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Mittwoch, Januar 24, 2018

KMT contra Eppelmann (DDR-Bürgerrechtler)

Eine kleine stumme Mini-Demo der KMT-Jugend Taiwans gab es, als Rainer Eppelmann ein ehem. taiwanisches Gefängnis besuchte und sich auch mit einem politischen Gefangenen traf.

Weiterlesen im Blog von Klaus Bardenhagen, deutscher Journalist in Taipei.
http://www.intaiwan.de/2018/01/22/rainer-eppelmann-taiwan-reise-kriegsrecht/


Dienstag, März 03, 2015

Sömmerda, Stadt im Sozialismus

Auf meiner letzten Belgien/Deutschlandreise verbrachte ich natürlich ein paar Tage im Elternhaus, in dem mein "Jugendzimmer" noch immer auf mich wartet. In Niedersachsen, also den "alten Bundesländern". Dort fand sich im Schrank jedoch eine Reliquie aus der Zeit der Reisen in ein verlorenes Land, die "Deitsche Demogratsche Reppeblik" oder wie immer das damals genau hieß...

 "Sömmerda, unsere Stadt im Bild", oder eben ...


Eigene Fotos habe ich auch aus der DDR und manche auch aus Sömmerda, aber oft war das Fotografieren doch unterblieben, weil wir eben jedes Jahr zum Verwandtenbesuch "rüber" gefahren sind und es immer wieder gleich aussah. Da fotografiert man nicht, weil man denkt, dass Gewohnte würde ewig so bleiben. Nur ganz am Ende der DDR, allerdings noch bevor die "Wende" los ging, habe ich einmal die grauen Einfamilienhausstraßen Sömmerdas fotografiert, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, das könne nicht ewig so bleiben. Die Dias liegen bis heute im Diakasten irgendwo im Keller im Elternhaus. Es fehlt mir einfach die Zeit, sie dort mit dem Diascanner einzuscannen. Die "Platte" (will sagen die Plattenbauten) habe ich freilich nicht abgelichtet. Nur aus Ostberlin und von der Mauer habe ich noch ein paar Schüsse, aber viel weniger als mir lieb ist und noch viel weniger Zeit, das alles zu digitalisieren. Hier also daher schnelle Blicke in das Buch über das Städchen Sömmerda im Kreis Erfurt in Thüringen. Nur schnell und hektisch mit der Kamera abfotografiert am Stubentisch, statt den alten Pentium-3-PC mit dem Scanner im "Jugendzimmer" anzuwerfen.

Um das Urheberrecht habe ich mich jetzt nicht gekümmert, weil ich das VEB Irgendwasverlagsbuch als ein Zeitdokument ansehe, aber ich lasse mich da gerne von Rechteinhabern belehren. Man weiß ja nie, vielleicht hat ehemaliges geistiges Volkseigentum ja doch einen kapitalistischen Rechteinhaber heutzutage.


Neben dem alten Stadttor oben, das wir sogar "in Öl" haben daheim in Niedersachsen als mütterlich sömmerdastämmige Familie (freilich aus Vorkriegszeiten) hier die "Platte", die große Teile der Stadt dominierte. Innen waren es freilich passable Wohnungen.


Unzählige Male bin ich hier selbst langgefahren worden von meinem Vater oder bin in der Schlussphase sogar selbst gefahren. Links war gleich die einzige Tankstelle im Ort, ich weiß es noch. Mit einer Zapfsäule, die aussah wie in Filmen aus den 50er Jahren. Nie bin ich auf den Gedanken gekommen, hier zu fotografieren. Man dachte, es bleibt immer so in Sömmerda. Im Bild oben ist die Hütchenschlange zu erkennen, die die Fahrspur für die Tanke abbildet! Eben wiedererkannt. Leider fotografiert man immer das exotische, selten das Normale, auch wenn es dann später fast unbemerkt zum Exotischen mutiert. Eine Attraktion war es immer ein bisschen im Ort (etwa für autoverliebte kleine Jungen, die Passanten waren), wenn an der Tanke der silbermetallene BMW 525 meines Vaters betankt wurde, das weiß ich noch.

Negativ soll dieser Exkurs aber nicht werden, hier vor dem Klub der Volkssolidarität. Unsere Verwandten empfingen und herzlich (wie auch noch heute) mit thüringer Spezialitäten, u.a. hausgeschlachteter Mettwurst. Einmal habe ich noch als Schüler einen Schulfreund mitgenommen, der der Meinung war, man müsse in der DDR hungern wie in Entwicklungsländern. Zusammen haben wir dann den sömmerdaer Supermarkt in der Nähe inspiziert und  er sah ein, dass es zwar an Nahrungsmitteln keine Vielfalt gab, aber genug und zu erschwinglichen Preisen. Nur die spezielle privat geschlachtete Wurst, die gab es so nicht. Da haben die Verwandten natürlich immer das Extrafeine aufgetischt, wenn Besuch da war.

Eine versunkene Welt irgendwie, obwohl alles hier auf dem Foto wohl in Variation noch vorhanden ist.

Na ja, fast alles.



