister des Landkreises Taipei alias New Taipei City ist. In einer aktuellen Umfrage liegt jetzt Frau Tsai von der DPP mit um die 40% immer noch mit Abstand vorn, gefolgt von Herrn Chu aus der KMT mit 18% und dann Soong aus der PFP (KMT-nah eigentlich) mit 12%. Lustige Szenen gab es, als Hung-Anhänger vor der KMT-Zentrale demonstrierten und KMT-Honoratioren am Weiterfahren in ihren Limusinen hinderten. Aber Deutschland ist einfach so viel spannender und morgen geht es besuchsweise nach Manila, auch um die Permanent Residency abzuholen. Da tritt Taiwan und seine ewige "sind wir nun China oder nicht?"-Leier Gott sei Dank gnädig in den Hintergrund.
Bei mir gilt also jetzt das Motto: "Der Trend zum Drittland hält an". Selbst wenn Merkel eines von den dreien kaputt spielt, bleiben mir immer noch zwei andere.
Freitag, Oktober 16, 2015
Republikflucht! (Geht auch ohne Merkel)
Langsam wird es ernst mit der Republikflucht aus Taiwan, der "Republik China", wie sie ja eigentlich heißt.
Ich will noch mal kurz rekapitulieren, wie es zu der stürmischen Entwicklung kam, die Frau und mich seit 2 Jahren oder dergleichen umtreibt - verschärft in den letzten Monaten.. Alles fing an mit dem dicken Volvo SUV names XC60 T5 in Glitterschwarz, mit dem meine Frau des guten Crashtests halber unseren alten Nissan Xtrail ersetzen wollte. Alles Reden half nichts, am Ende stand die schöne und in Taiwan im Vgl. zu Deutschland noch teurere Karosse vor der Tür. Oder genau gesagt auf dem Familienparkplatz bei Schwiegermutter. Parkplätze sind ja durchaus Kostbarkeiten in Taipei. Der "Familienparkplatz" war ursprünglich von meiner Frau gemietet und bezahlt worden und war während unseres kurzen Lebens in Deutschland dann vom "reichen" Schwager meiner Frau übernommen worden, der da manchmal seinen Porsche Panamera oder vorher Audi S8 und den parallelen BMW X5 35i drauf parkte. Großzügig und nett wie er ist durften wir da immer unseren Wagen gratis drauf abstellen, weil der Parkplatz so gut wie nie genutzt wurde. Ich wollte ja immer schon einen eigenen, aber meine Frau hatte sich da eine Art Zweikampf mit ihrer Schwester geleistet, die ja die erste Tochter der Familie ist und mangels Söhnen daher nach chinesischer Sitte eine ganz besondere Stellung hat. Als statt dem alten Nissan nun der glimmerschwarze Volvo auf dem Parkplatz stand, flog der ersten Tochter offenbar der Korken aus dem Kropf und sie erklärte Ludigels Kleinfamilie den Krieg. Nebenher hatte ihr Sohn auch einen Führerschein bekommen und nun ein eigenes Auto (erst Audi und BMW, wohlhabende Taiwaner lieben deutsche Autos) und hätte eigentlich den "Familienparkplatz" seines Vaters selbst gebraucht. Nett wie er ist, hat er aber kein Wort gesagt. Also erklärte uns die erste Tochter - die mich als zu "unchinesisch" vom ersten Tag an immer schon buchstäblich wie Luft behandelt und auf chinesische Art mit leerem Blick durch mich durch starrt - den totalen Taiwan-Weiberl-Krieg.
Als Resultat fing auch Schwiegermutter an, durch mich durch zu gucken als sei ich Luft. Ich fand ja, sie hat ein bisschen geschielt dabei. Aber gut, auch egal. Da damals wegen unserer viel zu kleinen Wohnung Frau 50m neben unserer nur von mir bewohnten Wohnung bei Schwiegermutter mit Junior lebte (ein merkwürdiges Arrangement, ich weiß) flogen Frau und Junior auch noch achtkantig aus der Wohnung und zogen bei mir in die seither überfüllte Miniwohnung. Was ja auch asiatisch nett ist, so eng beieinander. Ich gebe es zu und achte drauf, nicht Frau oder Junior beim morgendlichen Recken ausversehen aus dem Fenster zu boxen. Wie dem auch sei, Schwiegermutter weigerte sich auch noch, auf ihren Großsohn tagsüber wochentags aufzupassen und sagte uns, wir sollten uns gefälligst eine Kinderschwester suchen für den damals noch im Babyalter befindlichen Junior.
Zuuuuuuufällig weilte damals die zweite Schwester der Familie in Taipei, die eigentlich mit einem Sino-Filipino verheiratet in Manila lebt. Da Taiwaner Gruppenmenschen sind, litt meine Frau sowieso unter sozialen Entzugserscheinungen und auch dass uns die werte erste Tochter an der Familientafel manchmal buchstäblich das Essen (für Junior) aus der Hand nahm und demonstrativ an die Kinderchen der dritten Tochter weitergab, trug nicht gerade zur Genesung meiner Gattin bei.
In der Folge bekam meine Frau dann auch noch ein Augenleiden, das evtl. zur Erblindung führen könnte und verlor nun ganz und gar die Contenance.
Dann ging es so schnell, dass ich kaum noch mitkam. Will sagen, dass ich wirklich nicht mehr mitbekam was in Windeseile vor sich ging. Die "Manila-Schwester" und meine Frau schmiedeten ohne große Diskussion den Plan zur Umsiedlung der Familie Ludigel nach Manila. Frau hätte da Familienanschluss, bräuchte nicht mehr im Büro auf den kleinen Bildschirm zu starren und könnte ins schwägerliche Business einsteigen. Im Handumdrehen war alles gemeinsame Geld in Manila angelegt und ich kam und komme mir ein bisschen vor wie jemand, der nach durchzechter Nacht in Frauenkleidern auf der Glaskuppel des Reichtags in Berlin mit einem zeltgroßen Schlüpfer von Peter Altmaier auf dem Kopf wach wird. Wie bin ich da bloß hingekommen? Und ich wusste gar nicht, dass ich sowas auch mache. Nur statt Alkohol hatte ich Famileindramen, Krankheiten und Nervenzusammenbrüche seitens der Gattin.
Da meine Frau in Sachen Manilaumzug unbeirrbar ist, war ich die Tage in Sachen polizeiliches Führungszeugnis, Legalisierungen (Beglaubigungen) und anderem Kram unterwegs. Unter anderem habe ich auch die horrende Summe für ein philippinisches Familienvisum (genauer: eine permanente Residency) übewiesen. Und heute hat der erste Verkaufskiosk des Joint-Ventures zwischen meiner Frau und ihrer "Manilaschwester" aufgemacht, drei neue Arbeitsplätze in Manila sind geschaffen. Und Frau und Junior werden Mitte nächsten Jahres in Manila erwartet, u.a. zwecks Kontrollieren der Verkaufsstelle. Meine Wenigkeit wohl auch - wenn Frau nicht zu viel Angst hat in der Manilafamilie könnten wieder ähnliche Verwerfungen auftreten wie mit der Taipeifamilie, das Business läuft und die Götter gewogen sind. Und ich mein Gesichtverziehen beim Thema Manila und Familie einstelle, sagt Frau. Da bin ich mir noch im Unklaren ob das klappt.
Lustig: Auch das Paar Will/ShaoWu will mit nach Manila ziehen, das treuen Lesern aus dieser Geschichte hier noch bekannt sein könnte.
Schuld am ganzen Chaos war also nur der dicke Volvo, der ganz am Anfang der Geschichte stand. Oder auch der Bossanova, wer weiß das schon. In Manila soll es wieder ein alter Nissan werden, sagt Frau. Vielleicht fragen wir mal die Schwester dort, ob sie damit einverstanden ist*.
* Das ist genau die Manila-Nörgelei, die meine Frau beanstandet.
Nachtrag: Manchmal habe ich ja schon das Gefühl, ich sei im Jahre 2004 beim nächtelangen Programmieren in Deutschland bei meinem letzten Arbeitgeber mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt und läge seither im Krankenhaus im Koma. Und alles sei nur ein wilder Traum, während neben mir die Herz-Lungenmaschine rattert. Ist der Taiwahnsinn real?
Nachtrag 2: Seit dem heutigen wiederholten Besuch im Manila Trade Office (der diplomatischen Vertretung der Philippinen in Taiwan) sehe ich die Ausreise nach Manila viel positiver. Die nette Schalter-Dame dort hat mich beim zweiten Mal mit einem netten Lächeln begrüßt und die vielen netten Damen in der Vertretung und die spanischen Worte, die sie in das Tagalog im Gespräch untereinander einfließen ließen, ließen die ganze Sache viel positiver wirken. "Tu es marido, no sé?" sagte gleich eine längst verloren geglaubte innere Stimme als ich wieder im Fahrstuhl war. Die hatte ich zuletzt bei meinen Lateinamerikareisen vor meine Taiwanzeit gehört ;-) Seien sie mit meinem alten Touristenspanisch nicht allzu streng.
Ich will noch mal kurz rekapitulieren, wie es zu der stürmischen Entwicklung kam, die Frau und mich seit 2 Jahren oder dergleichen umtreibt - verschärft in den letzten Monaten.. Alles fing an mit dem dicken Volvo SUV names XC60 T5 in Glitterschwarz, mit dem meine Frau des guten Crashtests halber unseren alten Nissan Xtrail ersetzen wollte. Alles Reden half nichts, am Ende stand die schöne und in Taiwan im Vgl. zu Deutschland noch teurere Karosse vor der Tür. Oder genau gesagt auf dem Familienparkplatz bei Schwiegermutter. Parkplätze sind ja durchaus Kostbarkeiten in Taipei. Der "Familienparkplatz" war ursprünglich von meiner Frau gemietet und bezahlt worden und war während unseres kurzen Lebens in Deutschland dann vom "reichen" Schwager meiner Frau übernommen worden, der da manchmal seinen Porsche Panamera oder vorher Audi S8 und den parallelen BMW X5 35i drauf parkte. Großzügig und nett wie er ist durften wir da immer unseren Wagen gratis drauf abstellen, weil der Parkplatz so gut wie nie genutzt wurde. Ich wollte ja immer schon einen eigenen, aber meine Frau hatte sich da eine Art Zweikampf mit ihrer Schwester geleistet, die ja die erste Tochter der Familie ist und mangels Söhnen daher nach chinesischer Sitte eine ganz besondere Stellung hat. Als statt dem alten Nissan nun der glimmerschwarze Volvo auf dem Parkplatz stand, flog der ersten Tochter offenbar der Korken aus dem Kropf und sie erklärte Ludigels Kleinfamilie den Krieg. Nebenher hatte ihr Sohn auch einen Führerschein bekommen und nun ein eigenes Auto (erst Audi und BMW, wohlhabende Taiwaner lieben deutsche Autos) und hätte eigentlich den "Familienparkplatz" seines Vaters selbst gebraucht. Nett wie er ist, hat er aber kein Wort gesagt. Also erklärte uns die erste Tochter - die mich als zu "unchinesisch" vom ersten Tag an immer schon buchstäblich wie Luft behandelt und auf chinesische Art mit leerem Blick durch mich durch starrt - den totalen Taiwan-Weiberl-Krieg.
Als Resultat fing auch Schwiegermutter an, durch mich durch zu gucken als sei ich Luft. Ich fand ja, sie hat ein bisschen geschielt dabei. Aber gut, auch egal. Da damals wegen unserer viel zu kleinen Wohnung Frau 50m neben unserer nur von mir bewohnten Wohnung bei Schwiegermutter mit Junior lebte (ein merkwürdiges Arrangement, ich weiß) flogen Frau und Junior auch noch achtkantig aus der Wohnung und zogen bei mir in die seither überfüllte Miniwohnung. Was ja auch asiatisch nett ist, so eng beieinander. Ich gebe es zu und achte drauf, nicht Frau oder Junior beim morgendlichen Recken ausversehen aus dem Fenster zu boxen. Wie dem auch sei, Schwiegermutter weigerte sich auch noch, auf ihren Großsohn tagsüber wochentags aufzupassen und sagte uns, wir sollten uns gefälligst eine Kinderschwester suchen für den damals noch im Babyalter befindlichen Junior.
Zuuuuuuufällig weilte damals die zweite Schwester der Familie in Taipei, die eigentlich mit einem Sino-Filipino verheiratet in Manila lebt. Da Taiwaner Gruppenmenschen sind, litt meine Frau sowieso unter sozialen Entzugserscheinungen und auch dass uns die werte erste Tochter an der Familientafel manchmal buchstäblich das Essen (für Junior) aus der Hand nahm und demonstrativ an die Kinderchen der dritten Tochter weitergab, trug nicht gerade zur Genesung meiner Gattin bei.
