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Donnerstag, August 18, 2016

Schwiegermutter schwer verunglückt

Große Aufregung gestern Abend. Schwiegermutter, die in der Zeit auf unseren Junior (5) aufgepasst hat, war schwer mit dem Lastenfahrrad verunglückt. Doch wo war Junior? Niemand wusste es.

Edit: Des schwebenden Verfahrens halber einige Bewertungen und eigene Kommentare entfernt.

Schwiegermutter ist gestern Mittag mit dem Dreirad verunglückt. Wie viele ältere Damen in Taiwan fährt sie mit so einem Lastenfahrrad herum, um Pappkartons von Geschäften einzusammeln und gegen ein paar Dollar zur Wiederverwertungsstelle zu fahren. Das hat sie nicht nötig. Sie hat sich diese Angewohnheit aber zugelegt, seit sie vor ein paar Jahren - das Taiwanblog berichtete - von Telefonbetrügern um eine Million Taiwandollar erleichtert worden ist - etwa 25.000 Euro. Damals hatten die Betrüger sowohl auf Festnetz als auch Handy ständig angerufen und die alte Frau mit völlig aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen "lange in der Vergangenheit" in Panik versetzt und ihr gesagt sie müsse ins Gefängnis, wenn sie nicht sofort zahlen würde. Ein Teenager nahm dann Schwiegermutter im Empfang, die ihr Konto in seinem Beisein geplündert hatte. Hausbesuche falscher (?) Polizisten stellten lange ihr Schweigen sicher. Auch echte Behörden waren damals in den Fall verwickelt: Ein Gericht in Taipei-Neihu hatte damals eine veritable Aufforderung zum Haftantritt (!) an Schwiegermutter verschickt, die die völlig schuldlose Frau nun endgültig in Panik versetzte. Es handelte sich allerdings um einen Irrläufer, der an einen jugendlichen völlig fremden Mann adressiert war und nicht etwa an sie. Ein weiterer Einschüchterungsversuch? Auch das lokale Polizeirevier verhielt sich faktisch komplizenhaft, als es die von Schwiegermutter letztlich nach einer Woche erstattete Anzeige hatte verschwinden lassen. Taiwan als dreckige kleine Schmuddelrepublik.

Die Spätfolgen dieser Behörden/Gangster-Kooperative (?) haben wir nun jetzt auszubaden. Ein weißer Toyota Wish Minivan übersah beim Linksabbiegen Schwiegermutter und ihr pappkartonbeladenes Dreirad. Der Unfall ist von einem Taiwantabloid sehr gut mit Video und Fotos von einer Auto-Dashcam dokumentiert. Schwiegermutter als Nachrichtenobjekt. Hat da ein Autofahrer gleich die Aufnahme an einen Zeitungs-/Online-Verlag verkauft? Jedenfalls ist folgendes zu sehen: Flott biegt der Toyota links ab ohne sich um die grüne Fußgängerampel zu kümmern, wie das in Taiwan leider üblich ist. Schwiegermutter fährt allerdings Rad auf dem Überweg[...]

Die nächsten zwei Nächte geben nun darüber Auskunft, ob sie es ohne Schäden überstehen wird. U.a. hat sie eine Hirnblutung erlitten, ist aber bei Bewusstsein.

Die spannende Frage war für uns zunächst: Wo ist Junior? Oft hat sie ihn auf der Ladefläche des Dreirads hinten und ich habe mich auch immer schon gefragt, was da alles passieren kann, wenn mal jemand hinten rein fährt. Ich meine, da kauft man einen sündhaftteuren Volvo-SUV, damit Junior im Verkehr geschützt ist. Aber dann fährt seine Oma ihn auf der Pritsche eines Dreirades herum im wilden Taiwanverkehr.

Wie ein Wirbelrand raste ich aus der Firma zu Schiegermutters Wohnung und ich habe da wohl das erste Mal das Einschalten des Turboladers unseres Volvos gehört, der heulend und vibrierend seine Arbeit im Motorraum aufnahm. Sonst steuere ich das Ding ziemlich ruhig und sinnig durch den Verkehr.

Junior schlief auf dem Sofa und hat von allem nichts mitbekommen. Dass er allein daheim war anstatt mitten im Verkehr, hat sicher positive wie negative Seiten. Taiwaner sind rücksichtslos draufgängerisch hinter dem Steuer und fahren ihre Familienkutschen mit dem Elan von Serienmördern. Gut, dass Junior nicht in der Nähe des Toyota "Wish" war.

Die Videos vom Unfall sehen grauenhaft aus, sie sind hier absichtlich nicht verlinkt.

 In drei Wochen ist es vorbei hier für uns wenn alles so weiter läuft. Hoffentlich ohne weitere Vorfälle. Sicherer ist die von Frau ausgesuchte "neue asiatische Heimat" freilich auch nicht.

Zusammenfassung des alten Betrugsfalles: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/04/zusammenfassung-falsche-undoder.html 

Edit: Gerade mal festgestellt. In all den Jahren meiner aktiven Straßenverkehrsteilnahme in Deutschland 1985-2004 erinnere ich mich nur an einen einzigen Fall, bei dem einer meiner Verwandten, Bekannten, Freunde oder Kollegen bei einem Unfall zu Schaden kam.

