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Montag, August 19, 2013

Zoo Taipei (2)


Einleitung hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/08/zoo-taipei.html

Was also würde mich nach Durchschreiten des Tores vom Zoo Taipei in Taiwan erwarten? Ausgehungerte Tiere in kleinen Käfigen, wie meine Frau angedeutet hatte nach ihrem Besuch vor langer Zeit?

Zunächst einmal kam ein großer betonierter Eingangsbereich mit McDonalds und SevenEleven, Taiwans dominierender Kiosksupermarktkette. Und natürlich Flamingos. Flamingos am Zooeingang sind glaube ich ein Muss, wenn es sie nicht gibt, protestieren die Leute.

Ansonsten sah man zunächst überall breite Passagen mit viel Grün und Hinweisschilder auf die Pandas. Zwei Drittel der Besucher standen da oben links Schlange, um mit der Zoobahn zu fahren, einer kleinen Elektrobahn, aufgemacht wie eine Dampflok. Das Schlangestehen in der glühenden Hitze ersparte ich mir aber.

Linker Hand sah ich denn meine ersten Tiere. Kamele, die manche Leute streichelten und die ich vor lauter Leuten nie allein auf die Linse bekam, hier an den Höckern erkennbar. Das eine Kamel jedenfalls hatte wohl Vergnügen am Gestreichelt werden und sah ganz und gar gut genährt aus. Mir schwante schon, dass der alte Käfigzoo, den meine Frau noch kannte, wohl nicht mehr existierte. Die Fotos im Internet hatten auch eine andere Sprache gesprochen und der Zoo Taipeis wurde als der größte in ganz Asien bezeichnet. Obwohl man mit solchen Titeln sicher vorsichtig sein muss.

Das erste Gehege in Eingangsnähe war denn auch recht idyllisch und beherbergte irgendetwas in der Art von Faultieren oder was auch immer genau. Es hing halt im Baum herum...

Eine Teleobjektiv war schon praktisch im Zoo Taipei. Nicht wie im Zoo Hannover, wo man laufend auf Tuchfühlung mit den Tierchen ist, etwa durch Glasscheiben. Für die Tiere ist das glaslose weite vermutlich sogar angenehmer, denke ich mir. Offenbar wurden die Tiere im Zoo in Taipei also wunderbar behandelt. Die zahllosen vernachllässigten und kranken Straßenhunde Taiwans täten sich also gut daran, sich mit einem exotischen Geweih zu dekorieren und sich als Exponate zu bewerben.

Grüße ans Nachbarblog von Luo2You1 (http://luo2you1.blogspot.tw/), der sich immer mal Taiwans vergessenen alten Bahnlinien widmet (Taiwan hat eine moderne Bahn auf Hochtrasse basierend auf dem japanischen "ICE", aber die ist hier nicht gemeint). Hier im Zoo hatten sie auch eine aufgebaut, die fuhr nicht und ist also nicht mit der Zoobahn zu verwechseln. Schade eigentlich, so eine echte alte Güterlok hätte ich als Zoobahn viel netter gefunden als das als Dampflok getarnte Mini-Elektroding.

Hinter Glas konnte man andere Faultiere bewundern...

Und ansonsten legte man große Wege zurück, die gnädig mit Wassernebel gekühlt wurden.

Alsbald zog es mich auch zu den Pandas, die einen eigenen riesigen Pavillon hatten...


Taiwaner sind disziplinierte Schlangesteher und so reichte ich mich auch in eine lange, hier nicht fotografierte Schlange ein. So ging es flugs vorbei an einem großen Glaszimmer...

In dem Papa Panda den Zuschauern den Rücken zudrehte. Seine Gattin und sein Junior (oder Juniorin?) waren ja gerade in der Krankenstation, soweit ich aus der Presse entnommen habe. Außerdem dachte er sicher, das mit dem Rücken zudrehen muss so sein unter den Menschen, denn vor dem Glas standen zwei junge Zoobedienstete und hatten genau die Zuschauer im Auge (und drehten dem Panda daher den Rücken zu).