In der Folge bekam meine Frau dann auch noch ein Augenleiden, das evtl. zur Erblindung führen könnte und verlor nun ganz und gar die Contenance.
Dann ging es so schnell, dass ich kaum noch mitkam. Will sagen, dass ich wirklich nicht mehr mitbekam was in Windeseile vor sich ging. Die "Manila-Schwester" und meine Frau schmiedeten ohne große Diskussion den Plan zur Umsiedlung der Familie Ludigel nach Manila. Frau hätte da Familienanschluss, bräuchte nicht mehr im Büro auf den kleinen Bildschirm zu starren und könnte ins schwägerliche Business einsteigen. Im Handumdrehen war alles gemeinsame Geld in Manila angelegt und ich kam und komme mir ein bisschen vor wie jemand, der nach durchzechter Nacht in Frauenkleidern auf der Glaskuppel des Reichtags in Berlin mit einem zeltgroßen Schlüpfer von Peter Altmaier auf dem Kopf wach wird. Wie bin ich da bloß hingekommen? Und ich wusste gar nicht, dass ich sowas auch mache. Nur statt Alkohol hatte ich Famileindramen, Krankheiten und Nervenzusammenbrüche seitens der Gattin.
Da meine Frau in Sachen Manilaumzug unbeirrbar ist, war ich die Tage in Sachen polizeiliches Führungszeugnis, Legalisierungen (Beglaubigungen) und anderem Kram unterwegs. Unter anderem habe ich auch die horrende Summe für ein philippinisches Familienvisum (genauer: eine permanente Residency) übewiesen. Und heute hat der erste Verkaufskiosk des Joint-Ventures zwischen meiner Frau und ihrer "Manilaschwester" aufgemacht, drei neue Arbeitsplätze in Manila sind geschaffen. Und Frau und Junior werden Mitte nächsten Jahres in Manila erwartet, u.a. zwecks Kontrollieren der Verkaufsstelle. Meine Wenigkeit wohl auch - wenn Frau nicht zu viel Angst hat in der Manilafamilie könnten wieder ähnliche Verwerfungen auftreten wie mit der Taipeifamilie, das Business läuft und die Götter gewogen sind. Und ich mein Gesichtverziehen beim Thema Manila und Familie einstelle, sagt Frau. Da bin ich mir noch im Unklaren ob das klappt.
Lustig: Auch das Paar Will/ShaoWu will mit nach Manila ziehen, das treuen Lesern aus dieser Geschichte hier noch bekannt sein könnte.
Schuld am ganzen Chaos war also nur der dicke Volvo, der ganz am Anfang der Geschichte stand. Oder auch der Bossanova, wer weiß das schon. In Manila soll es wieder ein alter Nissan werden, sagt Frau. Vielleicht fragen wir mal die Schwester dort, ob sie damit einverstanden ist*.
* Das ist genau die Manila-Nörgelei, die meine Frau beanstandet.
Nachtrag: Manchmal habe ich ja schon das Gefühl, ich sei im Jahre 2004 beim nächtelangen Programmieren in Deutschland bei meinem letzten Arbeitgeber mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt und läge seither im Krankenhaus im Koma. Und alles sei nur ein wilder Traum, während neben mir die Herz-Lungenmaschine rattert. Ist der Taiwahnsinn real?
Nachtrag 2: Seit dem heutigen wiederholten Besuch im Manila Trade Office (der diplomatischen Vertretung der Philippinen in Taiwan) sehe ich die Ausreise nach Manila viel positiver. Die nette Schalter-Dame dort hat mich beim zweiten Mal mit einem netten Lächeln begrüßt und die vielen netten Damen in der Vertretung und die spanischen Worte, die sie in das Tagalog im Gespräch untereinander einfließen ließen, ließen die ganze Sache viel positiver wirken. "Tu es marido, no sé?" sagte gleich eine längst verloren geglaubte innere Stimme als ich wieder im Fahrstuhl war. Die hatte ich zuletzt bei meinen Lateinamerikareisen vor meine Taiwanzeit gehört ;-) Seien sie mit meinem alten Touristenspanisch nicht allzu streng.
Montag, Oktober 12, 2015
Peinliches bei Mr. Donut
Da will man nur seine Donuts in Ruhe essen. Und schon ist man mitten drin im Apple-Daily-Taiwan. Wenn auch nicht ganz schuldlos.
Am verlängerten Wochenende waren wir jeden Tag mit Junior in einem Spielparadies, wo er klettern kann und in den unvermeindlichen Bällen herumtauchen kann, die dort dne Boden pflastern. Sowohl Junior als auch sein Vater waren stolz, auf diesen mehrere Meter hohe Scheiben-Kletterpfosten geklettert zu sein. Auch die vielen dratigen Taiwaneltern wollen da den Kids nicht folgen, während ich Junior erst mal mit Schweiß auf der Stirn vormachen musste, dass das Klettern da gefahrlos ist. Ab dem dritten Mal ging es dann bei mir fast automatisch, offensichtlich hatte sich irgendein altes Primaten-Kletterprogramm aktiviert. Als die Tage dann ein Ziehen in allen vier Gliedmaßen einsetzte musste ich mich ermahnen, nichts davon gegenüber der Frau zu erwähnen. Die hätte mich sicher sofort zum Taiwanarzt geschickt, der die Amputation aller vier Gliedmaßen oder einen Herzschrittmachen empfohlen hätte, tolloperationswütig wie sie sind. Muskelkater nennt man das eigentlich.
Jedenfalls nach dem Spielaufenthalt dort will Junior immer seine Donuts bei Mr. Donut essen, wofür wir extra in ein zweites Einkaufszentrum fahren. Nach Hause mitnehmen will er sie nicht, sondern man muss zusammen sitzen, essen und gucken, wie er mit seinen 4 Jahren ausführt. Das Wort "Café" hat er schon fest im Wortschatz auf Englisch und Deutsch. Die Donuts nach US-Vorbild sind deutlich filigraner als die in den US-Polizeiserien, wo sie offenbar das Grundnahrungsmittel eines jeden schießwütigen Polizisten sind. Neulich haben die sogar einen Rollstuhlfahrer erschossen, weil er nicht die Hände hoch genommen hat, habe ich gelesen. Unglaublich. Schuld wird aber eher die nur wenigwöchige Ausbildung der Herren Polizisten sein und nicht der Donut. Die Donuts bei Mr. Donut sind auch viel filigraner, kleine Kugeln bilden einen Ring aus etwas, das man in Niedersachsen als "Krapfenteig" bezeichnen würde. Was nichts mit Fischen zu tun hat.
So warteten Junior und ich am Tisch auf Mama, die die US-Krapfenring bestellte und schließlich mit an den Tisch brachte. Zwei für Junior und einen je für uns nebst Tee. Junior schmiert sich wegen der Schokokuvertüre seiner bevorzugten Sorte Donuts schon immer ein so dass wir wie alle Elternteile einen dicken Stapel Papierservietten mitnehmen. Meine Frau brachte taiwantypisch sowieso wieder einen extradicken, aber auch ich bediene mich da durchaus. Nicht ganz koscher, musste ich selbstkritisch feststellen, legt man doch da dem Unternehmen im Prinzip einen finanziellen Anteil an der Aufzucht der eigenen Brut auf die Kasse. Nichtsdestotrotz verbraucht Junior aber auch immer 90% der von mir üblicherweise mitgenommen Servietten und etwa 50% der von Frau eingesteckten. Auch am Nebentisch fand es so statt, eine Familie mit 2 Kindern hatte einen noch dickeren Stapel und ließ mindestens die Hälfte davon gleich in der Tasche verschwinden. Taiwan-Sorglos-Gratiskultur. So machen wir es denn nun doch nicht.
Nächstes Bild: Plötzlich steht einer der uniformieren Leutchen vom Bedientresen bei uns am Tisch, guckt mich wütend mit rotem Kopf an und fummelt in den von Frau mitgebrachten Servietten herum, von denen er die Hälfte wieder mit nimmt. "Tai dou le" sagt er dabei die ganze Zeit mehrfach vor sich hin, was etwa mit "ziemlich viele" zu übersetzen wäre. Er sieht nur mich an, nicht meine Frau und ich bemühe mich nach besten Kräften, den Kerl zu ignorieren. Klar dass er mich ansieht, denke ich so. Er hat vermutlich Apple Daily gelesen, die Taiwan-Bildzeitung, die schreibt gerne von unverschämten Ausländern, die keine Steuern zahlen, Drogen nehmen und nur die Mädels flach legen wollen. Aber ich habe auf den ganzen Mist keine Lust und mache mit ihm das was ich fast immer mit mir auf die Nerven gehenden Leuten mache: Ich ignoriere sie. So verschwindet er mit seiner Beute und ich muss ihm ja auch zugestehen, dass er nicht ganz Unrecht hat. Und wer möchte auch schon Aufhebens davon machen, dass man gerade deswegen zum "Mr. Donut strikes back"-Ziel geworden ist, weil man irgendwie anders aussieht. Woran es vermutlich liegen wird. In Taiwan wird man mittlerweile so behandelt als "weißer" Ausländer, was ich "moderat unfreundlich" nenne. Meistens neutral, mit dem ein oder anderen bösen Blick auf der Straße, manchmal aber auch etwas freundlicher als der Normalo behandelt würde, manchmal aber auch etwas unfreundlicher, etwa von Service-Personal. Eigentlich kann es sich Personal im serviceorientierten Taiwan ganz und gar nicht leisten, Kunden unfreundlich zu behandeln. Aber unsereins Langnase erwischt es manchmal, wohl aus dem Gedanken heraus, dass wir uns ja nicht so einfach beim Vorgesetzten oder gar dem Firmen-HQ einer Kette beschweren können wegen der Sprachbarriere. Manche Taiwaner glauben auch, meine Frau spräche nur Englisch, wenn sie sie mit mir auf Englisch reden hören. Dann halten sie uns wohl für ein US-Paar, denke ich mal.
Na ja, es kam wie es kommen musste. Frau rief das Headquarter an, die schicken zweimal den Serviettenrücknehmer zu uns an den Tisch nebst anderem Personal zum Entschuldigen. Er hat wieder einen roten Kopf, diesmal aber nicht vor Wut sondern vor Angst um seine Karriere, wie man den stark geweiteten Pupillen und dem Kaninchenblick entnehmen kann. Beim 2. Mal wollten sie die Donuts auch noch aufs Haus gehen lassen, aber wir haben das abgelehnt. Alles in allem eine oberpeinliche Veranstaltung, aber auch grenzwertig lustig, wie Taiwan eben oft ist.
Trotz allem ist Taiwan im Jahre 2015 ein angenehmeres Pflaster als es 2004 war, als ich hier her gekommen bin. Damals wurde man oft wie ein Popstar glorifiziert, fast unglaublich ist das heute. Aber auch ständig gefragt ob oder warum man immer nur Cola trinkt und Burger frisst - beides tat ich damals eigentlich nur sehr selten wie auch heute - und hatte schon mal "Ausländer! Ausländer!"-singende Kinder hinter sich her dackeln und die beiden Jungs im "Family"-24h-Supermarkt waren so unfreundlich, dass ich manchmal befürchtete, sie würden eine Prügelei mit mir anfangen wollen. Und das Kantinenpersonal tatschte an mir herum wie an einem frisch gelandeten Marschmenschen und die halbe Firma wieherte dazu ... mit rotem Kopf.
Heute gibt es weniger rote Köpfe und das Klima ist angenehm neutral. Fast immer jedenfalls. Wenn es Probleme gibt, dann mit Leuten mit niedrigem Bildungsgrad, die möglicherweise für Servietten zuständig sind oder mit manchmal mit Senioren. Oder es lag doch nur an den Servietten oder am Bossanova.
Am verlängerten Wochenende waren wir jeden Tag mit Junior in einem Spielparadies, wo er klettern kann und in den unvermeindlichen Bällen herumtauchen kann, die dort dne Boden pflastern. Sowohl Junior als auch sein Vater waren stolz, auf diesen mehrere Meter hohe Scheiben-Kletterpfosten geklettert zu sein. Auch die vielen dratigen Taiwaneltern wollen da den Kids nicht folgen, während ich Junior erst mal mit Schweiß auf der Stirn vormachen musste, dass das Klettern da gefahrlos ist. Ab dem dritten Mal ging es dann bei mir fast automatisch, offensichtlich hatte sich irgendein altes Primaten-Kletterprogramm aktiviert. Als die Tage dann ein Ziehen in allen vier Gliedmaßen einsetzte musste ich mich ermahnen, nichts davon gegenüber der Frau zu erwähnen. Die hätte mich sicher sofort zum Taiwanarzt geschickt, der die Amputation aller vier Gliedmaßen oder einen Herzschrittmachen empfohlen hätte, tolloperationswütig wie sie sind. Muskelkater nennt man das eigentlich.
