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Montag, April 13, 2015

Horrorunfall auf Schwebebahn-Baustelle (Update)

Am Wochenende war ganz Taiwan geschockt. Ein riesiger Längsträger der in Taichung neu (aus)gebauten Schwebebahn ist auf einen PKW gestürzt

Öfter schon habe ich im Blog den Ausbau von Taipeis S-Bahn dokumentiert. Sie existiert entweder als U-Bahn oder als Schwebebahn, je nach Linie und heißt hier in Taipei immer MRT. In Taichung gibt es offensichtlich ein Äquivalent. Der Ausbau solcher Linien ist sehr wertvoll für Taipei und sicher auch Taichung, denn große Städte in Taiwan stecken in einem entsetzlichen Verkehrsinfarkt zur Rushhour fest. Und ja, es gibt auch Städte in Taiwan, die nicht mit Tai anfangen.


Hier im Bild ist die im Bau befindliche Schwebebahn in Taipei-Zhonghe (Jonghe) zu sehen. Die Konstruktion in Taichung sieht etwa genauso aus. Vor dem Bau der MRT (in den 90ern) hat die Luft in Taipei noch "in den Augen gebissen", schrieb einmal ein Expatveteran im Ausländerforum. Weil noch mehr Individualverkehr war. Also ich vor 10 Jahren kam, also 2004, war die Luft noch stark versmogt, ist heute aber schon deutlich besser. Wertvoll ist der Schwebebahnausbau also (hier durch eine blau gefärbte Fensterscheibe gesehen).

Diesen Freitag gab es um 17 Uhr im mitteltaiwanischen Taichung (Taizhong) jedoch einen schrecklichen Unfall. Der obere Längsträger, rechts mittig im Bild hier ein Gegenstück, ist während des Einsetzens herunter gekracht. Deutlich sieht man in einem im TV gezeigten (PKW-) Dashcam-Video den befestigten Kran schwanken. Das schreckliche Ding, das wohl über 200 oder gar über 2000 Tonnen schwer ist (widersprüchliche Info) kracht mitten in eine zugestaute Baustelle, denn Verkehr inklusive unzählige PKWs und sogar Omnibusse geht wie übrigens auch hier in Taipei ständig durch die Baustelle. Ein SUV mit einer Fahrerin in den 40ern wird völlig zerstört, die Fahrerin war wohl sofort tot und hinterlässt zwei kleine Kinder.

  Auch hier im Bild ist links die MRT-Konstruktion in Taipei zu sehen. Eigentlich habe ich dies Foto hier in Taipei-Zhonghe gemacht um einmal eine Horrorkreuzung zu zeigen, an der ich schon zwei Unfälle gesehen habe, während sie stattfanden. Sowohl die PKWs der Straße in der Bildmitte hinten (unter dem roten Werbeschild) und PKWs die aus der Straße von links kommen (siehe Fahrbahnpfeil links über Motorroller) haben hier nämlich gleichzeitig Grün! Die gelben Verkehrsinseln zur Warnung sind erst kürzlich angelegt worden, um die Situation etwas zu entschärfen. Eine sehr gefährliche Ecke war das immer.

Im Falle des Unfalls in Taichung sind Regeln nicht eingehalten worden. Arbeiten wie diese hätten nur zwischen 23.30 und 5.00 Uhr stattfinden dürfen. In dem herabstürzenden Träger befanden sich 7 Arbeiter, von denen 4 bereits ihren Verletzungen erlegen sind.


Update: Als ich noch in Taoyuan gewohnt habe, stand ich einmal zu nächtlicher Stunde im Stau und einer nervigen weiträumigen Umleitung, weil da gerade ein Schwebebahnbalken der Taipei-MRT (die bis Taoyuan ausgebaut wird) eingefügt wurde. Eigentlich muss so ein Einbau 3 Tage vorher angemeldet werden und dann sperrt die Polizei weiträumig ab. So war es jedenfalls in Taoyuan. Es war eindrucksvoll damals den Einbau des riesigen Querbalkens zu beobachten. Irgendwie gibt es aber auch den Trend zu größerer Laxheit in Taiwan. Schwerlastfahrzeuge mit Überbreite und Kranausleger hatten noch vor wenigen Jahren Begleitfahrzeuge mit Warnlicht um sich. Heute eiern sie einfach so durch den Verkehr...
 