Es ging dann vorbei an einem farbenfroh bemalten oder plakatierten Gebäude, das verhieß, das Tropenhaus zu sein und aus ökologischen Gründen seit 2012 geschlossen zu sein. Gut, bei 60 NT (1.50 Euro) Eintritt kann man wohl auch kein Tropenhaus betreiben, wenn in Taiwan die Temperatur im Winter auf 10 Grad runter geht. Allerdings hätten sie bei meinem Besuch einfach das Fenster auflassen müssen...
Es gab dann eine Tropenfreiluftanlage - naheliegend bei dem Thema, doch was machen die damit im Winter? Never mind, hier jedenfalls ein getarntes Krokodil. Auch hier nichts von Käfig oder dergleichen, gemütlich lag das Tier (Alligator mag es auch sein, ich kenne mich da nicht aus) in einem Fluss und man musste sehr genau hin-gucken um es zu sehen. Wieder bemerkte man die natürliche Präsentation im Zoo Taipei, die für die Tiere sicher nicht schlecht ist.

Schließlich ging es in einen hübschen Pavillon... 


... der zu meiner Verblüffung nur einen Blick auf ein Stückerl Wald zeigte. Hier war man nur getrennt durch eine hüfthose Einfriedung. Was sollte man da auch schon sehen im Wald, der dunkel und still vor dem Betrachter lag. Einladend für ein gemütliches Nickerchen unter dem Baumstamm vielleicht...

Nur meinem Fisheye sind die verzerrenden krummen Linien zu verdanken, die das eigentlich langweilige Bild etwas unheimlicher machen sollten. Aber so vorbäugender Weise fiel mir dann doch die ein oder andere Merkwürdigkeit ins Auge. Schauen Sie mal genau hin!


Haben die da Äste in Form von Schlangen gedreht? Dachte ich mir. Doch mit dem Tele sah ich schnell, dass es andersherum war...




Die Riesenschlangen sieht man wirklich kaum mit bloßem Auge und sie bewegen sich kein bisschen.

In diesem Bild sieht man die Schlange ziemlich genau in der Mitte und kriegt daher auch eine Ahnung von ihrer enormen Größe. Sie erst so spät zu erkennen hatte dabei einen leichten Gänsehauteffekt bei mir, insbesondere, da das Erlebnis so ohne Glas dazwischen irgendwie noch eindrucksvoller war.

"Geschmacklose Gartendeko aus dem Baumarkt", dachte ich erst. Ist aber doch eine authentische Pflanze...


Vor dem Pavillon habe ich dann das erste aufdringliche Eichhörnchen meines Lebens erlebt...

Leider hatte ich gerade wieder das Fisheye auf der Kamera, das Objekte, die fast schon die Linse berühren, weit weg drückt im Bilde. Hier war ich so nah an dem kleinen Kerl im Zentrum des Bildes, dass er fast das Glas der Linse berührt hat! Völlig angstfrei, sich aber manchmal so schnell bewegend, dass er plötzlich wie "weg gebeamt" war.

Kollega hier hat die bessere Linse drauf.

...

Was eine richtige Taiwan-Xiaojie ist, die erkennt hier natürlich sofort Gelegenheit für ein asientypisches "Victory-Pose"-Bild...

... mit Sicherheitsabstand zum Eichhörnchen. Tollwut aber aber erst später, während meines Besuchs war Taiwan noch tollwutfrei. Der kleine Kerl der Gattung Eichhorn wollte wohl gefüttert werden oder Laowai roch interessanter. Mir war er besonders auf die Pelle gerückt. Das Siegeszeichen, das die Taiwaner auf fast jedem Foto machen, soll übrigens von den Japanern übernommen sein, die damit die US-Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg imitiert haben. "Victory über das aufdringliche Eichhorn" in diesem Falle.

Es gab noch allerlei nicht von mir fotografiertes Getier aus den Nagerstämmen oder Gnus oder dergleichen. Giraffen habe ich nicht gesehen. Wahrscheinlich würde China Airlines sonst gegen fliegen. Und Zebras? Vielleicht gab es sie, aber wenn,  standen vermutlich Autos drauf geparkt, wie das hier üblich ist in Taipei.