Jedenfalls nach dem Spielaufenthalt dort will Junior immer seine Donuts bei Mr. Donut essen, wofür wir extra in ein zweites Einkaufszentrum fahren. Nach Hause mitnehmen will er sie nicht, sondern man muss zusammen sitzen, essen und gucken, wie er mit seinen 4 Jahren ausführt. Das Wort "Café" hat er schon fest im Wortschatz auf Englisch und Deutsch. Die Donuts nach US-Vorbild sind deutlich filigraner als die in den US-Polizeiserien, wo sie offenbar das Grundnahrungsmittel eines jeden schießwütigen Polizisten sind. Neulich haben die sogar einen Rollstuhlfahrer erschossen, weil er nicht die Hände hoch genommen hat, habe ich gelesen. Unglaublich. Schuld wird aber eher die nur wenigwöchige Ausbildung der Herren Polizisten sein und nicht der Donut. Die Donuts bei Mr. Donut sind auch viel filigraner, kleine Kugeln bilden einen Ring aus etwas, das man in Niedersachsen als "Krapfenteig" bezeichnen würde. Was nichts mit Fischen zu tun hat.
So warteten Junior und ich am Tisch auf Mama, die die US-Krapfenring bestellte und schließlich mit an den Tisch brachte. Zwei für Junior und einen je für uns nebst Tee. Junior schmiert sich wegen der Schokokuvertüre seiner bevorzugten Sorte Donuts schon immer ein so dass wir wie alle Elternteile einen dicken Stapel Papierservietten mitnehmen. Meine Frau brachte taiwantypisch sowieso wieder einen extradicken, aber auch ich bediene mich da durchaus. Nicht ganz koscher, musste ich selbstkritisch feststellen, legt man doch da dem Unternehmen im Prinzip einen finanziellen Anteil an der Aufzucht der eigenen Brut auf die Kasse. Nichtsdestotrotz verbraucht Junior aber auch immer 90% der von mir üblicherweise mitgenommen Servietten und etwa 50% der von Frau eingesteckten. Auch am Nebentisch fand es so statt, eine Familie mit 2 Kindern hatte einen noch dickeren Stapel und ließ mindestens die Hälfte davon gleich in der Tasche verschwinden. Taiwan-Sorglos-Gratiskultur. So machen wir es denn nun doch nicht.
Nächstes Bild: Plötzlich steht einer der uniformieren Leutchen vom Bedientresen bei uns am Tisch, guckt mich wütend mit rotem Kopf an und fummelt in den von Frau mitgebrachten Servietten herum, von denen er die Hälfte wieder mit nimmt. "Tai dou le" sagt er dabei die ganze Zeit mehrfach vor sich hin, was etwa mit "ziemlich viele" zu übersetzen wäre. Er sieht nur mich an, nicht meine Frau und ich bemühe mich nach besten Kräften, den Kerl zu ignorieren. Klar dass er mich ansieht, denke ich so. Er hat vermutlich Apple Daily gelesen, die Taiwan-Bildzeitung, die schreibt gerne von unverschämten Ausländern, die keine Steuern zahlen, Drogen nehmen und nur die Mädels flach legen wollen. Aber ich habe auf den ganzen Mist keine Lust und mache mit ihm das was ich fast immer mit mir auf die Nerven gehenden Leuten mache: Ich ignoriere sie. So verschwindet er mit seiner Beute und ich muss ihm ja auch zugestehen, dass er nicht ganz Unrecht hat. Und wer möchte auch schon Aufhebens davon machen, dass man gerade deswegen zum "Mr. Donut strikes back"-Ziel geworden ist, weil man irgendwie anders aussieht. Woran es vermutlich liegen wird. In Taiwan wird man mittlerweile so behandelt als "weißer" Ausländer, was ich "moderat unfreundlich" nenne. Meistens neutral, mit dem ein oder anderen bösen Blick auf der Straße, manchmal aber auch etwas freundlicher als der Normalo behandelt würde, manchmal aber auch etwas unfreundlicher, etwa von Service-Personal. Eigentlich kann es sich Personal im serviceorientierten Taiwan ganz und gar nicht leisten, Kunden unfreundlich zu behandeln. Aber unsereins Langnase erwischt es manchmal, wohl aus dem Gedanken heraus, dass wir uns ja nicht so einfach beim Vorgesetzten oder gar dem Firmen-HQ einer Kette beschweren können wegen der Sprachbarriere. Manche Taiwaner glauben auch, meine Frau spräche nur Englisch, wenn sie sie mit mir auf Englisch reden hören. Dann halten sie uns wohl für ein US-Paar, denke ich mal.
Na ja, es kam wie es kommen musste. Frau rief das Headquarter an, die schicken zweimal den Serviettenrücknehmer zu uns an den Tisch nebst anderem Personal zum Entschuldigen. Er hat wieder einen roten Kopf, diesmal aber nicht vor Wut sondern vor Angst um seine Karriere, wie man den stark geweiteten Pupillen und dem Kaninchenblick entnehmen kann. Beim 2. Mal wollten sie die Donuts auch noch aufs Haus gehen lassen, aber wir haben das abgelehnt. Alles in allem eine oberpeinliche Veranstaltung, aber auch grenzwertig lustig, wie Taiwan eben oft ist.
Trotz allem ist Taiwan im Jahre 2015 ein angenehmeres Pflaster als es 2004 war, als ich hier her gekommen bin. Damals wurde man oft wie ein Popstar glorifiziert, fast unglaublich ist das heute. Aber auch ständig gefragt ob oder warum man immer nur Cola trinkt und Burger frisst - beides tat ich damals eigentlich nur sehr selten wie auch heute - und hatte schon mal "Ausländer! Ausländer!"-singende Kinder hinter sich her dackeln und die beiden Jungs im "Family"-24h-Supermarkt waren so unfreundlich, dass ich manchmal befürchtete, sie würden eine Prügelei mit mir anfangen wollen. Und das Kantinenpersonal tatschte an mir herum wie an einem frisch gelandeten Marschmenschen und die halbe Firma wieherte dazu ... mit rotem Kopf.
Heute gibt es weniger rote Köpfe und das Klima ist angenehm neutral. Fast immer jedenfalls. Wenn es Probleme gibt, dann mit Leuten mit niedrigem Bildungsgrad, die möglicherweise für Servietten zuständig sind oder mit manchmal mit Senioren. Oder es lag doch nur an den Servietten oder am Bossanova.
Donnerstag, Oktober 08, 2015
Juniors Sprachentwicklung
Ein Update für Interessierte, von wegen Dreisprachigkeit
Junior (4) ist tagsüber im deutschen Kindergarten in Taipei und nachmittags bei der Schwiegermutter, die Mandarin mit ihm redet und ausdrücklich angewiesen ist, kein Hoklo alias Taiwanisch mit ihm zu reden, damit er nicht durch Viersprachigkeit verwirrt wird. Sonst abends und am Wochenende redet er Mandarin mit meiner Frau und Deutsch mit mir neben Englisch mit uns beiden, was also summa summarum drei Sprachen macht. Eine kurze japanische Phase wo er viel "annnooo" von sich gegeben hat hatte Junior auch mal. Da waren wir in Tokio gewesen und er hatte das aufgeschnappt. Vielleicht auch wegen des gelegentlichen Minijapanisch, mit dem seine Oma manchmal kontert, wenn Junior sie auf Deutsch anredet. Oma, also meine Schwiegermutter, hat nämlich in der japanischen Kolonialzeit noch Japanisch gelernt auf der Schule, aber den Großteil davon wieder vergessen. Wenn Junior sich einen Spaß macht und Deutsch mit seiner Oma redet und sich freut, wenn sie ihn nicht versteht, dann kontert sie eben schon mal auf Japanisch.
Neulich fragte ich Junior, wie viele Sprachen er denn spricht und er zählte auf:
Chinesisch
Deutsch
Minion
Letzteres hat damit zu tun, dass er viel die Filme des Despicable-Me - Franchises gesehen hat. Wir haben ihn durch englischsprachige Filme Englisch lernen lassen und das hat wirklich gut funktioniert, sogar richtige Native-Speaker-Formulierungen wie "gosh" als Erstaunenslaut hat er da drauf. Nur die englischsprachigen Despicable-Me-Filme haben ihn jetzt durcheinander gebracht, denn die kleinen gelben "Minions", die in dem Film die Stars sind, reden ein polyglottes Gewirr, das unter anderem wohl aus Japanisch, Spanisch, falsch gesprochenem Chinesisch (oder einem anderen Dialekt als ich ihn kenne), Englisch, Deutsch und allerlei mehr besteht. Das Vermischen von Englisch und dem Minion-Polyglott führte dann zu ein paar Sprachunfällen, etwa beschwerte sich Junior bei uns auf Englisch, seine Minion-Puppe hätte keinen "Wonderful". Also ein "Wunderbar" würde sie nicht haben. Frustriert fing er an zu weinen als wir ihn nicht verstanden. Erst später fiel mir ein, dass er "wonderful" als Hauptwort schon mal anstatt "Arm" benutzt hat. In der Tat fehlen der Puppe Arme. Auch stand er vor seinem Spielhaus mit offenem Eingang und sagte zu mir in Pseudodeutsch "Torweg zu?". Verblüfft guckte ich ihn an und ein paar Minuten später plapperten die Minions beim gehen durch eine Tür "Torweg zu?" oder irgendwas, das so ähnlich klang. Einstweilen sind die Minionfilme verboten, denn er fing an unverständliches wie "Bapu" und "Neipu" von sich zu geben und korrigierte mich schon mal energisch, wenn ich "Napu?" nachgefragt habe, was immer das auch sei. Abgesehen davon hat die Vielsprachigkeit aber gut geklappt, er spricht fließend Mandarin seiner Altersstufe entsprechend und wird daher von taiwanischen Kindern als einer der ihren akzeptiert, nur ihre Eltern bezeichnen ihn manchmal als "kleinen Ausländer", seiner braunen Haare wegen. Englisch kann er gut als Zweitsprache und fällt auch mir gegenüber darauf zurück, wenn ihm die Vokabeln fehlen.
Deutsch ist die Drittsprache und lässt sicher viel zu wünschen übrig, hat sich durch den Besuch des Kindergartens allerdings deutlich verbessert. Er ist stolz, wenn er ein neues Wort gelernt hat wie neulich "Aufräumzeit" oder vorher "Stuhlkreis", probiert dieses dann sogleich bei mir aus und ist glücklich, wenn ich es verstehe. Oft will er komplexe Sachen auf Deutsch sagen und dann fehlen die Worte dazwischen und er hat sich angewöhnt, diese dann mit deutsch klingenden Fantasielauten zu füllen und mit Gesten zu untermalen. Im Kindergarten ist man nicht glücklich über seinen Rückstand gegenüber den Kindern aus rein deutschen Familien, er ist da eben zwischen den Kindern aus rein taiwanischen Familien die sicher weniger Deutsch können als er und den Deutsch-Deutschen Kindern. Deutsche Filme und Hörspiele einzuführen hat nur bedingt geklappt. Wenn ich seine Lieblingsfilme deutsch synchronisiert zeige, fängt er an zu schimpfen und Hörspiele mag er eh nicht so, weil er den Bildschirm vermisst. Nur "Lucas der Locomotivführer" kam bislang gegen die Hollywoodstreifen an, Pumuckl hingegen hat er die kalte Schulter gezeigt.
Sollte Mitte nächsten Jahres wirklich der Umzug nach Manila auf den Philippinen stattfinden, dann würde er auch dort die deutsche Schule besuchen und dort auch Tagalok lernen (wie immer man das auch genau schreibt). Viersprachig dann also. Das ist eine nette Sprache. Der Satz "May reklamo ka" / "Wenn Sie eine Beschwerde haben" am Taxi verführt richtig dazu sie lernen zu wollen.
Stinksauer wird Junior, wenn seine Mutter plötzlich Deutsch statt Mandarin oder Englisch redet und ich ein paar Brocken Chinesisch benutze. Dann klärt er uns schon mal genervt auf, dass Papa kein Chinesisch spricht sondern Deutsch reden muss und Mama kein Deutsch spricht. Das haben wir nur mal spaßeshalber gemacht, als er uns mit Minion genervt hatte und wir lassen es jetzt wieder. Dieser kleine Plastik-Baseballschläger, den er dann hervor holt, tut nämlich wirklich weh.
