Dieses Blog durchsuchen

Mittwoch, Mai 14, 2008

Komischer Typ

homepage teichert-online.de( ) , Formosablog(X), Techblog( )



ENGLISH:

This is unfortunately one of the few blog posts only in German. Very few are like that, reason is usually.... too many here i Taiwan can read English (grin).

GERMAN, Deutsch:

Ein neuer Kollege entpuppte sich als merkwürdig. Gab an, er sei Linuxspezialist, hatte aber nur die graphische Benutzeroberfläche bedient und konnte anfangs kein einziges Kommando (tippen). Brauchte entsprechend bei seiner ersten Aufgabe, ein Softwarepaket nach Anleitung zu installieren (und zu kompalieren) viele viele Anleitungen von mir. Ein schlechter Anfang, hätte er gleich gesagt, er sei Anfänger, hätte er so etwas nicht bekommen. Aber gut, dann hätten wir ihn auch nicht eingestellt. Dann beschwerte er sich, als er einfache Aufgaben wie alle anderen ausführen musste. Unter anderem fiel ihm auf, das er etwas mehr einfache Testarbeiten erledigen musste als andere im Team. Nun ja, er soll ja gerade noch lernen! Beschwerden und Genörgele in der Probezeit, das konnte kein gutes Ende nehmen. Meine Frau ist sein Chef, ich arbeite ja mit ihr in der selben Firma. Kritisierte, dass ich manchmal nicht teste, während er testen muss. Nun ja, ich bin halt unter anderem dafür zuständig, die Befähigung von jungen Spunden wie ihm zu testen. Nicht gedient, der Mann. Der Feldwebel robbt auch nicht immer selber durch den Schlamm. Kleiner Scherz am Rande.
Als ich ihm dann etwas am Rechner erklären wollte, wunderte ich mich, das er laufend Sprüche von sich gab, als gäbe er MIR Anweisungen. Sinnentleertes Zeug, unsinnig, falsch. Klarer Fall, er schauspielerte, damit Kollegen nicht merkten, das ER nichts wusste.
Ein klassischer Vortäuscher. Gekündigt wird er nicht, in Taiwan kündigt man nicht so schnell, weil derjenige sonst sein Gesicht verliert. Aber man gibt stattdessen zu kurze Zeitrahmen für Aufgaben etc., damit derjenige sich unwohl fühlt uns selber geht. Komischer Stil, denkt sich der Deutsche, aber halt eine asiatische Lösung.
Jetzt hat er gekündigt, aber gestern Abend ein schwarzes Notizbuch auf seinen Schreibtisch gelegt (der neben dem meiner Frau steht), auf dem ein Zettel mit großer Schrift prangte:
TODESNACHRICHT (auf Englisch). Soll das eine Drohung sein?
Personalabteilung sagte, er habe beim Gespräch einen "merkwürdigen Eindruck" gemacht.

Junge, mit dem Amoklauf in meinem Büro wird das aber nichts werden, wenn dir einer meiner Blade-Server an den Kopf fliegt :-)

EDIT: Die Verabschiedung des Kollegen war komisch. Kaum hatten wir ihn am Fahrstuhl verabschiedet, kreuzte er wieder auf. Meine Frau hatte mich noch als "Wache" abgestellt und tatsächlich kam er wieder zurück. Wir sind ein Hardwarehersteller und ein grantig gegangener Kollege könnte da ja auf Ideen kommen. Leider müssen wir verschwundene Arbeitsgeräte aus eigener Tasche bezahlen, das kann schnell teuer werden. Ups, wo ist das Notebook? Eigentlich wird die Arbeit da eh zum untragbaren Risiko, wenn man teure Geräte für 10 000 Euro oder so rumstehen hat. Arbeitnehmerrechte sind halt in den Kinderschuhen in Taiwan.
Jedenfalls stand er also in der Türe und guckte überrascht, als ich da mit hochgezogener Augenbraue saß. Er wollte wieder rein, weil er etwas vergessen habe, sagte er. Wieder an seinem Arbeitsplatz zurück wollte er aber nur noch mal telefonieren. Meine Frau hat ihn anschließend rauskomplementiert, ein Schluck Wasser wäre sicher das nächste gewesen, um seine Bewacher loszuwerden. Als wir ihn dann unten am Eingang zu unserem Fabrikgebäude verabschiedet haben, verschwand er im bereich des anderen Gebäudes, durch das Tor ist er wohl nicht geschritten. Wir haben Security informiert, das ein Exkollege wohl als Wiedergänger durchs Haus schleicht und es dann dabei belassen. Emil und die Detektive sind wir ja nun nicht.
In der Zukunft empfiehlt sich, grantige Exkollegen am Tore winkend mit Tränen in den Augen zu verabschieden. Junge, komm bald wieder, aber lass den MP3-Player hier...

1 Kommentar:

Dennis hat gesagt…

Hm, schaut in den nächsten Tagen beim Verlassen der Firma besser zweimal über die Schulter. Diesen komischen Typen in Taiwan ist so ziemlich alles zuzutrauen.

Gruß aus Taipei und Schande über mich, dass ich schon so lange nicht mehr deinen Blog gelesen habe.

Hab ihn übrigens beim googlen nach "Taiwan Presidential Election 2004" wiedergefunden, weil ich schnell wissen musste, wann die vorletzte Wahl gewesen ist.