Immer waren die Tiere jedenfalls in großen Anlangen untergebracht und mit Ausnahme des Eichhorns auch gesättigt offenbar. Nanu, was thront denn hier über dem Dschungeldach?

Kopfeingefahrenerweise....

Ein Orang Utan, denke ich mal. So gebäugt und schwer daher laufend, dass er da oben auf seinem malerischen Platze die Last der Welt auf seinen massigen Schultern zu tragen schien...


... und höchst selten mal in das Publikum blickte.

Wieder herrschte Telepflicht, wollte man etwas sehen, mit 200mm von meinem für 50 Euro bei Ebay erstandenen Tamron 3.8-5.6/28-200 Asph. ging das ganz wunderbar und wieder war ich froh, wie zielsicher das alte Objektiv im Gegensatz zu meinem neu gekauften (und gleich wieder stillgelegten) Tamron Di LD 4-5.6/70-300 scharf stellte, jedenfalls wenn ich mich auf den Zentral-AF-Sensor beschränkte (sonst hätte man auf den Baum scharf gestellt und nicht auf das Tier).

Hier brachte ich eine ganze Weile zu auf gemütlichen Steinstufen sitzend, während die meisten Leute, nur einen entfernten braunen Fleck sehend, mit ihren Smartphone-Kameras gleich weiterzogen ;-)

Im Zoo Taipei herrscht oft schattige entspannte Idylle, viele gehen in solchen Nischenexponate gar nicht erst herein, wo man wie hier kleine rehartige Tiere erst suchen muss, aber man einfach mal Ruhe und Natur genießen kann.

Getarntes Tapir.

Viel Grün, Tiere haben irgendwo am anderen Ende des Geheges ihre Ruhe, so ist es oft im Zoo Taipei. Aber warum auch nicht. Auch wir zweibeinigen Expats wissen ja unsere Ruhe vor Guckern durchaus zu schätzen in Taiwan.


 Wieder so ein Fall fürs Tele. Ohne sieht man nur...

... hübschen Wald.

Raubkatzen gab es auch, ganz diskret verborgen am anderen Ende des Geheges, also nicht wie in Hannover hinter Glas, so dass man das obligatorische "die temperamentvolle Tante Elise vor dem ruhigen Katzenviech hinter Glas" machen kann. Nicht in Taipei, aber so hübsche Kunstlandschaften an den langen Wegen hatten sie auch.


Elefanten hatten sie auch. Äh.... never mind. Das sind die Steine daneben...

 OK... die Steine sind auch nicht anders.

Beim Rausgehen noch mal die Deko zum Schlangenareal fotografiert, nett.

Ein ruhiger See lud zum Verweilen ein. Hier sah ich ganz blonde Ausländer, die in einer Sprache konversierten, die wie ein Mix aus Slawisch und Skandinavisch klang. Baltische Staaten? Ach wäre man doch Taiwaner, dann könnte man sie einfach an-halloen und "where you from?" fragen. Ich dachte übrigens, im Zoo so wenig exotisch zu sein als Westler, dass ich hier nicht begrüßt würde von den Einheimischen, wie sie es sonst ja immer mal wieder gerne tun. Kurze Zeit später passierte es mir doch. Gleich nach dem See hier. Fast hätte ich dem Begrüßer gesagt: "Geh man 50 Meter zurück, da hinten gibt es viel interessantere Laowais als mich". Einer ist mir sogar mit auf ein Bild geraten, ich verrate aber nicht welches. Wir Laowai in Taiwan wollen unsere Privatsphäre wahren.


Nicht so ganz verständig war mir diese Installation, die angab, wie viel Prozent vom Energieverbrauch des Zoos jede der gezeigten Tierarten verbrauchte. Was soll uns so eine Zahl sagen? "Verdammte eniergieverschwendende Karnickel!", wird sich da am Ende mancher Toyotafahrer denken ;-)



Ein netter Tag also für mich als Städter abseits der bürgersteiglosen Hektik von Taipei und für 60NT schon "geschenkt". Ich werde noch mal wieder kommen, das Insektarium habe ich weg gelassen und vielleicht sieht man dann ja auch Panda-Junior...