Junior (4) ist tagsüber im deutschen Kindergarten in Taipei und nachmittags bei der Schwiegermutter, die Mandarin mit ihm redet und ausdrücklich angewiesen ist, kein Hoklo alias Taiwanisch mit ihm zu reden, damit er nicht durch Viersprachigkeit verwirrt wird. Sonst abends und am Wochenende redet er Mandarin mit meiner Frau und Deutsch mit mir neben Englisch mit uns beiden, was also summa summarum drei Sprachen macht. Eine kurze japanische Phase wo er viel "annnooo" von sich gegeben hat hatte Junior auch mal. Da waren wir in Tokio gewesen und er hatte das aufgeschnappt. Vielleicht auch wegen des gelegentlichen Minijapanisch, mit dem seine Oma manchmal kontert, wenn Junior sie auf Deutsch anredet. Oma, also meine Schwiegermutter, hat nämlich in der japanischen Kolonialzeit noch Japanisch gelernt auf der Schule, aber den Großteil davon wieder vergessen. Wenn Junior sich einen Spaß macht und Deutsch mit seiner Oma redet und sich freut, wenn sie ihn nicht versteht, dann kontert sie eben schon mal auf Japanisch.
Neulich fragte ich Junior, wie viele Sprachen er denn spricht und er zählte auf:
Chinesisch
Deutsch
Minion
Letzteres hat damit zu tun, dass er viel die Filme des Despicable-Me - Franchises gesehen hat. Wir haben ihn durch englischsprachige Filme Englisch lernen lassen und das hat wirklich gut funktioniert, sogar richtige Native-Speaker-Formulierungen wie "gosh" als Erstaunenslaut hat er da drauf. Nur die englischsprachigen Despicable-Me-Filme haben ihn jetzt durcheinander gebracht, denn die kleinen gelben "Minions", die in dem Film die Stars sind, reden ein polyglottes Gewirr, das unter anderem wohl aus Japanisch, Spanisch, falsch gesprochenem Chinesisch (oder einem anderen Dialekt als ich ihn kenne), Englisch, Deutsch und allerlei mehr besteht. Das Vermischen von Englisch und dem Minion-Polyglott führte dann zu ein paar Sprachunfällen, etwa beschwerte sich Junior bei uns auf Englisch, seine Minion-Puppe hätte keinen "Wonderful". Also ein "Wunderbar" würde sie nicht haben. Frustriert fing er an zu weinen als wir ihn nicht verstanden. Erst später fiel mir ein, dass er "wonderful" als Hauptwort schon mal anstatt "Arm" benutzt hat. In der Tat fehlen der Puppe Arme. Auch stand er vor seinem Spielhaus mit offenem Eingang und sagte zu mir in Pseudodeutsch "Torweg zu?". Verblüfft guckte ich ihn an und ein paar Minuten später plapperten die Minions beim gehen durch eine Tür "Torweg zu?" oder irgendwas, das so ähnlich klang. Einstweilen sind die Minionfilme verboten, denn er fing an unverständliches wie "Bapu" und "Neipu" von sich zu geben und korrigierte mich schon mal energisch, wenn ich "Napu?" nachgefragt habe, was immer das auch sei. Abgesehen davon hat die Vielsprachigkeit aber gut geklappt, er spricht fließend Mandarin seiner Altersstufe entsprechend und wird daher von taiwanischen Kindern als einer der ihren akzeptiert, nur ihre Eltern bezeichnen ihn manchmal als "kleinen Ausländer", seiner braunen Haare wegen. Englisch kann er gut als Zweitsprache und fällt auch mir gegenüber darauf zurück, wenn ihm die Vokabeln fehlen.
Deutsch ist die Drittsprache und lässt sicher viel zu wünschen übrig, hat sich durch den Besuch des Kindergartens allerdings deutlich verbessert. Er ist stolz, wenn er ein neues Wort gelernt hat wie neulich "Aufräumzeit" oder vorher "Stuhlkreis", probiert dieses dann sogleich bei mir aus und ist glücklich, wenn ich es verstehe. Oft will er komplexe Sachen auf Deutsch sagen und dann fehlen die Worte dazwischen und er hat sich angewöhnt, diese dann mit deutsch klingenden Fantasielauten zu füllen und mit Gesten zu untermalen. Im Kindergarten ist man nicht glücklich über seinen Rückstand gegenüber den Kindern aus rein deutschen Familien, er ist da eben zwischen den Kindern aus rein taiwanischen Familien die sicher weniger Deutsch können als er und den Deutsch-Deutschen Kindern. Deutsche Filme und Hörspiele einzuführen hat nur bedingt geklappt. Wenn ich seine Lieblingsfilme deutsch synchronisiert zeige, fängt er an zu schimpfen und Hörspiele mag er eh nicht so, weil er den Bildschirm vermisst. Nur "Lucas der Locomotivführer" kam bislang gegen die Hollywoodstreifen an, Pumuckl hingegen hat er die kalte Schulter gezeigt.
Sollte Mitte nächsten Jahres wirklich der Umzug nach Manila auf den Philippinen stattfinden, dann würde er auch dort die deutsche Schule besuchen und dort auch Tagalok lernen (wie immer man das auch genau schreibt). Viersprachig dann also. Das ist eine nette Sprache. Der Satz "May reklamo ka" / "Wenn Sie eine Beschwerde haben" am Taxi verführt richtig dazu sie lernen zu wollen.
Stinksauer wird Junior, wenn seine Mutter plötzlich Deutsch statt Mandarin oder Englisch redet und ich ein paar Brocken Chinesisch benutze. Dann klärt er uns schon mal genervt auf, dass Papa kein Chinesisch spricht sondern Deutsch reden muss und Mama kein Deutsch spricht. Das haben wir nur mal spaßeshalber gemacht, als er uns mit Minion genervt hatte und wir lassen es jetzt wieder. Dieser kleine Plastik-Baseballschläger, den er dann hervor holt, tut nämlich wirklich weh.
Freitag, September 18, 2015
Rentenlage in Taiwan: Ausländer kriegen offenbar weniger...
Ein für Renteneinzahler wie mich beunruhigendes Update zur Rentenlage in Taiwan:
Um es kurz zu machen, eigentlich erhält man in Taiwan mit 15 vollen Beitragsjahren nach der Labor Law-Regelung eine monatliche Rente, die nicht zu knapp ausfällt. Hat man weniger als 15 Beitragsjahre voll, kriegt man nur eine recht schmale Einmalzahlung. Offenbar drücken sich taiwanische Rentenbehörden aber jedenfalls bei der Gewährung der Rente für Staatsdiener um die monatl. Rentenzahlung und bieten (vmtl. gesetzwidrig) Ausländern nur die recht geringe Einmalzahlung an.
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html
Die Frage ist, welchen Sinn solche Renteninfos wie meine obige haben, wenn Beamte in Taiwan doch einfach machen, was ihnen so in den Kopf kommt.
Um es kurz zu machen, eigentlich erhält man in Taiwan mit 15 vollen Beitragsjahren nach der Labor Law-Regelung eine monatliche Rente, die nicht zu knapp ausfällt. Hat man weniger als 15 Beitragsjahre voll, kriegt man nur eine recht schmale Einmalzahlung. Offenbar drücken sich taiwanische Rentenbehörden aber jedenfalls bei der Gewährung der Rente für Staatsdiener um die monatl. Rentenzahlung und bieten (vmtl. gesetzwidrig) Ausländern nur die recht geringe Einmalzahlung an.
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html
Die Frage ist, welchen Sinn solche Renteninfos wie meine obige haben, wenn Beamte in Taiwan doch einfach machen, was ihnen so in den Kopf kommt.
Mittwoch, September 16, 2015
Halluzinierender Amerikaner sicher wieder daheim (Update)
Ein junger US-Amerikaner hatte am helligten Nachmittag vor ein paar Wochen einen taiwanischen Polizeibeamten mit einer Flasche angegriffen. Psychische Probleme in Kombination mit Alkohol spielten wohl eine Rolle
Mal ausnahmsweise ein Lob an die sonst sehr auf Regenbogenpresse-Niveau befindlichen taiwanischen Medien. Diese Story (http://www.waow.com/story/30020833/2015/09/13/family-of-stevens-point-man-stuck-in-taiwan-speaks-out) hätte sich sehr für eine dieser "unverschämter Ausländer"-Stories geeignet, die die taiwanischen Medien sonst sehr gern bringen. Ein junger US-Amerikaner in den 20ern, der in Taiwan Mandarinchinesisch studiert hat, greift ohne erkennbaren Grund einen taiwanischen Polizisten mit einer Flasche an. Der junge Mann ist offensichtlich stark alkoholisiert. Er wird überwältigt und im Ausländerfotos gibt es Foto, wie er gefesselt am Boden liegt. Überraschenderweise hat sich die taiwanische Presse hier zurück gehalten. Und natürlich ist ein Lob an die taiwanische Polizei angebracht, die längst nicht so schießwütig wie die US-Polizei ist. Dort in den USA wäre die Wahrscheinlichkeit wohl hoch, so einen Angriff nicht zu überleben.
Die Familie des jungen Mannes gibt an, er habe psychische Probleme gehabt und er selbst gibt an, von Halluzinationen heimgesucht worden zu sein, bei denen er schließlich den Polizisten für einen Dämonen gehalten hätte und entsprechend kraftvoll angegriffen hätte. Die Familie hat dann eine Crowdfunding-Campagne gestartet und mittlerweile ist er wieder daheim und in medizinischer Behandlung. Das Taiwanblog wünscht gute Genesung. Alles noch nicht so peinlich wie der Bericht eines Deutschen der angab, auf seiner eigenen Hochzeit in Taiwan die Hochzeitsgäste unter unfreiwilligem Drogeneinfluss geschlagen und gebissen zu haben. Den Link hatten wir auch irgendwo mal. Vergessen wir ihn lieber.
UPDATE: Im Ausländerforum Forumosa.com heißt es nun, der junge Mann sei schon psychisch krank gewesen, bevor er nach Taiwan gekommen sei. Immer wieder ist dort zu lesen, dass US-Familien ihre Problemsprösslinge mit ein paar Dollar Handgeld und einer Klinikpackung Tabletten nach Taiwan schicken, weil sie dort einigermaßen gut zurecht kommen und leicht ein paar Dollar als Englischlehrer verdienen können. Dieser junge Mann hatte allerdings Mandarin studiert. Wie dem auch sei, unsereiner hier ist froh, wenn solche Problemfälle Taiwan schnell wieder verlassen. Denn hätte er einen sogar Polizisten getötet (offenbar hat er ihn mit der Bierflasche gravierend verletzt), dann würde das Klima gegen "weiße" Ausländer sicherlich ein paar Nuancen frostiger werden.
Mal ausnahmsweise ein Lob an die sonst sehr auf Regenbogenpresse-Niveau befindlichen taiwanischen Medien. Diese Story (http://www.waow.com/story/30020833/2015/09/13/family-of-stevens-point-man-stuck-in-taiwan-speaks-out) hätte sich sehr für eine dieser "unverschämter Ausländer"-Stories geeignet, die die taiwanischen Medien sonst sehr gern bringen. Ein junger US-Amerikaner in den 20ern, der in Taiwan Mandarinchinesisch studiert hat, greift ohne erkennbaren Grund einen taiwanischen Polizisten mit einer Flasche an. Der junge Mann ist offensichtlich stark alkoholisiert. Er wird überwältigt und im Ausländerfotos gibt es Foto, wie er gefesselt am Boden liegt. Überraschenderweise hat sich die taiwanische Presse hier zurück gehalten. Und natürlich ist ein Lob an die taiwanische Polizei angebracht, die längst nicht so schießwütig wie die US-Polizei ist. Dort in den USA wäre die Wahrscheinlichkeit wohl hoch, so einen Angriff nicht zu überleben.
Die Familie des jungen Mannes gibt an, er habe psychische Probleme gehabt und er selbst gibt an, von Halluzinationen heimgesucht worden zu sein, bei denen er schließlich den Polizisten für einen Dämonen gehalten hätte und entsprechend kraftvoll angegriffen hätte. Die Familie hat dann eine Crowdfunding-Campagne gestartet und mittlerweile ist er wieder daheim und in medizinischer Behandlung. Das Taiwanblog wünscht gute Genesung. Alles noch nicht so peinlich wie der Bericht eines Deutschen der angab, auf seiner eigenen Hochzeit in Taiwan die Hochzeitsgäste unter unfreiwilligem Drogeneinfluss geschlagen und gebissen zu haben. Den Link hatten wir auch irgendwo mal. Vergessen wir ihn lieber.