Deutschland 1985-2004:
Verwandter: 1

In Taiwan 2004-2016 sieht die Statistik so aus:
Bekannte:2
Kollegen: 2
Online-Bekannter: 1 (tot*)
Verwandte: 1 (Ausgang noch unklar)

Außerdem die Erzählung eines mir bekannten Engländers, wie er einem schuldlos verunglücktem kanadischen Mopedfahrer nur noch Trost spenden konnte, als dieser gestorben ist. Der Engländer war zufällig vorbei gekommen.

* damals auch bekannt aus dem TV, Entertainer "MaKe" aka Mark.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

http://www.ettoday.net/news/20160818/757665.htm

Üble Geschichte! Da würde ich mir aber von der Polizei in Sachen Schuldfrage nix erzählen lassen - das soll mal schön vor Gericht gehen. Nichts unterschreiben was nach Mediation oder Schuldanerkenntnis aussehen könnte !!

"Ludigel" hat gesagt…

Gut, lassen wir den Link stehen. Langsam habe ich es verdaut. Fast wäre Junior (5) hinten auf der Ladefläche gewesen vom Dreirad, dann wäre es das wohl gewesen.

"Ludigel" hat gesagt…

Evtl. muss ich es löschen wenn Frau interveniert.

"Ludigel" hat gesagt…

Momentan zeigt sich die Gegenseite verbal kooperativ, aber wie das wird wenn es ans bezahlen geht, ist die Frage.

"Ludigel" hat gesagt…

Einstweilen zahlen die Schwestern jede Menge an Krankenhaus und die notwendige Heimbetreuung und die Tausender fliegen nur so aus der Brieftasche, dem weißen Toyota Modell "I WISH I could drive" halber.

Miri hat gesagt…

Gute Besserung für Deine Schwiegermutter! Das ist ja schrecklich.

Nach langer Zeit mal wieder in Deinen Blog geguckt und dann liest man das.

Statistik: Gehöre ich nicht zu Deinen Bekannten? Der Unfall, bei dem der alkoholisierte Dialysepatient (Senior) bei rot über die Ampel fuhr und den Wagen, in dem ich und meine Kinder (damals erst zwei) saßen rammte (Ich bekam unseren Wagen fast zum Stehen, er gab wohl auch noch Gas), lag in dem Zeitraum.

"Ludigel" hat gesagt…

Miri,
was ich meinte war wo ernsthafte Personenschäden auftraten. War das damals der Fall? Ich kann mich zugegebenermaßen nicht mehr recht erinnern, daher hatte ich angenommen, dass es glimpflich war.
Aber aus der Ferne mag ich es falsch in Erinnerung haben..

"Ludigel" hat gesagt…

Jetzt dämmert die Erinnerung.... (rotwerd)

Miri hat gesagt…

Na ja, Auto Totalschaden. Bei mir u.a. ne geplatzte Bandscheibe. Habe bis heute Beschwerden an der WS. Mit viel Sprt aber in den Griff zu kriegen. In Schland zahlt man die Rehabilitation überwiegend selbst, wie ich rückblickend feststellen muss. Und SchE war minimal. Trotz Top-Verkehrsrechtsanwalt. Weiß noch wie ich beim Aufprall dachte, oh jetzt rutscht Du gegen das Amarturenbrett und ich hinterher von der Polizei erläutert bekam, dass der Wagen zusammengeschoben wurde und ich nicht dagegen gerutscht war, sondern das Armaturenbrett gegen mich geschoben wurde. Stauchzone endete genau an meinem Rücken. Kinder saßen hinten in Top-Kindersitzen. Als das Auto hochgeladen wurde, fragte der Verursacher auch noch, ob die Kindeer denn richtig gesichert gewesen seien. Er behauptete zudem mit seiner Frau, die auch verletzt war, er habe grün gehabt. Zum Glück gab es genug Zeugen. Geistesgegenwärtig war ich noch zu den anderen Autofahrern gehumpelt und hatte sie gebeten, ihre Daten da zu lassen bzw. zu warten. A. und ich verbrachten dann eine Woche im KH, da sie sich beim Check-Up nen fiesen Infekt zuzog und unter Dauerdurchfall litt und an den Tropf musste. Da es Personalmangel gab, machte ich dann mit meinen Verletzungen noch den Co-Pfleger. Bzw. den eigentlichen Pfleger. Sie war damals ein Baby/Krabbelkind. Total dehydriert. Der Horror.

Wir kauften dann ein neues Auto. Wenige Wochen später stand ich in Laatzen bei rot an der Ampel, als plötzlich ein LKW-Fahrer neben mir die Spur wechseln wollte. Links der LKW, rechts parkende Autos. Ich hupte und er stoppte dann zum Glück. Das Auto knackte, ist aber nichts passiert. Das Ganze animierte mich dann Jura zu studieren...

Die Kinder haben bis heute keinen Führerschein gemacht. Vlt. auch wg. des Erlebnisses. Wollen sie aber bald nachholen. A. studiert ja sehr begeistert und erfolgreich Maschbau und möchte demnächst Autos designen. Da sollte sie dann auch nen Führerschein haben.

"Ludigel" hat gesagt…

Ich habe irgendwie die Tendenz Schlimmes, wenn es dann überstanden ist, im Gedächntnis ad acta zu legen fällt mir auf. Jetzt erinnere ich mich natürlich. Wen ich wohl noch alles vergessen habe? Meldet euch, wir schlagen Taiwan! ;-)