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Dienstag, Oktober 28, 2008

Neue Weltanschauung gesucht!

English: This article about politics is presently only in German. As good as all other posts are in English or bilingual, please refer to them. Click HERE to get an overview of this blog in categories in English.


Suchen... einer neuen Weltanschauung...

Deutsch:
"Herr Ober, eine neue Weltanschauung bitte, die alte ist fad geworden", möchte man dieser Tage ausrufen. Man wird in weltanschauliche Verwirrung gestürzt und ist dennoch froh, dass das überhaupt möglich ist. Denn wenn ich mir meine Mittaiwanesen hier angucke, die arbeiten und vibrieren wie vorher und haben noch garnicht gemerkt, dass sich am Ende irgendetwas verändert hat. Mammon ist hier der oberste Gott, ein taiwanesischer Großkapitalist, der sein drittel Leben lang (ein halbes hat er aus teschnischen Gründen nicht geschafft) die Insel mit giftigen Dioxindämpfen eingenebelt hat, ist gerade gestorben. Die Insel war in Tränen aufgelöst, das TV zeigte, wie sein Sarg hin und hergefahren wird. Alle weinen um den Gottvater des Business, um die Dixointoten weint niemand, seine Firma Formosa Plastic oder wie immer sie hieß hatte mit dazu beigetragen, dass in Taipei-NeiHu bisweilen Dioxinwerte waren, die tausendfach über gängigen amerikanischen Grenzwerten lagen.
Ein Kollege kam gerade aus Dubai zurück und sagte, da kostet ein O-Saft 75 US-Dollar. Nun kann man hier den Gedanken bekommen, wenn man zum Saft noch die globale Finanzkrise mit ihrer globalen Wertevernichtung hinzunimmt, "sind denn alle völlig verrückt geworden". Doch dieser Tage tarnen sich die Narren, Guido Westerwelle gibt sich kapitalismuskritisch und auch die größen Verehrer des Manchesterkapitalismus wollen sozialismus-like verstaatlichen. Scherzhaft hatte ich schon gleich nach dem Crash die Einführung des Sozialismus durch Bush bekanntgegeben (LINK), da geht er auch schon bei und verstaatlicht Banken - enorm.


Denn mit der richtigen Ideologie ist man gut drauf... Hier Anhänger der Blautaschismus


Was also soll ich jetzt werden, überzeugter Sozialdemokrat mit dem Sozialstaat als heilige Kuh war ich mal, dann bin ich mit Maxine Merkel und der CDU zum Neoliberalen geworden und habe mich selbst nach Taiwan ausgesourced - doch was mache ich jetzt. Nachdem sie den Sozialstaat erfolgreich abgebaut haben, sind jetzt die Neoliberalen plötzlich diese Woche alle Sozialstaatler. Soll man da wirklich mitfahren in Guidos Spaßmobil, diesmal ein bisschen nach links steuernd?

Ich habe es mir anders überlegt und habe heute meiner Frau gesagt:
"Du, ich bin jetzt Kommunist." Außerdem hatte sie einen roten Pullover an.
"Warum?", fragt sie da.
"Weil man immer dem Geld herjagt, dann alles wieder verpufft und dann jagd man von vorn, bis es wieder verpufft. Das ist mir zu blöd", entgegnete ich.

Da hat sie mir eine runtergehauen! Ich merke, dass mit dem Kommunistsein geht garnicht so einfach. Alle denken gleich an Gulags, ZK der SED und blöde Jungpioniere. Die kann ich auch nicht leiden. Wie wäre es aber mit einem neuen, gerechteren Verteilungssystem, das allen genug lässt. Ganz ohne linksradikale Rethorik. Es geht nur um einen besseren Verteilungsschlüssel, ganz sachlich und ganz ohne Revolutionsromantik. Wird es sowas bald geben, oder fängt es schon an, dieser Tage, ein "Neomarxismus"?

Schaust, möchte ich meiner Frau erklären, "Wenn ich dir 10 Mäuse zur Pflege gebe und du mir nach zwei Wochen einen Käfig zurückgibst, in dem 2 vollgefressen sind, 2 ganz gut zurecht kommen und 4 fast totgehungert sind und 2 schon tot sind, das ist doch doof oder?" Würde sie mir vermutlich zustimmen. "Und das ist dann Kapitalismus!", möchte ich hinzufügen.

Wäre es nicht viel besser, wenn am Ende alle 10 Mäuse gut genährt sind und von mir aus vier sich noch einige Bäuchlein angefressen haben? "Aber Menschen sind doch keine Mäuse", würde der Neoliberale jetzt sagen.

Richtig. Aber wenn Menschen in dem Käfig wären, wäre es dann besser gelaufen? 2 fett, 2 OK, 4 am Verhungern und 2 tot?

Eines Tages kommt er wohl mal, der Neomarxismus. Aber noch nicht. Diesmal fressen nur die stärksten Unternehmen die schwächeren und können dann anschließend das Volksvermögen noch viel besser verpuffen lassen, beim nächsten Mal. Aber irgendwann mal, da haben sie es zu bunt getrieben und es gibt einen Mäuseaufstand.

Bis dahin wünsche ich Ihnen fröhliches Laufen durch das Labyrinth,

Ludigel

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