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Dienstag, April 22, 2014

Keine Bahn-Ermäßigung mehr für Ausländer?

In Taiwan ist Diskriminierung völlig normal. Natürlich unterscheidet man zwischen Inländern und Ausländern. Und die sollen gefälligst mehr zahlen

Wer Taiwans "High Speed Rail"-Zug nimmt, also den Hochgeschwindigkeitszug basierend auf dem japanischen ICE-Gegenstück, bei dessen Organisation im Fahrbetrieb übrigens deutsche Zugführer behilflich war, erhält eine Ermäßigung, wenn er geistig oder körperlich behindert, hohen Alters oder unter 12 Jahre ist. Nach dem Vorschlag des "Control Yuans" in Taiwan sollen diese Ermäßigungen in Zukunft für alle Ausländer entfallen, weil die Ermäßigungen schließlich von taiwanischen Bürgern subventioniert werden.

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/04/17/2003588248

Nach diesem Vorschlag müsste also etwa der ausländische Ehepartner eines taiwanischen Bürgers, der in Taiwan im Berufsleben Steuern gezahlt hat und im Greisenalter angelangt ist oder eben etwa aufgrund eines Unfalls behindert ist, den vollen Fahrpreis zahlen, weil er nicht die hiesige Nationalität hat.

Persönlich habe ich mich schon oft gefragt, was der "Control Yuan" eigentlich so treibt. Das ist eine Regierungsinstitution, die auf das Staatsprinzip von Dr. Sun Yat Sen zurückgeht, der Gründer der Republik China auf dem chinesischen Festland war. Seit der Flucht der chin. Regierung 1949 vor den Kommunisten wird die Republik China auf der Insel Taiwan (die 1895-1945 japan. Kolonie und vorher lose an das chin. Kaiserreich angebunden war) fortgeführt, weshalb es hier die Yuane gibt. Der Kontrollyuan soll dabei offenbar die klassischen drei Gewalten Legislative (vgl. Legislativer Yuan aka Parlament), Exekutive (vgl. Exekutiver Yuan, Regierung im engeren Sinn mit Premier an der Spitze) und Judikative (vgl. Judikativer Yuan, die Oberaufsicht der Gerichte) ergänzen. Außerdem gibt es noch den Prüfungs-Yuan, der die Befähigung der Beamten prüfen soll.

Taiwan grenzt strenger als etwa westlichen Länder zwischen "eigenen Leuten" und Fremden ab und das Fehlen eines Diskriminierungsverbot führt immer wieder zu von Ausländern als unfair wahrgenommenen Regelungen oder auch merkwürdigen Situationen im beruflichen Alltag, etwa wenn Afroamerikaner hier zu hören bekommen, sie könnten wegen ihrer Hautfarbe nicht richtig Englisch sprechen (bei Bewerbungen für einen Englischlehrerjob). Doch ich sage immer, man soll sich in Taiwan nicht beschweren. Die Maßstäbe, was eine ordentliche Behandlung von Ausländern ist sind eben international niedrig, wenn man sich anguckt, was einem jedenfalls als "Johnny Weißbrot" in anderen Kulturkreisen widerfahren kann. Kein Grund zur Klage also im bestens kontrollierten Taiwan.

 

Kommentare:

Xinxi hat gesagt…

Das geht sicher nicht so sehr gegen uns Langnasen, sondern eher gegen festlandchinesische Partner von "echten" Taiwanesen.
Nach den ganzen Protesten gegen wirtschaftliche Öffnung (gegenüber China) waren solche populistischen Aktionen ja zu erwarten.
Allerdings bedeutet das eventuell einfach, dass der taiwanesische Partner die Karten kaufen muss. Zwischen populistischen Vorschlägen und tatsächlicher Durchführung liegen schließlich Welten.
Ach ja: Als Gegenbeispiel seien hier die Büchereien in Kaohsiung angeführt. "Wir" haben jetzt sogar vietnamesische, burmesische, malaysische und thailändische Abteilungen, damit - in der Theorie - Neubürger aus Südostasien auch mal gute Bücher lesen können.
(Und wo wir bei den Ausländern in Taiwan sind: Die deutschen Lokführer und Ingenieure haben unter den hiesigen Schönheiten krass abgeräumt. In meinen Deutschklassen waren nicht wenige bildhübscher Damen, die so einen deutschen Siemens- bzw. Bahnmenschen geheiratet haben.)

"Ludigel" hat gesagt…

Damned, deswegen wollen die kleinen Jungs alle Lokführer werden...

Karl hat gesagt…

Ich denke Du hast einen interessanten Teil in Taiwan verpasst. Die Chance hinterher verheiratet zu sein ist sehr hoch. Ist auch mir so passiert.

"Ludigel" hat gesagt…

Lokführer in Asien, das ist also das Geheimrezept!

Karl hat gesagt…

Beruf ist egal solange noch English teacher

Xinxi hat gesagt…

Bis vor Kurzem waren doch Zweit- und Drittfrauen hier bei taiwanesischen Männern weit verbreitet. Wenn demnächst Heiraten "genderneutral" anerkannt werden, kommt die Vielehe sicher auch wieder ins Gesetzbuch. Da hat Ludigel - bei Interesse - noch jede Menge Chancen :)