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Dienstag, Juni 30, 2015

Update von Ludi Latlos (Republikflucht Teil 3)

Und immer ist noch nicht klar, ob ich in ein paar Wochen in einer kleinen Wohnung einstweilen solomio in Deutschland sitze und eine Softwareschmiede suche oder nicht...

Neulich schon geschildert: http://osttellerrand.blogspot.de/2015/06/endzeitstimmung-im-taiwanblog-wieder-mal.html. An dieser Stelle will ich den langjährigen Lesern halber noch einmal die Warnung absetzen: Meine Frau sitzt de facto auf gepackten Koffern und ich halte sie mühevoll von der Abreise ab in einem täglichen Kampf. Sie will zu ihrer Schwester auf die Philippinen und dort an der Geschäftsgründung mitarbeiten.

In der Zwischenzeit werde ich zurück nach Deutschland und dort wieder nach einer Softwareschmiede Ausschau halten. Und in diesem Fall würde dann das Taiwanblog abgeschaltet, damit kein Personalchef ein satirisches Expatblog unter meinem Namen findet und mich im Vorstellungsgespräch fragt, was ich mit X und Y gemeint habe hier. Die Social Network - Analyse gehört ja heute zum Vorspiel eines Vorstellungsgesprächs dazu und da hält man das ja eigentlich nur private Material am Besten in Grenzen.

Mir ist klar, dass die Abschaltungsdrohnung im Blog mittlerweile zu einem Running Gag geworden ist, aber jedenfalls räume ich dieser Tage meinen Cubical schon mal aus und mache alle Daten (Pix u.a.) schon mal versandfertig. Ob es nun zum Exodus kommt hängt letztlich von der Entwicklung in Manila ab.

Zwei Prognosen gibt es für den Zustand in einem Jahr und einem Monat. Ich nenne nur den meiner immer optimistischeren Frau:

Die Printshopkette in Manila floriert, ich ziehe hinterher und Familie Ludgel lebt fröhlich bis ans Ende aller Tage in Manila. Arbeitsruhestand, wo wir nur noch ein bisschen die Verkaufskioske kontrollieren müssen.

Und in dem "ein bisschen kontrollieren" liegt wohl auch ein Problemchen versteckt.

Na gucken wir in die Zukunft. Meine Junggesellenbude inklusiver fahrbarer und mit Fernsteuerung bewegbarer Bar ist schon geplant. Wer mich kennt weiß, dass das kein Witz ist ;-) Oder doch ein Witz, aber ein rollender.

Kurzfassung: Also nicht wundern, wenn das Blog demnächst plötzlich zu hat...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Ludigel,

Meine Name ist Subijanto. Es ist Schade das diese Blog möglicherweise abgeschaltet wird. Ich verfolge und genieße seit 2 Monaten dieses Expat-Blog über Taiwan.
Ich schreibe Dir aus Gründen, dass mein deutscher Firma in Herbst die Planung steht, mich und einen Kollege nach Taipei zu entsenden. Es könnte dazu kommen, dass unser Firma einen Embedded SW Entwickler in Taipei einstellen wird.

Es bietet daher als Alternative, dass Du in Taipei statt Deutschland nah an die Familie bleibst.

Momentan ist es in Verhandlungsphase. Also ist es noch nicht entschieden.
Wenn Du diese Möglichkeit vorstellen könntest, hinterlässt bitte Deine Mail-Adresse. Meine Mail-Adresse ist subijanto_tan@yahoo.com

Bitte schaltet diese Kommentare nicht frei, danke!

Beste Grüße,
Subijanto

Martin hat gesagt…

Hallo Ludigel,

tut mir leid wenn es Euch geographisch auseinanderreist.
Solltest Du in der Region Stuttgart mal übernachten wollen - Vorstellungsgespräch? - melde Dich einfach. Du bist herzlich willkommen. Ist zwar nicht dort wo Deine Eltern wohnen, aber vielleicht hat's hier interessante Jobs.

Viele Grüße
Martin

Jakob hat gesagt…

Warum musst du denn das Blog zumachen? Ich lese dich schon seit einigen Jahren, und finde es nicht fair deinen Lesern gegenüber, dass du immer mit dem Zumachen drohst. War schon heftig das letzte Mal wo du die Adresse geändert hast, da hatte ich schon einen sehr dicken Hals, und hatte fast schon einen unangenehmen Kommentar geschrieben. Heute aber kaonnte ich nicht mehr still sein.

