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Donnerstag, Dezember 17, 2015

Horror-Massage

Ouch, chinesisch-traditionelle Massage für Ludigel

Seit September plagt mich nun ein mysteriöses Leiden, für das ich gleich vier verschiedene Diagnosen von fünf Ärzten habe (einer hat sich enthalten und nur stumm Tabletten verschrieben). Plus einer halben Invaliditäts-Diagnose des bevorzugen chinesisch-traditionellen Massagisten meiner Frau. Und das Phänomen, dass die Symptome immer schlimmer wurden. Erst war es angeblich ein Nierenstein, dann eine angebliche Niereninfektion, dann plötzlich die Prostata oder doch eine angeblich schiefe Wirbelsäule (he, dat Dings sieht aus wie immer da hinten!) oder doch nur Verspannungen? Aber auch der Arzt, der Verspannungen, die angeblich an den Nieren zerren diagnostizierte, verschrieb starke Tabletten. Die halfen auch nicht und die Tablettenbox, die ich mir zugelegt hatte, ging kaum noch zu. Da merkte ich schon, dass folgender Leitsatz galt:

Desto weniger der Deckel der Pillenbox zu geht, desto schlechter geht es mir.

Weil ich das ganze Sammelsurium an Medikamenten ja auch geschluckt habe. Immer mehr, weil nichts half. Und letztlich überlegte ich, was denn nun wirklich passiert sein könnte.

1.) Ich hatte im September beim Rumtoben mit Junior auf einem Hindernispacours, den man nach asiatischer Art natürlich nur in Socken bestreiten durfte, einen kleinen Unfall, weil diese gottverdammten Gummibälle, die die Betreiber da eingestreut haben, mich zum Absturz und harten Auftreffen auf dem rechten Fuß brachen. Der dann verarztet werden musste.

2.) Danach gingen die angeblichen Nierenprobleme -rechts- los und ich hatte unseren Sohn (4) bei diversen Kurztrips und Urlauben viel durch die Gegend getragen, wenn er müde war. Wobei mir zusehends Arme und Leistengegend weh taten.

Also war die Lösung offensichtlich. Ich nehme kaum noch was aus der Pillendose (nur noch gegen Erkältung), trage Junior nicht mehr - und siehe da, schon geht es mir täglich besser. Alles war nur ein Verheben und Verknacksen und kein Nierenstein, keine Prostata und kein sonstwas. Zwischendurch hatte ich dann noch auf Frau und Mutter gehört und die erwähnte chinesisch-traditionelle Massage "genossen". Da wurde an allen wunden Teilen herumgedrückt und mir erzählt, er wolle mir durch Massage die "Wirbelsäule richten".
Wieder mal bin ich mit einer Kleinigkeit fast Opfer des Behandlungswahns der hiesigen Ärzte geworden, woran ich natürlich auch selbst Schuld war. Weil ich brav alle Pillen schluckte und immer mehr Ärzte konsultierte wenn es nicht geholfen hat und damit offensichtlich nur künstliche Symptome durch Nebenwirkungen der Medikamente oder laienhaftes Herummassieren-lassen an gestressten Körperteilen erzeugt habe.

Die Lösung ist Ausruhen und keine Pillen schlucken gewesen, so einfach wie das ist.

Das Spektakel hatte ich jetzt schon zweimal, siehe die Geschichte mit dem angeblichen Herzfehler oder meiner angeblichen Magengrippe. Jedesmal war die Lösung, die Pillen wegzuwerfen und einfach "Hausmittel" wie Ruhe oder Gymnastik oder eben Besuch der schmierigen Firmenkantine einzustellen.

Vielleicht lerne ich es jetzt endlich mal. Wenn nicht, kommt hier im Blog - das ich dann Hypochonder.com nennen kann - bald eine Geschichte von der Leber. Denn Herz, Niere und Magen hatten wir jetzt schon ;-) Und alles war eigentlich gar nix.

Von wegen Prostata, pah. Als "junger Vater" kann das gar nicht sein.

Ach ja, meine Frau hat auch schon eine Rollstuhldiagnose vom chinesisch-trad. Massagisten. Tolle Diagnosen haben sie hier immer. Das schärfste war mal eine angebliche "Autoimmun-Krankheit" die ich hätte haben sollen und die unheilbar gewesen wäre. Man kann hier in Taiwan mit seinen vielen Ärzten an jeder Straßenecke schnell zum Hyperchonder werden, wenn man auf die ganzen Diagnosen hört.



NACHTRAG: Letztlich war es der lokale HNO-Arzt, der mir den Tipp gab, einfach nur die Erkältung zu behandeln und alles andere bleiben zu lassen. Man muss halt aufpassen, nicht dem Pillenwahn zu verfallen ;-)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Könnten Sie den Hno-Arzt, der Ihnen den guten Rat gegeben hat auch namentlich erwähnen? Da er mangels überflüssiger Behandlungen pro Patient wohl eher wenig verdient, wäre es doch nur fair für ein volles Wartezimmer bei ihm zu sorgen.

"Ludigel" hat gesagt…

Das ist www.hungclinic.com.tw

Der mit Lok im Wartezimmer. Wie fast immer in Twn muss man das www. tippen.

Alexander Kluge hat gesagt…

Zu meiner schmerzlichen Erfahrung mit Taiwan kann ich nur Gutes berichten.

Ich hatte in Deutschland jahrelange Probleme mit dem rechten Halswirbel und das Ganze strahlte bis in die Schulter rechts sowie tiefer aus.

Die Standardsachen (Fango, Massage, Wärme, Akkupunktur, Einrenken, Tabletten, Nervenstimulation) haben immer nur temporäre Hilfe gebracht.
Bei meinem ersten Besuch in Taiwan habe ich in Taipeh eine Tuina (so korrekt?) Massage von einer Stunde gewählt.

Die etwas ältere Dame hat sehr rabiat durchgeknetet und meinen Rücken zielgerichtet auf der richtigen Seite sehr in Mitleidenschaft gezogen. Einige Stunden später sagte mein Frau im Hotel, nachdem das T-Shirt ausgezogen war, das ich mir dringend mal das Foto meines Rückens ansehen soll: Es war alles gelb und blau.

Aber was soll ich sagen? Seitdem hatte ich nie wieder Probleme mit diesen Stellen und manchmal wünsche ich mir, das es diese Massagen hier in Deutschland (oder aktuell lebend in Brüssel) geben würde.

Ein Nachtmarkt daneben wäre dann auch noch sehr nett. Stinky Tofu findet man ja leider nicht in Europa.

"Ludigel" hat gesagt…

Danke für das Feedback. Wenn es nicht weg geht, ziehe ich es nochmal in Erwägung. Einstweilen versuche ich es erst mal in Ruhe...

Damned, die zweiten 49 Jahre werden gesundheitlich viel spannender als die ersten, ich merke das schon.