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Freitag, Juli 20, 2007

Stammer and Euthanasia - Stottern und Euthanasie


GERMAN below, DEUTSCH unten !!!

Just a short summary of this long German blog entry. It describes how my father, who was born in 1933 was supposed to go to a "camp" in the Luneburger Heide around 1940, as his stammer or stutter problem was regarded as a metal handicap by the Nazis. And it is known today that those Luneburger Heide camps had a lot of children submitted to Euthanasia.
Clearly, stammer is no mental handicap, but rather a learned wrong speech pattern. Only by having someone in the family with influence within the local Nazi bureaucracy (we also hat a commie, so statistically we are balanced) this could be avoided and instead he joined an anti-stammer training in his hometown Hannover, which was meant to be for offspring of rich and industrial people and not for a worker son like him. However, it was a strict and successful breathing and "form mouth correctly" education. One of the children always happened to be accompanied by to guys in long coats. They were his bodyguards and he finally told my dad his name would be Goebbels, which would make him the son of the infamous Nazi gov. minister of propaganda. He was not supposed to reveal his identity, he said.
Note, Goebbels had his children shown in an euthanasia propaganda film as examples for clean , sweet and healthy children as opposed to sick and handicapped children which better were "executed" by euthanasia, according to the sick believes of the Nazi government.


GERMAN / DEUTSCH:
Jetzt sind wir so weit von der kleinen Insel Formosa in meinem Blogtitel entfernt, wie man überhaupt nur sein kann. Statt über meine Wahlheimat Taiwan zu berichten, wollte ich endlich meinen Bericht über die Greifenhofer-Stottertherapie abschließen, doch da kam mir als nunmehr vierter Teil meiner Stottersaga ein Kapitel der Familiengeschichte in den Sinn, das mit dem Dritten Reich zusammenhängt und das man sonst nie findet. Nicht umgeschrieben werden muss sie, die Geschichte des Dritten Reiches, aber eine kleine Fußnote könnte diese Geschichte für Historiker in bestimmten Biographien schon ergeben.

Doch zur Sache: Mich befiehl das Stottern im Alter von sieben Jahren und auch mein Vater hatte es mit sieben Jahren bekommen, sprich im Jahre 1940. Im Gegensatz zu mir war bei ihm ein Balken dafür verantwortlich, der auf einer Baustelle auf ihn herunter fiel. Das ich es im selben Alter bekam nenne ich einen Familienfluch :-)

1940 war das garnicht lustig, der Mainstream der Deutschen war zackig und millitärisch, redete kurz und knapp und stoßweise und im Lehrerzimmer in der Schule knallten wohl auch manchesmal die Hacken zusammen, wenn der Herr Direktor Anweisungen gab. Kinder wurden eh viel geschlagen und stotternde besonders. Stottern galt damals fälschlicherweise als geistige Behinderung (in Wirklichkeit ist es manchmal das Ergebnis einer kleinen motorischen Störung, oft nur eine eingeschliffene falsche Atem- und Sprechweise aus dem Kindesalter etc.) und solchen waren die Nazis nicht zugetan. So trat dann die Schulbehörte ehr fordernd als fragend an die Eltern meines Vaters mit dem Vorschlag heran, ihn zu einer Klinik in die Lüneburger Heide zu verschicken, zu anderen behinderten Kindern - dauerhaft.

Ich weiß davon, dass in der Lüneburger Heide viele Euthanasiekliniken des Dritten Reiches lagen und viele behinderte Kinder dort ermordet worden. Ein Kapitel, dass medizingeschichtlich wohl noch nicht so aufgearbeitet ist, wie es sein könnte. Haben doch die Herren Doktoren und die todesspritzehaltenden Schwestern ihre Karrieren nahtlos fortgesetzt. Jedenfalls findet sich sonst nichts vom Stichwort "Stottern und Euthanasie", im ganzen WWW finden sich dazu nur Andeutungen. Auch das ist wohl ein wenig erforschtes Gebiet.