UPDATE: Im Ausländerforum Forumosa.com heißt es nun, der junge Mann sei schon psychisch krank gewesen, bevor er nach Taiwan gekommen sei. Immer wieder ist dort zu lesen, dass US-Familien ihre Problemsprösslinge mit ein paar Dollar Handgeld und einer Klinikpackung Tabletten nach Taiwan schicken, weil sie dort einigermaßen gut zurecht kommen und leicht ein paar Dollar als Englischlehrer verdienen können. Dieser junge Mann hatte allerdings Mandarin studiert. Wie dem auch sei, unsereiner hier ist froh, wenn solche Problemfälle Taiwan schnell wieder verlassen. Denn hätte er einen sogar Polizisten getötet (offenbar hat er ihn mit der Bierflasche gravierend verletzt), dann würde das Klima gegen "weiße" Ausländer sicherlich ein paar Nuancen frostiger werden.
"Feeling groovy..."
Ludigels Mini-Nierenstein. Autsch! Gott sei Dank hatten sie im Tri-Service-Krankenhaus gute Medikamente
Für Frau und mich droht ja eventuell das letzte Jahr Taiwan. Meine Frau ist schon länger auswanderungswillig, weil ihr die lange Arbeitszeit als Chefin eines 50-Leute-Teams zu sehr auf die Gesundheit schlägt. Und angesichts ihres Ziels, dass wir mit ihrer Schwester in Manila/Philippinen geschäftlich zusammenarbeiten und insbesondere angesichts des erheblichen Invests dort habe auch ich den Kurs Richtung Republikflucht (aus der Republik China aka Taiwan) gesetzt. Denn entweder ermöglicht uns das Investment bald ein Leben dort - oder es kommt zu Clash mit dem Manilazweig der Familie meiner Frau und ich gehe nach Europa oder gar nach Deutschland, um das Konto wieder aufzufüllen.
Daher genießen wir derzeit Taiwan. Hängen an Ausflugszielen rum, schlürfen Cocktails im Hotel und die Gefriertruhe ist voll mit in Taiwan viel zu teurem Importeis.
Zu viel Wohlleben ist aber auch nicht gut. Obwohl ich sonst ja fast nur noch von Obst und Salat, Käse und Brot lebe und die schrecklich verunreinigten taiwanischen Öle und Fette meide wie der Vampir das Knoblauch-Kruzifix-Sonderangebot bei Aldi. Wie dem auch sei, heute Morgen um 6.00 drückte es auf der rechten Seite. Und dann immer mehr und mehr. Vor Schmerzen krümmend begab ich mich in die Notaufnahme des nahen Tri-Service-Krankenhauses, mit dem ich ja durchaus durchwachsene Erfahrungen gemacht habe. Mein Notfallchinesisch war nur bedingt einsatzbereit, weil ich fast nur wimmern konnte. Und so wurde ich englisch umsorgt von Pflegern und Ärzten. Man kann große Gefühle entwicklen für Krankenschwerstern und -brüder, die einem erst ein Schmerzmittel geben und dann nach einer halben Stunde sorgenvoll bemerken, dass man sich noch immer krümmt und ein stärkeres Schmerzmittel vorschlagen. Oh ja! Det war jut! Es gibt kaum etwas schöneres, als wenn der Schmerz nachlässt und sich dank des gelben Schmerzmittels (in die Infusion gespritzt) so ein entspanntes Groovy-Ich-liebe-euch-alle - Gefühl einstellt. So schlief ich mitten im dem Notaufnahmesaal entspannt auf meiner Liege, während um mich herum Senioren beatmet werden vor sorgenvoll piepsenden Maschinen und sonst auf den anderen Liegen überall junge Männer schlaff herumliegen, deren modelmäßig aussehende Freundinnen oder Ehefrauen mit ihren Ultra-Hotpans und Ultraminis ihnen ständig feuchte Umschläge und Wasserbecher kredenzen. Wieso liegen hier so viele junge Männer und wieso sind die jungen Frauen offenbar gegen Krankheiten immun? Nun, vermutlich haben sich die Herren einfach überanstrengt oder irgendwas in der Art. Ist ja heiß die Tage.
Meine Frau saß freilich erstmal im Büro bei einem wichtigen Meeting, aber mit dem tollen gelben Schmerzmittel hatte ich grinsend schließlich mein Little Peace of Heaven auf der Gummimatratze gefunden und träumte seelig. "Alles Okay" sagte schließlich der Doc. Weniger süße Getränke, weniger Eis, weniger Süßes und auch weniger kaltes Wasser. Nur noch warmes Wasser die Tage und Tabletten schlucken, dann ist er wieder weg, der Mini-Nierenstein, den ich mir des Wohllebens halber zugelegt habe. "War alles kaum der Rede wert", sagte er später meiner Frau, die schließlich in langer Hose auch ins Krankenhaus eilte. Hmmm... dann möchte ich nie erfahren, wie dann erst ein richtiger Nierenstein weh tut, wenn so ein Miniding, das kaum auf dem Sonar auftauchte, solche Höllenqualen macht. Aber das gelbe Zeug... det war nett. Bin immer noch in so einer "Ich liebe euch alle"-Stimmung. Also schreiben wir noch medikamentenseelig schnell auf was mir sonst nie aus den Fingern quillt beim Blogschreiben: "I love Taiwan." Musste auch mal gesagt werden, bei dem vielen Gemeckere sonst hier im Blog. Hoffentlich editiere ich es nicht wieder, wenn die Wirkung nachlässt...
EDIT: Und alles mit der grünen Chipkarte von der National Health Insurance, für die ich wohl den Maximalsatz zahle. Mehr als 1000 NT/25 Euro etwa im Monat sind das nicht. Taiwan hat eine gesetzliche Krankenversicherung, die für alle vorgeschrieben ist.
Für Frau und mich droht ja eventuell das letzte Jahr Taiwan. Meine Frau ist schon länger auswanderungswillig, weil ihr die lange Arbeitszeit als Chefin eines 50-Leute-Teams zu sehr auf die Gesundheit schlägt. Und angesichts ihres Ziels, dass wir mit ihrer Schwester in Manila/Philippinen geschäftlich zusammenarbeiten und insbesondere angesichts des erheblichen Invests dort habe auch ich den Kurs Richtung Republikflucht (aus der Republik China aka Taiwan) gesetzt. Denn entweder ermöglicht uns das Investment bald ein Leben dort - oder es kommt zu Clash mit dem Manilazweig der Familie meiner Frau und ich gehe nach Europa oder gar nach Deutschland, um das Konto wieder aufzufüllen.
Daher genießen wir derzeit Taiwan. Hängen an Ausflugszielen rum, schlürfen Cocktails im Hotel und die Gefriertruhe ist voll mit in Taiwan viel zu teurem Importeis.
Zu viel Wohlleben ist aber auch nicht gut. Obwohl ich sonst ja fast nur noch von Obst und Salat, Käse und Brot lebe und die schrecklich verunreinigten taiwanischen Öle und Fette meide wie der Vampir das Knoblauch-Kruzifix-Sonderangebot bei Aldi. Wie dem auch sei, heute Morgen um 6.00 drückte es auf der rechten Seite. Und dann immer mehr und mehr. Vor Schmerzen krümmend begab ich mich in die Notaufnahme des nahen Tri-Service-Krankenhauses, mit dem ich ja durchaus durchwachsene Erfahrungen gemacht habe. Mein Notfallchinesisch war nur bedingt einsatzbereit, weil ich fast nur wimmern konnte. Und so wurde ich englisch umsorgt von Pflegern und Ärzten. Man kann große Gefühle entwicklen für Krankenschwerstern und -brüder, die einem erst ein Schmerzmittel geben und dann nach einer halben Stunde sorgenvoll bemerken, dass man sich noch immer krümmt und ein stärkeres Schmerzmittel vorschlagen. Oh ja! Det war jut! Es gibt kaum etwas schöneres, als wenn der Schmerz nachlässt und sich dank des gelben Schmerzmittels (in die Infusion gespritzt) so ein entspanntes Groovy-Ich-liebe-euch-alle - Gefühl einstellt. So schlief ich mitten im dem Notaufnahmesaal entspannt auf meiner Liege, während um mich herum Senioren beatmet werden vor sorgenvoll piepsenden Maschinen und sonst auf den anderen Liegen überall junge Männer schlaff herumliegen, deren modelmäßig aussehende Freundinnen oder Ehefrauen mit ihren Ultra-Hotpans und Ultraminis ihnen ständig feuchte Umschläge und Wasserbecher kredenzen. Wieso liegen hier so viele junge Männer und wieso sind die jungen Frauen offenbar gegen Krankheiten immun? Nun, vermutlich haben sich die Herren einfach überanstrengt oder irgendwas in der Art. Ist ja heiß die Tage.
Meine Frau saß freilich erstmal im Büro bei einem wichtigen Meeting, aber mit dem tollen gelben Schmerzmittel hatte ich grinsend schließlich mein Little Peace of Heaven auf der Gummimatratze gefunden und träumte seelig. "Alles Okay" sagte schließlich der Doc. Weniger süße Getränke, weniger Eis, weniger Süßes und auch weniger kaltes Wasser. Nur noch warmes Wasser die Tage und Tabletten schlucken, dann ist er wieder weg, der Mini-Nierenstein, den ich mir des Wohllebens halber zugelegt habe. "War alles kaum der Rede wert", sagte er später meiner Frau, die schließlich in langer Hose auch ins Krankenhaus eilte. Hmmm... dann möchte ich nie erfahren, wie dann erst ein richtiger Nierenstein weh tut, wenn so ein Miniding, das kaum auf dem Sonar auftauchte, solche Höllenqualen macht. Aber das gelbe Zeug... det war nett. Bin immer noch in so einer "Ich liebe euch alle"-Stimmung. Also schreiben wir noch medikamentenseelig schnell auf was mir sonst nie aus den Fingern quillt beim Blogschreiben: "I love Taiwan." Musste auch mal gesagt werden, bei dem vielen Gemeckere sonst hier im Blog. Hoffentlich editiere ich es nicht wieder, wenn die Wirkung nachlässt...
EDIT: Und alles mit der grünen Chipkarte von der National Health Insurance, für die ich wohl den Maximalsatz zahle. Mehr als 1000 NT/25 Euro etwa im Monat sind das nicht. Taiwan hat eine gesetzliche Krankenversicherung, die für alle vorgeschrieben ist.
Donnerstag, September 10, 2015
Geist-Geschichte (Ghostmonth die Zweite)
Passend zum Ghostmonth/Geistermonat in Taiwan eine weitere Geschichte aus der Welt des Unerklärlichen.
Gott sei Dank dass es den Geistermonat in Taiwan gibt, hat man endlich mal ein Alibi um die ganzen merkwürdigen Geschichten im Leben aufzuschreiben, deren Reproduktion halber man sonst als Wirrkopf gilt.
Eine Redensart sagt, dass wenn man nur genug auf Reisen ist, man sich irgendwann selber trifft. Irgendwo da draußen in der Weite. Ein Werbespot der Deutschen Bahn hat das vor Jahren mit Ex-Außenminister Genscher recht hübsch inszeniert, der sich selbst in einem Zug auf dem anderen Gleis sitzen sieht, als er aus dem Fenster guckt. Ein grob ähnliches Erlebnis hatte ich auch mal, obwohl ich sicher nicht so viel reise wie der Herr in der gelben Weste damals.
Alles fing an in den frühen 80ern. Das ist in der Retrospektive ein etwas peinlicher Lebensabschnitt. Auf dem Gymnasium ging es fast jeden Abend feiern und meine Clique war eine, die der alkoholischen Gärung allzusehr zugesprochen hat. Unser Leader of the Pack war ein Mitschüler, der schon etliche Jahrgänge wiederholt hatte und einen dem Wort "Machete" sehr ähnlichen Spitznamen hatte. Oder richtigen Namen, ich wusste wohl damals auch nicht wie er hieß. Er grinste immer nur zufrieden, lallte anfangs noch "Alkohol", dann später "Allelhol", noch später "Lohl" und ganz am Ende nur noch "Llllll". Diese berühmte Lautabfolge fand allgemeine Bewunderung und unter anderem bei den legendären Feten eines gewissen Junge Unions-Mitgliedes, das auch meine Wenigkeit und einen anderen Juso damals zu seinen Feten einlud, kopierten wir alle munter unseren Vortrinker "Machete". Gewalttätig war der ganz und gar nicht trotz des Namens - oder höchstens einer Bar gegenüber. Wie dem auch sei, bei dieser Geschichte geht es weniger um echte Geister, noch um den Weingeist per se. Eher darum, wie vielleicht das Raumzeitkontinuum durch Massentrinkerei aus den Fugen geraten kann und sich ganz und gar erstaunliche Phänomene einstellen - im Wachzustand und unter Zeugen.