Freitag, August 16, 2013

Zoo Taipei (1)

Besuch im Zoo Taipei. Viel besser als erwartet?

Mit der "braunen Linie" von Taipeis MRT, dem Mix aus Hochbahn und U-Bahn, fährt man direkt bis zur Station Zoo. Die braune Linie ist eine reine Hochbahn, man hat einen schönen Blick auf die grauen Schlichthäuser, dann mischen sich immer mehr grüne Hügel ins Bild und am Schluss steigt man am "Bahnhof Zoo" aus, einer modernen Hochbahnstation, wie immer klinisch sauber und kameraüberwacht.


"Wie immer" bezieht sich hierbei auf die MRT, nicht auf Taipei generell, denn das kann -sehr oft- ganz schön schmuddelig sein. Hier am Bahnhof Zoo ist man jedoch im "neuen Taipei", das bisweilen aus Glas und Beton gebaut das alte Schmuddeltaipei verdrängt, breite Bürgersteige und alles klinisch sauber. Hier lukt "Taipei 101", das 101-Stockwerke hohe Hochhaus noch knapp über die grünen Hügel. Wer genau hinsieht bemerkt sogar ein Werbeschild im Foto ein entsprechendes Werbeplakat, mit dem das neue, schicke Taipei auf diesen Umstand aufmerksam machen will (unten links).

Wie teuer würde der Eintritt sein? Vom Zoo Hannover war ich noch 25 Euro gewohnt, so viel hätte ich hier in Taiwan nicht angelegt. Das wären hier etwa 1000 NT und davon kann man hier lange leben in Taiwan, ein kleines Vermögen ist das schon. Würden die Taiwaner 1000 NT für den Zoobesuch verlangen, er wäre sicherlich so leer wie die "Wiedervereinigungskommitee"-Versammlungen zu Chen Shui Bians Zeiten. Never mind, das versteht wieder kaum einer.

Die idyllischen kleinen Häuser am Hügelrand scheinen mir wieder die kleinen Grabhäuser der Taiwaner zu sein. Friedhöfe also. In Taiwan leben die Toten am Schönsten. Sieh auch hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/03/machen-wir-mal-was-verbotenes-auf-dem.html
Ich gebe zu ich hatte vorher recherchiert, es sind nur 60 NT, etwa 1.50 Euro. Na dafür könnten sie in Hannover gerade mal die Flamingos am Eingang lassen. Einbeinig aber höchstens.

 Meine Frau, die derweil im noch in unserem Besitz befindlichen "Familienbetrieb" die operationalen Prozeduren erlernte, während ihr Gatte sich mit der Kamera in der Gegend herum trieb, hatte sich hinterher entsetzt gezeigt vom hohen Eintrittspreis. Nur ein paar Taiwandollar hatte es gekostet, als sie vor vielleicht 20 Jahren das letzte Mal da war, sagte sie. Allerdings hatte sie mir vom Besuch abgeraten. "Überall nur Käfige", hatte sie gesagt. "Furchtbar für die Tiere". Da ich Taiwaner als ehemaliger Straßenhundretter öfter mal als Tierquäler kennengelernt hatte, hatte ich also wenig erwartet, als ich an diesem heißen Julitag durch das Portal schritt. Was würde ich innen sehen? Käfige? Verhungerte Tiere hinter Gittern?

Machen wir weiter beim nächsten Mal.... gleich Montag folgt Teil 2.





Dienstag, August 13, 2013

Demnächst: Besuch im Zoo Taipei

Meine Frau war entsetzt wie teuer das geworden ist, seit sie das letzte Mal vor 20 Jahren oder so da war. Ich war verblüfft wie billig und was es da zu sehen gab, demnächst auf dieser Welle.
Ludigels Taiwanblog, seit 2007 auf Deutsch im Bit-Äther, das Blog wo die Robotisierung des Haushalts längst angefangen hat und schon wieder vorbei ist, das Blog das einst eine eigene Straßenhundrettung hatte und diese auch schon wieder abgeschafft hat und binnen ein paar Wochen eine eigene Firma besaß und diese mit einer Tankfüllung Gewinn auch wieder los geworden ist. Immer noch für Sie da (mittlerweile diskutiert man das sogar im Ausländerforum), ein Ende ist nicht abzusehen.