Dienstag, April 07, 2015

Ganz entspannter Unfall

In Taiwans "Gräberputzfest", das ich immer "taiwanische Ostern" nenne habe ich einen ganz fernöstlich-entspannten Unfall erleben dürfen

Meine Dashcam müsste es sogar aufgezeichnet haben, obwohl ich das Video noch nicht hervorgeholt habe. Auf einer wenig befahrenen Strecke war mein VOLVO die Tage unterwegs, mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit auf einer zweispurigen Schnellstraße (80 oder so) schwebte ich langsam ganz entspannt über die linke Spur, rechts vor mir 50m entfernt etwa und nicht viel langsamer erst eine Familienkutsche (so ein Kompakt-Minivan, wozu eben die Kombis heute mutiert sind) und davor ein großer LKW. Alle nicht viel langsamer als ich. Hätte der "Kombi" links einscheren wollen wäre das ganz einfach gegangen. War reichlich Platz vor mir und er hätte einfach rüber ziehen können. Oder er hätte gar abgewartet bis ich überholt habe. Was aber eher taiwanuntypisch gewesen wäre: Vor einen überholenden oder in diesem Fall langsam vorbei rollenden Wagen zu ziehen ist immer besser als dahinter, so lernt man hier wohl auf der Fahrschule. Hat der Kombi aber auch nicht gemacht sondern blieb einfach, während ich eben die erwähnten 50m oder so hinter ihm war, auf der rechten Spur und schien dann bei dem LKW extrem dicht aufzufahren - wobei er sich diesem mit kaum Differenzgeschwindigkeit von hinten genähert hat. Da wunderte ich mich noch, dass der LKW scheinbar "Ladung verlor", fuhr elegant um diese schwarzen Kunststoffstücke herum und zog langsam meines Weges. Auch weil der LKW und der Kombi einfach weiter gefahren waren, mehrere Sekunden lang. So herrlich entspannt waren wir alle und der Kombi hatte jetzt sogar wieder Abstand gewonnen. Sah mir gar nicht wie ein Unfall aus. LKWs verlieren ja immer Ladung hier in Taiwan, das lernen die Fahrer sicher so während der Ausbildung. Ruff uf de Pritsche un gut is. Und Autos fahren hier auch immer dicht auf. Alles normal so weit.

Bis dann Frau von einem Unfall redete und ich mir die Szene im Rückspiegel noch mal genauer ansah. Die schwarzen Kunststoffteile auf der linken Spur hatten in der Tat etwas Ähnlichkeit mit einer Stoßstange oder Frontschürze und der immer noch weiter fahrende Kombi sah vorne etwas verändert aus. Eingedrückt eben. Aber nicht im Fahrgastzellenbereich, dazu war der Crash auch zu gering gewesen. Beide in den Unfall verwickelte Fahrzeuge hielten jetzt auch an. Ich fuhr jedoch weiter, was politisch korrekte Leser vermutlich scharf einatmen lässt. Aber erstens haben sowohl Frau und ich zusammen als auch ich allein schon mehrere straßenverkehrsbezogene angedeutete  Angriffe durch taiwanische Verkehrsteilnehmer erlebt (Motoraufheulen, auf einen zufahren als Fußfänger* bzw. Attacken mit Herumschreien und rudernden Armen nach Wegabschneiden mittels des PKWs auf der Autobahn**), dass wir uns nicht ohne Not in eine sicher alsbald emotional aufgeladene Situation begeben wollten. Taiwaner benehmen sich im Straßenverkehr nun mal wie tobende Irre und sogar das Verklagen oder falsche Beschuldigen von Unfallhelfern ist in Taiwan Normprogramm. Sah ja auch alles wie ein Blechschaden aus, der verunfallte Kombi wurde langsam und ordentlich zum Stehen gebracht und so sollten sie eben ihre Angelegenheiten selber regeln, ganz wie es der weise Lehrer Konfuzius auch verlangt.

Auf einer taiwanischen Schnellstraße anzuhalten wäre auch eine eher suizidale Tat, so wie hier immer wieder "ohne zu gucken" auch über die Standstreifen gebrettert wird.

Weil auf der Hochstraße, auf der wir uns befanden, gerade ein besonders schönes Panorama von Taipei 101 und dem Stadtrand Taipeis zu sehen war, wird der Fahrer vermutlich aus dem Fenster geguckt haben und ist daher langsam auf den vor ihm fahrenden LKW aufgefahren.

* 2x durch Zuparker des Familienparkplatzes
** weil der andere Verkehrsteilnehmer auch hätte die Spur wechseln wollen als wir gewechselt haben



Montag, April 21, 2014

No country for pedestrians

Unfall am Sonntag, während ich Essen vom Diner hole. Titel des Postings frei nach dem Spielfilm "No country for old men". Taiwan ist definitiv kein Land für Fußgänger (Pedestrians).