Aber zurück zum Mittelteil. Es war eines jener spektakulären Besäufnisse im JU-Keller, bei dem mir heute die Schamesröte ins Gesicht steigen. Junge Männer die viel zu viel trinken sind ein peinliches Klischee und wir alle kennen ja die Stories von Türkeiurlauben und Methanoltoten. Methanol gab es freilich im JU-Keller nicht, dafür aber schon mal Fast-Trinkopfer. Ich habe selbst mal eines ins Krankenhaus gefahren nachdem ich ... die Atmung wieder hergestellt hatte. Was man damals alles gemacht hat in jungen Jahren, unglaublich finde ich das heute selbst. Wie dem auch sei - an einem anderen Fetentag war ich selbst so ein Alkoholopfer gewesen - und hier fängt die Geschichte eigentlich erst an. Ich erinnere mich noch dunkel daran, das irgendjemand "Sternenfeuer 72%" auf den Tisch stellte. Viel mehr weiß ich nicht mehr. Jugendsünden sind peinlich und ich endete buchstäblich an einer Straßenbahnhaltestelle, war verschollen und brachte den Rest der Truppe damals zu einer fehlgeschlagenen Suchaktion. Wach wurde ich auf der Intensivstation des örtlichen Kleinstadtkrankenhauses. Ich erinnere mich noch, dass mich die Krankenschwestern nach dem Namen fragten und ich geantwortet habe. Irgendwann fragten sie mich dann, wieso ich Englisch reden würde und ob ich Engländer sei. Das hat mich im Nachhinein immer gewundert, konnte ich doch damals gar nicht so gut Englisch und stand sogar mit meinem Englischlehrer im Leistungskurs auf Kriegsfuß. Det war so ein ekeliger USA-Fan, der jeden schlechten Kommentar über seine ehemalige Heimat -obwohl Deutscher- mit Anfeindungen und schlechten Noten bestrafte. Wochen später erst kam die komplette Erinnerung an den denkwürdigen Abend zurück. Und nun wurde es recht merkwürdig. Ich erinnerte mich an folgenden Ablauf, obwohl der Abend ja im niederdeutschen Niedersachsen stattgefunden hatte:
a) Ich gehe mit einer Frau Hand-in-Hand an einem schönen Stand entlang (liegt linkerhand), rechts liegt ein Hotel vor dschungelähnlicher Kulisse. Toller Blick aufs Meer im Sonnenuntergang. Sehr merkwürdige Bilder für das strandlose Hannover, wo der Abend ja stattgefunden hatte. Ich sah alles recht deutlich vor mir. Die Frau an meiner Hand konnte ich nicht erkennen, wie auf diesen Fotos, wo man selbst schwarz unterbelichtet ist vor dem hübschen Sonnenuntergang. Ich unterhalte mich auf Englisch mit der Frau, die mir offenbar sehr vertraut ist.
b) Ich werde in dem wach in etwas, was offensichtlich eine Krankenstation ist. Mein erster Gedanke ist: "Ich muss am Strand ohnmächtig geworden sein und bin jetzt auf der Hotel-Krankenstation!". Ich fragte mich, wieso zur Hölle ich ohnmächtig geworden bin (da habe ich kein Vorleiden o.ä.) und frage das anwesende "Hotelpersonal" - natürlich auf Englisch - was denn passiert ist. Sicher wird gleich meine weibliche Begleitung aufgeregt durch die Tür der Krankenstation kommen!
Beunruhigende Erinnerungen im Nachhinein des Jahres 1984 oder welches Jahr auch immer wahr, hatte ich doch einen solchen Urlaub nie gemacht und auch keine feste Beziehung gehabt in der Zeit. Und meine niedersächsische Kleinstadt sah wirklich nicht so aus wie diese offenbar exotische Umgebung.
Man ahnt es vielleicht schon. Das - als ich auf Englisch frage was los ist - ist der Augenblick, in dem mich die Krankenschwestern auf Deutsch fragen, wieso ich Englisch spreche. Dann wird mir kurz schwindlig und ich weiß wieder wo ich bin. Deutschland, JU-Fete etc. Und die Krankenschwestern klären mich auch auf wo ich mich aufhalte.
Jetzt vergehen viele Jahre, es dauert bis 2004, bis ich nach Taiwan auswandere (meine Frau kenne ich seit 2003). Und etwa bis 2006 oder 2007 oder dergleichen, bis ich mit meiner Frau eine Reise ... nach Malaysia mache. Ich erinnere mich noch gut. Wir hatten gut gegessen, ich gehe Hand in Hand mit ihr am Strand lang. Links liegt das Meer im wunderschönen Sonnenuntergang, rechts das Hotel vor Dschungelkulisse. "Das darf doch nicht wahr sein", dachte ich. Das sieht ja genau aus wie in meinen merkwürdigen Trunkenheitsbildern vor.... langer Zeit. Skeptisch sah ich mich um, erwartete halb wie in einem schlechten SciFi-Streifen nun ohnmächtig zu werden und mich im Jahre 1984 wieder zu finden. Na das wäre was gewesen! Kein Handy in der Tasche, kein Internet zu Hause und morgen früh Englisch, Französisch, Mathe und Sport. Um Gottes Willen! Das ist mir erfreulicherweise erspart geblieben. Gut, privat hätte ich eine wesentliche Sache anders gemacht, aber das sprengt jetzt hier den Rahmen (seufz). Natürlich gab es keine Zeitschleife oder ähnliches. Frau und ich gingen einfach weiter und ich tat die ganze merkwürdige Vision als Narretei ab.
Jedoch ist mir die Episode nie so ganz aus dem Kopf gegangen. In der Retrospektive erscheint es mir wie eine wirre, Sternenfeuer-72%-induzierte Zeitreise zu sein, in einem Augenblick, als der Geist vielleicht frei war von den Beschränkungen, die unsere chronologisch sonst streng sortierte und kausalitätshörige Existenz sonst hat. Schließlich gibt es auch physikalische moderne Theorien von gleich mehreren Raumzeiten und Parallelität. Wie auch immer: "Don't try this at home" ist sicher ein guter Ratschlag. Jedenfalls "mit ohne Sternenfeuer"(sic) ist immer besser.
Gott sei Dank dass es den Geistermonat in Taiwan gibt, hat man endlich mal ein Alibi um die ganzen merkwürdigen Geschichten im Leben aufzuschreiben, deren Reproduktion halber man sonst als Wirrkopf gilt.
Eine Redensart sagt, dass wenn man nur genug auf Reisen ist, man sich irgendwann selber trifft. Irgendwo da draußen in der Weite. Ein Werbespot der Deutschen Bahn hat das vor Jahren mit Ex-Außenminister Genscher recht hübsch inszeniert, der sich selbst in einem Zug auf dem anderen Gleis sitzen sieht, als er aus dem Fenster guckt. Ein grob ähnliches Erlebnis hatte ich auch mal, obwohl ich sicher nicht so viel reise wie der Herr in der gelben Weste damals.
Alles fing an in den frühen 80ern. Das ist in der Retrospektive ein etwas peinlicher Lebensabschnitt. Auf dem Gymnasium ging es fast jeden Abend feiern und meine Clique war eine, die der alkoholischen Gärung allzusehr zugesprochen hat. Unser Leader of the Pack war ein Mitschüler, der schon etliche Jahrgänge wiederholt hatte und einen dem Wort "Machete" sehr ähnlichen Spitznamen hatte. Oder richtigen Namen, ich wusste wohl damals auch nicht wie er hieß. Er grinste immer nur zufrieden, lallte anfangs noch "Alkohol", dann später "Allelhol", noch später "Lohl" und ganz am Ende nur noch "Llllll". Diese berühmte Lautabfolge fand allgemeine Bewunderung und unter anderem bei den legendären Feten eines gewissen Junge Unions-Mitgliedes, das auch meine Wenigkeit und einen anderen Juso damals zu seinen Feten einlud, kopierten wir alle munter unseren Vortrinker "Machete". Gewalttätig war der ganz und gar nicht trotz des Namens - oder höchstens einer Bar gegenüber. Wie dem auch sei, bei dieser Geschichte geht es weniger um echte Geister, noch um den Weingeist per se. Eher darum, wie vielleicht das Raumzeitkontinuum durch Massentrinkerei aus den Fugen geraten kann und sich ganz und gar erstaunliche Phänomene einstellen - im Wachzustand und unter Zeugen.
Aber zurück zum Mittelteil. Es war eines jener spektakulären Besäufnisse im JU-Keller, bei dem mir heute die Schamesröte ins Gesicht steigen. Junge Männer die viel zu viel trinken sind ein peinliches Klischee und wir alle kennen ja die Stories von Türkeiurlauben und Methanoltoten. Methanol gab es freilich im JU-Keller nicht, dafür aber schon mal Fast-Trinkopfer. Ich habe selbst mal eines ins Krankenhaus gefahren nachdem ich ... die Atmung wieder hergestellt hatte. Was man damals alles gemacht hat in jungen Jahren, unglaublich finde ich das heute selbst. Wie dem auch sei - an einem anderen Fetentag war ich selbst so ein Alkoholopfer gewesen - und hier fängt die Geschichte eigentlich erst an. Ich erinnere mich noch dunkel daran, das irgendjemand "Sternenfeuer 72%" auf den Tisch stellte. Viel mehr weiß ich nicht mehr. Jugendsünden sind peinlich und ich endete buchstäblich an einer Straßenbahnhaltestelle, war verschollen und brachte den Rest der Truppe damals zu einer fehlgeschlagenen Suchaktion. Wach wurde ich auf der Intensivstation des örtlichen Kleinstadtkrankenhauses. Ich erinnere mich noch, dass mich die Krankenschwestern nach dem Namen fragten und ich geantwortet habe. Irgendwann fragten sie mich dann, wieso ich Englisch reden würde und ob ich Engländer sei. Das hat mich im Nachhinein immer gewundert, konnte ich doch damals gar nicht so gut Englisch und stand sogar mit meinem Englischlehrer im Leistungskurs auf Kriegsfuß. Det war so ein ekeliger USA-Fan, der jeden schlechten Kommentar über seine ehemalige Heimat -obwohl Deutscher- mit Anfeindungen und schlechten Noten bestrafte. Wochen später erst kam die komplette Erinnerung an den denkwürdigen Abend zurück. Und nun wurde es recht merkwürdig. Ich erinnerte mich an folgenden Ablauf, obwohl der Abend ja im niederdeutschen Niedersachsen stattgefunden hatte:
a) Ich gehe mit einer Frau Hand-in-Hand an einem schönen Stand entlang (liegt linkerhand), rechts liegt ein Hotel vor dschungelähnlicher Kulisse. Toller Blick aufs Meer im Sonnenuntergang. Sehr merkwürdige Bilder für das strandlose Hannover, wo der Abend ja stattgefunden hatte. Ich sah alles recht deutlich vor mir. Die Frau an meiner Hand konnte ich nicht erkennen, wie auf diesen Fotos, wo man selbst schwarz unterbelichtet ist vor dem hübschen Sonnenuntergang. Ich unterhalte mich auf Englisch mit der Frau, die mir offenbar sehr vertraut ist.
b) Ich werde in dem wach in etwas, was offensichtlich eine Krankenstation ist. Mein erster Gedanke ist: "Ich muss am Strand ohnmächtig geworden sein und bin jetzt auf der Hotel-Krankenstation!". Ich fragte mich, wieso zur Hölle ich ohnmächtig geworden bin (da habe ich kein Vorleiden o.ä.) und frage das anwesende "Hotelpersonal" - natürlich auf Englisch - was denn passiert ist. Sicher wird gleich meine weibliche Begleitung aufgeregt durch die Tür der Krankenstation kommen!
Beunruhigende Erinnerungen im Nachhinein des Jahres 1984 oder welches Jahr auch immer wahr, hatte ich doch einen solchen Urlaub nie gemacht und auch keine feste Beziehung gehabt in der Zeit. Und meine niedersächsische Kleinstadt sah wirklich nicht so aus wie diese offenbar exotische Umgebung.
Man ahnt es vielleicht schon. Das - als ich auf Englisch frage was los ist - ist der Augenblick, in dem mich die Krankenschwestern auf Deutsch fragen, wieso ich Englisch spreche. Dann wird mir kurz schwindlig und ich weiß wieder wo ich bin. Deutschland, JU-Fete etc. Und die Krankenschwestern klären mich auch auf wo ich mich aufhalte.