Ein farblich abgestimmtes Handy hilft freilich auch nix, wenn sich die Viecher nicht sehen lassen. Aber Grün ist ja auch schön im Zoo-Report.

Dienstag, Juli 09, 2013

Reisezoom im Einsatz

Blick in die Fotokiste. Altes Analogzeug an moderner DSLR
Teil 1 

Den sogenan Reisezooms stand ich schon immer kritisch gegenüber. Einen besonders großen Zoombereich haben sie, etwa früher für die Analog-SLRs von 28 bis 200mm, also von Weitwinkel bis Tele. Heute sogar (wenn für Vollformat-DSLRs gedacht und nicht für die handelsüblichen APS-C-Format DSLR) von 28-300mm. Die pumpen daher wegen der langen Zoomwege viel Luft (Objektive atmen in der Tat!), können daher viel Staub aufnehmen und Linsen, die man ja eigentlich für genau eine Brennweite optimiert hat im Schliff (bevor die Zooms aufkamen), müssen sich förmlich "verrenken", um für alle denkbaren Brennweiten zu dienen. Habe also immer die Finger von den Reisezooms gelassen, damals für meine analogen Minoltas und heute für die digitale Sony. Bis diesen Juni, als der Deutschlandtrip mit Frau und Junior anstand und ich schon ahnte, dass ich bei üblichen Besuch im hannoverschen Zoo wieder eine deutschlandgenervte Frau nebst unserem Junior zu betreuen habe und daher keine Zeit zum Objektivwechsel haben würde. Also schnell bei Ebay ein altes Reisezoom gekauft, ein Tamron 3,8-5,6 / 28-200, die Kommazahlen geben die Lichtstärke an, wie der Fotofreund weiß (1,0 wäre ein direktes Übernehmen des Umgebungslichts - 1:1,0 eigentlich, 2,0 - oder eben 1:2,0 - stände für die noch sehr gute Halbierung des Lichts).

Tamron 3,8-5,6 / 28-200 Aspherical

Das Objektiv war ein Veteran, denn der Verkäufer gab an es an einer Minolta Dynax 3xi benutzt zu haben, also ein Objektiv der frühen 90er. Immerhin das Aspherical, daher hatte ich Hoffnung auf doch leidliche Bildqualität. Allerdings war es für die 50 Euro ein Risikokauf, sah man doch, dass der Verkäufer keinen Schutzfilter auf dem Objektiv hatte (wer weiß, was die Linsen also abbekommen haben), die Linsen waren nicht zu erkennen auf dem Foto und man war daher ein bisschen im Ungewissen. Immerhin pries er das Objektiv nicht superprofessionell an, wie manche das tun, daher hielt sich der Preis in Grenzen. So ein Objektiv kann durchaus das Doppelte erzielen, denn an einer handelsüblichen APS-C Digitalkamera (die späten Konika-Minoltas oder Sony) kann es als gutes Telezoom dienen und entspricht dann etwa 42-300 mm Brennweite im Kleinbild-Äquivalent (vgl. Crop-factor, der in der Wirkung die Brennweite verlängert wegen des kleineren Sensorformats von APS-C-DSLR im Vergleich zu Vollformat/Kleinbild). 

Nur wenige alte Objektive seien für meine Vollformat-Sony geeignet, schreiben die Leute immer wieder im Netz. Wegen des empfindlichen 24 Megapixelsensors, der angeblich bei jedem Zoom unter 1000 Euro oder dergleichen das Bild in ein dumpfes oder matschiges diffuses Etwas verwandelt, das man vor lauter "chromatischen Abweichungen", "Vignettierung" und sonstiger Grausamkeiten gar nicht mehr erkennen könne. So ganz wollte ich das nie glauben, hatte ich doch bis vor kurzem ein für lächerliche 9 Euro (plus Versand) erstandenes Minolta AF 3,5-5,6 / 28-80mm (D) verwendet, das einst nur 75 Euro neu gekostet hat und mich zwar zum Schluss durch geringe Lichtstärke mehr und mehr nervte (ich werde scheinbar kritischer mit der Zeit), aber sonst eben gute Bilder lieferte. 