Bei uns um den Block gibt es viele bürgersteiglose enge Wohngassen. Da fiel mir öfter mal ein Skoda Yeti auf, der mit nach meinen Begriffen zu hoher Geschwindigkeit an mir vorbei raste. Zugeparkte Hauseingänge sollten eigentlich zu vorsichtigerer Fahrweise verleiten - nach deutschen Maßstäben. Tatsächlich ist mir der Skoda nur aufgefallen, weil es ein seltenes Auto in Taiwan ist, das mir recht gut gefällt. Praktisch jeder rast hier zu schnell durch.

angeerfahrener Fußgänger, Skoda Yeti


Erst neulich hatte ich ihn einem anderen Stadtteil Taipeis Probleme, bei Grün über die Fußgängerampel zu kommen. Unzählige Rechtsabbieger, bestehend aus LKWs und Motorrollern, fuhren einfach durch und wollten mich nicht passieren lassen. Erst als ich mit dem Regenschirm buchstäblich in einer Lücke zwischen schnell heran kommenden Mopeds auf den Asphalt eindrosch und laut "STOP IT!" schrie, durfte ich auf den letzten Sekunden Grün passieren. An grünen Fußgängerampeln lebt man in Taiwan gefährlich.

Hier auf dem Foto in NeiHu, Taipei, etwa 100m von meiner Wohnung entfernt, ist auch ein beampelter Fußgängerüberweg, über den Unfallhergang weiß ich aber nichts. Rechts bei den Gasflaschen ist eine Garküche, die fast immer Sonntags den neuen, kürzlich verbreiterten Bürgersteig mit Esstischen zustellt - hier im Foto gerade einmal nicht. Der neue verbreiterte Bürgersteig wird auch immer wieder mit Kundenfahrzeugen aller möglichen Geschäfte zugeparkt. Auch ich weiche als Fußgänger neuerdings immer wieder auf die Fahrbahn aus, etwa wenn abends Fahrzeuge im 90 Grad-Winkel quer stehend vor Einfahrten den Bürgersteig verstellen.
Zebrastreifen und Fußgängerüberwege sind sowieso in Taipei Behelfsparkpläzte...

andere Kreuzung ganz in der Nähe

So ist es in Taiwan und die Stadt hält sich weitestgehend raus aus dem Geschehen, es sei denn das Hauptstraßen betroffen sind. Fußgänger sind immer bedroht in Taiwan, Autos, LKWs und Motorroller rasen oft bis auf Tuchfühlung, im wahrsten Sinne des Wortes heran, wenn es keinen Bürgersteig gibt und der Stärkere hat nunmal Vorfahrt.

 selbe Kreuzung wie beim Skoda-Unfall, andere Straßenseite, abends vor ein paar Wochen

Alltag in Taiwan. Ich halte oft mein Schlüsselbund links neben mich, um PKWs auf Abstand zu halten und strecke Motorrollern die Arme entgegen, damit sie mich nicht touchieren. In meinen Anfangsjahren hier (um 2006 oder so) gab es einen Unfall, da mussten die Eltern einer Elfjährigen den Schaden an einem Moped bezahlen, als das Mädchen angefahren wurde.

Alles anders hier, seid vorsichtig da draußen in Taipei.

Ähnlicher Fall:

http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/12/tod-vor-der-hausture.html

EDIT: Auch aus meiner niedersächsischen Heimat habe ich aber so eine Geschichte, ein roter Mercedes, der mich in der 30-Zone (da gab es immerhin eine) immer wieder nötigte. Mag sein, dass er sich durch meinen BMW herausgefordert fühlte, der da mit 40 Tacho lang fuhr. Er bremste manchmal nötigend vor mir ab und fuhr etwa 70 bis 80 in der Straße. Das wird böse enden, dachte ich mir. Später fuhr der Wagen zwei Radfahrer an, ein junger Mann tot, einer querschnittsgelähmt, nachts auf der Landstraße. Mercedesfahrer war betrunken.  