Jetzt vergehen viele Jahre, es dauert bis 2004, bis ich nach Taiwan auswandere (meine Frau kenne ich seit 2003). Und etwa bis 2006 oder 2007 oder dergleichen, bis ich mit meiner Frau eine Reise ... nach Malaysia mache. Ich erinnere mich noch gut. Wir hatten gut gegessen, ich gehe Hand in Hand mit ihr am Strand lang. Links liegt das Meer im wunderschönen Sonnenuntergang, rechts das Hotel vor Dschungelkulisse. "Das darf doch nicht wahr sein", dachte ich. Das sieht ja genau aus wie in meinen merkwürdigen Trunkenheitsbildern vor.... langer Zeit. Skeptisch sah ich mich um, erwartete halb wie in einem schlechten SciFi-Streifen nun ohnmächtig zu werden und mich im Jahre 1984 wieder zu finden. Na das wäre was gewesen! Kein Handy in der Tasche, kein Internet zu Hause und morgen früh Englisch, Französisch, Mathe und Sport. Um Gottes Willen! Das ist mir erfreulicherweise erspart geblieben. Gut, privat hätte ich eine wesentliche Sache anders gemacht, aber das sprengt jetzt hier den Rahmen (seufz). Natürlich gab es keine Zeitschleife oder ähnliches. Frau und ich gingen einfach weiter und ich tat die ganze merkwürdige Vision als Narretei ab.
Jedoch ist mir die Episode nie so ganz aus dem Kopf gegangen. In der Retrospektive erscheint es mir wie eine wirre, Sternenfeuer-72%-induzierte Zeitreise zu sein, in einem Augenblick, als der Geist vielleicht frei war von den Beschränkungen, die unsere chronologisch sonst streng sortierte und kausalitätshörige Existenz sonst hat. Schließlich gibt es auch physikalische moderne Theorien von gleich mehreren Raumzeiten und Parallelität. Wie auch immer: "Don't try this at home" ist sicher ein guter Ratschlag. Jedenfalls "mit ohne Sternenfeuer"(sic) ist immer besser.
Freitag, September 04, 2015
Blogpartei hat gewählt: DPP gewinnt (und gibt Hung/KMT auf?) (Update)
Die kleine Wahl oben rechts in der Ecke im Blog ist zu Ende gegangen. "Amtliches" Endergebnis:
Wahlbeteidigung: 16 Stimmen
(durch Tricks ist Mehrfachabstimmung natürlich möglich gewesen)
Gewinnerin: Tsai, DPP mit 56% bzw. 9 Stimmen
Dahinter Frau Hung, KMT mit 18% bzw, 3 Stimmen gleichauf mit Herrn Shih (parteilos).
Herr Soong, PFP, mit 1 Stimme immer noch für 6% gut.
Gemessen am Klima in der realen Republik China alias Taiwan ist sicher Frau Hung von der KMT etwas unterrepräsentiert*** und der parteilose Herr Shih wohl stark überrepräsentiert. Grund für die Überrepresentation des eigentlich chancenlosen Shih ist sicher meine Beschreibung im letzten Artikel zur "Blogwahl", in der sich Shih sehr positiv geschildert habe. In meiner Kandidatenvorstellung wirkt er ein bisschen zu edel und schwebt elegant über den Niederungen des Politikbetriebes mit seinen erwähnten 25 Jahren Dissidentenhaft. Was in meiner Schilderung freilich fehlt ist, dass er auch gut austeilen kann und dadurch mehrere Male für Irritationen beim Wahlvolk gesorgt hat. Eben als er den Expräsidenten Chen (von Shihs Expartei DPP) als ehemaligen Regierungsspitzel (angeblich tätig als solcher zu Diktaturzeiten) bezeichnet hat. Auch den Kandidaten Frank Hsieh (DPP) der vorletzten Wahl hat er beschuldigt, ein Spitzel gewesen zu sein. Beweise ist er freilich schuldig geblieben. Und als er von der aktuellen DPP-Präsidentschaftskandidatin Tsai verlangt hat, sie möge vor der Wahl ihre sexuelle Orientierung offenlegen, da ist das beim Wahlvolk auch nicht immer gut angekommen. Man redet ja, Frau Tsai sei lesbisch, aber das interessiert im aufgeschlossenen Taiwan eigentlich niemanden.
In der Realität ist zwar Tsai Ingwen von der DPP auch klare Favoritin, aber nicht so deutlich wie hier im Blog. Sicher weil Leser hier i.A. wenig emotionale Bindungen zum chinesischen Festland haben und daher im Schnitt mit der "prochinesischen" KMT weniger anfangen können . Was bei Taiwanern öfter mal anders ist.
Halb sensationell ist, dass die KMT-Kandidatin möglicherweise mit dem Gedanken spielt aufzugeben. In einem Facebookposting hat sie angekündigt, die nächsten Tage eine Wahlkampfpause einzulegen und über alles zu reflektieren. Hat sie ob ihrer schlechten Umfrageergebnisse die Sinnkrise bekommen? Oder hängt es damit zusammen, dass der frühere Präsidentschaftskandidat Lien Chan (KMT) derzeit gerade die VR-China besucht und an Militärparaden teilnimmt? Dieser Akt, der eher im Taiwan-Independence-Lage beheimateten Taiwanern Magenschmerzen machen wird, lässt die "Wiederverinigung-mit-China"-Aussagen von Frau Hung noch radikaler erscheinen als sie so schon sind. Und macht sie daher noch unpassender für den taiwanischen Zeitgeist, der eher in Richtung taiwanische Identität geht als in Richtung China-Nostalgie. "Weißt du noch Frau Fong, als wir alle vor den Kommunisten davon gelaufen sind? Mei, war das eine schöne Zeit..." ist eine Art von Nostalgie, mit der jüngere Taiwaner immer weniger anfangen können.
Aber lassen wir doch einfach die Taiwaner im Januar selbst entscheiden. Mit welcher KMT-Kandidatin oder welchem KMT-Kandidaten auch immer.
Quelle über die Gerüchte zur Aufgabe von Hung (KMT): http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/04/2003626892
EDIT: Vermutlich ist das die erste Phase der medialen Vorbereitung einer Ersetzung von Frau Hung. Kommt jetzt ein hellblauer Kandidat statt der bisherigen Hardlinerin, die sogar noch die Chinafreundlichkeit des amtierenden Präsidenten Ma (KMT) zu übertreffen drohte?
*** Nachtrag: Sie liegt zwar in den tatsächlichen Umfragen ähnlich wie hier, allerdings gehe ich von einem Stimmengewinn zu Lasten von Soong aus, der meiner Ansicht nach zu hoch bewertet ist in der letzten Umfrage. Die sind nicht so zuverlässig wie "daheim".
UPDATE: Hung hat nur einen Publicity-Stunt geliefert und macht weiter wie bisher: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/07/2003627120
Sie posiert mit Ananas auf dem Kopf und hofft, die (selbst ausgelösten) Gerüchte mögen ein Ende nehmen.
Wahlbeteidigung: 16 Stimmen
(durch Tricks ist Mehrfachabstimmung natürlich möglich gewesen)
Gewinnerin: Tsai, DPP mit 56% bzw. 9 Stimmen
Dahinter Frau Hung, KMT mit 18% bzw, 3 Stimmen gleichauf mit Herrn Shih (parteilos).
Herr Soong, PFP, mit 1 Stimme immer noch für 6% gut.
Gemessen am Klima in der realen Republik China alias Taiwan ist sicher Frau Hung von der KMT etwas unterrepräsentiert*** und der parteilose Herr Shih wohl stark überrepräsentiert. Grund für die Überrepresentation des eigentlich chancenlosen Shih ist sicher meine Beschreibung im letzten Artikel zur "Blogwahl", in der sich Shih sehr positiv geschildert habe. In meiner Kandidatenvorstellung wirkt er ein bisschen zu edel und schwebt elegant über den Niederungen des Politikbetriebes mit seinen erwähnten 25 Jahren Dissidentenhaft. Was in meiner Schilderung freilich fehlt ist, dass er auch gut austeilen kann und dadurch mehrere Male für Irritationen beim Wahlvolk gesorgt hat. Eben als er den Expräsidenten Chen (von Shihs Expartei DPP) als ehemaligen Regierungsspitzel (angeblich tätig als solcher zu Diktaturzeiten) bezeichnet hat. Auch den Kandidaten Frank Hsieh (DPP) der vorletzten Wahl hat er beschuldigt, ein Spitzel gewesen zu sein. Beweise ist er freilich schuldig geblieben. Und als er von der aktuellen DPP-Präsidentschaftskandidatin Tsai verlangt hat, sie möge vor der Wahl ihre sexuelle Orientierung offenlegen, da ist das beim Wahlvolk auch nicht immer gut angekommen. Man redet ja, Frau Tsai sei lesbisch, aber das interessiert im aufgeschlossenen Taiwan eigentlich niemanden.
In der Realität ist zwar Tsai Ingwen von der DPP auch klare Favoritin, aber nicht so deutlich wie hier im Blog. Sicher weil Leser hier i.A. wenig emotionale Bindungen zum chinesischen Festland haben und daher im Schnitt mit der "prochinesischen" KMT weniger anfangen können . Was bei Taiwanern öfter mal anders ist.
Halb sensationell ist, dass die KMT-Kandidatin möglicherweise mit dem Gedanken spielt aufzugeben. In einem Facebookposting hat sie angekündigt, die nächsten Tage eine Wahlkampfpause einzulegen und über alles zu reflektieren. Hat sie ob ihrer schlechten Umfrageergebnisse die Sinnkrise bekommen? Oder hängt es damit zusammen, dass der frühere Präsidentschaftskandidat Lien Chan (KMT) derzeit gerade die VR-China besucht und an Militärparaden teilnimmt? Dieser Akt, der eher im Taiwan-Independence-Lage beheimateten Taiwanern Magenschmerzen machen wird, lässt die "Wiederverinigung-mit-China"-Aussagen von Frau Hung noch radikaler erscheinen als sie so schon sind. Und macht sie daher noch unpassender für den taiwanischen Zeitgeist, der eher in Richtung taiwanische Identität geht als in Richtung China-Nostalgie. "Weißt du noch Frau Fong, als wir alle vor den Kommunisten davon gelaufen sind? Mei, war das eine schöne Zeit..." ist eine Art von Nostalgie, mit der jüngere Taiwaner immer weniger anfangen können.
Aber lassen wir doch einfach die Taiwaner im Januar selbst entscheiden. Mit welcher KMT-Kandidatin oder welchem KMT-Kandidaten auch immer.
Quelle über die Gerüchte zur Aufgabe von Hung (KMT): http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/04/2003626892
EDIT: Vermutlich ist das die erste Phase der medialen Vorbereitung einer Ersetzung von Frau Hung. Kommt jetzt ein hellblauer Kandidat statt der bisherigen Hardlinerin, die sogar noch die Chinafreundlichkeit des amtierenden Präsidenten Ma (KMT) zu übertreffen drohte?
*** Nachtrag: Sie liegt zwar in den tatsächlichen Umfragen ähnlich wie hier, allerdings gehe ich von einem Stimmengewinn zu Lasten von Soong aus, der meiner Ansicht nach zu hoch bewertet ist in der letzten Umfrage. Die sind nicht so zuverlässig wie "daheim".
UPDATE: Hung hat nur einen Publicity-Stunt geliefert und macht weiter wie bisher: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/07/2003627120
Sie posiert mit Ananas auf dem Kopf und hofft, die (selbst ausgelösten) Gerüchte mögen ein Ende nehmen.
Geistergeschichte
Da lebt man in einem geister- und magiegläubigen Umfeld und wenn einem dann eine Geistergeschichte passiert, dann hat sie rein gar nichts mit Taiwan zu tun. Merkwürdig, oder?
Nun bin ich natürlich ein naturwissenschaftlich geprägter Mensch. Schon von Berufswegen. Ergo würde ich an die Weiterexistenz verstorbener Verwandter höchstens glauben, wenn sie mir höchstselbst optisch wahrnehmbar erscheinen würden und am besten noch einen physischen Beweis ihrer Existenz hinterlassen. "Packung Manna steht im Kühlschrank, mach´s gut, muss jetzt weiter." Oder irgendwie so. Nun, etwas ähnliches ist mir passiert. Nicht in optisch sichtbarer Form freilich und so kann ich das ganze als Zufall verbuchen und mir mein naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild erhalten. Frei nach dem Motto: Was nicht sein darf, wird als statistische Abweichung erklärt.