Was würde ich also erhalten (hier etwas unscharf mit meiner neuen Casio Kompaktkamera -auch von Ebay - im ausgefahrenen Zustand abgelichtet) und wie würde es sich schlagen? Ich erhielt ein typisches altes Tamron. Tamron kannte ich fast zeitgenössisch von meinem alten Normalzoom her, in den späten 90ern gekauft, ein massives Plastikding mit dicken Gummierungen, eigentlich unverwüstlich. Nur Pilz und Staub hatten mein altes Tamron später in Taiwan dahingerafft. Das Tamron von Ebay war genauso stabil verarbeitet, latent unsympathisch durch extreme Ausfahrtendenz und mit einer (nicht unüblichen) mitdrehenden Frontlinse beim Scharfstellen (die also meine schöne extra bestellte asymmetrische Sonnenblende ad absurdum führte, aber das verstehen nur Freaks denke ich). Staub war keiner drin (kaum benutzt?) aber die Frontlinse lies mich erschaudern, offenkundig hatte der Vorbesitzer am Meer fotografiert und Salzwasser auf Frontlinse kommen lassen, das sich für immer in die Vergütung eingebrannt hatte. Ich tröstete das alte Zoom "so schnöde wird dich keiner mehr behandeln" und zog flugs einen UV-Filter drauf, der es künftig vor solcherlei Ungemach schützen würde. Salzwasser, brrrr....
Die alte Minolta Dynax 3xi hat der Verkäufer auch gleich mitgeschickt. Mit der ausschließlich vollautomatisch arbeitenden alten SLR kann man heute nichts mehr anfangen, denn wer noch Analogfilm nimmt, will ja in der Regel kreativ arbeiten. Aber gut, sie kam zwischen Dynax 7000i und 5xi passend genau in die Sammlung in Deutschland. 


Also auf in den Zoo damit! 


Nichts gutes erwartend drückte ich ab. Nach all den Vorkommentaren aus dem Netz erwartete ich, die Löwin kaum von einem Rauhaardackel unterscheiden zu können. Doch siehe da - ein richtiges Bild, man erkennt das Katzenviech. Alle Bilder sind unbearbeitet. Lediglich beim Scharfstellen merkte ich, dass mein Zoomveteran manchmal die Umstellung des Kamera-AF auf (nur) den zentralen AF-Sensor brauchte, mit den normalen 9+10 AF-Sensoren meiner Kamera kam es nicht immer zurecht (oder umgekehrt), auch brauchte der AF gefühlt etwas länger zum Fokussieren. Sonst bewältigte das alte Zoom des Technologiesprung von einer "nur Programmautomatik" 1-AF-Sensor Analog-SLR für den guten alten Kleinbildfilm hin zu einer gut zwanzig Jahre späteren Sony DSLR mit Vollformatsensor (Sony A850) erstklassig. Bei Tamron sind auch eigentlich nie Kompatibilitätsprobleme zu erwarten (es sei denn man nimmt neue made-for-Sony Tamrons auf alten Minoltas, aber das ist ein anderes Thema).


Aha! Endlich! Nebelige undurchsichtige diffuse Aufnahmen! Hatten die Leute im Forum doch Recht? Nö.... hier war wirklich Bodennebel im Zoo Hannover, sah schick aus, wenn auch weit und breit kein Viech zu sehen gewesen wäre, dass das erfordert hätte (getarntes siganesisches Nebelhörnchen vielleicht?). Oder es war diese Nebelkreatur aus Star Trek, wer weiß.

Mehr und mehr beschlich mich der Verdacht, dass das alte Reisezoom einfach gute Bilder machte und sich für die ganze überdrehten Forumskommentare selbsternannter Fotopäbste einfach nicht interessierte. Diffus war da nix. Mag natürlich sein, dass der Esel mit einem Neuen 2800-Euro Zeiss-Telezoom noch Sattelzeug und einen Reiter drauf gehabt hätte, wer weiß.