"Ludigel" hat gesagt…

Hi Jakob,

ich denke das ist eben das Problem, wenn man nicht hauptberuflich publiziert und sich dann Privatleben und Blog in die Quere kommen. Damals als Frau und ich kurz das Restaurant hatten, hatte meine Recherche ergeben, dass ausl. Wirte hier manchmal derbe in Social Networks angegriffen werden. Erst jüngst hatten wir ein Beispiel, wo ein Pizzabäcker aus Taichung glaube ich von wütenden Kundinnen gefilmt wurde, die ihn als dreckigen Ausländer, der nach Taiwan kommen muss um Geld zu verdienen tituliert haben. Gefilmt und in Facebook gestellt. Diesmal wurden die Damen allerdings von ihren Mitbürgern auf den Pott gesetzt. Aber wenn das TV eingeschaltet wird bei sowas geht das meist in die andere Richtung, wie damals ein Fall oben an der Küste in Taipei. Was wäre gewesen, wenn der Wirt dann auch noch ein teilw. satirisches Blog gehabt hätte? Oder eben auch mal Dampf ablässt im Blog.
Also wollte ich nicht mehr, dass Google ständig meinen Klarnamen und mein Bild und das Blog so direkt in Zusammenhang bringt und habe daher erst die Abschaltung erwogen und dann als Kompromiss die URL geändert.

Wellen von dauerhaftem negativen Feedback von mir persönlich bekannten Leuten haben ebenfalls zwischenzeitlich zur Abschaltung geführt, damit sich Blog und Privates nicht so vermischen. Offenbar kann mein Blog manchmal die Leute aufregen.

Wenn meine Frau nun wirklich abdampft und es hier für uns zu Ende geht einstweilen und ich in Deutschland eine Stelle suche, möchte ich Situationen vermeiden wie:

"Herr Ludigel, Sie haben sich da aber schlecht integriert in Taiwan. Sie schimpfen auf Verkehr und das Essen. Meinen Sie, dass sie sich da in unserer Firma integrieren können?" oder ähnliches. Ist alles schon vorgekommen, wenn man Netzerfahrungen zu Vorstellungsgesprächen ergoogelt. Fragt dann einer, der immer nur Urlaub in Dänemark macht.

Alles suboptimal, ich weiß. Aber das Blog hat noch nie auch nur einen Cent eingebracht, trotz Werbespielereien aus Spieltrieb. Das ist fein, aber da muss es evtl. manchmal in den Hintergrund treten. Auch wenn die ständigen Abschaltungsankündigungen eben ein "running Gag" geworden sind.

Anonym hat gesagt…

Hallo Ludigel,
das mit der Blogabschaltung ist wirklich schade.
Aber das mit den Vorurteilen von provinzellen Personalern kann ich nur bestätigen.

Ist den Manila so ungeeignet für Dich um dort einen Neustart in der IT zu versuchen?
Ich denke das man in der IT Branche in ganz Asien Geld verdienen kann.
Denn dort wird doch überwiegend Englisch gesprochen und das Klima ist auch angenehmer als In good old Germay :-)
Und als Exit Strategie kann man sich doch auch ein Zeitlimit setzten.
Wenn es bis dahin finanziell und beruflich nicht klappt, das man dann immer noch zurück nach Deutschland gehen kann.

Und wegen der Miete muss Du Dir doch nicht den Kopf zerbrechen.
Bzw. die Lebenshaltungskosten in den Philis sind doch eigendlich überschaubar und günstiger als in Deutschland. Zumindest grob kalkulierbar.
Wie immer Du Dich entscheidest, ich wünsche Euch beruflich und privat viel Erfolg.

Viele Grüße
aus good old Germany
Max

"Ludigel" hat gesagt…

Hi Max,

Die Jobsuchmaschinen spucken bei Manila 300-500 Euro - Jobs aus umgerechnet. Die Philippinen haben sehr viele recht gut ausgebildete Einheimische, die für wenig Geld arbeiten wollen. Expatjobs sollen rar sein und da kommt eher der IT-Leiter aus der deutschen Firma als dass sie einen Außenstehenden anheuern. Werde jedoch noch mal gucken.
Ob Frau es jetzt wirklich macht? Sie redet von nichts anderem und Schwesterherz und sie schaukeln sich gegenseitig hoch, was es dort durch die Printshopkioske zu verdienen gäbe.