Donnerstag, September 12, 2013

"Rude, vile pigs" in action

Elton John bezeichnete taiwanische Reporter einst als "rude, vile pigs", irgendwas wie rüpelhafte obszöne Schweine auf Deutsch und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die Presse in Taiwan ist völlig ungehemmt was die Verletzung von Persönlichkeitsrechten angeht und fährt insbesondere immer wieder Hetzkampagnen gegen einzelne Ausländer. Jüngstes Beispiel, ein Franzose ertrinkt in einem Fluss, die Reporter bedrängen die Freunde des Toten massiv während der Bergung und danach und forcieren durch ihre freche Art und Vollpfostenaussagen (wie: er wäre nicht ertrunken, wäre er nicht schwimmen gegangen) den verständlichen Erregungszustand einer Französin. Passend geschnitten zeigt das Video dann eben einen unverschämten Ausländer.
Erinnert mich an einen anderen, weniger dramatischen Fall, wo eine Amerikanerin mit ihren Einkäufen einen Sitz in der Stadtbahn hier blockiert, ihn nicht für eine Seniorin freimacht und daher ihren Job beim AIT (American Institut in Taiwan) verliert, wie später im Ausländerforum angedeutet wurde. Nur dass vor der Amerikanerin offenbar ein freier Sitzplatz speziell für Senioren und Behinderte etc. erkennbar war (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html).
Leider kann solche Berichterstattung auch den Umgang der Taiwaner mit "Westlern" extrem beeinflussen, wie ich erst vor einiger Zeit nach der exzessiven Berichterstattung über einen  britisch/indisch/pakistanischen "Todesfahrer" bemerkt habe (das Taiwanblog hatte mehrfach berichtet).

Genaueres über den aktuellen Fall muss ich gar nicht schreiben. Wie ich heute Morgen gesehen habe, ist der Fall sachlich in "Linda in Taiwan" geschildert: http://lindaintaiwan.wordpress.com/2013/09/11/franzose-in-hualien-ertrunken/.  Das Blog ist ohnehin ein Tipp ;-)

Mein herzliches Beileid für die Hinterbliebenen. Ich kenne die Gewässer in der Gegend um Hualien als höllische Ströme, bitte dort draußen bleiben aus dem Wasser. Auch wenn ich über die genauen Umstände hier natürlich nichts sagen kann.

***

Wie immer gilt für mein Blog, dass man das aufschreibt, was einen besonders beschäftigt hat. Und bei mir als jemand aus dem normalen taiwanischen Alltag (im Gegensatz zu Urlaub etc.) sind das eben auch oft negative Vorfälle. Daher sollte der geneigte Leser beachten, dass der Alltag in Taiwan eben nicht durch solche Vorfälle bestimmt ist, sondern durch völlig normales Tagein-Tagaus.

Freitag, März 02, 2012

Hit in der Mittagspause: Kind fällt aus Auto

Den Fernsehbeitrag, der eben in der Mittagspause die Kollegen ihren Reis mit Schnittlauchmett und Chinakohl (heißt auf Chinesisch übrigens Bo-li-zei, wohl irgendwie als Bolicai oder dergleichen zu schreiben in der Romanisierung) vergessen ließ, soll auch der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten werden:

http://www.youtube.com/watch?v=cJDmNJRdYJI&feature=g-all&context=G2dba9faFAAAAAAAAAAA

Im Ausländerforum Forumosa.com hatte schon wieder jemand das Video gefunden. Es handelt sich um einen der zahlreichen gelborangenen Kleinbusse, die hier mit einem Dutzend oder mehr Sitzen ohne Gurte ausgestattet sind, in denen dann taiwanische Vorschüler zur morgendlichen privaten Englischschule transportiert werden - oder auch taiwanische Schüler zur selbigen am Wochenende oder nach der Schule.

In dem Video sieht man, wie der Kleinbus um die Kurve fährt, sich die Heckklappe öffnet und ein Kind auf die Fahrbahn fällt, sich allerdings sofort wieder aufrappelt und dem Kleinbus hinterher läuft. Das gab recht viel Gekichere eben in der Mittagspause.

In den Jahren seit 2004, in denen ich hier bin, sind zwei Kinder in diesen Kleinbussen erstickt, weil sie sich unter den Sitzen versteckt hatten anstatt zum Unterricht zu gehen und schlichtweg dort vergessen worden sind. Dann stand der Bus mehrere Stunden in der prallen Sonne. Sicherheitsvorkehrungen wie ein Alarmknopf im Inneren oder eine von innen entriegelbare Nottür gibt es natürlich nicht.

Und wenn ich mir vorstelle, dass da ein x-beliebiger Unterschichtler mit blauen Strandschlappen an den Füßen betelnusskauenderweise am Steuer sitzt und einen Personenbeförderungsschein für einen Coupon für die Achterbahn halten würde, dann ist mir klar, dass mein Junior da niemals mitfährt. "Englishy", wie mein Lieblingsneffe sagt, kann er sowieso zu Hause lernen.