Sogar eine Aufnahme bei wenig Restlicht ging, dank des in die Kamera eingebauten Bildstabilisators. Wer es selbst genauer sehen will: Firefox vergrößert mit Mittel- oder Linksklick. Allerdings hat die 72mm-Frontlinse schon mal Lichtreflexe, gerade wenn ein Schutzfilter drauf ist. Hier leicht zu sehen.

Watt die alles aufbauen im Zoo Hannover, toll. Hätte ich die Aufnahme mit dem Carl-Zeiss Telezoom gemacht, wäre in diesem Yukon-Szenario vielleicht noch ein Saloon-Showgirl mit Netzstrümpfen drauf gewesen. Hmmm... die Ausgabe kann doch lohnen. Das alte Tamron hatte das nicht dabei ;-)

Auch bei starkem Zoom (etwa 200mm) waren die Bilder gestochen scharf, was mich ehrlich gesagt verblüffte. UPDATE: Mit dem "ach so schrecklichen Reisezoom", wenn man den Spin... äh ... Experten glaubt, dürfe man ja kaum etwas auf den Aufnahmen erkennen. Ich kann mich aber in der Vergrößerung sogar selbst (!) in den Augen des Seehundes gespiegelt erkennen:


Offenbar spiegelt sich das Licht in der Kamera, oder ist das ein AF-Hilfslicht? Oder sonst was. Sieht aber aus wie mein Kopf. Schon etwas unheimlich. Und spricht für die Qualität des alten Zooms, das offensichtlich bestens zur hohen Auflösung der modernen DSLR passt (wenn eine 3 Jahre alte Kamera heute noch als modern gelten kann).


Das alte Ding ließ sich nicht lumpen...

 .... warf man auch ein noch so kritisches Auge drauf.

Nur die Weitwinkelaufnahmen "Junior vor gefährlichem Viech hinter Glas" waren ziemlich mühsam. Das geht mit einem Normalzoom oder gar einer Festbrennweite besser. Langsames Fokussieren im AF-Modus und die öfter notwendige Beschränkung auf den einen zentralen AF-Sensor machten den AF zur Qual bei solchen Aufnahmen, so dass ich hier für diese manuell fokussiert habe. Auch die Naheinstellgrenze schien ziemlich in der Ferne zu liegen, stellte ich dabei fest. Aber wer will dem Zoom vorwerfen, dass es nicht mit 19 AF-Sensoren klar kommt, wenn es in den frühen 90ern fast nur Kameras mit einem Zentralsensor gab.



Verdammt! Da habe ich Junior gerade im Fokus und will mit der schlechten Lichtstärke eine Aufnahme von ihm und dem Kätzchen machen, da führt er sich auf wie ein Filmstar auf der Cocktailparty vor den Paparazzi. Offenbar hatte er Sorge, die Kamera könne die Katze stören - cleverer Bursche. So schnell bewegend reichte die Lichtstärke des alten Zooms natürlich nicht aus wegen langsamer Verschlusszeit. Aber das wäre bei neuen Zooms auch nicht besser.

Für die wirklich schwierigen Aufnahmen vom Robbenpool "unter Wasser" nahm ich aber lieber mein 1,7/50mm Normalobjektiv, gekauft 1999 für die alte analoge Minolta und auch auf der Sony perfekt funktionierend. Für die extrem schnellen Robben brauchte man einfach ein helles Objektiv, das auch schnellen AF erlaubt.


Hier für die schwierigen Sachen im Einsatz: das 1999er Minolta AF 1,7/50mm


Andererseits zeigen mir die Bilder, wie technokratisch man heute denkt beim Fotografieren. Früher bei einer manuell zu fokussierenden SLR hätte ich die Schärfe hinter der Scheibe wohl abgeschätzt bzw. Scharfstellen auf die Scheibe hätte für die Aufnahme wohl auch gereicht und Junior vielleicht sogar schärfer gemacht. Heute hingegen sagt man, dass man einen supernschnellen Multipunkt-AF braucht, nur um auf das blitzschnell bewegende Tier scharf stellen zu können.