Martin hat gesagt…

Länder mit tollen niedrigen Lebenshaltungskosten haben tolle niedrige Lebenshaltungskosten, weil das Gros der Leute tolle niedrige Löhne bekommt. Das ist prima wenn man sein im Hochlohnland verdientes Geld verurlaubt oder wenn man in ein Land mit enormer Lohnspreizung auswandert (z.B. Brasilien) Man muss dann etwas Wertvolles/Hochprofitables anbieten, das 99 % der Leute dort nicht einfach nachmachen können - aus welchen Gründen auch immer. Man bedenke, dass man vom dortigen Lohn auch mal einen Heimflug finanzieren möchte, evtl. mal europäische Produkte konsumieren möchte, höhere Ansprüche ans Gesundheitssystem finanziert sein wollen...

Schon so mancher hat sich überlegt, wie er in Thailand, auf den Philippinen, etc. mit wenig Arbeit angemessen verdient (aus Sicht der Einheimischen sich also eine goldene Nase verdient) um dann Land und Leute zu genießen. Meistens ist da nix zu finden, artet es in Arbeit aus (und die Einheimischen sind überraschend lernfähig)

Muss gerade an einen deutschen Bäcker in Pokhara (Nepal) denken, der auf die Idee kam, einen seiner nepalesischen Mitarbeiter eine Bäckerausbildung zu Teil werden zu lassen. Bald gab es einen nepalischen Konkurrenzbäcker mit deutschen Backwaren 500 m weiter unten an der Straße. Der hat stolz einen deutschen Zeitungsausschnitt im Laden hängen, worin sein ex-Chef (von 500 m oben an der Straße) der Zeitung erklärt, wie wichtig es ihm ist, dass die Nepalis gut ausgebildet werden.

Viele Grüße
Martin

Martin hat gesagt…

Übrigens, dass ein "asiatischer" Entwickler so günstig ist hatte sich auch in Europa herumgesprochen, weshalb man gerne "Offshore" entwickeln lässt. Wären die kulturellen/rechtlichen Unterschiede nicht, wäre längst ein größerer Teil des europäischen Volumens abgewandert. Nicht zuletzt aufgrund dieser Differenzen versuchen Firmen inzwischen, in europäischen Billiglohnländern entwickeln zu lassen - teurer als in Asien, aber man versteht sich erheblich besser. ("Nearshore")

Mit asiatischer Entwicklungsleistung in Zukunft gut verdienen würde bedeuten, eine Ladung guter asiatische Entwickler einzustellen und dann Europäern die Entwicklungsleistung anzubieten. Natürlich etwas teurer als die asiatische Konkurrenz, bei der schon viele Europäer schlechte Erfahrungen gesammelt haben, aber dafür nach europäischen Standards.

Wenn Du in DE wieder Fuß fassen willst, könntest Du dich hier umsehen, ein Personaler diskutiert Fälle aus der Praxis. Ist zwar eigentlich für Ingenieure, aber vieles ist allgemein: http://www.ingenieur.de/Arbeit-Beruf/Heiko-Mell/Berufswegplanung/1700-Zurueck-Deutschland

Viele Grüße
Martin

"Ludigel" hat gesagt…

Martin,

danke für den Link. Ich hatte auch schon gehört, dass Auslandserfahrung auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland eher negativ gesehen wird. Der Link bestätigt es, jedenfalls wenn diese über 2 Jahre währt. Hmmm... ich denke dann bewerbe ich mich gleich europäisch.
Was Frau und Schwester da anbieten wollen ist ein Inlandsprodukt, das andere auch können. Schwager hat nur einige Fähigkeiten in seiner chin. Arbeitsamkeit gesammelt, nach Wunsch des Kunden zu fertigen etc. pp. Der Durchschnittsphilippino würde sich schlichtweg nicht die Arbeit machen. Er erzählte auch, die Wirtschaft würde fast ganz von den Sino-Philippinos kontrolliert. Die Familie hatte schon mal ein kleines Imperium von diesen Printbuden im Lande und jetzt wollen sie es wohl zurück. Eingegangen ist es wegen zuviel-Essen-und-Trinken-und-an-Diabetes-sterben anstatt die Buden zu kontrollieren. Was die Schuld der Nicht-Sino-Frau (100% Philippina) des damaligen Chefs (Bruder von Schwager) sei, sagt die Manilafamilie. Wie praktisch, dass die Schuld gleich so in die DNA hinein kodiert ist.