Viele Erinnerungen habe ich an die damalige Zeit. Die private Herzlichkeit, aber auch wie die Gespräche verstummten, wann immer der Gatte meiner Cousine herein kam, der im Computerwerk "Robotron" der "politische Beauftragte" war. Lassen wir den eigentlich blogfremden Exkurs hiermit gut sein ;-)

Dienstag, Juli 03, 2012

Wie ich die DDR ruiniert habe

Es ist nun an der Zeit die historische Wahrheit zu verbreiten. Vielleicht können wir ja aus den Untergängen vergangener Tage etwas lernen, wo doch gerade das Weltwirtschaftssystem, die EU und der Euro auseinander fliegen, während Kanzlerin Merkel Bücher schreibt und der Bundespräsident irgendetwas macht, was sowieso keinerlei Bedeutung hat. Sehen wir uns also den Untergang des bislang einzigen Arbeiter- und Bauernstaates an, den es je auf deutschem Boden gegeben hat und gucken wir, was wir da lernen können. Eingescannt kürzlich von alten Dias von 1985 und 1988.


Völlig uneingeladenerweise besuchte ich in dieser Zeit oft West und Ostberlin, hier der Blick aus dem Westen von der Siegessäule auf das Brandenburger Tor.

In der Ausschnittsvergrößerung sieht man die Mauer. Da wo Reagan dann später davor stand und herum geredet hat. Geändert hat er damit nichts, der Mauerfall ist ja anders zu erklären, wie dieser Artikel offenbaren wird.

Mit guten Bekannten inspizierten wir mehrmals die Grenzanlagen dieser Tage. Energisch riefen wir herüber "He Sie da im Wachturm.... ja Sie.... so geht das hier aber nicht, Mittelamerika mitten in Deutschland, ihr seit wohl verrückt geworden!"

Wir inspizierten und inspizierten und tranken dabei reichlich Berliner Kindl (unten links). Na, erkennt jemand seinen alten Ford Taunus wieder, coole Kiste!

So ein profanes Gefährt hatten wir aber nicht, wir reisten im Mitsubishi Space Wagon von 1984 an. Aber dazu mehr.

Wir inspizierten auch den wunderschönen Osten, wie aus dem Lehrbuch für Antidepressiva gebaut. "Wenn Sie sich morgens SO fühlen wie dieses Mietshaus, dann hilft nur UPPERITE forte!"

Wir bestaunten echte DDR-Bürger, die damals schon alle Rentner waren....

... und guckten zwischendurch immer wieder verwirrt auf die Uhr, weil es mitten in den 80ern aussah wie in den 50ern.

Na ja, mein 70er-Haarschnitt passte da ja ganz gut rein, da hatte ich mich noch nicht so ganz aktualisiert, hier unter der Uhr oder was immer das ist auf dem Alex stehend. Weiße Schuhe hatte ich damals... schick.

Tolles Muskelshirt auch damals. Warum bestellt mir meine Mutter soetwas heute nicht mehr bei Neckermann? Muss ich sie gleich mal fragen. Der Mitsubishi Space Wagon 1800 GLX meiner Jugend tuckert im Hintergrund vor sich hin. Der erste Hochdachkombi der Welt, Renault hat das mit dem Espace damals einfach nur kopiert. 90 PS und kein Kat, herrlich. Sieben Leute passten schon rein, jedenfalls wenn die hinten auf die Beine verzichteten beim Einsteigen.

Wenn uns auch die Leute von der Linkspartei, die damals noch alle bei den Grenztruppen der DDR gearbeitet haben, komisch anschauten, mein Benehmen ließ immer zu wünschen übrig. So beschwerte ich mich einst in einem internationalen Buchladen am Alex in Ostberlin, dass im Buch über Italien keine Autobahngebühren aufgeführt waren*. Mein Reisebegleiter ging ängstlich hinter Buchregalen in Deckung und Ostzonale rissen erstaunt die Münder auf. Da war der erste Riss im System, kein Zweifel.

In einem unheiligen Wiedervereinigungsritual parkte ich meinen Mitsubishi Space Wagon (na ja gut, er gehörte meinem Vater) erst vor dem westberliner Reichstag....

 .... und dann vor dem ostberliner "Palast der Republik". Damals hätten mich ein paar DDRler noch fast verprügelt dafür. Sicher ahnten sie, dass ich ihrem System schon bald den Todesstoß verpassen würde.

Flugs vollzog ich den Rest des Rituals.... Nein, nicht das hier, sondern....

... ich erklärte nach Genuss einer Bockwurst mit GLÜHWEIN mitten im Hochsommer auf dem Alex in Ostberlin lauthals, dass ein System, das so idiotisch ist, diese Kombination zu servieren, unmöglich überleben kann und sagte die Worte: "Noch drei Jahre... und SCHWUPPS ist sie weg, die DDR!" Eine Art Vorahnung hatte mich damals befallen. Wie konnte ein System überleben, das mitten in Preussen im Hochsommer Bochwurst mit Glühwein servierte?

Einmal ausgesprochen, löste sich die DDR dann binnen eines Jahres in Luft auf, war meine Schuld, kann es heute auch nicht mehr ändern.

P.S.: Fotoausrüstung damals: manuell zu fokussierende SLR-Kameras Minolta XD-7 und XG-2, 1:1,7/50mm Normalobjektiv und 1:2,8/28mm Weitwinkel und ein gruseliges Soligor-Zoom 75-250mm, groß wie ein Ofenrohr. Aber die Fotos waren besser mit dem alten Zeug als mit diesem modernen AF-Digitalgedöns, das man heute hat. Heute schlafen sie im Schrank, die alten Kameras.

* Für junge Leserinnen und Leser: Man konnte ja damals als DDR-Bürger nur schwerlich bis gar nicht in westliche Ausland reisen, gell.