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Donnerstag, Dezember 24, 2015

Jahresrückblick: Das Jahr des Chaos

Ein persönlicher Jahresrückblick

Das Jahr 2015 war für mich persönlich ein recht aufreibendes. Monatelang verfolgten mich chronische Magenschmerzen. Die hatten vor meiner Reise in die Philippinen damals schon in Taipei angefangen, verschlimmerten sich nach dem Manila-Besuch und gingen nach Monaten erst weg, als ich aufhörte in der Firmenkantine zu essen. Ein paar Wochen nur hatte ich Ruhe, dann schloss sich mein immer noch andauerndes nächstes "Lebensabschnittsleiden" an. Diesmal die Niere und angeschlossene Organe. Möglicherweise durch einen Sturz und das ständige Herumtragen von Junior (dessen Knie auf die Nieren drücken) ausgelöst, aber immer noch ein Mysterium. Meine Gesundheit ist offenkundig angeschlagen und meine Default-Entscheidung ist daher, im Jahr 2016 wieder nach Deutschland zu gehen. Möglicherweise will mir mein Körper sagen, dass er den spannenden Chemiecocktail, den man hier Essen nennt, einfach nicht mehr verträgt. In Deutschland kann ich mich mit "Essen bei Muttern" erst mal auskurieren, auch wenn mir die dann während der Genesung privat zu zahlende Krankenversicherung die Haare vom Koppe fressen wird.
 Hier wird mit dem in der Heimat ausgebrochenen Hippie-artigen Chaos der Merkelregierung und ihrer Idee, das recht dicht besiedelte Deutschland zum Siedlungsbecken für den arabischen Raum zu machen, meine evtl. Rückkehr nicht gerade erleichtert, insbesondere was die Wohnungssuche angeht. Aber gut, spannend ist das Leben eben immer. Fremd geworden sind mir die Deutschen seit meiner Auswanderung 2004 - die Merkelrepublik gleicht nur noch ansatzweise dem Land, das ich einst verlassen habe. Aber auch Rückwanderer erleben halt einen Kulturschock, das liest man immer wieder.

Was die Zukunft wohl bringen wird?*

In meiner Kleinfamilie hier aus Frau, Kind (4) und mir war das Jahr 2015 auch bei meiner Frau von gesundheitlichen Problemen überschattet. Eine immer weiter fortschreitende Netzhautablösung, bei der die Taiwanärzte ratlos und chaotisch wirkten, hat bei meiner Frau bis heute panische Angst vor der Erblindung ausgelöst. Ihre Lösung war, alles gemeinsame Vermögen in einer fast schon hysterischen Blitzaktion nach Manila auf den Philippinen zu schicken und dort - immer mit ihrer Familie mittendrin - komplett anzulegen. Das hat zu schief hängendem Haussegen bei den Ludigels geführt. Grund für das Invest ist ihr Plan, sich dort eingekauft in das Familienbusiness ihrer Schwester (die mit ihrem Mann dort eine Druckerei für allerlei Klebeschilder und sogar Jesusaufkleber betreibt) mit einer Dienstmagd zur Ruhe zu setzen, die ihr 24h am Tage wenn es sein muss unter die Arme greifen kann. So soll die Blindheit ihren Schrecken verlieren. Finanziell kommt alles nicht hin. Wie von mir prognostiziert liegen die Rückflüsse des Invests einstweilen eher im Bereich eines Kiosks in Deutschland. Allein das Abbezahlen der von der Gattin gekauften Eigentumswohnungen kann so nicht funktionieren. So weiß ich noch immer nicht, was nun wird. Meine Frau lächelt zu Detailfragen über die Finanzierbarkeit nur asiatisch-mysteriös und redet von Alternativlosigkeit. Und ganz chauvinistisch frage ich mich die Tage, ob das Ausblenden der Realität und das Reden von Alternativlosigkeit nicht doch eine Frauensache ist. Vergleiche die deutsche Chaoskanzlerin.

