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Donnerstag, Juli 24, 2008

Stottersaga, das Ende


Nichts über Taiwan diesmal, sondern die Stottersaga spielt in Paderborn, das darauf besteht in NRW zu liegen (danke für die Korrektur!) , Deutschland. Seit über einem Jahr bin ich den Schluss der Serie schuldig, doch weil gerade jemand den dritten gelesen hat, kommt jetzt endlich der Schluss.

Sorry, this is German only. Please refer to my other articles to have English text. Thanks.

Im fünften und letzten Teil meiner persönlichen Erfahrungen mit der Greifenhofer-Stottertherapie (im Jahre 1999) kommt jetzt das große Geheimnis und wie es mir geholfen hat.

Teil IV
Teil III
Teil II
Teil I

Die Therapie selbst, die man bei der in Stottererforen durchaus umstrittenen Greifenhofer-Therapie erlernte, nannte sich ALT, soll ursprünglich aus den USA kommen und wird vermutlich auch heute noch dort gelehrt. Wer sie macht und sich in die einschlägigen Foren begibt, hat dort keinen leichten Stand, das sei hier verraten.


Mit Greifenhofer dem Stottermännchen eins überziehen


Man lernt nun im Wesentlichen eine Atemtechnik gepaart mit einem Ablenkungstrick und Selbsthypnose. Letztere könnte man auch undramatischer als Autosuggestion bezeichnen. Um es kurz zu machen, das Ganze war bei mir höchst erfolgreich, bei anderen Kursteilnehmern auch, auch wenn ich bei denen nichts über den Langzeiterfolg sagen kann, weil wir uns aus den Augen verloren haben. Ein ehemaliger Kursgenosse sagte mir allerdings, er habe die Übungen bei der Bundeswehr, zu der er nach dem Kurs eingezogen worden ist, nicht weitermachen können und dementsprechend sei der Heileffekt wieder verschwunden, weil die Greifenhofertherapie eben mit regelmäßigen Übungen verbunden ist. Ein weiterer Teilnehmer sagte mir wohl ein halbes Jahr oder länger nach dem Kurs, der Effekt sei "solala" bei ihm. Nun, auch ich hatte schwierige Phasen, eine sogar, in der ich die Therapie verflucht habe, wegen dem "Sprung ins kalte Wasser" abseits der klinischen Situation des Kurses, sprich: der Alltag machte bei mir am Ende des Kurses fast den Heilerfolg wieder zunichte. Doch mit Hilfe durch meine Eltern damals ließ sich der Heilerfolg zurückholen. Wie es mir nun heute ergeht, kommt am Ende der Geschichte.

SPOILER ALERT, Hier kommt das Geheimnis, das man nicht wissen sollte, wenn man selbst die Therapie macht!

I
ch weiß nicht, ob man weiterlesen sollte, wenn man selbt noch die Therapie machen will, denn alles schon vorher zu wissen verdirbt vielleicht den Überraschungseffekt. Wer zu Greifenhofer will, liest wohl besser erst am Ende des SPOILER ALERTS weiter.


...

OK, dann zur Sache. Die Therapie besteht zum einen aus der Devise, beim Sprechen immer Blickkontakt in die Augen des anderen zu haben. Denn Stotterer neigen dazu, bei den Sprechkrämpfen diesen abzubrechen. Den Blickkontakt zu halten, fördert die Konzentration und verhindert "abschweifen in eingefahrene FALSCHE Sprechmuster", aber das ist natürlich nur eine Sache. Wichtig ist, VOR dem Sprechen Luft zu holen, sprich tief einzuatmen, "bis der Bauch richtig voll mit Luft ist und heraussteht. Denn zum Sprechen braucht man Luft! Stotterer verkrampfen sich und holen keine Luft, ohne Luft geht ihnen dann sprichwörtlich die Puste aus. NACH dem Luftholen folgt das Öffnen des Mundes (beim Luftholen ist er geschlossen) und das Sprechen, während langsam die Atemluft entweicht. Dann ein Päuschen, wieder einatmen, den Blickkontakt halten und wieder von vorne los. Ach ja, beim gefürchteten Vorlesen ersetzen die Buchstaben die Augen des Gesprächpartners, also beim Vorlesen den Blick fest auf die Buchstaben halten und nicht Wegschweifen.
Das Wichtigste fehlt noch! Zur Ablenkung von der Stotterangst und zur Förderung einer entspannten unverkrampften Atmung stellt man sich beim Atmen und Sprechen BILDLICH vor, wie der eigene Bauch (zu diesem Zweck ihn bitte dabei eine Weile vorm Spiegel ansehen!) sich beim Einaaaaatmen mit Luft füllt, immer größer wird und dann letztendlich beim Sprechen immer flacher wird. So denkt man eben nicht "oh Gott ich stottere gleich" sondern taucht in einen gedanklich ruhigen langen Fluss von Eiiiiiiin und Auuuuuuuuusatmen ein.
Alles Unsinn? Kann garnicht funktionieren? Erstmal bedarf es Übung, Übung, Übung, so dass man die Tage in Paderborn bei den Greifenhofers am Besten mit freiwilliger harter Arbeit statt fernsehen verbringt und andererseits fehlt noch die Hauptsache!