Wie dem auch sei, mit dem dunklen Zoom wären diese Aufnahmen nichts geworden, da brauchte es eine helle Festbrennweite. Ein lichtstarkes Normalzoom wie ein 2,8/28-70 hätte vielleicht auch gereicht, das will ich gerne zugeben. Was aber wieder moderner Overkill ist irgendwo, denn mein 1,7/50mm gibt es manchmal für 50 Euro bei Ebay, für ein helles Normalzoom würden mehrere Hundert Euro fällig.

 Wieder draußen konnte das alte Zoom noch mal bei den Fanten glänzen, an der Haut sieht man in der Vergrößerung gut die Schärfe des Veteranen. Gemeint ist das Tamron, nicht der Elefant ;-)


Nur AF-Schnelligkeit ist nicht die Stärke so eines dunklen Reisezooms. Hier legt die Großkatze gerade los, wie zu Hause früher unser Stubentiger, wenn ich mit der Garnrolle kam. Später auf Fullspeed kam der AF nicht mehr ganz hinter her.

Aber irgendeinen Nachteil muss so ein Reiszoom auch haben. Trotzdem war es für einen Trip mit Kind und Kegel in den Zoo genau das Richtige. Ideal für Zoofotografie wäre sicher das Zeiss 2,8/80-200 (Brennweite aus dem Gedächtnis), das kostet wohl 1800 Euro oder mehr und wenn die Objekte nah an der Kamera sind braucht man noch eine zweite DLSR um den Hals hängender Weise, etwa mit einem 2,8/24-70. Aber andererseits fotografiere ich ja nicht für den National Geographic und genug Geld für den Reis zu Hause in Taiwan muss auch noch übrig bleiben.

Hat das alte Zoom mir Appetit auf eines der neuen 28-300er Reisezooms von Tamron gemacht? Eigentlich nicht. Es ist nämlich so gut, dass ich es einfach weiter nutze....

 *

P.S: Auch die Bilder im Vorbeitrag sind mit dem 28-200er gemacht.

2.P.S.: Mein altes Tamron Telezoom 4-5,6 / 70-300mm hat es klar aus dem Feld geschlagen. Dieses neue Zoom war eine sehr preisgünstige (neu etwa 130 Euro) Anschaffung, ist leicht und dünnwandig "plasticky" und hat leider Schärfeprobleme, braucht ab 250mm auch den Zentralsensor des AF und hat nach ein paar Monaten bereits etwas Staub aufgenommen, weil zu leicht und locker gebaut. Mein bestgehasstes Objektiv (unten im Bild), ich hätte einfach mehr Geld ausgeben sollen.

Schlechter: Mein 2012er Tamron Di LD (+Macro) 4-5,6 / 70-300mm

Dieses neue "made-for-Sony"-Tamron funktioniert übrigens nicht richtig auf meiner alten Minolta Dynax 505si super - der AF geht nicht, die Kamera beschwert sich über mangelnde AF-Kopplung zum Objektiv. Offenbar testet Tamron nicht mehr die Kompatibilität zu alten Minoltas, wenn es Firmwaremods macht.

3.P.S:: Interessant, meine fotografierenden Mitmenschen zu beobachten. NIEMAND scheint mehr mit einer digitalen Kompaktkamera zu fotografieren, obwohl diese noch vor wenigen Jahren die Fotogemeinde absolut dominiert hat. 3/4 der Leute fotografieren mit dem Handy ("kleines Brett vor Kopf"), einige wenige mit dem Tablett-Computer ("großes Brett vor Kopf") und etwa ein Viertel mit dicken DSLRs mit Dickzooms oder schlankeren spiegellosen Systemkameras. NIEMAND außer mir hat mehr Objektive gewechselt. Ich ja auch nur unter beißenden Kommentaren meiner Gattin ("bist du schon wieder am Fotografieren? Sollen Junior die Löwen fressen? Guck, er bohrt gerade ein Loch in den Löwenkäfig / taucht bei den Orcas" etc).