Was hat sich also zugetragen? Nun, es fing alles an mit irgendeinem kurzen TV-Ausschnitt aus Meran, einer italienischen Stadt. In der hatte ich mit meinen Großeltern in den sehr frühen 70er Jahren öfter als Kind viele Urlaube verbracht. Und kann mich leider an so gut wie nichts mehr aus der Zeit erinnern. Was mich schon mehrfach geärgert hat. Nur eine Wischi-Waschi-Erinnerung von einer als Pferdeskulptur zurecht gestutzten Buschanlage im Park habe ich und das ich als ganz kleiner Pöks da drum herum renne im Kreis. Das alles zog mir so durch den Kopf, als auf der taiwanischen Mattscheibe hier irgendein Reisebericht kam. Wahrscheinlich wieder diese Reisesendungen wo kichernde Taiwaner "exotisches" Essen in die Kamera halten, daran herum essen, "Mmmmmmhhhh" und "Aaaaaaah" und "Ohhhhhh" rufen, von links nach rechts springen und meine Frau am Ende des Beitrages immer in das jeweilige Land auswandern will.
Wie dem auch sei, ich legte mich mit Gedanken an das in meiner Erinnerung verschollene Meran schlafen. Und träumte dann offensichtlich von den alten Urlauben in Meran, mit samt Großeltern. Denn als meine Frau mich wegen ratternder Gasleitungen oder sonst etwas weckte und ich senkrecht im Bett stand, da fiel mir auf, dass ich den Traum komplett parat hatte. So real, als sei ich eben noch wirklich in Meran gewesen. Mit einer solchen Intensität hatte ich noch nie eine Traumerinnerung gehabt, es wirkte völlig real. Wahrscheinlich wegen des plötzlichen Herausgerissen-werdens. Kennen Sie die Situation? Eben noch glaubt man die Traumerinnerung komplett zu haben und im nächsten Moment ist sie schon wieder verschwunden. Das soll daher kommen, dass Träume vom Unterbewusstsein produziert werden. Übrigens eine Art Aufräummechanismus der etwa der "Garbage Collection" in Computerbetriebssystemen oder der Laufzeitumgebung eines Programms gleicht, etwa wenn nicht mehr benötigte Speicherbereiche frei gegeben werden. Weil aber nun unser Verstand davon logisch getrennt ist, versackt die Erinnerung wieder blitzschnell. Da hilft die manuelle Technik des "Stück-für-Stück Durchgehens" des Traumes, so als würde man ihn nacherzählen wollen. Habe ich mal - sicher in einer Frauenzeitschrift beim Frisör - gelesen und es funktioniert wirklich. Also "speicherte" ich den Traum schnell ab und war verblüfft. Eben noch waren wir in der Traumwelt beim "Italiener" Essen gewesen. Wo auch sonst im Meran der frühen 70er? "Wir" waren also meine Großeltern und ich. Ich - der im Traum gar nicht so klein wirkte - hatte Gulasch mit Spagetti. Lecker! Dann sind wir wieder aufs Hotelzimmer - sogar die Straße und das Treppenhaus vom Hotel sah ich recht klar vor mir und Großmutter und ich warteten im Zimmer auf meinen Großvater, der Einkaufen war. Er kam auch kurze Zeit später zur Tür rein und stellte eine Flasche Rotwein auf den Tisch. Mit so einem typisch gedrehten Hals, wie sie manche Touristenflaschen haben. Er zeigte auf die Flasche und sagte "Meraner Bier!". Alle lachten und im Traume war der Witz wesentlich komischer als jetzt beim Nacherzählen. Gut, der Humor meines Großvaters soll nicht so der beste gewesen sein. Sagt jedenfalls sein Schwiegersohn ergo mein Vater. Aber lassen wir das. Mich wunderte wie real das Erlebnis war, so als sei ich eben im Nebenzimmer noch mit den Großeltern - die seit den 70ern bzw. 80ern verstorben sind) zusammen gewesen. Schon ein ungewöhnliches Erlebnis. Dieses Abspielen eines alten "Urlaubsfilms" fand ich jedenfalls sehr beeindruckend. Schon erstaunlich, was man möglicherweise aus der frühen Kindheit noch im Gedächtnis abgespeichert hat, was aber dem Verstand normalerweise nicht zugänglich ist. Wie dem auch sei, ich musste daran denken, dass auch die Urlaube mit einer Tante (mit Namen Grete), mit der ich damals viel Zeit verbracht hatte - auch in Meran - ebenfalls aus dem Gedächtnis verschwunden waren. Und so murmelte ich ein nicht ernst gemeintes "Tante Grete.... melde dich doch mal als nächstes" noch halb schlaftrunken, während ich noch den grausamen Kontrast der Realität einer Taipei-Schlichthauswohnung mit der des malerischen Merans der 70er Jahre verkraftete.
Nun kommt das dicke Ende. Zwei Tage später rief meine Mutter an und erwähnte beiläufig, mein Vater habe im Keller (wo er allerdings immer viel rumsucht) das Tagebuch von "Tante Grete" gefunden. "Sie hat alles detailliert aufgeschrieben, auch deine Urlaube mit ihr in Meran", sagte meine Mutter. Mir wäre fast der Telefonhörer aus der Hand gefallen. Gesehen habe ich die Tagebücher noch nicht - werde sie mir bei der nächsten Deutschlandreise zu Gemüte führen. Aber prompter kann man eine Bestellung kaum erfüllen, oder? Kein Mensch wusste übrigens, dass Tante Grete Tagebuch geführt hat und wir haben -eigentlich- auch so gut wie kein Zeug von ihr im Keller.
Seither bin ich trotz des gerade von unserem Mobiltelefonprovider in Taipei erfolgten Umstiegs von "3G" auf "4G" viel mehr beeindruckt von der "1G"-Leitung, die ich da scheinbar ins Jenseits hatte für eine kurze Zeit. Weitere Versuche mit 1G sind allerdings bislang gescheitert. Sehr zuverlässig ist die Leitung wohl nicht ;-)
Ja ja, schon klar, war alles nur ein Zufall.
Die erste von zwei kleinen Geistergeschichten, passend zum Ghostmonth, der jetzt hier ausbricht. Aber 100% wahr - und schon vor ein paar Monaten passiert.
Nun bin ich natürlich ein naturwissenschaftlich geprägter Mensch. Schon von Berufswegen. Ergo würde ich an die Weiterexistenz verstorbener Verwandter höchstens glauben, wenn sie mir höchstselbst optisch wahrnehmbar erscheinen würden und am besten noch einen physischen Beweis ihrer Existenz hinterlassen. "Packung Manna steht im Kühlschrank, mach´s gut, muss jetzt weiter." Oder irgendwie so. Nun, etwas ähnliches ist mir passiert. Nicht in optisch sichtbarer Form freilich und so kann ich das ganze als Zufall verbuchen und mir mein naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild erhalten. Frei nach dem Motto: Was nicht sein darf, wird als statistische Abweichung erklärt.
Was hat sich also zugetragen? Nun, es fing alles an mit irgendeinem kurzen TV-Ausschnitt aus Meran, einer italienischen Stadt. In der hatte ich mit meinen Großeltern in den sehr frühen 70er Jahren öfter als Kind viele Urlaube verbracht. Und kann mich leider an so gut wie nichts mehr aus der Zeit erinnern. Was mich schon mehrfach geärgert hat. Nur eine Wischi-Waschi-Erinnerung von einer als Pferdeskulptur zurecht gestutzten Buschanlage im Park habe ich und das ich als ganz kleiner Pöks da drum herum renne im Kreis. Das alles zog mir so durch den Kopf, als auf der taiwanischen Mattscheibe hier irgendein Reisebericht kam. Wahrscheinlich wieder diese Reisesendungen wo kichernde Taiwaner "exotisches" Essen in die Kamera halten, daran herum essen, "Mmmmmmhhhh" und "Aaaaaaah" und "Ohhhhhh" rufen, von links nach rechts springen und meine Frau am Ende des Beitrages immer in das jeweilige Land auswandern will.
Wie dem auch sei, ich legte mich mit Gedanken an das in meiner Erinnerung verschollene Meran schlafen. Und träumte dann offensichtlich von den alten Urlauben in Meran, mit samt Großeltern. Denn als meine Frau mich wegen ratternder Gasleitungen oder sonst etwas weckte und ich senkrecht im Bett stand, da fiel mir auf, dass ich den Traum komplett parat hatte. So real, als sei ich eben noch wirklich in Meran gewesen. Mit einer solchen Intensität hatte ich noch nie eine Traumerinnerung gehabt, es wirkte völlig real. Wahrscheinlich wegen des plötzlichen Herausgerissen-werdens. Kennen Sie die Situation? Eben noch glaubt man die Traumerinnerung komplett zu haben und im nächsten Moment ist sie schon wieder verschwunden. Das soll daher kommen, dass Träume vom Unterbewusstsein produziert werden. Übrigens eine Art Aufräummechanismus der etwa der "Garbage Collection" in Computerbetriebssystemen oder der Laufzeitumgebung eines Programms gleicht, etwa wenn nicht mehr benötigte Speicherbereiche frei gegeben werden. Weil aber nun unser Verstand davon logisch getrennt ist, versackt die Erinnerung wieder blitzschnell. Da hilft die manuelle Technik des "Stück-für-Stück Durchgehens" des Traumes, so als würde man ihn nacherzählen wollen. Habe ich mal - sicher in einer Frauenzeitschrift beim Frisör - gelesen und es funktioniert wirklich. Also "speicherte" ich den Traum schnell ab und war verblüfft. Eben noch waren wir in der Traumwelt beim "Italiener" Essen gewesen. Wo auch sonst im Meran der frühen 70er? "Wir" waren also meine Großeltern und ich. Ich - der im Traum gar nicht so klein wirkte - hatte Gulasch mit Spagetti. Lecker! Dann sind wir wieder aufs Hotelzimmer - sogar die Straße und das Treppenhaus vom Hotel sah ich recht klar vor mir und Großmutter und ich warteten im Zimmer auf meinen Großvater, der Einkaufen war. Er kam auch kurze Zeit später zur Tür rein und stellte eine Flasche Rotwein auf den Tisch. Mit so einem typisch gedrehten Hals, wie sie manche Touristenflaschen haben. Er zeigte auf die Flasche und sagte "Meraner Bier!". Alle lachten und im Traume war der Witz wesentlich komischer als jetzt beim Nacherzählen. Gut, der Humor meines Großvaters soll nicht so der beste gewesen sein. Sagt jedenfalls sein Schwiegersohn ergo mein Vater. Aber lassen wir das. Mich wunderte wie real das Erlebnis war, so als sei ich eben im Nebenzimmer noch mit den Großeltern - die seit den 70ern bzw. 80ern verstorben sind) zusammen gewesen. Schon ein ungewöhnliches Erlebnis. Dieses Abspielen eines alten "Urlaubsfilms" fand ich jedenfalls sehr beeindruckend. Schon erstaunlich, was man möglicherweise aus der frühen Kindheit noch im Gedächtnis abgespeichert hat, was aber dem Verstand normalerweise nicht zugänglich ist. Wie dem auch sei, ich musste daran denken, dass auch die Urlaube mit einer Tante (mit Namen Grete), mit der ich damals viel Zeit verbracht hatte - auch in Meran - ebenfalls aus dem Gedächtnis verschwunden waren. Und so murmelte ich ein nicht ernst gemeintes "Tante Grete.... melde dich doch mal als nächstes" noch halb schlaftrunken, während ich noch den grausamen Kontrast der Realität einer Taipei-Schlichthauswohnung mit der des malerischen Merans der 70er Jahre verkraftete.
Nun kommt das dicke Ende. Zwei Tage später rief meine Mutter an und erwähnte beiläufig, mein Vater habe im Keller (wo er allerdings immer viel rumsucht) das Tagebuch von "Tante Grete" gefunden. "Sie hat alles detailliert aufgeschrieben, auch deine Urlaube mit ihr in Meran", sagte meine Mutter. Mir wäre fast der Telefonhörer aus der Hand gefallen. Gesehen habe ich die Tagebücher noch nicht - werde sie mir bei der nächsten Deutschlandreise zu Gemüte führen. Aber prompter kann man eine Bestellung kaum erfüllen, oder? Kein Mensch wusste übrigens, dass Tante Grete Tagebuch geführt hat und wir haben -eigentlich- auch so gut wie kein Zeug von ihr im Keller.
Seither bin ich trotz des gerade von unserem Mobiltelefonprovider in Taipei erfolgten Umstiegs von "3G" auf "4G" viel mehr beeindruckt von der "1G"-Leitung, die ich da scheinbar ins Jenseits hatte für eine kurze Zeit. Weitere Versuche mit 1G sind allerdings bislang gescheitert. Sehr zuverlässig ist die Leitung wohl nicht ;-)
Ja ja, schon klar, war alles nur ein Zufall.
Die erste von zwei kleinen Geistergeschichten, passend zum Ghostmonth, der jetzt hier ausbricht. Aber 100% wahr - und schon vor ein paar Monaten passiert.
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