Oder hätte ich lieber weiterstottern sollen? Nach der Stottertherapie wurde ich viel enthemmter und bin nach Asien gezogen :-) Foto: Ludigel


Das Zentrale bei der Therapie ist die sog. Selbsthypnose. Sie erhalten eine CD und werden aufgefordert, sich täglich diese in einem entspannten Ruhezustand (15 Uhr, 19 Uhr, 22 Uhr sind biologische Absackerzeiten, man hört aber nur EINMAL täglich!) ganz entspannt und bewegungslos auf dem Rücken liegend anzuhören. Befolgen sie die klassischen Entspannungsübungen im Geiste, die der Therapeut vorspricht ("meine Arme sind jetzt ganz schwer"). Es ist kein Unsinn, sondern einfach Selbstsuggestion, sie reden sich täglich wieder und wieder ein, was für eine enstpannende und unverkrampfte Sache doch IHR SPRECHEN ist. Ohen die CD geht es nicht. Anfangs nach der Therapie muss man sie täglich hören, bis zu 2 Jahre lang oder länger. Zu viel Arbeit? Ja, dann haben Sie schon verloren, denn das Stottern zu bekämpfen ist harte Arbeit.

Ein recht wichtiger Nebentrick ist noch, sich vor dem Sprechen zu Überlegen, was man sagen will. Denn Stotterer planen ihre Stotterphasen unbewusst in den Sprechrythmus mit ein und überlegen während des Stststststotterns wie es denn nun weitergeht. Macht man das, kommt man wie ein Normalsprechender ins Stottern, "äh ... äh .... ich meine", nur eben viel schlimmer, weil man ja sozusagen Profi in Sachen Stottern ist; leider.

ENDE DES SPOILERS



Ohne Übung kehrt das Stottermonster zurück! (Foto: Ludigel)


Die Therapie führt zu dem Wunder, dass sie wahrscheinlich als Stotterer am Ende der Therapie fast symptomfrei entlassen werden. Jetzt freu! Ich bin geheilt! Sie vernachlässigen die Therapie, machen auch die Atemübungen nicht mehr und dann PENG! Nach und nach kommt das Stottern zurück, denn das tägliche Leben ist so ganz anders als die schöne Zeit in Paderborn. Bei mir wurde das Stottern schlimmer! Es kam zurück wie ein wütender Stier, das Stottermännchen war zum grünen Stotterhulk mutiert und wollte mir an den Kragen!
Was hilft ist einzig, Freundin, Frau oder Eltern dazu zu bringen, einen immer wieder an die Einhaltung der Technik zu erinnern, also ...



SPOILERWARNUNG

...Blickkontakt, Bauch vorstellen und bei geschlossenem Mund durch die Nase einatmen etc. Abends Atemübungen machen, Luft bei geschlossenem Mund einatmen und einen Brummton o.ä. zum Herauslassen verwenden.

SPOILER ENDE



Und die verdammt CD hören statt Proleten-TV zu gucken, und zwar jeden Abend des ganzen gottverdammten Jahres und noch die paar Jahre danach!
So wurde ich schließlich wieder Stotterfrei und danke Gott, den Greifenhofern und dem jetzt harmlos kleine Grünen Stottermännchen für dieses WERKZEUG, das ich jetzt endlich gegen das Stottern habe.

Heute höre ich die CD nur noch selten und vernachlässige die Therapie oft. Trotzdem bin ich FAST stotterfrei. Wenn es mal wieder schlimmer wird, greife ich zur CD und die nächsten 3 Wochen bin ich dann wieder FAST symptomfrei.

Es liegt wohl heute nur noch an mir selbst. Und weil ich die Therapie hier so schön summiert habe, nehme ich mir gerade wieder vor, sie in Zukunft wieder konsequenter anzuwenden. Doch Vorsicht! Der innere Schweinehund ist der größte Freund des Stottermännchens.

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