Num war meines Vater Vater ein in kommunistischen Gruppen Aktiver in Hannover gewesen und mit dem Regime auf schwierigem Fuße, wurde öfter mal zu Vernehmungen zur Politpolizei geladen, die er allerdings dank eines ihm deckenden ehemaligen SPD-Polizisten bei der Kripo recht gut überstand (später verschwand dieser Kriminalbeamte im Rahmen der weiteren Verfolgungen von verdächtigen Regimegegnern nach dem Reichstagsbrand). Jedenfalls läuteten bei ihm die Alarmglocken und der Familienrat konnte einen Verwandten auftun, der in der lokalen NSDAP-Hierarchie wohl etwas höher geklettert war. Niemand hat mir je gesagt, wer das war und was er war, da Schweigen alle in der Familie fulminant. Jedenfalls brachte dieser Jemand es fertig, dass mein Vater aus dem Lüneburger-Heide-Programm wieder verschwand. Stattdessen bekam er einen Platz in einer exklusiven Sotterertherapie, wie es sie wohl nur einmal oder jedenfalls nur selten im Deutschen Reich gab. Denn Stottern war pfui, für Behindertenintegration, wenn man denn Stotterer dafür hält, hatte man in der NSDAP nichts übrig.
Dieser Anti-Stotterkurs wurde von einem Professor geleitet, mein Vater weiß den Namen noch, genau in Hannover-Döhren, wo auch die Familie meines Vaters lebte. Fährt man am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer vom hannoverschen Stadtzentrum Richtung Süden/Hildesheim entlang, so ist diese Uferstraße just in Döhren zu Ende. Es geht dann nach rechts nach Hemmigen und nach Links nach Döhren hinein. Genau da, wo die Straße zuende ist, steht aber eine alte Schule, noch heute in Betrieb. Die hatte einst einen Anbau, der erst in den Achtzigerjahren abgerissen wurde. Ihn zierte früher das Relieff eines HJ-Jungen, hat mein Vater mal erzählt. Nach dem Krieg wurde der kleine Fahnenträger immer wieder übergestrichen, kam aber immer wieder als dunkler Schatten auf der Fassade hervor, bald 20 Jahre lang. Ganz so leicht ist es eben mit der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland nicht.

Dort in dem Anbau gab es jedenfalls eine regide Atem und Mundformtechnik, sehr preußisch anmutend, die meinem Vater das Stottern abgewöhnt hat. Seine Mitschüler waren nur prominente Kinder, alles Industriellensöhne, sagte mein Vater. Hingegen arbeitete meine Familie damals in der Döhrener Wollwäscherei, gleich hinter der Schule.

Als einziges Arbeiterkind wirkte er vielleicht fehl am Platze in nobler Kapitalistensprossrunde, doch der merkwürdigeste Geselle war ein ganz scheuer Junge, der immer mit Personsnschutz ankam. Er sprach kaum und angesprochenerweise sagte er zunächst nur, dass er mit keinem reden dürfe. Zwei Männer in langen Mänteln bewachten ihn zu jeder Zeit.

Zu guter Letzt hat er jedenfalls doch geredet. Ich bin der Göbbels, sagte er. Mein Vater ist niemand, der sich Geschichten ausdenkt, ich denke auch, dass es unwahrscheinlich ist, dass im Dritten Reich jemand in dieser Situation dieses fälschlich behaupten würde. Göbbels jedenfalls hatte mehrere Töchter, deren Namen alle mit H beginnen, und nur einen Sohn namens Horst.
Später verschwand Horst, als sich der Krieg dem Ende zuneigte, sagt mein Vater.
Wir alle wissen, wie die Familie Göbbels zu Tode kam.

Eine Geschichte, die mir vielleicht wieder einmal keiner glaubt. Wer historisches Interesse hat, kann sich mit mir unter ruediger AT teichert-online DOT de in Verbindung setzen (Adresse zum Schutz vor Spamrobotern verklausifiziert: man ersetze AT und DOT durch Klammeraffe und Punkt).

Eine Fussnote in diesem Zusammenhang ist, dass die Göbbelskinder in einem Film als leuchtende Vorbilder im Gegensatz zu erbranken Kindern gezeigt wurden. Ein Euthanasie-Propagandastreifen von Herrn Göbbels.

Ich hingegen finde, dass die Horsts und die anderen Kinder auch dann leben sollen, wenn die Stimme knarrt, oder sie hinken und rasseln und was auch immer. Das sollten sich diejenigen, die hier im Forum Propaganda für die NPD machen, hinter die Ohren schreiben.

Nazis haben verloren, Papa hat überlebt und ergo gibt es dieses Blog.
Merkwürdig, dass das große Goebbelsche Geheimnis scheinbar bis heute gehalten hat, nirgens finden sich Hinweise auf einen stotternden Goebbelssohn.
Aber wie gesagt, Horst durfe mit niemanden drüber reden.

ENDE der Stottersage HIER: LINK

Kommentare:

Luo2 You1 hat gesagt…

Oh, hier füllt die Vision in Rot beim Klick den Bildschirm. Und ich dachte immer, Handy machen nur so winzige Bildchen. Es lohnt sich doch gelegentlich mal bei Bob Honest vorbei zu schauen.

Luo2 You1 hat gesagt…

... nur irgendwie war der Kommentar an anderer Stelle vorgesehen. Hm!

Stottern in Zürich hat gesagt…

Grausliche Geschichte, aber gut geschrieben.