Ach, irgendwas wird schon werden im nächsten Jahr. Frau, Kind und Vermögen ziehen -womöglich- einstweilen nach Manila - wie ich manchmal halb scherzhaft sage - und ich fange mit ein paar Groschen in der Tasche noch mal von vorne an. Mir soll es recht sein. Dass Rückwanderer nach der (bei mir womöglich nur einstweiligen) Trennung von der taiwanischen Gattin in der Unterhose am Flughafen stehen, ist ein bekanntes Phänomen. Man muss halt nur drauf achten, dass es kein Stringtanga ist, sondern wenigstens "Men's Briefs", wie ich immer sage. Nein im Ernst, die Gattin hat mir eine der Eigentumswohnungen zugesagt, sowie die Finanzierung - die über den Gatten ihrer Schwester laufen muss - die Umschreibung der Immobilie erlaubt. Aber nach dem Prinzip des deutschen Buchhalters bewerte ich Aktiva, die in fernen Ländern auf fremdem Namen befindlich sind einstweilen mit einem Buchwert von Fliegerbrille/Doppelnull. Und grummele öfter mal vor mich hin. Frau träumt einstweilen vom Reichtum in Manila und berät mich schon mal, dort dann aber keinen Ferrari oder Lamborghini zu kaufen, weil diese zu schwer zu fahren seien. Bei solchen Aussagen muss ich aufpassen, kein Schleudertrauma beim Kopfschütteln zu bekommen. Irgendwas ist wohl doch anders im (Doppel-)X-Chromosom, wenn ich mir so die Politik von Frau und deutscher Kanzlerin angucke. Andererseits, es war wie immer ein spannendes Jahr in dem mir mein Sohn große Freunde gemacht hat. Trotzdem, ich bin nicht ganz unglücklich, dass das Chaosjahr 2015 vorbei ist. Wird alles besser im nächsten Jahr? Nun, ich denke, für Unterhaltung wird auf jeden Fall gesorgt sein.

Zum Abschluss noch ein Tipp an die taiwanische Politikerin Tsai Ingwen, die ja vermutlich im Januar zur ersten Frau auf dem Präsidentenstuhl in Taipei gewählt wird: Sollten Sie, liebe Frau Tsai, irgendwann mal Frau Merkel auf irgendeiner Konferenz treffen, dann schütteln Sie ihr bitte nie die Hand. Wer weiß, vielleicht ist es ja ein Virus oder irgendwas in der Art, das nur weibliche Entscheidungsträger befällt.

Sonst gilt wie immer "wir schaffen das", womit das Erreichen des Jahresendes gemeint ist. Ein frohes Weihnachtsfest allen Leserinnen und Lesern. Bei mir wird es entfallen, ich sitze in der Firma und programmiere an dem immer komplexer werdenden Management-Tool für die Abteilung hier, mit dem mittlerweile die ganze Truppe von 40 Leuten ihre Projekt- und Urlaubsplanung macht. Als ich neulich beim Kurztrip in Macao meine Frau ansprach, da rief sie unwirsch, sie sei beschäftigt und ich möge sie in Ruhe lassen. Um 22 Uhr im Hotelzimmer am Wochenende. Auf ihrem Bildschirm sah ich das Projekt-Scheduling-Fenster des von mir entwickelten Management-Tools. Na warte, wird Zeit, dass das Ding eine Message-Funktion kriegt, die ich auf Knopfdruck vom Handy aus starten kann. "Be nice to the developper of your program" sollte dann auf dem Bildschirm erscheinen ;-)

* Hoteldeko aus Macao, etwas dramatisch beleuchtet von mir in Photoshop

Kommentare:

Maxe Mueller hat gesagt…

Hättest du denn die Möglichkeit in Manila für die alte Firma weiterzuarbeiten, oder es ist das keine Option für dich? Wünsche auf jeden Fall einen guten Rutsch und ein gutes Neus ! Immerhin scheint auf das Wetter in Taiwan derzeit mehr Verlaß zu sein, als hier in DE. Ski fahren fällt heuer aus.

"Ludigel" hat gesagt…

Danke gleichfalls. Meine Frau merkte an, dass unser Arbeitgeber für sonst in China in Auftrag gegebene Software nur Tiefstpreise zahlt, also etwa 10.000 NT für eine größere Software. Das sind gerade mal um die 250 Euro und eine zweimonatige Alleinarbeit wäre da schon drin. Lohnt also höchstens zur Langeweilebekämpfung.

Da nach wie vor ein Teamleiter von einem Parallelteam behauptet, er würde meine komplette SW-Entwicklung für mich schreiben und versucht an Sourcecode zu kommen und dann die Namen von meinen Entwicklern und mir rauseditiert und seinen rein setzt - ist es leider wahrscheinlich, dass eben dieser bei meinem Weggang mit Entwicklungen betraut würde. Die er allerdings nicht macht weil er nicht kann. Aber er hat halt Sino-DNA und das bedeutet hier eben viel. Er ist durchaus erfolgreich mit seinem asiatischen Lug-und-Täuscher - Spiel, das können sie halt gut. Hat er einen Aufgabenbereich an sich gezogen, findet dort nichts mehr statt. Weil er halt nicht kann. Aber merkwürdigerweise sind dann doch alle zufrieden. Das sind halt die Mysterien der taiwan-chinesischen Arbeitswelt, wo die gemeinsame Kultur und das abendliche Gambei-Trinken eben mehr zählen als alles andere. Aber warum auch nicht, ich bin vollends mit der Entwicklung eines sehr komplexen Managementtools befasst. Man ahnt es schon, sollte er mal davon hören, wird er sagen, er sei es gewesen ;-)