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Mittwoch, Oktober 22, 2014

Megaputzfrau

Die neue Putzfrau bei Ludigel

Viele Leute haben ja Dienstmädchen hier in Taiwan, die oft aus den Philippinen kommen und bei ihren taiwanischen "Dienstherren" leben. Ich habe das selbst erlebt, als ich 2004 nach Taipei kam hatte Schwiegermutter ein Dienstmädchen, das über 15 Stunden am Tag gearbeitet hat und besonders wenig Geld erhielt. Per mittlerweile geändertem Gesetz erhielt damals der taiwanische Staat 60% von dem Gehalt, das die Familie meiner Frau für sie monatlich bezahlen musste. Oder jedenfalls bekamen Staat und Vermittler mehr als die Putzfrau.

Der Job der Frau war blanker Horror, den schwerkranken Vater der Familie pflegen und in dem stark nach Krankheit riechenden kleinen Zimmer nachts auf dem Boden schlafen mit dünnem Laken und alle 30 Minuten vom Wecker geweckt werden, um dem alten Herrn die Atemwege frei zu saugen. Die Hölle auf Erden.

Ihre Ablösung hielt es nur wenige Wochen aus, mir ist so eine wirre Szene im Gedächtnis, bei der meine Schwiegermutter mit dem Finger auf imaginäre Flecken auf der Tischplatte zeigt, wütend Luft aus den Nasenflügen ablässt und die arme junge Philippina dann genau dort wischen muss - unter großem Wehklagen. "Cola wollte sie jeden Tag haben" im reichen Taiwan laut meiner Frau, bekam aber nur forsche Kommandos und abgekochtes Wasser und wenig Geld, das konnte nicht gut gehen.  

Auch meine Frau überlegte die Tage, eine "Live-In"-Haushaltshilfe aus den Philippinen einzustellen, was mir jedoch Magengeschwüre verursacht. Wir kamen dann überein, erstmal unsere bisherige taiwanische Putzfrau auszutauschen, die immer weniger putzt und immer mehr Geld verlangt.

Es kam also eine angeworbene junge Frau aus den Philippinen, die offenbar ihren freien Sonntag nutzt, um gegen Bezahlung bei uns die Wohnung zu putzen. Die Endzwanziger-Frau spricht perfekt Englisch und ist so charmant, dass ich es nach langer Zeit genossen habe, mal wieder ein längeres Gespräch zu führen, das nicht dem Schema der Taiwani-Ausländer-Kommunikation folgt, das mir nun über 10 Jahre lang immer wieder gleiche Gespräche beschert hat.

"Where are you from Do you like Taiwan Where do you live Are you Englisch teacher Do you like our food Yes You Do And our beautiful temples and the food. All foreigner like the food and the temples. Hihihi And the beautiful women and the friendly people. Only traffic not so good. Good bye Can you teach my son English?"*

Hier hingegen eine richtige Kommunikation, es schien ein wesentlich größerer kultureller gemeinsamer Zeichenvorrat zwischen mir und ihr vorzuliegen als es bei Taiwanern der Fall ist.

Die junge Frau wäre auch bereit sich als Live-In-Maid anwerben zu lassen. Mit einer so charmanten jungen Frau und meiner eigenen auf engstem Raum zusammen zu leben, hat sicher etwas sehr verwirrendes an sich und findet Gott sei Dank nicht statt.

Ein Jammer übrigens, das Phillipiner nicht als Englischlehrer in Taiwan arbeiten dürfen, trotz i.d.R. sehr guter Englischkenntnisse. Taiwaner sehen philippinische Bürger nur als niedere Arbeitskräfte - leider.


* Bessere Kommunikation ginge sicher auf Mandarin, ich weiß ich weiß.

Kommentare:

Martin hat gesagt…

Hi Ludigel,
hmmm, da frage ich mich ob die PH-Kultur der europäischen evtl. viel näher ist als der chinesischen? (Ich war noch nie auf den PH) Das würde bedeuten, dass es Dir in manchen Dingen einfacher fällt in PH zu leben, und dass Deine Frau nach einiger Zeit - wenn die ich-wandere-aus-Euphorie verflogen ist - einen deutlichen Kulturschock bekommt und gleich wieder heim will.

Wenn Du keine Philippina in Eurer TW-Wohnung willst, schon mal in Erwägung gezogen, beiläufig zu erwähnen, wie attraktiv junge Philippina oft sind?

Viele Grüße
Martin

"Ludigel" hat gesagt…

Hi Martin,

"Beiläufig erwähnen wie attraktiv": Hatte das zu direkt angesprochen. Beiläufig erwähnen ist sicher besser.

"Kultur näher": ich denke ja, sie sind relativ lateinamerikanisch, aber ohne das überbordene Temperament. Spanien und USA als Kolonialmächte haben ihren Stempel hinterlassen. Negativ: El Blanco wird oft als reiner Geldautomat mit 2 Beinen gesehen, was man aber wohl nur wirklich stark merken würde, wenn man sich auf die lokale Seniorita/Xiaojie-Fauna einlässt. Wegen Wohlstandsgefälle halt. Sonst haben sie natürlich Slums (die wir vermieden haben), wo einem das europäische Lebensgefühl abhanden käme. Mir kam es so vor wie in manchen SciFi-Streifen, wo sie Oberklasse- und Mittelklasse-Enklaven haben, die sich mit merkwürdig uniformierter Security von den armen Massen abschotten. Wie in "Elysium", nur ohne den HighTech. Es gibt ein paar B-Movies, die die Stimmung sehr genau treffen.

"Ludigel" hat gesagt…

...Ich habe in der Tat auch den Verdacht, dass meine Frau ihre Sachen packen würde nach ein paar Wochen und es wieder nach Taipei geht ;-) Sie ist ja schon mal nach Deutschland ausgewandert und war schneller zurück als der Papierkram fertig war...

Xinxi hat gesagt…

Du willst also ins Land der jungen charmanten, perfekt Englisch sprechenden und - angeblich - unglaublich lecker kochenden jungen Südostasiatinnen? Dir ist schon klar, dass du nach so einer Erfahrung nie wieder nach Deutschland zurückwandern kannst...

"Ludigel" hat gesagt…

Schwer, aber lecker kochend. Und viele sehen aus wie Latinas nur nicht so temperamentvoll. Ja ... seufz... das hat etwas.